{"status":"available","doknr":"BVERFG-ls19981110_1bvl005092","ecli":"ECLI:DE:BVerfG:1998:ls19981110.1bvl005092","court":"BVerfG","senate":"Erster Senat","decided":"1998-11-10","aktenzeichen":"1 BvL 50/92","doktyp":"Beschluss","leitsatz":null,"text_plain":"                                   Leitsatz\n                         zum Beschluß des Ersten Senats\n                             vom 10. November 1998\n                                  - 1 BvL 50/92 -\nEs ist mit Art. 3 Abs. 1 GG unvereinbar, auf den Bedarf von Auszubildenden, die bereits eine Ausbildung berufsqualifizierend abgeschlossen haben, Einkommen und\nVermögen der Eltern nach § 11 Abs. 2 BAföG anzurechnen, sie aber von der Ausbildungsförderung nach § 36 Abs. 1 Satz 1 BAföG auszuschließen, wenn die Eltern\nden angerechneten Unterhaltsbetrag nicht leisten.\n\n\n\n\n                                        1/18\n\nBundesverfassungsgericht\n- 1 BVL 50/92 -\n\n\n\n\n                              Im Namen des Volkes\n\n                                In dem Verfahren\n                      zur verfassungsrechtlichen Prüfung,\nob § 11 Absatz 3 Satz 3 des Bundesausbildungsförderungsgesetzes (BAföG) in der\nFassung des Zwölften Gesetzes zur Änderung des Bundesausbildungsförderungsgesetzes (12. BAföGÄndG) vom 22. Mai 1990 (BGBl I S. 936) mit Artikel 3 Absatz 1,\nArtikel 12 Absatz 1 und Artikel 20 Absatz 1 GG vereinbar ist,\n\n- Aussetzungs- und Vorlagebeschluß des Verwaltungsgerichts Hannover vom 22.\nSeptember 1992 (3 A 2353/92) -\n\nhat das Bundesverfassungsgericht - Erster Senat - unter Mitwirkung des\n                                 Vizepräsidenten Papier,\n                                 der Richter Grimm,\n                                 Kühling,\n                                 der Richterinnen Jaeger,\n                                 Haas\n                                 und der Richter Hömig,\n                                 Steiner\n\nam 10. November 1998 beschlossen:\n\n§ 11 Absatz 3 Satz 3 in Verbindung mit § 36 Absatz 1 Satz 2 des Bundesgesetzes\nüber individuelle Förderung der Ausbildung (Bundesausbildungsförderungsgesetz -\nBAföG -) in der Fassung des Zwölften Gesetzes zur Änderung des Bundesausbildungsförderungsgesetzes (12. BAföGÄndG) vom 22. Mai 1990 (Bundesgesetzblatt I\nSeite 936) sowie in Verbindung mit § 36 Absatz 1 Satz 3 des Bundesausbildungsförderungsgesetzes in der Fassung des Achtzehnten Gesetzes zur Änderung des\nBundesausbildungsförderungsgesetzes (18. BAföGÄndG) vom 17. Juli 1996 (Bundesgesetzblatt I Seite 1006) ist mit Artikel 3 Absatz 1 des Grundgesetzes unvereinbar.\n\nBis zu einer gesetzlichen Neuregelung ist § 36 Absatz 1 Satz 1 des Bundesausbildungsförderungsgesetzes in der Fassung des Zwölften Gesetzes zur Änderung des\nBundesausbildungsförderungsgesetzes ohne die Einschränkung des Satzes 2 und\nin der Fassung des Achtzehnten Gesetzes zur Änderung des Bundesausbildungs-\n\n\n                                        2/18\n\nförderungsgesetzes ohne die Einschränkung des Satzes 3 anzuwenden.\n\n                                      Gründe:\n\n                                          A.\n Die Vorlage betrifft die Frage, ob es verfassungsrechtlich zulässig ist, in den Fällen   1\neiner sogenannten Zweitausbildung Auszubildende auch dann von der Gewährung\nelternunabhängiger Ausbildungsförderung auszuschließen, wenn die Eltern den\nnach den Vorschriften des Bundesausbildungsförderungsgesetzes angerechneten\nUnterhaltsbetrag nicht leisten.\n\n                                          I.\n 1. Das Bundesgesetz über individuelle Förderung der Ausbildung (Bundesausbildungsförderungsgesetz - BAföG -) in der Fassung der Bekanntmachung vom 6. Juni\n1983 (BGBl I S. 645) regelt die Gewährung von finanziellen Leistungen des Staates\nzur Deckung des Unterhaltsbedarfs Auszubildender.\n\n a) Nach dem gesetzgeberischen Konzept (vgl. §§ 1, 11 BAföG) vollzieht sich die           3\nBerechnung der Höhe der staatlichen Förderungsleistung in mehreren Schritten.\nAusgangspunkt der Berechnung ist ein pauschalierter Geldbetrag, der grundsätzlich\nden Lebensunterhalt und die Ausbildungskosten decken soll (vgl. §§ 12 - 14 a\nBAföG). Auf diesen Betrag werden - jeweils nach Abzug von Freibeträgen - zunächst\nEinkommen und Vermögen des Auszubildenden angerechnet, sodann Einkommen\nund Vermögen seines Ehegatten und zuletzt - mit Einschränkungen - Einkommen\nund Vermögen seiner Eltern. Hat der Auszubildende aufgrund der gesetzlich vorgeschriebenen Anrechnung des Einkommens und des Vermögens seiner Eltern keinen\nAnspruch auf den Höchstförderungsbetrag, ist auf seinen Antrag hin nach § 36\nBAföG zu prüfen, ob Ausbildungsförderung auch ohne Anrechnung des elterlichen\nEinkommens geleistet wird, wenn die Eltern den nach den Vorschriften des Bundesausbildungsförderungsgesetzes angerechneten Unterhaltsbetrag nicht leisten.\n\n  b) Bei der Anrechnung des elterlichen Einkommens und Vermögens wird die Fähigkeit der Eltern zur Unterhaltsleistung pauschal festgestellt und bei der Bedarfsermittlung (§§ 1, 11 Abs. 1 BAföG) berücksichtigt. Soweit elterliches Einkommen und Vermögen bestimmte Freibeträge (vgl. §§ 25, 29 BAföG) übersteigen, geht der\nGesetzgeber generalisierend davon aus, daß die Eltern nach bürgerlichem Recht -\neinen Bedarf des Auszubildenden unterstellt - unterhaltsverpflichtet sind und diese\nVerpflichtung auch erfüllen (§ 11 Abs. 2 BAföG).\n\n In bestimmten Fällen wird Ausbildungsförderung ohne Anrechnung des elterlichen           5\nEinkommens und Vermögens geleistet (§ 11 Abs. 2 a und 3 BAföG). Die in § 11 Abs.\n3 Nr. 1 bis 4 BAföG enthaltenen Ausnahmen von der Anrechnung des elterlichen Einkommens und Vermögens erfassen Fälle, in denen der Gesetzgeber annimmt, daß\nein Anspruch auf Ausbildungsunterhalt typischerweise nicht besteht.\n\n\n\n                                          3/18\n\n  Der Vorschrift des § 36 BAföG kommt im Gesamtkonzept des Gesetzgebers die               6\nAufgabe zu, Härten auszugleichen, die entstehen können, wenn die Eltern den nach\nden Vorschriften des Bundesausbildungsförderungsgesetzes angerechneten Unterhaltsbetrag nicht leisten. Diese Situation kann eintreten, wenn der bürgerlichrechtliche Unterhaltsanspruch entweder nicht oder nicht in der nach dem Bundesausbildungsförderungsgesetz angerechneten Höhe besteht oder zwar besteht, aber von\nden Eltern nicht erfüllt wird (vgl. BTDrucks VI/1975, S. 35 f.). Von besonderer Bedeutung ist hier die Gesetzesfassung von 1990, nach der bei Zweitausbildungen diese\nHärteregelung nicht mehr greift.