{"status":"available","doknr":"BVERFG-rk19990322_1bvr184591","ecli":"ECLI:DE:BVerfG:1999:rk19990322.1bvr184591","court":"BVerfG","senate":"Kammer des Ersten Senats","decided":"1999-03-22","aktenzeichen":"1 BvR 1845/91","doktyp":"Beschluss","leitsatz":null,"text_plain":"Bundesverfassungsgericht\n- 1 BVR 1845/91 -\n\n                                 In dem Verfahren\n                                       über\n                           die Verfassungsbeschwerde\ndes Herrn M...\n\n- Bevollmächtigte: Rechtsanwälte Franz Korzus und Partner,\n                   Hemmstraße 161, Bremen -\ngegen a) den Beschluß des Verwaltungsgerichtshofs Baden-Württemberg vom 25. Oktober 1991 - 1 S 2515/91 -,\n\n      b) das Urteil des Verwaltungsgerichts Stuttgart\n         vom 8. Mai 1991 - 16 K 205/91 -,\n\n       c) den Widerspruchsbescheid des Landratsamts Ostalbkreis vom 4. Dezember 1990\n          - VII/70A-100.70-Li/Br -,\n\n      d) den Kostenbescheid der Polizeidirektion Aalen vom 7. September 1989\n         - 0314/111 02-0/506 306/PD AA-1436 -\n\nhat die 1. Kammer des Ersten Senats des Bundesverfassungsgerichts durch den\n                                  Vizepräsidenten Papier\n                                  und die Richter Grimm,\n                                  Hömig\n\ngemäß § 93 b in Verbindung mit § 93 a BVerfGG in der Fassung der Bekanntmachung vom 11. August 1993 (BGBl I S. 1473)\nam 22. März 1999 einstimmig beschlossen:\n\n    Die Verfassungsbeschwerde wird nicht zur Entscheidung angenommen.\n\n                                      Gründe:\n Die Voraussetzungen für die Annahme der Verfassungsbeschwerde (§ 93 a Abs. 2           1\nBVerfGG) liegen nicht vor.\n\n Der Beschwerdeführer hat keine Fragen von grundsätzlicher verfassungsrechtlicher       2\nBedeutung aufgezeigt. Die für die Gebührenpflichtigkeit vorgreiflichen Fragen, ob\nSitzblockaden vom Grundrechtsschutz des Art. 8 Abs. 1 GG erfaßt werden, welchen\nverfassungsrechtlichen Anforderungen versammlungsbeschränkende Anordnungen\nunterliegen und ob Versammlungsteilnehmer verpflichtet sind, solche Anordnungen\nzu befolgen, sind vom Bundesverfassungsgericht, zum Teil allerdings erst nach Erhebung der Verfassungsbeschwerde, geklärt (BVerfGE 69, 315 <349, 352 ff.>; 73, 206\n<248 ff.>; 85, 69; 87, 399 <409>; 92, 1). Weiteren Klärungsbedarf schafft die Verfas-\n\n\n                                         1/3\n\nsungsbeschwerde nicht. Die die Kostenersatzregelungen betreffenden Rügen sind\nnicht in zulässiger Weise erhoben worden. Die Verfassungsbeschwerde genügt insoweit nicht den Begründungsanforderungen (§§ 23 Abs. 1 Satz 2, 92 BVerfGG).\nDer Beschwerdeführer setzt sich nicht mit den tragenden Erwägungen der grundlegenden Entscheidung des Verwaltungsgerichtshofs Baden-Württemberg (ESVGH\n36, 217 <219>) auseinander, die einen Verstoß gegen Art. 3 Abs. 1 GG unter dem\nGesichtspunkt der Ungleichbehandlung zu strafgerichtlich Verurteilten verneint hat\nund auf die im Ausgangsverfahren ausdrücklich Bezug genommen worden ist. In bezug auf Art. 4 GG fehlt es an Darlegungen, inwiefern dieses Grundrecht einen über\nArt. 8 GG hinausgehenden Schutz vermitteln soll, wenn die Demonstration aus Gewissensgründen erfolgt ist.