{"status":"available","ecli":"ECLI:DE:BVerfG:1998:rs19980817.2bvr120698","court":"BVerfG","senate":"Zweiter Senat","decided":"1998-08-17","aktenzeichen":"2 BvR 1206/98","doktyp":"Beschluss","leitsatz":null,"text_plain":"Bundesverfassungsgericht\n- 2 BVR 1206/98 -\n\n                                 In dem Verfahren\n                                       über\n                           die Verfassungsbeschwerde\ndes Herrn T...,\n\n-\ngegen den Beschluß des Oberlandesgerichts Celle vom 9. Juli 1998 - 21 UF 88/98\n      -\n\nhier: Widerspruch der Antragstellerin des Ausgangsverfahrens gegen die einstweilige Anordnung der 3. Kammer des Zweiten Senats des Bundesverfassungsgerichts vom 31. Juli 1998\n\nhat das Bundesverfassungsgericht - Zweiter Senat - unter Mitwirkung der Richterinnen und Richter\n                                  Präsidentin Limbach,\n                                  Graßhof,\n                                  Kruis,\n                                  Kirchhof,\n                                  Sommer,\n                                  Hassemer\n\nam 17. August 1998 beschlossen:\n\nDer Widerspruch wird verworfen.\n\n                                      Gründe:\n\n                                         I.\n Durch Beschluß vom 9. Juli 1998 ordnete das Oberlandesgericht Celle die Rückführung der beiden minderjährigen Kinder Matthias und Caroline Tiemann an den Wohnort ihrer Mutter, der Antragstellerin des Ausgangsverfahrens, in Frankreich an. Hiergegen legte der Vater, der Beschwerdeführer, am 15. Juli 1998\nVerfassungsbeschwerde ein. Mit einer einstweiligen Anordnung vom 16. Juli 1998\nuntersagte die 3. Kammer des Zweiten Senats des Bundesverfassungsgerichts zunächst die Vollstreckung des Rückführungsbeschlusses bis zum 3. August 1998. Diese einstweilige Anordnung wurde am 31. Juli 1998 dahin abgeändert, daß die Vollstreckung aus dem Beschluß des Oberlandesgerichts Celle bis zur Entscheidung in\nder Hauptsache, längstens bis zum 16. Januar 1999, untersagt wurde.\n\n Gegen diese einstweilige Anordnung hat die Antragstellerin des Ausgangsverfahrens am 7. August 1998 Widerspruch eingelegt. Sie hält ihren Widerspruch für zuläs-\n\n\n                                         1/3\n\nsig. Die Rechtsprechung des Bundesverfassungsgerichts zur Unzulässigkeit des Widerspruchs von Äußerungsberechtigten, die nicht Beteiligte des Verfahrens vor dem\nBundesverfassungsgericht sind, sei überprüfungsbedürftig, weil sie die Grundsätze\nder Waffengleichheit und eines fairen Gerichtsverfahrens verletze. Im übrigen seien\nseit der letzten Entscheidung des Bundesverfassungsgerichts mehr als fünfundzwanzig Jahre vergangen.\n\n                                        II.\n1. Widerspruch gegen eine vom Bundesverfassungsgericht erlassene einstweilige         3\nAnordnung kann nur einlegen, wer am verfassungsgerichtlichen Verfahren beteiligt\nist. Der Begünstigte des der Verfassungsbeschwerde zugrundeliegenden Ausgangsverfahrens ist zwar äußerungsberechtigt (§ 94 Abs. 3 BVerfGG). Ihm fehlt\naber als einem nicht am Verfahren Beteiligten die Befugnis zum Widerspruch (st.\nRspr. beider Senate des Bundesverfassungsgerichts, vgl. BVerfGE 31, 87 <90ff.>;\nzuletzt BVerfGE 89, 119 <120>). Eine Beteiligtenstellung können im Verfassungsbeschwerdeverfahren außer dem Beschwerdeführer selbst, der allerdings gemäß § 32\nAbs. 3 Satz 2 BVerfGG nicht widerspruchsberechtigt ist, nur die in § 94 Abs. 1, 2\nund 4 BVerfGG genannten Verfassungsorgane erlangen (§ 94 Abs. 5 BVerfGG).