\n\n c) Die Vorschrift des § 11 BAföG lautete in der Ursprungsfassung des Gesetzes            7\nvom 26. August 1971 (BGBl I S. 1409; im folgenden: BAföG 1971):\n\n                         Umfang der Ausbildungsförderung                                  8\n\n(1) Ausbildungsförderung wird für den Lebensunterhalt und die Ausbildung geleistet        9\n(Bedarf).\n\n(2) Auf den Bedarf sind nach Maßgabe der folgenden Vorschriften Einkommen und            10\nVermögen des Auszubildenden, seines Ehegatten und seiner Eltern in dieser Reihenfolge anzurechnen. Einkommen und Vermögen des Ehegatten bleiben außer\nBetracht, wenn er von dem Auszubildenden dauernd getrennt lebt.\n\n(3) Besucht der Auszubildende ein Abendgymnasium oder ein Kolleg, so sind nur            11\nEinkommen und Vermögen des Auszubildenden und seines Ehegatten anzurechnen.\n\n(4) Sind Einkommen und Vermögen einer Person auf den Bedarf mehrerer Auszubildender anzurechnen, so werden sie zu gleichen Teilen angerechnet. Dies gilt bei\nder Anrechnung des Einkommens nicht, soweit dadurch der Bedarf des Auszubildenden nach § 12 Abs. 1 und 2, § 13 Abs. 1 und 2 und § 14 oder anderen entsprechenden Vorschriften überschritten würde.\n\n Die Vorschrift des § 36 BAföG 1971 hatte folgende Fassung:                              13\n\n                     Vorausleistung von Ausbildungsförderung                             14\n\n(1) Macht der Auszubildende glaubhaft, daß seine Eltern den nach den Vorschriften        15\ndieses Gesetzes angerechneten Unterhaltsbetrag nicht leisten, und ist dadurch die\nAusbildung gefährdet, so wird nach Anhörung der Eltern Ausbildungsförderung ohne Anrechnung dieses Betrags geleistet.\n\n(2) Absatz 1 ist entsprechend anzuwenden, wenn der Auszubildende glaubhaft               16\nmacht, daß seine Eltern den Bedarf nach den §§ 12 bis 14 nicht leisten und die für\ndie Anrechnung ihres Einkommens und Vermögens erforderlichen Auskünfte nicht\nerteilen oder Urkunden nicht vorlegen und darum das Einkommen und Vermögen\nder Eltern nicht angerechnet werden können.\n\n(3) Von der Anhörung der Eltern kann aus wichtigem Grund abgesehen werden.               17\n\n\n                                         4/18\n\n  2. In der Zeit nach 1971 wurde der in § 11 Abs. 3 BAföG enthaltene Katalog der          18\nAusnahmen von der Anrechnung des elterlichen Einkommens und Vermögens mehrfach erweitert. Der Gesetzgeber wollte in Fällen, in denen davon ausgegangen werden mußte, daß ein bürgerlichrechtlicher Anspruch des Auszubildenden gegen seine\nEltern auf Tragung der Ausbildungskosten nach § 1610 Abs. 2 BGB dem Grunde\nnach nicht bestand, der unterhaltsrechtlichen Situation schon im Berechnungsverfahren und nicht erst im Vorausleistungs- und anschließenden Überleitungsverfahren\nnach §§ 36, 37 BAföG Rechnung tragen. Damit sollte dem Auszubildenden die\nDurchsetzung seines Rechtsanspruchs auf Förderung wesentlich erleichtert und\nauch ein verwaltungsökonomischeres Verfahren erreicht werden (vgl. BTDrucks 7/\n2098, S. 18 f.). Durch das Sechste Gesetz zur Änderung des Bundesausbildungsförderungsgesetzes (6. BAföGÄndG) vom 16. Juli 1979 (BGBl I S. 1037; im folgenden:\nBAföG 1979) erhielt § 11 Abs. 3 BAföG schließlich folgende Fassung:\n\nEinkommen und Vermögen der Eltern bleiben ferner außer Betracht, wenn der Auszubildende\n\n1. ein Abendgymnasium oder Kolleg besucht,                                                20\n\n2. bei Beginn des Ausbildungsabschnitts das 30. Lebensjahr vollendet hat,                 21\n\n3. bei Beginn des Ausbildungsabschnitts nach Vollendung des 18. Lebensjahres              22\nfünf Jahre erwerbstätig war,\n\n4. bei Beginn des Ausbildungsabschnitts nach Abschluß einer vorhergehenden, zumindest dreijährigen berufsqualifizierenden Ausbildung drei Jahre oder im Falle einer kürzeren Ausbildung entsprechend länger erwerbstätig war oder\n\n5. eine weitere in sich selbständige Ausbildung beginnt, nachdem seine Eltern ihm         24\ngegenüber ihre Unterhaltspflicht erfüllt haben.\n\nSatz 1 Nr. 3 und 4 gilt nur, wenn der Auszubildende in den Jahren seiner Erwerbstätigkeit in der Lage war, sich aus deren Ertrag selbst zu unterhalten.\n\n 3. Durch Art. 1 Nr. 8 Buchstabe b des Zwölften Gesetzes zur Änderung des Bundesausbildungsförderungsgesetzes (12. BAföGÄndG) vom 22. Mai 1990 (BGBl I S. 936;\nim folgenden: BAföG 1990) wurde § 11 Abs. 3 BAföG erneut geändert. Die Vorschrift\nerhielt folgende Fassung:\n\nEinkommen und Vermögen der Eltern bleiben ferner außer Betracht, wenn der Auszubildende\n\n1.-4. ...                                                                                 28\n\n5. eine weitere in sich selbständige Ausbildung beginnt, nachdem seine Eltern ihm         29\ngegenüber ihre Unterhaltspflicht erfüllt haben, und die Voraussetzungen des Satzes\n3 vorliegen.\n\nSatz 1 Nr. 3 und 4 gilt nur, wenn der Auszubildende in den Jahren seiner Erwerbstätigkeit in der Lage war, sich aus deren Ertrag selbst zu unterhalten. Satz 1 Nr. 5 gilt\n\n\n                                          5/18\n\nnur für Auszubildende, deren Ausbildungsabschnitt vor dem 1. Juli 1990 begonnen\nhat, sowie auf besonderen Antrag für Auszubildende, die zu diesem Zeitpunkt wegen der Ableistung eines der in § 66 a Abs. 4 Nr. 1 bis 4 genannten Dienste gehindert waren, den Ausbildungsabschnitt zu beginnen, aber in unmittelbarem Anschluß\nhieran diese Ausbildung aufnehmen.\n\n Zur Begründung der Gesetzesänderung ist ausgeführt (vgl. BTDrucks 11/5961, S.         31\n13 f.):\n\nEntsprechend der Empfehlung des Beirates für Ausbildungsförderung soll die Förderung in Zukunft wieder stärker an die wirtschaftliche Leistungskraft der Familien\ngebunden werden.\n\nSeit Beginn der 70er Jahre ist eine Änderung im Ausbildungsverhalten festzustellen.    