{"status":"available","ecli":"ECLI:DE:BVerfG:1998:rk19980507.2bvr212597","court":"BVerfG","senate":"Kammer des Zweiten Senats","decided":"1998-05-07","aktenzeichen":"2 BvR 2125/97","doktyp":"Beschluss","leitsatz":null,"text_plain":"Bundesverfassungsgericht\n- 2 BVR 2125/97 -\n\n\n\n\n                              Im Namen des Volkes\n\n                                 In dem Verfahren\n                                       über\n                           die Verfassungsbeschwerde\nder türkischen Staatsangehörigen E...,\n\n\n\n\n                                         1/5\n\n-\n\n\n\n\n    2/5\n\n  gegen a) den Beschluß des Oberverwaltungsgerichts des Landes\n           Sachsen-Anhalt vom 16. Oktober 1997 - A 1 S 46/96 -,\n\n         b) das Urteil des Verwaltungsgerichts Magdeburg\n            vom 23. Februar 1996 - 6 A 765/95 -\n\nhat die 1. Kammer des Zweiten Senats des Bundesverfassungsgerichts durch\ndie\n                               Richter Sommer,\n                               Jentsch,\n                               Hassemer\n\ngemäß § 32 Abs. 1 in Verbindung mit § 93d Abs. 2 BVerfGG in der Fassung\nder Bekanntmachung vom 11. August 1993 (BGBl I S. 1473) am 7. Mai 1998\neinstimmig beschlossen:\n\nDem Landkreis Wittenberg - Landrat - wird einstweilen bis zur Entscheidung\nüber die Verfassungsbeschwerde untersagt, die im Bescheid des Bundesamtes für die Anerkennung ausländischer Flüchtlinge vom 8. September 1995\nangedrohte Abschiebung in die Türkei zu vollziehen.\n\n                                  Gründe:\n Der Antrag auf Erlaß einer einstweiligen Anordnung ist gemäß § 32 Abs. 1        1\nBVerfGG zulässig und begründet.\n\n Nach § 32 Abs. 1 BVerfGG kann das Bundesverfassungsgericht im Streitfall        2\neinen Zustand durch einstweilige Anordnung vorläufig regeln, wenn dies zur\nAbwehr schwerer Nachteile oder aus einem anderen wichtigen Grund zum gemeinen Wohl dringend geboten ist. Dabei haben die Gründe, die für die Verfassungswidrigkeit des angegriffenen Hoheitsakts vorgetragen werden, grundsätzlich außer Betracht zu bleiben. Gemäß der Sicherungsfunktion der\neinstweiligen Anordnung ist für deren Erlaß aber im Rahmen eines\nVerfassungsbeschwerde-Verfahrens kein Raum, wenn davon auszugehen ist,\ndaß die Verfassungsbeschwerde gemäß den §§ 93a, 93b BVerfGG nicht zur\nEntscheidung anzunehmen sein wird. Das ist hier nicht der Fall.\n\n  Die Verfassungsbeschwerde ist weder unzulässig noch offensichtlich unbegründet. Die Beschwerdeführerin rügt, daß das Oberverwaltungsgericht unter\nVerstoß gegen die Rechtsschutzgarantie des Art. 19 Abs. 4 GG außer acht gelassen habe, ihren Antrag auf Zulassung der Berufung wegen grundsätzlicher\nBedeutung (§ 78 Abs. 3 Nr. 1 AsylVfG) im Hinblick auf die zwischenzeitlich ergangene Grundsatzentscheidung des Oberverwaltungsgerichts vom 26. September 1996 - 1 L 10/95 - in einen Antrag auf Berufungszulassung wegen Divergenz (§ 78 Abs. 3 Nr. 2 AsylVfG) umzudeuten (vgl. Kanein/Renner,\nAusländerrecht, 6. Auflage, § 78 AsylVfG, Rn. 17 und 22). Ob dies von Verfas-\n\n\n\n                                         3/5\n\nsungs wegen zu beanstanden ist, bedarf der Klärung im Hauptsacheverfahren.\nDie Feststellung des Verwaltungsgerichts, wonach eine inländische Fluchtalternative (nur) dann nicht gegeben sei, wenn Anhaltspunkte dafür bestünden, daß gegen die Person eine landesweite Fahndung eingeleitet worden\nsei (vgl. Urteilsabdruck, S. 8), stellt sich möglicherweise als Rechtssatz dar,\nder von der (nachträglich) ergangenen Entscheidung des Oberverwaltungsgerichts vom 26. September 1996 abweicht, wonach (bereits) solche Personen,\ndie bei den Sicherheitskräften am Heimatort im Verdacht stehen, mit der militanten kurdischen Bewegung zu sympathisieren, in der West-Türkei vor politischer Verfolgung nicht hinreichend sicher seien (vgl. Beschlußabdruck, S. 4).