{"status":"available","ecli":"ECLI:DE:BGH:2022:310522B3STR67.22.0","court":"BGH","senate":"3. Strafsenat","decided":"2022-05-31","aktenzeichen":"3 StR 67/22","doktyp":"Beschluss","leitsatz":null,"text_plain":"BUNDESGERICHTSHOF\nBESCHLUSS\n3 StR 67/22\n\nvom\n31. Mai 2022\nin der Strafsache\ngegen\n\nwegen Vergewaltigung u.a.\n\nECLI:DE:BGH:2022:310522B3STR67.22.0\n\nDer 3. Strafsenat des Bundesgerichtshofs hat am 31. Mai 2022 gemäß § 356a\nSatz 1 StPO beschlossen:\n\nDer Antrag des Verurteilten auf Nachholung rechtlichen Gehörs\ngegen den Beschluss des Senats vom 5. April 2022 wird zurückgewiesen.\n\nDer Verurteilte hat die Kosten seines Rechtsbehelfs zu tragen.\n\nVon der Erhebung der Gerichtsgebühr wird abgesehen (§ 21\nGKG).\n\nGründe:\n\n1 Das Landgericht hat den Beschwerdeführer wegen Vergewaltigung in fünf\nFällen, in drei Fällen in Tateinheit mit Körperverletzung, zu einer Gesamtfreiheitsstrafe von fünf Jahren und zehn Monaten verurteilt. Die dagegen gerichtete, auf\ndie Rügen der Verletzung formellen und materiellen Rechts gestützte Revision\nhat der Senat mit Beschluss vom 5. April 2022 gemäß § 349 Abs. 2 StPO verworfen. Hiergegen hat der Verurteilte am 7. April 2022 Anhörungsrüge erhoben.\nDiese hat im Ergebnis keinen Erfolg.\n\n2 Der Antrag auf Nachholung rechtlichen Gehörs ist zwar gemäß § 356a\nSatz 2 und 3 StPO zulässig. Der Senat hat zudem den Anspruch auf rechtliches\nGehör (Art. 103 Abs. 1 GG) verletzt, weil er bei seiner Entscheidung - ebenso wie\nder Generalbundesanwalt bei seiner ursprünglichen Antragsschrift - den \"Teil 3\"\nder Revisionsbegründung vom 17. Januar 2022 nicht berücksichtigt hat. Der von\n\nder Verteidigerin über das besondere elektronische Anwaltspostfach an das\nLandgericht übersandte Schriftsatz war dort nicht zu den im Revisionsverfahren\nvorgelegten Akten (§ 347 Abs. 2 StPO) genommen worden und lag dem Senat\nbei seiner Entscheidung deshalb nicht vor. Allerdings ist dieser auf einer fehlerhaften Aktenführung beruhende Verfahrensmangel nicht entscheidungserheblich\nim Sinne des § 356a Satz 1 StPO, da sich die unterbliebene Kenntnisnahme nicht\nauf das Ergebnis der Revisionsentscheidung ausgewirkt hat (vgl. BGH, Beschlüsse vom 4. August 2010 - 3 StR 105/10, StraFo 2011, 55; vom 6. Juni 2011\n- 1 StR 490/10, juris Rn. 5; vom 25. Oktober 2017 - 5 StR 214/17, juris Rn. 4;\nBT-Drucks. 15/3706 S. 18; MüKoStPO/Knauer/Kudlich, § 356a Rn. 25). Hätte\nder Senat das weitere Vorbringen bei seiner Beschlussfassung erwogen, wäre\ndem Rechtsmittel ebenso der Erfolg versagt geblieben.\n\n3 Die in dem nicht weitergeleiteten Schriftsatz gerügte Verletzung des § 261\nStPO ist nicht gegeben. Soweit die Revision beanstandet, das Landgericht habe\nsich in den Urteilsgründen nicht mit verschiedenen im Rahmen von Beweisanträgen vorgetragenen Schriftstücken auseinandergesetzt, kann sie damit bereits im\nAnsatz keinen Erfolg haben. Allein dadurch, dass Urkunden zum Gegenstand\neines in der Hauptverhandlung gestellten Antrags gemacht werden, sind sie nicht\nim Sinne des § 249 Abs. 1 Satz 1 StPO verlesen und Inhalt der Beweisaufnahme.\nIm Übrigen verstößt die Beweiswürdigung nur dann gegen die Pflicht zur erschöpfenden Würdigung und ist mithin rechtsfehlerhaft, wenn das Ergebnis der\nnicht ausdrücklich erörterten Beweiserhebung eine andere Möglichkeit des Tathergangs nahelegt oder sich die Erörterung des Beweisinhalts mit Rücksicht auf\ndie Feststellungen sonst aufdrängen musste (vgl. BGH, Beschluss vom 4. August\n2011 - 3 StR 120/11, NStZ 2012, 49; Urteil vom 29. Juni 2021 - 1 StR 287/20,\njuris Rn. 12 mwN; KK-StPO/Ott, 8. Aufl., § 261 Rn. 205 f.). Dies ist bei den in der\n\nRevisionsbegründung dargelegten Gesichtspunkten, wie auch vom Generalbundesanwalt ausgeführt, nicht der Fall.\n\n4 Der lediglich vorsorglich gestellte Antrag auf Wiedereinsetzung in den\nvorigen Stand wegen Versäumung der Revisionsbegründungsfrist bedarf hier\nkeiner Entscheidung, da die Frist nicht versäumt worden ist.\n\nSchäfer Berg Anstötz\n\nErbguth Kreicker\n\nVorinstanz:\nLandgericht Wuppertal, 01.10.2021 - 26 KLs 3/21 (50 Js 503/18)","source":null,"source_url":null,"url":"https://recht.nulegal.eu/rechtsprechung/bgh/2022-05-31/3-str-67-22","cited_norms":[{"jurabk":"StPO","ref":"§ 356a","ref_norm":"356a","n":2},{"jurabk":"GG","ref":"Art 103","ref_norm":"103","n":1},{"jurabk":"GKG 2004","ref":"§ 21","ref_norm":"21","n":1},{"jurabk":"StPO","ref":"§ 249","ref_norm":"249","n":1},{"jurabk":"StPO","ref":"§ 261","ref_norm":"261","n":1},{"jurabk":"StPO","ref":"§ 347","ref_norm":"347","n":1},{"jurabk":"StPO","ref":"§ 349","ref_norm":"349","n":1}],"authoritative_source":null,"attribution":null,"source_info":{"name":"nu:legal Deutsches Recht","operator":"Nulegal GmbH","terms":"https://recht.nulegal.eu/nutzungsbedingungen","attribution":"Source: nu:legal – recht.nulegal.eu","license_url":"https://recht.nulegal.eu/license","url":"https://recht.nulegal.eu/rechtsprechung/bgh/2022-05-31/3-str-67-22","retrieved":"2026-10-24 07:54:50.612576+00:00"},"card":{"id":"bgh/2022-05-31/3-str-67-22","court":"BGH","court_id":"bgh","court_as_stated":"BGH","panel":"3. 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