33\nNeben dem herkömmlichen Ausbildungsweg (Schule-Abitur-Studium) ist in zunehmendem Maße die Alternative getreten, nach dem Schulabschluß zunächst eine\npraktische berufliche Ausbildung zu absolvieren und erst danach ein Studium aufzunehmen (sogenannte Abitur-Lehre-Studium-Fälle). Viele Auszubildende durchlaufen\nauch den in den 70er Jahren neu geschaffenen Bildungsweg über den mittleren Bildungsabschluß, die Lehre und die einjährige Fachoberschule zum Fachhochschulstudium.\n\nDie Entwicklung im Bildungsverhalten hat dazu geführt, daß insbesondere die Vorschriften über die elternunabhängige Förderung (§ 11 Abs. 3 BAföG), die ursprünglich auf Auszubildende des klassischen Zweiten Bildungsweges zugeschnitten waren, heute zunehmend auf Studienberechtigte des Ersten Bildungsweges\nAnwendung finden. Dies hat seinen Grund darin, daß im Rahmen des § 7 BAföG in\ngroßem Umfang Ausbildungen nach einer betrieblichen Ausbildung gefördert werden, und zwar elternunabhängig, wenn die Eltern den Auszubildenden gegenüber\nihre Unterhaltspflicht erfüllt haben (§ 11 Abs. 3 Satz 1 Nr. 5 BAföG).\n\nDie derzeitige Regelung der Förderung von Zweitausbildungen nach dem BAföG             35\nführt zu einer Schlechterstellung von Auszubildenden in bestimmten Fällen, weil\n§ 11 Abs. 3 Satz 1 Nr. 5 BAföG an die Erfüllung der Unterhaltspflicht von Eltern anknüpft. Eine solche Verknüpfung hat zur Konsequenz, daß die Auszubildenden, die\n- bei wirtschaftlicher Zumutbarkeit für die Eltern - auch noch während einer Zweitausbildung unterhaltsberechtigt sind, weil sie ihre Ausbildung im Sinne der Rechtsprechung des Bundesgerichtshofes planvoll anlegen und zielstrebig durchführen,\nnur elternabhängig gefördert werden können. Dagegen aber erhalten andere Auszubildende nach § 11 Abs. 3 Satz 1 Nr. 5 BAföG während ihrer gesamten Zweitausbildung eine elternunabhängige Ausbildungsförderung, weil bei ihnen die Eltern ihre\nUnterhaltspflicht erfüllt haben.\n\nDieses Ergebnis wird zu Recht als unbillig empfunden und soll durch Streichung der     36\nan die Erfüllung der Unterhaltspflicht geknüpften elternunabhängigen Förderung\nnach § 11 Abs. 3 Satz 1 Nr. 5 BAföG in Zukunft vermieden werden. Die elternunab-\n\n\n\n                                         6/18\n\nhängige Förderung wird auf Abendgymnasiasten und Kollegiaten, über 30jährige\nStudienanfänger sowie Auszubildende, die vor dem Beginn ihrer Zweitausbildung\nbereits mehrere Jahre berufstätig waren, begrenzt. Im übrigen werden auch Auszubildende in einer Zweitausbildung in Zukunft elternabhängig gefördert werden.\n\nÜbergangsregelungen stellen sicher, daß Auszubildende, die sich im Zeitpunkt des       37\nInkrafttretens der Gesetzesänderung bereits in einem elternunabhängig geförderten\nAusbildungsabschnitt befinden oder die wegen der durch die Ableistung u.a. des\nGrundwehrdienstes bedingten Verzögerung erst verspätet ihre Ausbildung beginnen\nkönnen, keine Nachteile erleiden.\n\nEbenfalls der stärkeren Anbindung der Ausbildungsförderung an die wirtschaftliche      38\nLeistungskraft der Eltern dient die vorgesehene Streichung der sogenannten eingeschränkt elternabhängigen Förderung nach § 25 a BAföG.\n\nDie Begrenzung der elternunabhängigen Förderung auf die Fälle des § 11 Abs. 3          39\nSatz 1 Nr. 1 bis 4 BAföG erfordert es, die Vorausleistung nach § 36 BAföG auf diejenigen zu beschränken, die noch keine Ausbildung berufsqualifizierend abgeschlossen haben. Anderenfalls müßte in Fällen des bisherigen § 11 Abs. 3 Satz 1\nNr. 5 BAföG im Rahmen der Vorausleistung praktisch unverändert elternunabhängige Vollförderung gewährt werden. Die mit der Änderung des § 11 Abs. 3 BAföG angestrebte engere Anbindung der Ausbildungsförderung an die wirtschaftliche Leistungskraft der Eltern würde damit unterlaufen.\n\n Zugleich änderte der Gesetzgeber durch Art. 1 Nr. 29 des 12. BAföGÄndG die seit       40\n1971 bis auf geringe redaktionelle Korrekturen unveränderte Vorschrift des § 36 Abs.\n1 BAföG. Sie lautete nun:\n\nMacht der Auszubildende glaubhaft, daß seine Eltern den nach den Vorschriften          41\ndieses Gesetzes angerechneten Unterhaltsbetrag nicht leisten, und ist die Ausbildung - auch unter Berücksichtigung des Einkommens und Vermögens des Ehegatten im Bewilligungszeitraum - gefährdet, so wird nach Anhörung der Eltern Ausbildungsförderung ohne Anrechnung dieses Betrages geleistet. Satz 1 gilt nicht für\nAuszubildende, die bereits eine Ausbildung berufsqualifizierend abgeschlossen haben. Satz 2 gilt nicht für Auszubildende, die für den Monat Juni 1990 Vorausleistung\nerhalten haben.\n\n § 36 BAföG 1990 wurde in der Folgezeit nur redaktionell geändert. Die Sätze 2 und     42\n3 des § 36 BAföG 1990 sind gemäß Art. 1 Nr. 20 des Achtzehnten Gesetzes zur Änderung des Bundesausbildungsförderungsgesetzes (18. BAföGÄndG) vom 17. Juli\n1996 (BGBl I S. 1006; im folgenden: BAföG 1996) zu Sätzen 3 und 4 geworden.\n\n                                         II.\n 1. Im Ausgangsverfahren begehrt der Kläger die Gewährung von Ausbildungsförderung ohne Berücksichtigung des Einkommens und Vermögens seiner Eltern.\n\n\n\n\n                                         7/18\n\n Der am 23. März 1968 geborene Kläger verließ die Hauptschule mit dem Sekundarabschluß I (Realschulabschluß). Anschließend erwarb er den erweiterten Sekundarabschluß I durch den einjährigen Besuch einer Berufsfachschule. Die sich daran anschließende Lehre zum Vermessungstechniker schloß er 1988 ab. Den erlernten\nBeruf übte er ein Vierteljahr aus. Er besuchte zwischen August 1988 und Juni 1991\nein Fachgymnasium und erwarb dort die allgemeine Hochschulreife. Während dieser\nZeit erhielt er elternunabhängige Ausbildungsförderung. Zum Wintersemester 1991/\n92 begann er ein Studium der Geodäsie an der Universität.\n\n Auf entsprechenden Antrag gewährte das Studentenwerk dem Kläger des Ausgangsverfahrens Ausbildungsförderung unter Berücksichtigung eines anrechenbaren Einkommens seiner Mutter in Höhe von 167,18 DM (ab September 1992 325,33\nDM). Hiergegen legte der Kläger Widerspruch mit dem Ziel ein, eltern-unabhängige\nAusbildungsförderung zu erhalten. Der Widerspruch wurde zurückgewiesen, insbesondere unter Hinweis auf § 11 Abs. 3 Satz 3 BAföG 1990.