{"status":"available","ecli":"ECLI:DE:BVerfG:1997:rk19970507.1bvr180592","court":"BVerfG","senate":"Kammer des Ersten Senats","decided":"1997-05-07","aktenzeichen":"1 BvR 1805/92","doktyp":"Beschluss","leitsatz":null,"text_plain":"Bundesverfassungsgericht\n- 1 BVR 1805/92 -\n\n                                  In dem Verfahren\n                                        über\n                            die Verfassungsbeschwerde\ndes Herrn L..., Rechtsanwalt,\n\n-\n    gegen das Urteil des Oberlandesgerichts Frankfurt am Main\n          vom 29. September 1992 - 22 U 101/91 -\n\nhat die 3. Kammer des Ersten Senats des Bundesverfassungsgerichts durch den\n                                   Vizepräsidenten Seidl,\n                                   den Richter Grimm\n                                   und die Richterin Haas\n\ngemäß § 93 b in Verbindung mit § 93 a BVerfGG in der Fassung der Bekanntmachung vom 11. August 1993 (BGBl I S. 1473) am 7. Mai 1997 einstimmig beschlossen:\n\nDie Verfassungsbeschwerde wird nicht zur Entscheidung angenommen.\n\n                                       Gründe:\n  Die angegriffene Entscheidung verstößt nicht gegen Art. 2 Abs. 1 i.V.m. Art. 1 Abs. 1     1\nGG. Der Einwand des Beschwerdeführers, daß der beklagten Stadt der Schutz der\nMeinungsfreiheit nicht zugute kommt, ist zwar richtig. Das angegriffene Urteil greift insofern in seiner Argumentation zu kurz. Das Oberlandesgericht stützt sich aber auch\nauf die Entscheidungsbegründung des Landgerichts, die zu dem Problem des Widerrufs von Werturteilen ausführlich Stellung bezieht. Die von den Zivilgerichten allgemein geteilte Ansicht, daß ein klagweise durchsetzbarer Anspruch auf den Widerruf\nvon Werturteilen grundsätzlich nicht besteht, stützt sich nicht nur auf das Grundrecht\ndes Urteilenden, seine Meinung frei zu äußern. Allein diese Überlegung könnte die\nAblehnung eines Anspruchs des in seinem Persönlichkeitsrecht Betroffenen auch\nnicht tragen. Grund für die Ablehnung eines Anspruchs auf Widerruf von Werturteilen\nist vielmehr, daß Werturteile wegen ihres subjektiven Charakters nicht auf Richtigkeit\noder Wahrheit überprüfbar sind (vgl. BVerfGE 94, 1 <8>) und niemand rechtlich und\nim Wege der Zwangsvollstreckung gezwungen werden kann, eine Überzeugung aufzugeben oder eine Würdigung zurückzunehmen (vgl. insgesamt BGHZ 10, 104\n<105 ff.>; BGH, NJW 1978, S. 751 <752>; BGHZ 65, 325 <337>; BGH, NJW 1989, S.\n774 <774 f.>). Das gilt grundsätzlich auch für Amtsträger und juristische Personen\ndes öffentlichen Rechts. Der Widerruf beschränkt sich hier ebenfalls auf Tatsachenbehauptungen. Soweit der Beschwerdeführer dagegen vorträgt, ein Anspruch auf Wi-\n\n\n                                           1/3\n\nderruf lediglich gegen Tatsachenbehauptungen werde dem Eingriff durch den Staat\nnicht gerecht, weil das Werturteil in die Öffentlichkeit getragen worden sei, verkennt\ner, daß ein Widerruf der dem Werturteil zugrundeliegenden Tatsachenbehauptungen\nder Öffentlichkeit ermöglicht, ihre eigene Beurteilung nicht nur des Sachverhalts, sondern auch seiner Bewertung durch den sich Äußernden vorzunehmen.\n\n Im übrigen wird von einer Begründung abgesehen (§ 93 d Abs. 1 Satz 3 BVerfGG).           2\n\n Diese Entscheidung ist unanfechtbar.                                                     3\n\n               Seidl                 Grimm                      Haas\n\n\n\n\n                                          2/3\n\nBundesverfassungsgericht, Beschluss der 3. Kammer des Ersten Senats vom\n7. Mai 1997 - 1 BvR 1805/92\n\nZitiervorschlag BVerfG, Beschluss der 3. Kammer des Ersten Senats vom 7. Mai 1997 -\n                1 BvR 1805/92 - Rn. (1 - 3), http://www.bverfg.de/e/\n                rk19970507_1bvr180592.html\n\nECLI            ECLI:DE:BVerfG:1997:rk19970507.1bvr180592\n\n\n\n\n                                      3/3\n","source":null,"source_url":null,"url":"https://recht.nulegal.eu/rechtsprechung/bverfg/1997-05-07/1-bvr-1805-92","cited_norms":[{"jurabk":"BVerfGG","ref":"§ 93a","ref_norm":"93a","n":1},{"jurabk":"BVerfGG","ref":"§ 93d","ref_norm":"93d","n":1}],"authoritative_source":null,"attribution":null,"source_info":{"name":"nu:legal Deutsches Recht","operator":"Nulegal GmbH","terms":"https://recht.nulegal.eu/nutzungsbedingungen","attribution":"Source: nu:legal – recht.nulegal.eu","license_url":"https://recht.nulegal.eu/license","url":"https://recht.nulegal.eu/rechtsprechung/bverfg/1997-05-07/1-bvr-1805-92","retrieved":"2026-07-10 10:41:43.111227+00:00"},"card":{"id":"bverfg/1997-05-07/1-bvr-1805-92","court":"BVerfG","court_id":"bverfg","court_as_stated":"BVerfG","panel":"Kammer des Ersten Senats","date":"1997-05-07","dockets":["1 BvR 1805/92"],"decision_type":"Beschluss","ecli":"ECLI:DE:BVerfG:1997:rk19970507.1bvr180592","ids":{"ecli":"ECLI:DE:BVerfG:1997:rk19970507.1bvr180592"},"cite_as":"BVerfG, Beschluss vom 07.05.1997 – 1 BvR 1805/92","url":"https://recht.nulegal.eu/rechtsprechung/bverfg/1997-05-07/1-bvr-1805-92","headnotes":[],"leitsatz_status":"not_captured","tenor":{"text":"Die Verfassungsbeschwerde wird nicht zur Entscheidung angenommen.","basis":"court_formula","source":null},"tenor_status":"held","cited_norms":[{"id":"BVerfGG/93a","law":"BVerfGG","abbreviation":"BVerfGG","ref":"93a","label":"§ 93a BVerfGG","mentions":1},{"id":"BVerfGG/93d","law":"BVerfGG","abbreviation":"BVerfGG","ref":"93d","label":"§ 93d BVerfGG","mentions":1}],"cited_norms_basis":"extracted_from_text","normenkette":null,"proceeding":{"entries":[],"has_records":false,"note":"No Verfahrensgang record names this decision. 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