{"status":"available","ecli":"ECLI:DE:BVerfG:1998:rk19980424.2bvr159896","court":"BVerfG","senate":"Kammer des Zweiten Senats","decided":"1998-04-24","aktenzeichen":"2 BvR 1598/96","doktyp":"Beschluss","leitsatz":null,"text_plain":"Bundesverfassungsgericht\n- 2 BVR 1598/96 -\n\n                                 In dem Verfahren\n                                       über\n                           die Verfassungsbeschwerde\ndes äthiopischen Staatsangehörigen M...\n\n-\n    gegen a) den Beschluß des Verwaltungsgerichts Karlsruhe\n             vom 10. Juli 1996 - A 13 K 11333/96 -,\n\n          b) den Beschluß des Verwaltungsgerichts Karlsruhe\n             vom 16. April 1996 - A 13 K 10754/96 -\n\nhat die 1. Kammer des Zweiten Senats des Bundesverfassungsgerichts durch die\n                                 Richter Sommer,\n                                 Jentsch,\n                                 Hassemer\n\ngemäß § 93b in Verbindung mit § 93a BVerfGG in der Fassung der Bekanntmachung vom 11. August 1993 (BGBl I S. 1473) am 24. April 1998 einstimmig beschlossen:\n\nDie Verfassungsbeschwerde wird nicht zur Entscheidung angenommen.\n\n                                     Gründe:\n Die Verfassungsbeschwerde betrifft die Versagung vorläufigen Rechtsschutzes im        1\nAsylfolgeverfahren. Sie wird nicht zur Entscheidung angenommen, weil die Voraussetzungen des § 93a Abs. 2 BVerfGG nicht vorliegen (BVerfGE 90, 22 <24 ff.>). Die\nVerfassungsbeschwerde ist unzulässig.\n\n1. Soweit sich die am 13. August 1996 erhobene Verfassungsbeschwerde gegen             2\nden im Rahmen des vorläufigen Rechtsschutzverfahrens gemäß § 80 Abs. 5 VwGO\nergangenen, dem Verfahrensbevollmächtigten des Beschwerdeführers am 19. April\n1996 zugegangenen Beschluß des Verwaltungsgerichts vom 16. April 1996 wendet,\nist sie verfristet (§ 93 Abs. 1 BVerfGG).\n\n  Die Frist wurde nicht durch den Abänderungsantrag gemäß § 80 Abs. 7 VwGO, der        3\ninnerhalb eines Monats gestellt wurde, und den Umstand, daß der daraufhin ergangene Beschluß des Verwaltungsgerichts vom 10. Juli 1996 seinerseits fristgerecht innerhalb der Monatsfrist mit der Verfassungsbeschwerde angegriffen wurde, gewahrt.\n\n Zwar wird die Beschwerdefrist durch Einlegung eines nicht offensichtlich unzulässigen Rechtsbehelfs dergestalt offengehalten, daß mit der den Rechtsbehelf zurück-\n\n\n                                          1/4\n\nweisenden Entscheidung zugleich die Ausgangsentscheidung fristgerecht angegriffen werden kann. Dieser Grundsatz gilt auch für Rechtsbehelfe im weiteren Sinne -\nzu denen nach der Rechtsprechung des Bundesverfassungsgerichts auch der Abänderungsantrag gemäß § 80 Abs. 7 VwGO gehört (BVerfGE 70, 180 <187 f.>) -, derer sich ein Beschwerdeführer unter dem Gesichtspunkt der Subsidiarität der Verfassungsbeschwerde bedienen muß (vgl. Beschluß der 1. Kammer des Zweiten Senats\nvom 4. Oktober 1994, NVwZ-Beilage 1995, S. 2).