\n\n 2. a) Mit seiner gegen die ablehnenden Bescheide erhobenen Klage begehrte der         46\nKläger Ausbildungsförderung ohne Berücksichtigung des Einkommens und Vermögens seiner Eltern. Zur Begründung führte er aus, seine Mutter sei zur Leistung von\nAusbildungsunterhalt nicht verpflichtet und im übrigen auch nicht bereit, ihm Unterhalt in der angerechneten Höhe zu zahlen. Er habe bei Beginn des Besuchs des\nFachgymnasiums darauf vertraut, daß er sein auf dem Zweiten Bildungsweg angestrebtes Studium mit Unterstützung elternunabhängig gewährter Ausbildungsförderung abschließen könne. Diesem Vertrauen müsse Rechnung getragen werden.\n\n b) Der Kläger des Ausgangsverfahrens hat weiter einen Antrag auf Gewährung von        47\nAusbildungsförderung gemäß § 36 BAföG gestellt, der unter Hinweis auf § 36 Abs. 1\nSatz 2 und 3 BAföG 1990 abgelehnt worden ist.\n\n c) Das Verwaltungsgericht hat das Verfahren ausgesetzt und dem Bundesverfassungsgericht die Frage zur Entscheidung vorgelegt, ob\n\n§ 11 Abs. 3 Satz 3 BAföG idF des 12. BAföGÄndG (BGBl I, S. 936) mit Art. 3 Abs.        49\n1, Art. 12 Abs. 1 und Art. 20 Abs. 1 GG vereinbar ist.\n\n aa) Das vorlegende Gericht möchte dem Kläger den nach seiner Auffassung dem           50\nGrunde nach bestehenden Anspruch auf elternunabhängige Förderung der Zweitausbildung gemäß § 11 Abs. 3 Satz 1 Nr. 5 BAföG zusprechen. Es sieht sich jedoch\ndaran durch § 11 Abs. 3 Satz 3 BAföG 1990 gehindert, der den Kläger, der sein Studium nach dem 30. Juni 1990 begonnen habe, von der elternunabhängigen Förderung ausschließe.\n\n bb) Das vorlegende Gericht ist der Überzeugung, die Vorschrift des § 11 Abs. 3        51\nSatz 3 BAföG 1990 sei mit Art. 3 Abs. 1 GG nicht vereinbar, der durch das Grundrecht der Freiheit der Berufswahl gemäß Art. 12 Abs. 1 GG und das Sozialstaatsgebot des Art. 20 Abs. 1 GG eine besondere Ausprägung erfahre. Unter Verstoß gegen\ndas Gleichbehandlungsgebot beschränke sie die Gewährung von Ausbildungsförde-\n\n\n                                        8/18\n\nrung ohne Berücksichtigung des Einkommens und Vermögens der Eltern nach Maßgabe des § 11 Abs. 3 Satz 1 Nr. 5 BAföG 1990 auf die Fälle, in denen der Ausbildungsabschnitt vor dem 1. Juli 1990 begonnen wurde.\n\n  Der Kläger, der gegenüber seiner Mutter keinen Anspruch auf Gewährung von Unterhalt zur Durchführung der von ihm aufgenommenen Hochschulausbildung habe,\nerhalte entgegen dem in § 1 BAföG niedergelegten Grundsatz keine bedarfsdeckende Ausbildungsförderung. Hierdurch werde er gegenüber anderen Auszubildenden,\ndie eine nach § 7 Abs. 1 BAföG förderungsfähige Ausbildung betrieben, in einer Art\nund Weise benachteiligt, die mit Art. 3 Abs. 1 GG nicht zu vereinbaren sei. Eine Verletzung des Gleichheitssatzes liege insoweit vor, als der Kläger des Ausgangsverfahrens mit solchen Auszubildenden gleichbehandelt werde, die für die Ausbildung über\neinen Unterhaltsanspruch gegenüber leistungsfähigen Eltern verfügten. Ungleich\nwerde er gegenüber Auszubildenden behandelt, die, wie er, keinen Unterhaltsanspruch für die weitere Ausbildung mehr hätten, aber mangels Leistungsfähigkeit der\nEltern Ausbildungsförderung in bedarfsdeckender Höhe erhielten.\n\n  Die Verweisung des Auszubildenden auf das Einkommen und Vermögen seiner Eltern setze eine Parallelität von bürgerlichrechtlichem Unterhalts- und öffentlichrechtlichem Ausbildungsanspruch voraus, die gerade hier typischerweise nicht bestehe.\nVon Anfang an sei die Gewährung von Ausbildungsförderung für die Auszubildenden\ndes Zweiten Bildungsweges ohne Berücksichtigung des Einkommens und Vermögens der Eltern vorgesehen gewesen. Es gebe keine Anhaltspunkte dafür, daß der\nGesetzgeber 1990 diese bildungspolitische Zielsetzung mit dem Zwölften Gesetz zur\nÄnderung des Bundesausbildungsförderungsgesetzes habe fallen lassen. Solange\naber der Gesetzgeber an dieser bildungspolitischen Zielsetzung festhalte, sei er auch\ngehalten, die wirtschaftlichen Voraussetzungen für die Durchführung dieser Bildungsgänge für alle Auszubildenden nach sachgerechten Kriterien zu schaffen. Insbesondere sei der Gesetzgeber daran gehindert, eine Regelung zu treffen, mit der er\neinem erheblichen Teil der Auszubildenden des Zweiten Bildungsweges die wirtschaftlichen Voraussetzungen für die Durchführung der Ausbildung entziehe, ohne\ndaß für diese Ungleichbehandlung ein sachlicher Grund vorläge. Er habe auch die\nMöglichkeit gehabt, die gleichheitswidrige Benachteiligung dieser Gruppe zu vermeiden. So wäre ohne weiteres eine Beschränkung der Anwendung der Regelung des\n§ 11 Abs. 3 Satz 1 Nr. 5 BAföG auf die Absolventen des Zweiten Bildungsweges (vgl.\n§ 7 Abs. 2 Satz 1 Nr. 4 BAföG) möglich gewesen. Auch der vollständige Ausschluß\ndieses Personenkreises von Vorausleistungen durch § 36 Abs. 1 Satz 2 BAföG 1990\nsei in diesem Zusammenhang beachtlich, weil damit alle Möglichkeiten abgeschnitten worden seien, wenigstens im Einzelfall das Nichtbestehen eines Unterhaltsanspruchs nachzuweisen. Eine verfassungskonforme Auslegung der entscheidungserheblichen Vorschrift des § 11 Abs. 3 Satz 3 BAföG 1990 komme aufgrund des klaren\nWortlautes der Vorschrift nicht in Betracht.\n\n\n\n\n                                           9/18\n\n                                         III.\n Zur Vorlage haben sich das Bundesministerium für Bildung, Wissenschaft, Forschung und Technologie namens der Bundesregierung und das Bundesverwaltungsgericht geäußert.\n\n 1. Das Bundesministerium hält § 11 Abs. 3 Satz 1 Nr. 5 BAföG 1990 für verfassungsgemäß.\n\n  Grund für die Änderung des § 11 Abs. 3 Satz 1 Nr. 5 BAföG 1979 seien die Vorschläge des Beirats für Ausbildungsförderung aus dem Herbst 1988 gewesen. Der\nBeirat sei zu dem Ergebnis gekommen, die elternunabhängige Förderung während\neiner Zweitausbildung habe sich nicht bewährt. Die Vorschrift sei zunächst auf Auszubildende des klassischen Zweiten Bildungsweges zugeschnitten gewesen. Durch\nein geändertes Ausbildungsverhalten von Studienberechtigten des Ersten Bildungswegs, die zunehmend vor Aufnahme eines Studiums eine praktische berufliche Ausbildung durchliefen (sogenannte Abitur-Lehre-Studium-Fälle), seien, entgegen der\nursprünglichen Intention des Gesetzgebers, immer mehr Förderungsberechtigte des\nErsten Bildungswegs in den Genuß der elternunabhängigen Förderung des § 11 Abs.