{"status":"available","doknr":"CEBGH-BGH_Zivilsenat-07_NA_2022-03-09_VII_ZR_100_21_NA_NA_0","ecli":"ECLI:DE:BGH:2022:090322BVIIZR100.21.0","court":"BGH","senate":"7. Zivilsenat","decided":"2022-03-09","aktenzeichen":"VII ZR 100/21","doktyp":"Beschluss","leitsatz":null,"text_plain":"BUNDESGERICHTSHOF\nBESCHLUSS\nVII ZR 100/21\n\nvom\n\n9. März 2022\n\nin dem Rechtsstreit\n\nECLI:DE:BGH:2022:090322BVIIZR100.21.0\n\nDer VII. Zivilsenat des Bundesgerichtshofs hat am 9. März 2022 durch den\nVorsitzenden Richter Pamp, die Richter Halfmeier und Prof. Dr. Jurgeleit sowie\ndie Richterinnen Graßnack und Dr. C. Fischer\n\nbeschlossen:\n\nDie Kosten des Rechtsstreits werden gegeneinander aufgehoben.\n\nDer Streitwert für das Revisionsverfahren wird auf bis zu 30.000 €\nfestgesetzt.\n\nGründe:\n\n1 1. Nachdem die Parteien den Rechtsstreit in der Hauptsache übereinstimmend für erledigt erklärt haben, ist von Amts wegen über alle bisher entstandenen Kosten des Rechtsstreits nach § 91a ZPO zu entscheiden. Hierbei kann zwar\neine von den Parteien als angemessen erachtete Kostenregelung berücksichtigt\nwerden (vgl. BGH, Beschluss vom 1. Februar 2017 - VII ZR 125/14 Rn. 2 m.w.N.,\njuris). Eine solche haben die Parteien indes nicht mitgeteilt, so dass sich auch\ndie Gerichtsgebühren nicht ermäßigen.\n\n2 2. Bei der Kostenentscheidung ist der mutmaßliche Ausgang des Revisionsverfahrens zu beachten und dessen Auswirkung auf die Kostenentscheidungen der Vorinstanzen festzustellen (vgl. BGH, Beschluss vom 13. Februar 2003\n- VII ZR 121/02, BauR 2003, 1075, juris Rn. 7 m.w.N.). Hierüber ist - wie es in\n§ 91a ZPO heißt - unter Berücksichtigung des bisherigen Sach- und Streitstands\nnach billigem Ermessen zu entscheiden. In dieser Formulierung kommt die Ziel-\n\nsetzung von § 91a ZPO zum Ausdruck, in der Kernfrage erledigte Rechtsstreitigkeiten einer summarischen, beschleunigten Erledigung zuzuführen. Die Frage\nder Kostenlast rechtfertigt nur eine abgekürzte, Zeit- und Arbeitskraft ersparende\nBehandlung und Entscheidung. Im Falle der auf übereinstimmender Erklärung\nberuhenden Erledigung des Rechtsstreits in der Revisionsinstanz bedeutet das,\ndass lediglich der mutmaßliche Ausgang des Revisionsverfahrens und dessen\nAuswirkung auf die Kostenentscheidungen der Vorinstanzen festzustellen ist und\nes sich regelmäßig verbietet, hierbei alle rechtlichen Zweifelsfragen auszuschöpfen (BGH, Beschluss vom 12. Oktober 2004 - X ZR 176/02, GRUR 2005, 41, juris\nRn. 17 m.w.N.). Es ist - zumal in der Revisionsinstanz - insbesondere nicht Zweck\neiner Entscheidung über die Kosten des Rechtsstreits nach § 91a ZPO, Rechtsfragen von grundsätzlicher Bedeutung zu klären oder das Recht fortzubilden, soweit es um Fragen des materiellen Rechts geht. Grundlage der Entscheidung ist\ndemgemäß lediglich eine summarische Prüfung, bei der das Gericht - auch bei\neiner Entscheidung im Revisionsverfahren - grundsätzlich davon absehen kann,\nin einer rechtlich schwierigen Sache nur wegen der Verteilung der Kosten alle für\nden hypothetischen Ausgang bedeutsamen Rechtsfragen zu klären (BGH, Beschluss vom 8. Oktober 2019 - II ZR 94/17 Rn. 3, AG 2020, 126; Beschluss vom\n5. Dezember 2018 - VII ZB 17/18, Rn. 8, juris; Beschluss vom 7. Februar 2018\n- VII ZB 28/17 Rn. 10, juris).\n\n3 3. Billigem Ermessen entspricht es danach, die Verfahrenskosten gegeneinander aufzuheben.