\n\n  Indes wird die Frist des § 93 Abs. 1 BVerfGG nicht durch jeden Abänderungsantrag,       5\ngleich welchen Inhalts, offengehalten. Nach der Rechtsprechung des Bundesverfassungsgerichts kann das Abänderungsverfahren Verletzungen des Anspruchs auf\nrechtliches Gehör korrigieren, wobei dieses Verfahren zugleich Gelegenheit bietet,\nauch andere mutmaßliche verfassungsrechtliche Mängel zu beseitigen, die mit dem\ngeltend gemachten Gehörsverstoß nicht notwendig in Zusammenhang stehen müssen. Insoweit ist die Verfassungsbeschwerde subsidiär (vgl. § 90 Abs. 1 BVerfGG).\nNur wenn der Abänderungsantrag in diesem Sinne genutzt wird, wird aber die Frist\ndes § 93 Abs. 1 BVerfGG offengehalten. Werden hingegen im Abänderungsantrag\nneue oder bisher nicht vorgebrachte Umstände geltend gemacht, so handelt es sich\nbei diesem Begehren nicht - auch nicht i. S. d. Subsidiarität - um einen Rechtsbehelf\ngegen die Erstentscheidung, mit dem dieser Entscheidung anhaftende Fehler beseitigt werden sollen (vgl. hierzu Roeser/Hänlein, NVwZ 1995, S. 1082 <1084>).\n\n  So liegt es hier: Ausweislich des auszugsweise in der Verfassungsbeschwerdeschrift wiedergegebenen Abänderungsantrags vom 19. April 1996 hat der Beschwerdeführer diesen Antrag auf das Vorliegen neuer Erkenntnismittel gestützt und ausführlich zur Verfolgungsgefahr in Äthiopien vorgetragen, um zu belegen, das Gericht\nwäre \"bei Erwägung des bezeichneten Vortrags zu dem Ergebnis gekommen, daß\nseine Lageeinschätzung nicht mehr ohne weiteres haltbar\" sei. Damit wird dem Verwaltungsgericht lediglich eine materiell-rechtliche Fehlbewertung, nicht jedoch eine\nauf Art. 103 Abs. 1 GG gestützte mangelnde Berücksichtigung des Vorbringens im\nVerfahren gemäß § 80 Abs. 5 VwGO vorgeworfen. Das gilt in gleicher Weise für die\nEinwände hinsichtlich des dem Gericht vorgetragenen Vergleichsfalls eines ebenfalls\nexilpolitisch tätigen Landsmanns wie auch für den Vortrag zu den eigenen exilpolitischen Tätigkeiten in jüngerer Zeit. Ob die jeweilige rechtliche Begründung des Fachgerichts ihrerseits verfassungsrechtlich trägt, ist keine Frage des rechtlichen Gehörs.\n\n2. Der im Abänderungsverfahren ergangene Beschluß vom 10. Juli 1996 wird seinerseits nicht hinreichend substantiiert i. S. d. §§ 92, 23 Abs. 1 Satz 2 BVerfGG angegriffen. Die Begründung der Verfassungsbeschwerde läßt insbesondere den begrenzten Prüfungsgegenstand außer acht, welcher sich aus § 80 Abs. 7 Satz 2\nVwGO ergibt.\n\n Von einer weiteren Begründung wird abgesehen (§ 93d Abs. 1 Satz 3 BVerfGG).              8\n\n\n\n\n                                          2/4\n\nDiese Entscheidung ist unanfechtbar.                    