{"status":"available","doknr":"CEBGH-BGH_Strafsenat-6_NA_2022-07-12_6_StR_237_22_NA_NA_0","ecli":"ECLI:DE:BGH:2022:120722B6STR237.22.0","court":"BGH","senate":"6. Strafsenat","decided":"2022-07-12","aktenzeichen":"6 StR 237/22","doktyp":"Beschluss","leitsatz":null,"text_plain":"BUNDESGERICHTSHOF\nBESCHLUSS\n6 StR 237/22\n\nvom\n12. Juli 2022\nin der Strafsache\ngegen\n\n1.\n\n2.\n\nwegen bewaffneten Handeltreibens mit Betäubungsmitteln u.a.\n\nECLI:DE:BGH:2022:120722B6STR237.22.0\n\nDer 6. Strafsenat des Bundesgerichtshofs hat am 12. Juli 2022 beschlossen:\n\n1. Auf die Revisionen der Angeklagten gegen das Urteil des\nLandgerichts Lüneburg vom 23. Februar 2022 wird\n\na) von der Einziehung der Tatmittel abgesehen, und\n\nb) das Urteil betreffend den Angeklagten N. im\nSchuldspruch dahin geändert, dass er im Fall II.B.3 der\nUrteilsgründe wegen bewaffneten Handeltreibens mit\nBetäubungsmitteln verurteilt ist.\n\n2. Die weitergehenden Revisionen werden verworfen.\n\n3. Die Beschwerdeführer haben die Kosten ihres jeweiligen\nRechtsmittels zu tragen.\n\nGründe:\n\n1 Das Landgericht hat den Angeklagten N. wegen „Einfuhr von Betäubungsmitteln in nicht geringer Menge mit Waffen tateinheitlich mit Handeltreiben mit Betäubungsmitteln in nicht geringer Menge“ (Fall II.B.3) sowie wegen\nEinfuhr von Betäubungsmitteln in nicht geringer Menge in Tateinheit mit Handeltreiben mit Betäubungsmitteln in nicht geringer Menge in zwei Fällen zu einer\nGesamtfreiheitsstrafe von sechs Jahren und zehn Monaten verurteilt. Den Angeklagten P. hat es wegen Einfuhr von Betäubungsmitteln in nicht geringer\nMenge, jeweils in Tateinheit mit Handeltreiben mit Betäubungsmitteln in nicht geringer Menge, in drei Fällen zu einer Gesamtfreiheitsstrafe von vier Jahren und\nzehn Monaten verurteilt. Zudem hat das Landgericht die Einziehung mehrerer\n\nGegenstände als Tatmittel und des „Wertes des Taterlangten“ in Höhe von\n316.965 Euro angeordnet. Die jeweils auf die Sachrüge gestützten Revisionen\nder Angeklagten haben den aus der Beschlussformel ersichtlichen Erfolg (§ 349\nAbs. 4 StPO); im Übrigen sind sie unbegründet im Sinne des § 349 Abs. 2 StPO.\n\n2 1. Der Schuldspruch gegen den Angeklagten N. hält im Fall II.B.3\nrechtlicher Nachprüfung nicht stand.\n\n3 a) Nach den Feststellungen erwarb der Angeklagte N. in Spanien\nzum gewinnbringenden Verkauf 28,121 kg Marihuana mit einer Wirkstoffmenge\nvon 3,668 kg THC, das er mit einem Fahrzeug nach Deutschland einführte, in\ndem sich in der Ablage der Fahrertür griffbereit ein Teleskopschlagstock befand.\n\n4 b) Eine Verurteilung wegen bewaffneter Einfuhr nach § 30a Abs. 2 Nr. 2\nBtMG schied schon deshalb aus, weil nach dem Gesetzeswortlaut von dieser\nQualifikationsnorm eine Einfuhr nur erfasst wird, wenn mit den Drogen nicht Handel getrieben werden soll („ohne Handel zu treiben“). Anderenfalls ist die Einfuhr\nin nicht geringer Menge unselbständiger Teilakt des bewaffneten Handeltreibens\n(vgl. BGH, Urteil vom 13. Februar 2002 – 3 StR 349/02, NJW 2003, 1679; Beschlüsse vom 24. April 2003 – 3 StR 369/01; vom 5. März 2013 – 1 StR 35/13,\nNStZ 2013, 662). Eine andere Beurteilung ist nicht deshalb gerechtfertigt, weil\nder Angeklagte nicht bereits beim Erwerb, sondern erst bei der Einfuhr eine\n„Waffe“ bei sich führte (vgl. BGH, Beschluss vom 9. Januar 1997 – 1 StR 750/96,\nNStZ-RR 1997, 144 f.).\n\n5 Der Schuldspruch ist daher entsprechend zu ändern (entsprechend § 354\nAbs. 1 StPO). § 265 StPO steht dem nicht entgegen, weil sich der Angeklagte\nnicht wirksamer als geschehen hätte verteidigen können.\n\n6 c) Der Strafausspruch bleibt von der Änderung des Schuldspruchs unberührt. Die Strafkammer hat die Strafe dem weiterhin anwendbaren § 30a Abs. 2\n\nBtMG entnommen. Soweit sie die – nunmehr wegfallende – tateinheitliche Verwirklichung von zwei Tatbeständen zu Lasten des Angeklagten gewertet hat,\nkann der Senat mit Blick auf das Tatbild ausschließen (§ 337 Abs. 1 StPO), dass\ndie Strafkammer bei zutreffender Bewertung auf eine niedrigere Strafe erkannt\nhätte, zumal der Schuldgehalt der Tat unverändert bleibt.\n\n7 2. Von der Anordnung der Einziehung der Gegenstände hat der Senat mit\nZustimmung des Generalbundesanwalts gemäß § 421 Abs. 1 Nr. 3 StPO abgesehen.\n\nSander Feilcke Tiemann\n\nWenske von Schmettau\n\nVorinstanz:\nLandgericht Lüneburg, 23.02.2022 - 22 KLs/6103 Js 20894/20 (4/21)","source":"ce-bgh","source_url":"https://doi.org/10.5281/zenodo.15153244","url":"https://recht.nulegal.eu/rechtsprechung/bgh/2022-07-12/6-str-237-22","cited_norms":[{"jurabk":"BtMG 1981","ref":"§ 30a","ref_norm":"30a","n":2},{"jurabk":"StPO","ref":"§ 349","ref_norm":"349","n":2},{"jurabk":"StPO","ref":"§ 265","ref_norm":"265","n":1},{"jurabk":"StPO","ref":"§ 337","ref_norm":"337","n":1},{"jurabk":"StPO","ref":"§ 354","ref_norm":"354","n":1},{"jurabk":"StPO","ref":"§ 421","ref_norm":"421","n":1}],"authoritative_source":"https://doi.org/10.5281/zenodo.15153244","attribution":{"source":"Bundesgerichtshof","source_url":"https://doi.org/10.5281/zenodo.15153244","license":"Creative Commons Zero (CC0 1.0)","license_url":"https://creativecommons.org/publicdomain/zero/1.0/","notice":"Amtliche Entscheidung des Bundesgerichtshofs. 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