{"status":"available","ecli":"ECLI:DE:BVerfG:1998:rk19980304.2bvr009898","court":"BVerfG","senate":"Kammer des Zweiten Senats","decided":"1998-03-04","aktenzeichen":"2 BvR 98/98","doktyp":"Beschluss","leitsatz":null,"text_plain":"Bundesverfassungsgericht\n- 2 BVR 98/98 -\n\n                                 In dem Verfahren\n                                       über\n                           die Verfassungsbeschwerde\nder Frau B...\n\n- Bevollmächtigte: Rechtsanwälte Wilhelm Großhans und Koll.,\n                   Böningerstraße 37, Duisburg -\n     gegen a) den Beschluß des Landgerichts Düsseldorf\n              vom 11. Dezember 1997 - III Qs 275/97 -,\n\n            b) den Beschluß des Amtsgerichts Neuss\n               vom 21. November 1997 - 9 Bs 1/97 -\n\nhat die 1. Kammer des Zweiten Senats des Bundesverfassungsgerichts durch die\n                                  Richter Sommer,\n                                  Jentsch,\n                                  Hassemer\n\ngemäß § 93b in Verbindung mit § 93a BVerfGG in der Fassung\nder Bekanntmachung vom 11. August 1993 (BGBl I S. 1473)\nam 4. März 1998 einstimmig beschlossen:\n\nDie Verfassungsbeschwerde wird nicht\nzur Entscheidung angenommen.\n\n                                      Gründe:\n Die Verfassungsbeschwerde ist teilweise unzulässig (1.). Im übrigen liegen die Annahmevoraussetzungen des § 93a Abs. 2 BVerfGG nicht vor (2.).\n\n1. Die Verfassungsbeschwerde ist unzulässig, soweit sie sich dagegen wendet, daß        2\nder Beschwerdeführerin ihre eigenen notwendigen Auslagen auferlegt wurden. Hinsichtlich dieses Teils der Kostenentscheidung hat die Beschwerdeführerin den\nRechtsweg nicht ordnungsgemäß erschöpft (§ 90 Abs. 2 Satz 1 BVerfGG). Insoweit\nhat sie gegen die Entscheidung des Amtsgerichts keine sofortige Beschwerde eingelegt.\n\n2. Soweit sich die Verfassungsbeschwerde gegen die Auferlegung der Kosten und           3\nder notwendigen Auslagen der Privatkläger wendet, liegen die Annahmevoraussetzungen des § 93a Abs. 2 BVerfGG nicht vor.\n\n a) Der Verfassungsbeschwerde kommt keine grundsätzliche Bedeutung gemäß                4\n§ 93a Abs. 2 Buchstabe a BVerfGG zu. Geltung und Reichweite der Unschuldsvermutung sind grundsätzlich geklärt (BVerfGE 74, 358 <370 ff.>; 82, 106 <114 ff.>; vgl.\n\n\n                                         1/3\n\nauch Beschluß der 2. Kammer des Zweiten Senats des Bundesverfassungsgerichts\nvom 1. Oktober 1990 - 2 BvR 340/89 -, NJW 1991, S. 829 f. und vom 1. Dezember\n1991 - 2 BvR 260/91 -, NJW 1992, S. 1611).\n\n b) Die Annahmevoraussetzungen des § 93a Abs. 2 Buchstabe b BVerfGG liegen                 5\nebenfalls nicht vor.\n\n  aa) Ein besonders schwerer Nachteil im Sinne von § 93a Abs. 2 Buchstabe b, 2.            6\nHalbsatz BVerfGG ist nicht ersichtlich. Für eine existentielle Betroffenheit durch eine\nKosten- und Auslagenentscheidung, die die Beschwerdeführerin insgesamt mit deutlich weniger als 1.000 DM beschwert, besteht kein Anhaltspunkt (vgl. BVerfGE 90, 22\n<25>; 74, 78 <91>). Einen Schuldspruch im engeren Sinne, der regelmäßig eine\nexistentielle Betroffenheit indizieren würde (vgl. Bundesverfassungsgericht, Beschluß des Zweiten Senats vom 9. Juli 1997 - 2 BvR 1371/96 -, NJW 1998, S. 443 f.),\ngibt es hier nicht.\n\n bb) Die Annahme ist auch nicht zur Durchsetzung der in § 90 Abs. 1 BVerfGG genannten Rechte angezeigt (§ 93a Abs. 2 Buchstabe b, 1. Halbsatz BVerfGG). Die\ngeltend gemachte Grundrechtsverletzung ist nicht besonders gewichtig.\n\n Eine generelle Vernachlässigung von Grundrechten (vgl. BVerfGE 90, 22 <25>)               8\ndurch das Amts- und Landgericht ist nicht ersichtlich. Die Gerichte verweisen nicht\nauf eine eigene ständige Rechtsprechung; es ist auch nicht ersichtlich, daß eine solche bestünde.