\n3 Satz 1 Nr. 5 BAföG 1979 gekommen. Der Anteil dieser Gruppe sei auf bis zu 40\nvom Hundert aller Förderungsempfänger angewachsen. Die Verknüpfung des Bundesausbildungsförderungsgesetzes mit dem bürgerlichrechtlichen Unterhaltsrecht in\n§ 11 Abs. 3 Satz 1 Nr. 5 BAföG 1979 habe - vor dem Hintergrund der geschilderten\nÄnderung des Ausbildungsverhaltens - unerwünschte Konsequenzen gehabt. Einerseits hätten besonders leistungsstarke Auszubildende, die ihre Ausbildung im Sinne\nder Rechtsprechung des Bundesgerichtshofes planvoll angelegt und zielstrebig\ndurchführt hätten und daher auch während einer Zweitausbildung unterhaltsberechtigt gewesen seien, nicht gefördert werden können, wenn sie nach der Höhe des Elterneinkommens nicht bedürftig gewesen seien. Elternunabhängige Förderung hätten andererseits - und zwar ungeachtet der Höhe des elterlichen Einkommens -\nAuszubildende erhalten, die nicht so leistungsstark gewesen seien und deren Eltern\ninfolgedessen ihre Unterhaltspflicht ihnen gegenüber mit Abschluß der Erstausbildung bereits erfüllt gehabt hätten.\n\n  Dieses als unbillig empfundene Ergebnis und die nicht unerheblichen sogenannten        57\nMitnahmeeffekte hätten mit der Streichung des § 11 Abs. 3 Satz 1 Nr. 5 BAföG 1979\nvermieden werden sollen. Die sich daraus ergebenden Härten seien grundsätzlich\nhinzunehmen. Sie beträfen insbesondere Auszubildende aus finanziell besser gestellten Elternhäusern, wenn auf der einen Seite kein Unterhaltsanspruch gegen die\nEltern mehr bestehe, die elternunabhängige Förderung nach § 11 Abs. 3 Satz 1 Nr. 5\nBAföG 1979 andererseits nicht mehr geleistet werde und die an sich wirtschaftlich\nleistungsfähigen Eltern die Finanzierung des Studiums nicht freiwillig übernehmen\nwollten. Demgegenüber könnten Kinder einkommensschwächerer Eltern grundsätzlich elternabhängige (Teil-)Förderung nach dem Bundesausbildungsförderungsgesetz erhalten. Zudem sei die betroffene Gruppe relativ klein, da seit der Entscheidung\ndes Bundesgerichtshofs vom 7. Juni 1989 (BGHZ 107, 376) Eltern unter bestimmten\n\n\n                                         10/18\n\nVoraussetzungen auch die Kosten eines Hochschulstudiums, welches auf eine Lehre\nfolge, zu tragen hätten. Die verbleibende Restgruppe sei von der Regelung zwar hart\nbetroffen. Diese Härte sei im Hinblick auf das weite gesetzgeberische Ermessen jedoch hinzunehmen.\n\n  Ihre Benachteiligung sei im übrigen gerechtfertigt durch das Ziel des Zwölften Gesetzes zur Änderung des Bundesausbildungsförderungsgesetzes, Familien mit mittleren Einkommen zu entlasten. Diese profitierten von direkten staatlichen Transferleistungen - wie den Leistungen nach diesem Gesetz - nur in geringem Umfang,\nwährend sich steuerliche Entlastungen für sie kaum auswirkten. Hierfür erforderliche\nMittel könnten durch Beschränkung der elternunabhängigen Förderung auf Fälle freigesetzt werden, in denen diese Förderung notwendig sei.\n\n  Im übrigen verweist das Bundesministerium auf das in seinem Auftrag erstellte        59\nRechtsgutachten von Professor Dr. Faller zu der vom vorlegenden Gericht aufgeworfenen verfassungsrechtlichen Frage. Zur Rechtfertigung der Benachteiligung der hier\nbetroffenen Gruppe von Förderungsempfängern, denen Elterneinkommen angerechnet wird, ohne daß ihnen nach bürgerlich-rechtlichem Unterhaltsrecht ein korrespondierender Unterhaltsanspruch gegen ihre Eltern zusteht, wird dort im wesentlichen\ndie Typisierungsbefugnis des Gesetzgebers angeführt. Die Beseitigung der dadurch\nentstehenden Härten sei in erster Linie Aufgabe der leistungsfähigen Eltern.\n\n 2. Der 11. Senat des Bundesverwaltungsgerichts teilt mit, daß er als der für das      60\nAusbildungsförderungsrecht zuständige Senat nach dem 16. März 1994 keine weiteren Entscheidungen zu § 11 Abs. 3 Satz 1 Nr. 5 und Satz 3 BAföG 1990 getroffen habe. Einschlägige Verfahren seien auch nicht anhängig. Zur Anwendung des § 36\nAbs. 1 Satz 2 BAföG 1990 seien Entscheidungen des Bundesverwaltungsgerichts\nweder ergangen noch nach dem derzeitigen Stand zu erwarten.\n\n                                        B.\n  Das Verwaltungsgericht hat nur § 11 Abs. 3 Satz 3 BAföG 1990 zur Nachprüfung         61\ngestellt und § 36 Abs. 1 Satz 2 BAföG 1990 lediglich in die Begründung der Vorlage\neinbezogen, um die Situation der Auszubildenden des Zweiten Bildungsweges nach\nder durch § 11 Abs. 3 Satz 1 Nr. 5 BAföG 1979 geschaffenen Rechtslage zu verdeutlichen. Da sich die von ihm als verfassungswidrig angesehene Rechtslage jedoch\naus dem Zusammenhang der genannten Vorschriften ergibt, muß auch die Bestimmung des § 36 Abs. 1 Satz 2 BAföG 1990 als zur Prüfung vorgelegt angesehen werden (vgl. BVerfGE 12, 151 <163>). Mit diesem Inhalt ist die Vorlage zulässig.\n\n                                        C.\n § 11 Abs. 3 Satz 3 BAföG 1990 allein verstößt nicht gegen Art. 3 Abs. 1 GG (I.). In   62\nVerbindung mit der Regelung des § 36 Abs. 1 Satz 2 BAföG 1990 ist jedoch der allgemeine Gleichheitssatz verletzt (II.).\n\n\n\n\n                                        11/18\n\n                                          I.\n Die Vorschrift des § 11 Abs. 3 Satz 3 BAföG 1990, die den in § 11 Abs. 3 Satz 1 Nr.     63\n5 BAföG 1979 erfaßten Kreis von Auszubildenden in der Regel von der elternunabhängigen Forderung ausschließt, sofern deren Ausbildungsabschnitt nach dem 30.\nJuni 1990 begonnen hat, ist für sich genommen mit Art. 3 Abs. 1 GG vereinbar.\n\n  1. Art. 3 Abs. 1 GG gebietet, alle Menschen vor dem Gesetz gleich zu behandeln.        64\nDas Grundrecht ist daher vor allem dann verletzt, wenn eine Gruppe von Normadressaten im Vergleich zu anderen Normadressaten anders behandelt wird, obwohl zwischen beiden Gruppen keine Unterschiede von solcher Art und solchem Gewicht bestehen, daß sie die ungleiche Behandlung rechtfertigen können (vgl. BVerfGE 55, 72\n<88>; 74, 9 <24>; 87, 1 <36>). Im Rahmen seines Gestaltungsauftrags ist der Gesetzgeber grundsätzlich frei bei seiner Entscheidung, an welche tatsächlichen Verhältnisse er Rechtsfolgen knüpft und wie er von Rechts wegen zu begünstigende\nPersonengruppen definiert. Eine Grenze ist jedoch dann erreicht, wenn durch die Bildung einer rechtlich begünstigten Gruppe andere Personen von der Begünstigung\nausgeschlossen werden und sich für diese Ungleichbehandlung kein in angemessenem Verhältnis zu dem Grad der Ungleichbehandlung stehender Rechtfertigungsgrund finden läßt (vgl. BVerfGE 82, 126 <146> m.w.N.). Dabei ist die Eigenart des zu\nregelnden Sachverhalts dafür ausschlaggebend, was sachlich vertretbar oder sachfremd ist (BVerfGE 6, 84 <91>; 75, 108 <157>; 90, 226 <239>). Im Bereich der gewährenden Staatstätigkeit unterliegt die Abgrenzung der begünstigten Personenkreise der Gestaltungsfreiheit des Gesetzgebers.