\nDie Ausführungen der Antragstellerin des Ausgangsverfahrens geben keinen Anlaß,\ndiese erst vor fünf Jahren bestätigte Rechtsprechung zu ändern.\n\n2. Der Zweite Senat hat entschieden, daß die Durchführung einer mündlichen Verhandlung gemäß § 32 Abs. 3 Satz 3 BVerfGG einen zulässigen Widerspruch voraussetzt (vgl. BVerfGE 89, 119 <120>; vgl. auch 32, 345 <346>; 35, 12 <14>). In\nentsprechender Weise ist § 93d Abs. 2 Satz 3 in Verbindung mit § 32 Abs. 3\nBVerfGG für die Zuständigkeit des Senats so auszulegen, daß der Widerspruchsführer befugt sein muß, diesen Rechtsbehelf einzulegen. In Fällen, in denen eine\nWiderspruchsbefugnis eindeutig nicht vorliegt, kann daher in Zukunft auch die Kammer nach § 93d Abs. 2 Satz 1 BVerfGG den Widerspruch verwerfen.\n\n               Limbach                 Kruis               Graßhof\n\n              Hassemer                Kirchhof             Sommer\n\n\n\n\n                                        2/3\n\nBundesverfassungsgericht, Beschluss des Zweiten Senats vom 17. August 1998 -\n2 BvR 1206/98\n\nZitiervorschlag BVerfG, Beschluss des Zweiten Senats vom 17. August 1998 -\n                2 BvR 1206/98 - Rn. (1 - 4), http://www.bverfg.de/e/\n                rs19980817_2bvr120698.html\n\nECLI            ECLI:DE:BVerfG:1998:rs19980817.2bvr120698\n\n\n\n\n                                      3/3\n","source":null,"source_url":null,"url":"https://recht.nulegal.eu/rechtsprechung/bverfg/1998-08-17/2-bvr-1206-98-2","cited_norms":[{"jurabk":"BVerfGG","ref":"§ 32","ref_norm":"32","n":3},{"jurabk":"BVerfGG","ref":"§ 94","ref_norm":"94","n":2},{"jurabk":"BVerfGG","ref":"§ 93d","ref_norm":"93d","n":1}],"authoritative_source":null,"attribution":null,"source_info":{"name":"nu:legal Deutsches Recht","operator":"Nulegal GmbH","terms":"https://recht.nulegal.eu/nutzungsbedingungen","attribution":"Source: nu:legal – recht.nulegal.eu","license_url":"https://recht.nulegal.eu/license","url":"https://recht.nulegal.eu/rechtsprechung/bverfg/1998-08-17/2-bvr-1206-98-2","retrieved":"2026-07-10 10:42:58.071202+00:00"},"card":{"id":"bverfg/1998-08-17/2-bvr-1206-98-2","court":"BVerfG","court_id":"bverfg","court_as_stated":"BVerfG","panel":"Zweiter Senat","date":"1998-08-17","dockets":["2 BvR 1206/98"],"decision_type":"Beschluss","ecli":"ECLI:DE:BVerfG:1998:rs19980817.2bvr120698","ids":{"ecli":"ECLI:DE:BVerfG:1998:rs19980817.2bvr120698"},"cite_as":"BVerfG, Beschluss vom 17.08.1998 – 2 BvR 1206/98","url":"https://recht.nulegal.eu/rechtsprechung/bverfg/1998-08-17/2-bvr-1206-98-2","headnotes":[],"leitsatz_status":"not_captured","tenor":{"text":"Der Widerspruch wird verworfen.","basis":"court_formula","source":null},"tenor_status":"held","cited_norms":[{"id":"BVerfGG/32","law":"BVerfGG","abbreviation":"BVerfGG","ref":"32","label":"§ 32 BVerfGG","mentions":3},{"id":"BVerfGG/94","law":"BVerfGG","abbreviation":"BVerfGG","ref":"94","label":"§ 94 BVerfGG","mentions":2},{"id":"BVerfGG/93d","law":"BVerfGG","abbreviation":"BVerfGG","ref":"93d","label":"§ 93d BVerfGG","mentions":1}],"cited_norms_basis":"extracted_from_text","normenkette":null,"proceeding":{"entries":[],"has_records":false,"note":"No Verfahrensgang record names this decision. 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