\n\n4 Zwar dürfte die Feststellungsklage unzulässig gewesen sein (vgl. BGH,\nUrteil vom 5. Oktober 2021 - VI ZR 136/20 Rn. 14 ff., WM 2021, 2208). Wenn die\nRevision der Beklagten Erfolg gehabt hätte, wäre dem Senat aber eine Endentscheidung in der Sache nicht möglich gewesen. Das Berufungsgericht hätte,\nwenn es die Unzulässigkeit des Feststellungsantrags erkannt hätte, auf diese\nTatsache hinweisen müssen. Der Senat hätte daher, sofern dies - wie hier - noch\n\nmöglich gewesen wäre, dem Kläger durch Zurückverweisung der Sache Gelegenheit geben müssen, eine nach § 264 Nr. 2 ZPO zulässige Umstellung vorzunehmen (vgl. BGH, Urteil vom 21. Februar 2017 - XI ZR 467/15 Rn. 39, ZIP 2017,\n911; Urteil vom 12. Juli 2005 - VI ZR 83/04, BGHZ 163, 351, juris Rn. 58; Urteil\nvom 17. Juni 1994 - V ZR 34/92, WM 1994, 1888, juris Rn. 16).\n\n5 Zwar hätte eine entsprechende Leistungsklage des Klägers nach der gefestigten höchstrichterlichen Rechtsprechung Aussicht auf Erfolg gehabt (vgl. nur\nBGH, Urteil vom 25. Mai 2020 - VI ZR 252/19, BGHZ 225, 316). Da aber die\nParameter, nach denen sich die Höhe des Schadensersatzanspruches gerichtet\nhätte, nicht festgestellt sind, steht nicht fest, in welcher Höhe der Kläger nach der\nZurückverweisung der Sache tatsächlich obsiegt hätte.\n\nPamp Halfmeier Jurgeleit\n\nGraßnack C. Fischer\n\nVorinstanzen:\nLG Köln, Entscheidung vom 24.09.2019 - 4 O 434/18 -\nOLG Köln, Entscheidung vom 17.12.2020 - 15 U 260/19 -","source":null,"source_url":null,"url":"https://recht.nulegal.eu/rechtsprechung/bgh/2022-03-09/vii-zr-100-21","cited_norms":[{"jurabk":"ZPO","ref":"§ 91a","ref_norm":"91a","n":4},{"jurabk":"ZPO","ref":"§ 264","ref_norm":"264","n":1}],"authoritative_source":null,"attribution":null,"source_info":{"name":"nu:legal Deutsches Recht","operator":"Nulegal GmbH","terms":"https://recht.nulegal.eu/nutzungsbedingungen","attribution":"Source: nu:legal – recht.nulegal.eu","license_url":"https://recht.nulegal.eu/license","url":"https://recht.nulegal.eu/rechtsprechung/bgh/2022-03-09/vii-zr-100-21","retrieved":"2026-10-24 08:00:05.499422+00:00"},"card":{"id":"bgh/2022-03-09/vii-zr-100-21","court":"BGH","court_id":"bgh","court_as_stated":"BGH","panel":"7. Zivilsenat","date":"2022-03-09","dockets":["VII ZR 100/21"],"decision_type":"Beschluss","ecli":"ECLI:DE:BGH:2022:090322BVIIZR100.21.0","ids":{"doknr":"CEBGH-BGH_Zivilsenat-07_NA_2022-03-09_VII_ZR_100_21_NA_NA_0","ecli":"ECLI:DE:BGH:2022:090322BVIIZR100.21.0"},"cite_as":"BGH, Beschluss vom 09.03.2022 – VII ZR 100/21","url":"https://recht.nulegal.eu/rechtsprechung/bgh/2022-03-09/vii-zr-100-21","headnotes":[],"leitsatz_status":"not_captured","tenor":{"text":"Die Kosten des Rechtsstreits werden gegeneinander aufgehoben.\n\nDer Streitwert für das Revisionsverfahren wird auf bis zu 30.000 €\nfestgesetzt.","basis":"court_formula","source":null},"tenor_status":"held","cited_norms":[{"id":"ZPO/91a","law":"ZPO","abbreviation":"ZPO","ref":"91a","label":"§ 91a ZPO","mentions":4},{"id":"ZPO/264","law":"ZPO","abbreviation":"ZPO","ref":"264","label":"§ 264 ZPO","mentions":1}],"cited_norms_basis":"extracted_from_text","normenkette":null,"proceeding":{"entries":[],"has_records":false,"note":"No Verfahrensgang record names this decision. That says nothing about whether earlier or later decisions exist."},"fundstellen":[],"provenance":{"source":null,"source_url":null,"retrieved_at":"2026-10-24T08:00:05.499422+00:00","text_quality":"native","attribution":null},"ai_summary":null,"ai_summary_available":false}}