\n\n  2. Die zur Prüfung vorgelegte Vorschrift des § 11 Abs. 3 Satz 3 BAFöG 1990 bewirkt, daß Auszubildende, die bisher gemäß § 11 Abs. 3 Satz 1 Nr. 5 BAföG 1979 elternunabhängig gefördert wurden, mit Wirkung für die Zukunft in der Regel gemäß\n§ 11 Abs. 2 BAföG nur noch elternabhängig staatliche Leistung erhalten können. Damit werden sie im Verhältnis zu den Auszubildenden, die weiterhin gemäß § 11 Abs.\n3 Nr. 1 bis 4 BAföG elternunabhängig gefördert werden, ungleich behandelt. Die\ndurch die Vorschrift des § 11 Abs. 3 Satz 3 BAföG 1990 bewirkte Herausnahme der\neine Zweitausbildung anstrebenden Auszubildenden aus der Gruppe der elternunabhängig Geförderten (§ 11 Abs. 3 BAföG) und die Zuordnung zur Gruppe der elternabhängig Geförderten (§ 11 Abs. 2 BAföG) wirkt sich für sie nachteilig aus. Sie erhalten\nkeine Förderung, wenn und soweit die Eltern zur Leistung von Unterhalt nach den\nAnrechnungsvorschriften des Bundesausbildungsförderungsgesetzes in der Lage\nsind. Dies gilt ohne Rücksicht darauf, ob die Eltern nach bürgerlichem Recht zur Finanzierung der Ausbildung (noch) verpflichtet sind und Unterhalt leisten. Nach bisherigem Recht erhielt demgegenüber der Auszubildende die staatliche Förderungsleistung unabhängig davon, ob die Eltern den Unterhaltsbedarf finanzieren wollten,\nsofern das Amt für Ausbildungsförderung festgestellt hatte, daß ein Unterhaltsanspruch der Eltern dem Grunde nach nicht (mehr) bestand.\n\n 3. Diese unterschiedliche Behandlung ist durch hinreichend gewichtige Gründe gerechtfertigt.\n\n\n                                         12/18\n\n  a) Der Gesetzgeber hatte durch § 11 Abs. 3 Satz 1 Nr. 5 BAföG 1979 Auszubildenden die Möglichkeit einer staatlichen Förderung ohne Rücksicht auf die Leistungsfähigkeit der Eltern eröffnet, wenn diese eine weitere in sich selbständige Ausbildung\nbegonnen und die Eltern ihnen gegenüber ihre Unterhaltspflicht erfüllt hatten. Die zur\nPrüfung vorgelegte Vorschrift bewirkt ab einem im Gesetz näher bestimmten Zeitpunkt die Beseitigung dieser Begünstigung, die der Gesetzgeber im Rahmen seines\nförderungspolitischen Ermessens gewährt hatte und zu der er verfassungsrechtlich\nnicht verpflichtet war. Aus verfassungsrechtlicher Sicht genügen demnach sachbezogene Gründe zur Rechtfertigung seiner Entscheidung, die staatliche Ausbildungsförderung wieder stärker von der wirtschaftlichen Leistungskraft der Eltern abhängig zu\nmachen und damit dem Grundsatz der Subsidiarität öffentlicher Ausbildungsförderung (vgl. §§ 1, 11 Abs. 2 BAföG) mehr als bisher Rechnung zu tragen.\n\n  Solche sachlichen Gründe sind gegeben. Als Folge der Änderung des Ausbildungsverhaltens im Zeitraum seit 1979 war - insbesondere durch die Zunahme der sogenannten Abitur-Lehre-Studium-Fälle - die Zahl der Auszubildenden, die elternunabhängig gefördert wurden, bei gleichzeitig sinkender Gefördertenquote kontinuierlich\ngestiegen. Dies hatte zur Konsequenz, daß in erheblichem Umfang Ausbildungsförderung an Kinder von Familien gezahlt wurde, die wirtschaftlich durchaus in der Lage\nwaren, die Kosten der Ausbildung ihrer Kinder selbst zu tragen. Der Anstieg bewegte\nsich auf einen Prozentsatz zwischen 30 und 40 vom Hundert der Förderungsfälle hin.\nDurch die Rechtsprechung des Bundesgerichtshofs zur elterlichen Unterhaltspflicht\nbei einer mit der Erstausbildung fachlich und zeitlich im Zusammenhang stehenden\nZweitausbildung (Urteil vom 7. Juni 1989, a.a.O.) wurde zwar die Gruppe der von\n§ 11 Abs. 3 Satz 1 Nr. 5 BAföG 1979 begünstigten Personen kleiner. Sie blieb aber\ninsgesamt groß genug, so daß sich der Gesetzgeber zu einer verfassungsrechtlich\nunbedenklichen Reaktion auf die dargestellte Entwicklung veranlaßt sah.\n\n Die genannte Rechtsprechung des Bundesgerichtshofs bewirkte im übrigen in Verbindung mit § 11 Abs. 3 Satz 1 Nr. 5 BAföG 1979 eine Rechtslage, die zu unbefriedigenden Ergebnissen führte. Bei Studierenden, die sich aufgrund eines sehr guten bis\nguten berufsqualifizierenden Abschlusses für ein damit zusammenhängendes Studium entschieden hatten, festigte sich der Eindruck, Leistung lohne sich nicht, weil bei\nder sich anschließenden Zweitausbildung die Eltern nach der Rechtsprechung des\nBundesgerichtshofs unterhaltsrechtlich verpflichtet blieben und der Staat deshalb\nkeine Förderungsleistungen erbrachte, während andere Auszubildende elternunabhängig eine staatliche Ausbildungsförderung erhielten, wenn sie ihre Ausbildung\nweniger leistungsorientiert und planmäßig betrieben (vgl. Greß, 20 Jahre BAföG,\n1991, S. 14 f.). Diese Situation wurde durch § 11 Abs. 3 Satz 3 BAföG 1990 auf der\nEbene des staatlichen Ausbildungsförderungsrechts beseitigt.\n\n Der Gesetzgeber konnte auch Konsequenzen aus der Erfahrung mit der Anwendung des § 11 Abs. 3 Satz 1 Nr. 5 BAföG 1979 in der Praxis ziehen. Hier traten nicht\nunerhebliche Schwierigkeiten dadurch auf, daß die Ämter für Ausbildungsförderung\nselbständig das Bestehen einer bürgerlichrechtlichen Unterhaltsverpflichtung nach-\n\n\n                                         13/18\n\nzuprüfen hatten. Auf diese Prüfung war aber ihre personelle und fachliche Ausstattung nicht ausgerichtet. Auch bestand die Gefahr divergierender Entscheidungen der\nÄmter für Ausbildungsförderung und der Verwaltungsgerichte einerseits und der über\nden Unterhaltsanspruch entscheidenden Zivilgerichte andererseits.\n\n  b) Die in Frage stehende Vorschrift des § 11 Abs. 3 Satz 3 BAföG 1990 ist unter       71\ndem Gesichtspunkt des Art. 3 Abs. 1 GG auch nicht deshalb verfassungsrechtlich zu\nbeanstanden, weil sie die förderungsrechtliche Situation speziell der Auszubildenden\nim Zweiten Bildungsweg verschlechtert. Die Benachteiligung gerade dieser Gruppe\nhat das vorlegende Gericht vor allem im Blick. In dieser Gruppe mag ein besonders\nhoher Anteil von solchen Auszubildenden vertreten sein, bei denen der bürgerlichrechtliche Unterhaltsanspruch schon verbraucht ist. Ihre \"Rückkehr\" in den Anwendungsbereich der allgemeinen Vorschrift des § 11 Abs. 2 BAföG hat zur Folge, daß\nsie trotz Nichtbestehens eines bürgerlichrechtlichen Unterhaltsanspruchs staatliche\nAusbildungsförderung nur in dem Umfang erhalten, in dem die Eltern nicht leistungsfähig sind.