9\n\n            Sommer              Jentsch      Hassemer\n\n\n\n\n                                       3/4\n\nBundesverfassungsgericht, Beschluss der 1. Kammer des Zweiten Senats vom\n24. April 1998 - 2 BvR 1598/96\n\nZitiervorschlag BVerfG, Beschluss der 1. Kammer des Zweiten Senats vom\n                24. April 1998 - 2 BvR 1598/96 - Rn. (1 - 9), http://www.bverfg.de/e/\n                rk19980424_2bvr159896.html\n\nECLI             ECLI:DE:BVerfG:1998:rk19980424.2bvr159896\n\n\n\n\n                                         4/4\n","source":null,"source_url":null,"url":"https://recht.nulegal.eu/rechtsprechung/bverfg/1998-04-24/2-bvr-1598-96","cited_norms":[{"jurabk":"VwGO","ref":"§ 80","ref_norm":"80","n":5},{"jurabk":"BVerfGG","ref":"§ 93","ref_norm":"93","n":3},{"jurabk":"BVerfGG","ref":"§ 93a","ref_norm":"93a","n":2},{"jurabk":"BVerfGG","ref":"§ 90","ref_norm":"90","n":1},{"jurabk":"BVerfGG","ref":"§ 92","ref_norm":"92","n":1},{"jurabk":"BVerfGG","ref":"§ 93d","ref_norm":"93d","n":1},{"jurabk":"GG","ref":"Art 103","ref_norm":"103","n":1},{"jurabk":"BVerfGG","ref":"§ 23","ref_norm":"23","n":1}],"authoritative_source":null,"attribution":null,"source_info":{"name":"nu:legal Deutsches Recht","operator":"Nulegal GmbH","terms":"https://recht.nulegal.eu/nutzungsbedingungen","attribution":"Source: nu:legal – recht.nulegal.eu","license_url":"https://recht.nulegal.eu/license","url":"https://recht.nulegal.eu/rechtsprechung/bverfg/1998-04-24/2-bvr-1598-96","retrieved":"2026-07-10 10:42:32.380626+00:00"},"card":{"id":"bverfg/1998-04-24/2-bvr-1598-96","court":"BVerfG","court_id":"bverfg","court_as_stated":"BVerfG","panel":"Kammer des Zweiten Senats","date":"1998-04-24","dockets":["2 BvR 1598/96"],"decision_type":"Beschluss","ecli":"ECLI:DE:BVerfG:1998:rk19980424.2bvr159896","ids":{"ecli":"ECLI:DE:BVerfG:1998:rk19980424.2bvr159896"},"cite_as":"BVerfG, Beschluss vom 24.04.1998 – 2 BvR 1598/96","url":"https://recht.nulegal.eu/rechtsprechung/bverfg/1998-04-24/2-bvr-1598-96","headnotes":[],"leitsatz_status":"not_captured","tenor":{"text":"Die Verfassungsbeschwerde wird nicht zur Entscheidung angenommen.","basis":"court_formula","source":null},"tenor_status":"held","cited_norms":[{"id":"VwGO/80","law":"VwGO","abbreviation":"VwGO","ref":"80","label":"§ 80 VwGO","mentions":5},{"id":"BVerfGG/93","law":"BVerfGG","abbreviation":"BVerfGG","ref":"93","label":"§ 93 BVerfGG","mentions":3},{"id":"BVerfGG/93a","law":"BVerfGG","abbreviation":"BVerfGG","ref":"93a","label":"§ 93a BVerfGG","mentions":2},{"id":"BVerfGG/90","law":"BVerfGG","abbreviation":"BVerfGG","ref":"90","label":"§ 90 BVerfGG","mentions":1},{"id":"BVerfGG/92","law":"BVerfGG","abbreviation":"BVerfGG","ref":"92","label":"§ 92 BVerfGG","mentions":1},{"id":"BVerfGG/93d","law":"BVerfGG","abbreviation":"BVerfGG","ref":"93d","label":"§ 93d BVerfGG","mentions":1},{"id":"GG/103","law":"GG","abbreviation":"GG","ref":"103","label":"Art 103 GG","mentions":1},{"id":"BVerfGG/23","law":"BVerfGG","abbreviation":"BVerfGG","ref":"23","label":"§ 23 BVerfGG","mentions":1}],"cited_norms_basis":"extracted_from_text","normenkette":null,"proceeding":{"entries":[],"has_records":false,"note":"No Verfahrensgang record names this decision. 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