\n\n  Die geltend gemachte Grundrechtsverletzung beruht schließlich auch nicht auf einer groben Verkennung des durch ein Grundrecht gewährten Schutzes oder auf einem geradezu leichtfertigen Umgang mit grundrechtlichen Positionen oder auf einer\nkrassen Verletzung rechtsstaatlicher Grundsätze (vgl. BVerfGE 90, 22 <25>). Zwar\nhat die Beschwerdeführerin das Landgericht auf die oben (2. a) genannten Entscheidungen des Bundesverfassungsgerichts aufmerksam gemacht. Eine \"grobe\", \"leichtfertige\" oder \"krasse\" Verletzung der Unschuldsvermutung liegt dennoch nicht vor:\nObwohl vier Zeugen gegenüber der Polizei die Richtigkeit der Beschuldigung schlüssig und nachvollziehbar bekundet haben, hat die Beschwerdeführerin die Beschuldigung nur pauschal bestritten (\"Die behaupteten Äußerungen hat die Beklagte nicht\ngetan.\"). Nach dem Beschluß der 2. Kammer des Zweiten Senats vom 1. Oktober\n1990 (NJW 1991, S. 829 <830>) kann schon aus einer solchen Art der Verteidigung\nauf eine nachvollziehbare Veranlassung zur Privatklageerhebung zu schließen sein,\nohne daß es insoweit einer weiteren Aufklärung der Beschuldigung bedürfte.\n\n Diese Entscheidung ist unanfechtbar.                                                     10\n\n              Sommer                Jentsch                Hassemer\n\n\n\n\n                                          2/3\n\nBundesverfassungsgericht, Beschluss der 1. Kammer des Zweiten Senats vom\n4. März 1998 - 2 BvR 98/98\n\nZitiervorschlag BVerfG, Beschluss der 1. Kammer des Zweiten Senats vom\n                4. März 1998 - 2 BvR 98/98 - Rn. (1 - 10), http://www.bverfg.de/e/\n                rk19980304_2bvr009898.html\n\nECLI             ECLI:DE:BVerfG:1998:rk19980304.2bvr009898\n\n\n\n\n                                         3/3\n","source":null,"source_url":null,"url":"https://recht.nulegal.eu/rechtsprechung/bverfg/1998-03-04/2-bvr-98-98","cited_norms":[{"jurabk":"BVerfGG","ref":"§ 93a","ref_norm":"93a","n":5},{"jurabk":"BVerfGG","ref":"§ 90","ref_norm":"90","n":2}],"authoritative_source":null,"attribution":null,"source_info":{"name":"nu:legal Deutsches Recht","operator":"Nulegal GmbH","terms":"https://recht.nulegal.eu/nutzungsbedingungen","attribution":"Source: nu:legal – recht.nulegal.eu","license_url":"https://recht.nulegal.eu/license","url":"https://recht.nulegal.eu/rechtsprechung/bverfg/1998-03-04/2-bvr-98-98","retrieved":"2026-07-10 10:42:14.558595+00:00"},"card":{"id":"bverfg/1998-03-04/2-bvr-98-98","court":"BVerfG","court_id":"bverfg","court_as_stated":"BVerfG","panel":"Kammer des Zweiten Senats","date":"1998-03-04","dockets":["2 BvR 98/98"],"decision_type":"Beschluss","ecli":"ECLI:DE:BVerfG:1998:rk19980304.2bvr009898","ids":{"ecli":"ECLI:DE:BVerfG:1998:rk19980304.2bvr009898"},"cite_as":"BVerfG, Beschluss vom 04.03.1998 – 2 BvR 98/98","url":"https://recht.nulegal.eu/rechtsprechung/bverfg/1998-03-04/2-bvr-98-98","headnotes":[],"leitsatz_status":"not_captured","tenor":{"text":"Die Verfassungsbeschwerde wird nicht\nzur Entscheidung angenommen.","basis":"court_formula","source":null},"tenor_status":"held","cited_norms":[{"id":"BVerfGG/93a","law":"BVerfGG","abbreviation":"BVerfGG","ref":"93a","label":"§ 93a BVerfGG","mentions":5},{"id":"BVerfGG/90","law":"BVerfGG","abbreviation":"BVerfGG","ref":"90","label":"§ 90 BVerfGG","mentions":2}],"cited_norms_basis":"extracted_from_text","normenkette":null,"proceeding":{"entries":[],"has_records":false,"note":"No Verfahrensgang record names this decision. 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