\n\n Die Verschlechterung der rechtlichen Situation wird aber auch für diesen Personenkreis von den unter a) genannten Gründen getragen. Es steht grundsätzlich im förderungspolitischen Ermessen des Gesetzgebers, ob und inwieweit er die Ausbildung im\nZweiten Bildungsweg durch staatliche Leistungen unterstützt, sofern er deren typische Situation zutreffend einschätzt und zwischen den Studierenden im Zweiten Bildungsweg nicht in einer gegen Art. 3 Abs. 1 GG verstoßenden Weise differenziert.\nDas ist hier nicht der Fall. Im wesentlichen hat der Gesetzgeber in § 11 Abs. 3 Nr. 1\nbis 4 BAföG die Studierenden des Zweiten Bildungsweges erfaßt. Die dort genannten\nPersonen haben sich spät zu einem Studium entschlossen und zum Teil schon einmal wirtschaftlich auf eigenen Füßen gestanden. Ob die hier betroffene Gruppe der\nStudierenden, die aus Gründen der Hochschulsituation oder zur Verbesserung ihrer\nBerufsaussichten zwischen Abitur und Studium lediglich eine Lehre einschieben,\nüberhaupt als solche des Zweiten Bildungsweges anzusprechen ist, bedarf keiner\nEntscheidung. Ihre Lebenssituation ähnelt jedenfalls so weitgehend derjenigen der\nStudierenden, deren Förderung sich nach § 11 Abs. 2 BAföG richtet, daß eine typisierende Gleichbehandlung keinen verfassungsrechtlichen Bedenken begegnet. Der\nGesetzgeber war daher nicht gehindert, die diesem Personenkreis durch § 11 Abs. 3\nSatz 1 Nr. 5 BAföG 1990 vormals eingeräumte sozial- und bildungspolitische Bevorzugung wieder zu nehmen.\n\n                                         II.\n  § 11 Abs. 3 Satz 3 BAföG 1990 verstößt jedoch in Verbindung mit § 36 Abs. 1 Satz      73\n2 BAföG 1990 gegen Art. 3 Abs. 1 GG, soweit danach Auszubildende, die eine berufsqualifizierende Ausbildung abgeschlossen haben, auch in den Fällen auf die elternabhängige Förderung verwiesen und von der staatlichen Förderung ausgeschlossen werden, in denen die Eltern den nach den Vorschriften des\nBundesausbildungsförderungsgesetzes angerechneten Unterhaltsbetrag nicht leis-\n\n\n                                        14/18\n\nten und die Ausbildung dadurch gefährdet ist.\n\n  1. Das Bundesausbildungsförderungsgesetz hat von Anfang an die Vorschrift des          74\n§ 36 enthalten. Nach dieser Bestimmung wird in Fällen, in denen der Auszubildende\nglaubhaft macht, daß seine Eltern den nach den Vorschriften dieses Gesetzes angerechneten Unterhaltsbetrag nicht leisten, und dadurch die Ausbildung gefährdet ist,\nnach Anhörung der Eltern Ausbildungsförderung ohne Anrechnung dieses Betrages\ngeleistet. Die Bestimmung schwächt nach ihrer Grundkonzeption die Bindung der\nstaatlichen Förderung an die abstrakt bestimmte wirtschaftliche Leistungskraft der Eltern ab (vgl. BVerwGE 95, 252 <262 f.>) und bindet sie statt dessen an die tatsächliche Unterhaltssituation des Auszubildenden. Der Gesetzgeber fängt auf diese Weise\nFälle auf, in denen die typisierende Vorschrift der elternabhängigen Förderung nach\n§ 11 Abs. 2 BAföG zu individuellen Härten führt, wenn eine Anrechnung der elterlichen Leistungskraft auf den Bedarf des Auszubildenden nach dieser Bestimmung erfolgt, der angerechnete Unterhaltsbetrag aber nicht wirklich geleistet wird. Dabei\nmacht es für die Anwendung des § 36 Abs. 1 Satz 1 BAföG keinen Unterschied, ob\neine Unterhaltsverpflichtung der Eltern in bezug auf die konkrete Ausbildung nach\nbürgerlichem Recht besteht, aber nicht erfüllt wird, oder ob sie bereits dem Grunde\nnach nicht (mehr) gegeben ist.\n\n  2. Es gibt gute Gründe für die Annahme, daß die Konzeption des § 11 Abs. 2 BAföG       75\nmit dem allgemeinen Gleichheitssatz nur vereinbar ist, wenn zugleich durch eine Vorschrift nach Art des § 36 BAföG vorhersehbare Härtefälle aufgefangen werden können. Diese Konzeption beruht auf der verallgemeinernden Annahme, leistungsfähige\nEltern seien gegenüber ihren Kindern auch leistungswillig. Ihr liegt zudem eine verhältnismäßig pauschalierende Bestimmung der elterlichen Unterhaltsfähigkeit zugrunde. Würde § 36 BAföG nicht die individuellen Härten dieser Konzeption ausgleichen, so gäbe es als Folge der Anwendung des § 11 Abs. 2 BAföG eine Gruppe von\nAuszubildenden, die keine oder nur eine verminderte Förderungsleistung des Staates erhält, weil das elterliche Leistungsvermögen zur Anrechnung kommt, ohne daß\nihnen ein realer Unterhalt von seiten der Eltern zufließt. Diese Gruppe wäre dann gegenüber solchen Auszubildenden benachteiligt, die mangels Leistungsfähigkeit der\nEltern staatliche Leistungen zur Finanzierung ihrer Ausbildung erhalten.\n\n 3. Diese Frage kann jedoch im Rahmen des vorliegenden Normenkontrollverfahrens unbeantwortet bleiben. Denn Art. 3 Abs. 1 GG ist jedenfalls deshalb durch § 11\nAbs. 3 Satz 3 i.V.m. § 36 Abs. 1 Satz 2 BAföG 1990 verletzt, weil innerhalb der Gruppe der Auszubildenden, deren Förderung sich unter dem Gesichtspunkt der Elternabhängigkeit einheitlich nach § 11 Abs. 2 BAföG bestimmt, diejenigen, die bereits eine\nAusbildung berufsqualifizierend abgeschlossen haben, vom Vorausleistungsverfahren nach § 36 Abs. 1 Satz 1 BAföG ohne hinreichenden sachlichen Grund ausgeschlossen werden.\n\n a) Der Gesetzgeber kann sich zur Begründung des § 36 Abs. 1 Satz 2 BAföG 1990           77\nnicht darauf berufen, durch diese Vorschrift werde sichergestellt, daß die angestrebte\n\n\n\n                                         15/18\n\nengere Anbindung der Ausbildungsförderung an die wirtschaftliche Leistungsfähigkeit der Eltern nicht unterlaufen werde (vgl. BTDrucks 11/5961, S. 14). Es liegt zwar\ngrundsätzlich im Ermessen des Gesetzgebers, ob und unter welchen Bedingungen\ner Fördermittel zugunsten von Auszubildenden einsetzt, die bereits einen berufsqualifizierenden Abschluß haben. Entscheidet er sich aber für deren Förderung dem\nGrunde nach (vgl. § 7 Abs. 2 BAföG) und gestaltet er diese Förderung elternabhängig aus, so rechtfertigt es die vom Gesetzgeber gegebene Begründung im Hinblick\nauf Art. 3 Abs. 1 GG nicht, im Unterschied zu allen unter die elternabhängige Förderung fallenden Personen solche Auszubildende mit berufsqualifizierendem Abschluß,\nderen Eltern den angerechneten Unterhalt nicht leisten, im Ergebnis von der öffentlichen Förderung ganz auszuschließen, indem er den Ausgleich individueller Härtefälle im Verfahren nach § 36 Abs. 1 Satz 1 BAföG durch die Vorschrift des § 36 Abs. 1\nSatz 2 BAföG 1990 unterbindet. Denn dieser Gesichtspunkt träfe für alle nach § 11\nAbs. 2 BAföG geförderten Auszubildenden zu.