\n\n Die Annahme der Verfassungsbeschwerde ist auch nicht zur Durchsetzung der als         3\nverletzt bezeichneten Verfassungsrechte angezeigt. Allerdings steht die Auffassung\nder Gerichte, die Ausübung von Zwang gegen Dritte mittels einer Blockade gehe\nstets über das Grundrecht der Versammlungsfreiheit hinaus, nicht in Einklang mit der\nRechtsprechung des Bundesverfassungsgerichts, wonach Sitzblockaden nicht bereits wegen gezielter und beabsichtigter Behinderungen Dritter aus dem Schutzbereich von Art. 8 Abs. 1 GG herausfallen (BVerfGE 73, 206 <248>; 87, 399 <406>).\nHierauf beruhen die angegriffenen Entscheidungen jedoch nicht. Denn die Befugnis\nzum polizeilichen Einschreiten ist selbständig aus der Behinderung der Fahrzeuginsassen und der Gefahr, daß blockierte Fahrzeuge durch einen Bedienungsfehler in\nvor den Fahrzeugen befindliche Personen hineinfahren konnten, abgeleitet worden.\nDas begegnet keinen verfassungsrechtlichen Bedenken. Auch unter dem Gesichtspunkt des abschreckenden Effekts der Gebührenerhebung bedarf die Verfassungsbeschwerde keiner Annahme, weil die Erhebung die Rechtmäßigkeit der Grundverfügung voraussetzt, was die angegriffenen Entscheidungen auch nicht in Frage stellen,\nund die erhobenen Kosten gering waren.\n\n Von einer weiteren Begründung wird abgesehen (§ 93 d Abs. 1 Satz 3 BVerfGG).          4\n\n Diese Entscheidung ist unanfechtbar.                                                  5\n\n               Papier                Grimm                  Hömig\n\n\n\n\n                                         2/3\n\nBundesverfassungsgericht, Beschluss der 1. Kammer des Ersten Senats vom\n22. März 1999 - 1 BvR 1845/91\n\nZitiervorschlag BVerfG, Beschluss der 1. Kammer des Ersten Senats vom\n                22. März 1999 - 1 BvR 1845/91 - Rn. (1 - 5), http://www.bverfg.de/e/\n                rk19990322_1bvr184591.html\n\nECLI             ECLI:DE:BVerfG:1999:rk19990322.1bvr184591\n\n\n\n\n                                        3/3\n","source":"ce-bverfg","source_url":"https://www.bundesverfassungsgericht.de/SharedDocs/Entscheidungen/DE/1999/03/rk19990322_1bvr184591.html","url":"https://recht.nulegal.eu/rechtsprechung/bverfg/1999-03-22/1-bvr-1845-91","cited_norms":[{"jurabk":"GG","ref":"Art 8","ref_norm":"8","n":3},{"jurabk":"BVerfGG","ref":"§ 93a","ref_norm":"93a","n":1},{"jurabk":"BVerfGG","ref":"§ 93d","ref_norm":"93d","n":1},{"jurabk":"BVerfGG","ref":"§ 92","ref_norm":"92","n":1},{"jurabk":"GG","ref":"Art 4","ref_norm":"4","n":1},{"jurabk":"BVerfGG","ref":"§ 23","ref_norm":"23","n":1},{"jurabk":"GG","ref":"Art 3","ref_norm":"3","n":1}],"authoritative_source":"https://www.bundesverfassungsgericht.de/SharedDocs/Entscheidungen/DE/1999/03/rk19990322_1bvr184591.html","attribution":{"source":"Bundesverfassungsgericht","source_url":"https://www.bundesverfassungsgericht.de/SharedDocs/Entscheidungen/DE/1999/03/rk19990322_1bvr184591.html","license":"Creative Commons Zero (CC0 1.0)","license_url":"https://creativecommons.org/publicdomain/zero/1.0/","notice":"Amtliche Entscheidung des Bundesverfassungsgerichts (§ 5 UrhG). Bereitgestellt über den Corpus der Entscheidungen des Bundesverfassungsgerichts (CE-BVerfG) von Seán Fobbe, https://doi.org/10.5281/zenodo.16932395, veröffentlicht unter Creative Commons Zero (CC0 1.0)."},"source_info":{"name":"nu:legal Deutsches Recht","operator":"Nulegal GmbH","terms":"https://recht.nulegal.eu/nutzungsbedingungen","url":"https://recht.nulegal.eu/rechtsprechung/bverfg/1999-03-22/1-bvr-1845-91","upstream":"https://www.bundesverfassungsgericht.de/SharedDocs/Entscheidungen/DE/1999/03/rk19990322_1bvr184591.html","retrieved":"2026-07-10 10:43:48.900605+00:00"}}