{"status":"available","doknr":"CEBGH-BGH_Strafsenat-4_NA_2022-07-19_4_StR_68_22_NA_NA_0","ecli":"ECLI:DE:BGH:2022:190722B4STR68.22.0","court":"BGH","senate":"4. Strafsenat","decided":"2022-07-19","aktenzeichen":"4 StR 68/22","doktyp":"Beschluss","leitsatz":null,"text_plain":"BUNDESGERICHTSHOF\nBESCHLUSS\n4 StR 68/22\n\nvom\n19. Juli 2022\nin der Strafsache\ngegen\n\nwegen gefährlicher Körperverletzung\n\nECLI:DE:BGH:2022:190722B4STR68.22.0\n\nDer 4. Strafsenat des Bundesgerichtshofs hat auf Antrag des Generalbundesanwalts und nach Anhörung des Beschwerdeführers am 19. Juli 2022 gemäß § 349\nAbs. 1 StPO beschlossen:\n\nDie Revision des Angeklagten gegen das Urteil des Landgerichts\nBochum vom 5. Januar 2022 wird als unzulässig verworfen.\n\nDer Beschwerdeführer hat die Kosten des Rechtsmittels zu tragen.\n\nGründe:\n\n1 Das Landgericht hat den Angeklagten wegen gefährlicher Körperverletzung in zwei Fällen zu einer Gesamtfreiheitsstrafe von sechs Jahren und sechs\nMonaten verurteilt. Hiergegen wendet sich der Angeklagte mit seiner auf die\nRüge der Verletzung materiellen Rechts gestützten Revision. Das Rechtsmittel\nist unzulässig.\n\n2 1. Die Revision ist nicht wirksam eingelegt, weil der Schriftsatz des Verteidigers nicht den Formerfordernissen des § 32d StPO genügt.\n\n3 a) Nach dem seit dem 1. Januar 2022 geltenden § 32d Satz 2 StPO müssen Verteidiger und Rechtsanwälte u.a. die Revision und ihre Begründung als\nelektronisches Dokument übermitteln. Insoweit handelt es sich um eine Form-\n\nund Wirksamkeitsvoraussetzung der jeweiligen Prozesshandlung. Ihre Nichteinhaltung bewirkt die Unwirksamkeit der Erklärung (vgl. BGH, Beschluss vom\n24. Mai 2022 ‒ 2 StR 110/22, Rn. 3; BT-Drucks. 18/9416 S. 51; Köhler in Meyer-Goßner, 65. Aufl., § 32d Rn. 2; KK-StPO/Graf, 8. Aufl., § 32d Rn. 5; SSW-StPO/Claus, 4. Aufl., § 32d Rn. 4; Radke in: Ory/Weth, jurisPK, 2. Aufl., § 32d\nRn. 10; BeckOK-StPO/Valerius, 44. Ed., § 32d Rn. 4; HK-GS/Bosbach, 5. Aufl.,\n§ 32d Rn. 2).\n\n4 b) Diesen Anforderungen genügt die Revisionseinlegung vorliegend nicht.\nDenn der Angeklagte hat seine Revision am 6. Januar 2022 lediglich mit einem\nper Fax übermittelten Schriftsatz seines Verteidigers eingelegt. Anhaltspunkte\ndafür, dass eine elektronische Übermittlung aus technischen Gründen vorübergehend nicht möglich war (§ 32d Satz 3 StPO), sind nicht dargetan.\n\n5 2. Für eine Wiedereinsetzung ist kein Raum.\n\n6 a) Weder ist ein Antrag auf Wiedereinsetzung in die Frist zur Revisionseinlegung gestellt noch die Revisionseinlegung nachgeholt worden (§ 45 Abs. 1\nSatz 1, Abs. 2 Satz 2 StPO), obwohl der Verteidiger und der Angeklagte durch\nSchreiben des Generalbundesanwalts vom 1. März 2022 auf die Unwirksamkeit\nder bisherigen Erklärung und die Möglichkeit, einen Wiedereinsetzungsantrag zu\nstellen, hingewiesen worden sind.\n\n7 b) Für eine gemäß § 45 Abs. 2 Satz 3 StPO von Amts wegen zu gewährende Wiedereinsetzung in den vorigen Stand in die versäumte Wiedereinsetzungsfrist besteht schon deshalb kein Anlass, weil insoweit ein Mitverschulden\ndes Angeklagten mit Blick auf die ihm durch den Hinweis des Generalbundesanwalts bereits vermittelte Kenntnis von der formunwirksamen Revisionseinlegung\n\ndurch seinen Verteidiger nicht ausgeschlossen erscheint (vgl. hierzu BGH, Beschluss vom 21. Dezember 1972 – 1 StR 267/72, BGHSt 25, 89, 90 ff.; Beschluss\nvom 30. November 2017 – 3 StR 539/17).\n\nQuentin Bartel Sturm\n\nRommel Scheuß\n\nVorinstanz:\nLandgericht Bochum, 05.01.2022 ‒ 7 Ks 30 Js 98/21 15/21","source":"ce-bgh","source_url":"https://doi.org/10.5281/zenodo.15153244","url":"https://recht.nulegal.eu/rechtsprechung/bgh/2022-07-19/4-str-68-22","cited_norms":[{"jurabk":"StPO","ref":"§ 32d","ref_norm":"32d","n":3},{"jurabk":"StPO","ref":"§ 45","ref_norm":"45","n":1},{"jurabk":"StPO","ref":"§ 349","ref_norm":"349","n":1}],"authoritative_source":"https://doi.org/10.5281/zenodo.15153244","attribution":{"source":"Bundesgerichtshof","source_url":"https://doi.org/10.5281/zenodo.15153244","license":"Creative Commons Zero (CC0 1.0)","license_url":"https://creativecommons.org/publicdomain/zero/1.0/","notice":"Amtliche Entscheidung des Bundesgerichtshofs. 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