\n\n  b) Die Feststellung des Gleichheitsverstoßes gilt auch für solche Auszubildenden      78\nmit berufsqualifizierendem Abschluß, deren Eltern nach bürgerlichem Recht zur Finanzierung der konkreten Zweitausbildung verpflichtet sind. Die Verweisung dieser\nAuszubildenden auf eine - gegebenenfalls gerichtliche - Durchsetzung ihres Anspruchs auf Ausbildungsunterhalt kann nicht damit begründet werden, es handele\nsich hier um Personen, die typischerweise lebenserfahrener als \"normale\" Auszubildende seien und denen deshalb die Durchsetzung des Unterhaltsanspruchs auch unter Berücksichtigung einer größer gewordenen Distanz zum Elternhaus zugemutet\nwerden könne. Denn die Zweitausbildung ist keineswegs regelmäßig Spätausbildung. Der für diese Gruppe typische Ausbildungsweg führt vom Abitur über die Lehre\nzum Studium.\n\n                                         D.\n\n                                         I.\n  Die verfassungswidrigen Vorschriften sind als mit Art. 3 Abs. 1 GG unvereinbar zu     79\nerklären. In diese Unvereinbarerklärung ist nach § 82 Abs. 1 i.V.m. § 78 Satz 2\nBVerfGG die mit § 36 Abs. 1 Satz 2 BAföG 1990 übereinstimmende Vorschrift des\n§ 36 Abs. 1 Satz 3 BAföG 1996 einzubeziehen. Eine Nichtigerklärung der verfassungswidrigen Vorschriften scheidet im vorliegenden Fall aus, weil der Gesetzgeber\nauf verschiedene Weise eine verfassungskonforme Rechtslage herbeiführen kann.\nEs ist ihm unbenommen, Auszubildende, die eine weitere in sich selbständige Ausbildung beginnen, nachdem ihre Eltern ihnen gegenüber ihre Unterhaltspflicht erfüllt haben, wieder elternunabhängig nach dem Konzept des § 11 Abs. 3 Satz 1 Nr. 5 BAföG\n1979 zu fördern. Der Gesetzgeber kann aber beispielsweise auch eine Regelung\ntreffen, die diesen Auszubildenden den Zugang zur Förderung nach Maßgabe des\n§ 36 Abs. 1 Satz 1 BAföG eröffnet.\n\n\n\n\n                                        16/18\n\n                                         II.\n Die auf der Grundlage der verfassungswidrigen Vorschriften ergangenen und im          80\nZeitpunkt der Bekanntgabe dieser Entscheidung bereits bestandskräftigen Bescheide bleiben unberührt. Dies entspricht dem Grundgedanken des § 79 Abs. 2 Satz 1\nBVerfGG, der auch zur Anwendung kommt, wenn das Bundesverfassungsgericht eine Vorschrift als mit dem Grundgesetz unvereinbar erklärt (vgl. BVerfGE 81, 363\n<384>). Es ist dem Gesetzgeber aber unbenommen, im Zusammenhang mit dem\nGegenstand der vorliegenden Entscheidung eine andere Regelung zu treffen. Er\nkann die erforderliche Neuregelung auch auf bereits bestandskräftige Bescheide erstrecken; von Verfassungs wegen verpflichtet ist er hierzu jedoch nicht.\n\n                                        III.\n Bis zu einer gesetzlichen Neuregelung dürfen § 36 Abs. 1 Satz 2 BAföG 1990 und        81\n§ 36 Abs. 1 Satz 3 BAföG 1996 mit Rücksicht auf die soziale Situation der von diesen\nVorschriften betroffenen Auszubildenden nicht angewendet werden. Es erscheint angemessen, in diese Anordnung auch solche Auszubildende einzubeziehen, über deren Antrag auf Gewährung einer Förderleistung nach § 36 Abs. 1 Satz 1 BAföG noch\nnicht bestands- oder rechtskräftig entschieden ist, was möglicherweise auch dem\nKläger des Ausgangsverfahrens noch zugute kommt.\n\n Bis zur gesetzlichen Neuregelung sind Gerichtsverfahren auszusetzen, deren Gegenstand Förderungsentscheidungen auf der Grundlage des § 11 Abs. 3 Satz 1 Nr. 5\nund Satz 3 BAföG 1990 sind, um den Klägern die Möglichkeit offenzuhalten, aus der\nNeuregelung möglicherweise Nutzen zu ziehen.\n\n               Papier               Grimm                  Kühling\n\n               Jaeger                Haas                   Hömig\n\n              Steiner\n\n\n\n\n                                        17/18\n\nBundesverfassungsgericht, Beschluss des Ersten Senats vom 10. November 1998 -\n1 BvL 50/92\n\nZitiervorschlag BVerfG, Beschluss des Ersten Senats vom 10. November 1998 -\n                1 BvL 50/92 - Rn. (1 - 82), http://www.bverfg.de/e/\n                ls19981110_1bvl005092.html\n\nECLI           ECLI:DE:BVerfG:1998:ls19981110.1bvl005092\n\n\n\n\n                                    18/18\n","source":"ce-bverfg","source_url":"https://www.bundesverfassungsgericht.de/SharedDocs/Entscheidungen/DE/1998/11/ls19981110_1bvl005092.html","url":"https://recht.nulegal.eu/rechtsprechung/bverfg/1998-11-10/1-bvl-50-92","cited_norms":[{"jurabk":"BAföG","ref":"§ 11","ref_norm":"11","n":54},{"jurabk":"BAföG","ref":"§ 36","ref_norm":"36","n":29},{"jurabk":"GG","ref":"Art 3","ref_norm":"3","n":13},{"jurabk":"BAföG","ref":"§ 1","ref_norm":"1","n":4},{"jurabk":"BAföG","ref":"§ 7","ref_norm":"7","n":4},{"jurabk":"GG","ref":"Art 20","ref_norm":"20","n":3},{"jurabk":"GG","ref":"Art 12","ref_norm":"12","n":1},{"jurabk":"BGB","ref":"§ 1610","ref_norm":"1610","n":1},{"jurabk":"BAföG","ref":"§ 29","ref_norm":"29","n":1},{"jurabk":"BAföG","ref":"§ 37","ref_norm":"37","n":1},{"jurabk":"BAföG","ref":"§ 25","ref_norm":"25","n":1},{"jurabk":"BVerfGG","ref":"§ 78","ref_norm":"78","n":1},{"jurabk":"BVerfGG","ref":"§ 79","ref_norm":"79","n":1}],"authoritative_source":"https://www.bundesverfassungsgericht.de/SharedDocs/Entscheidungen/DE/1998/11/ls19981110_1bvl005092.html","attribution":{"source":"Bundesverfassungsgericht","source_url":"https://www.bundesverfassungsgericht.de/SharedDocs/Entscheidungen/DE/1998/11/ls19981110_1bvl005092.html","license":"Creative Commons Zero (CC0 1.0)","license_url":"https://creativecommons.org/publicdomain/zero/1.0/","notice":"Amtliche Entscheidung des Bundesverfassungsgerichts (§ 5 UrhG). 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