\n\n Es ist auch sonst derzeit kein Grund ersichtlich, warum die Verfassungsbeschwerde - ungeachtet der nicht auszuschließenden Verletzung der Antragstellerin im Recht aus Art. 19 Abs. 4 GG - nicht zur Entscheidung anzunehmen\nsein könnte; insbesondere ist nicht zu erkennen, daß ein Berufungsverfahren\n(§ 128 VwGO) mit Sicherheit zum Nachteil der Beschwerdeführerin ausgehen\nmüßte.\n\n  Die nach allem gebotene Abwägung führt zu folgendem Ergebnis: Ergeht die        5\neinstweilige Anordnung nicht, erweist sich die Verfassungsbeschwerde später\njedoch als begründet, so entstünde der Antragstellerin durch den Vollzug der\nAbschiebung ein schwerer und nicht wiedergutzumachender Nachteil. Ergeht\ndie einstweilige Anordnung und erwiese sich die Verfassungsbeschwerde später als erfolglos, so wögen die damit verbundenen Nachteile durch den auf\nüberschaubare Zeit verlängerten Aufenthalt der Antragstellerin in Deutschland\nweniger schwer.\n\n Diese Entscheidung ist unanfechtbar.                                             6\n\n             Hassemer               Sommer               Jentsch\n\nhier:   Antrag auf Erlaß einer einstweiligen Anordnung\n\n\n\n\n                                          4/5\n\nBundesverfassungsgericht, Beschluss der 1. Kammer des Zweiten Senats vom\n7. Mai 1998 - 2 BvR 2125/97\n\nZitiervorschlag BVerfG, Beschluss der 1. Kammer des Zweiten Senats vom 7. Mai 1998\n                - 2 BvR 2125/97 - Rn. (1 - 6), http://www.bverfg.de/e/\n                rk19980507_2bvr212597.html\n\nECLI           ECLI:DE:BVerfG:1998:rk19980507.2bvr212597\n\n\n\n\n                                     5/5\n","source":null,"source_url":null,"url":"https://recht.nulegal.eu/rechtsprechung/bverfg/1998-05-07/2-bvr-2125-97","cited_norms":[{"jurabk":"AsylVfG 1992","ref":"§ 78","ref_norm":"78","n":3},{"jurabk":"GG","ref":"Art 19","ref_norm":"19","n":2},{"jurabk":"BVerfGG","ref":"§ 32","ref_norm":"32","n":1},{"jurabk":"BVerfGG","ref":"§ 93a","ref_norm":"93a","n":1},{"jurabk":"BVerfGG","ref":"§ 93b","ref_norm":"93b","n":1},{"jurabk":"BVerfGG","ref":"§ 93d","ref_norm":"93d","n":1},{"jurabk":"VwGO","ref":"§ 128","ref_norm":"128","n":1}],"authoritative_source":null,"attribution":null,"source_info":{"name":"nu:legal Deutsches Recht","operator":"Nulegal GmbH","terms":"https://recht.nulegal.eu/nutzungsbedingungen","attribution":"Source: nu:legal – recht.nulegal.eu","license_url":"https://recht.nulegal.eu/license","url":"https://recht.nulegal.eu/rechtsprechung/bverfg/1998-05-07/2-bvr-2125-97","retrieved":"2026-07-10 10:42:36.600110+00:00"},"card":{"id":"bverfg/1998-05-07/2-bvr-2125-97","court":"BVerfG","court_id":"bverfg","court_as_stated":"BVerfG","panel":"Kammer des Zweiten Senats","date":"1998-05-07","dockets":["2 BvR 2125/97"],"decision_type":"Beschluss","ecli":"ECLI:DE:BVerfG:1998:rk19980507.2bvr212597","ids":{"ecli":"ECLI:DE:BVerfG:1998:rk19980507.2bvr212597"},"cite_as":"BVerfG, Beschluss vom 07.05.1998 – 2 BvR 2125/97","url":"https://recht.nulegal.eu/rechtsprechung/bverfg/1998-05-07/2-bvr-2125-97","headnotes":[],"leitsatz_status":"not_captured","tenor":{"text":"Dem Landkreis Wittenberg - Landrat - wird einstweilen bis zur Entscheidung\nüber die Verfassungsbeschwerde untersagt, die im Bescheid des Bundesamtes für die Anerkennung ausländischer Flüchtlinge vom 8. 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