{"status":"available","doknr":"CEBGH-BGH_Strafsenat-4_NA_2022-07-05_4_StR_157_22_NA_NA_0","ecli":"ECLI:DE:BGH:2022:050722B4STR157.22.0","court":"BGH","senate":"4. Strafsenat","decided":"2022-07-05","aktenzeichen":"4 StR 157/22","doktyp":"Beschluss","leitsatz":null,"text_plain":"BUNDESGERICHTSHOF\nBESCHLUSS\n4 StR 157/22\n\nvom\n5. Juli 2022\nin der Strafsache\ngegen\n\nwegen Anstiftung zur Einfuhr von Betäubungsmitteln in nicht geringer Menge u.a.\n\nECLI:DE:BGH:2022:050722B4STR157.22.0\n\nDer 4. Strafsenat des Bundesgerichtshofs hat nach Anhörung des Generalbundesanwalts und des Beschwerdeführers am 5. Juli 2022 gemäß § 46 Abs. 1,\n§ 349 Abs. 1 StPO beschlossen:\n\n1. Der Antrag des Angeklagten auf Wiedereinsetzung in den\nvorigen Stand gegen die Versäumung der Frist zur Begründung der Revision gegen das Urteil des Landgerichts Aurich\nvom 22. November 2021 wird als unzulässig verworfen.\n\n2. Die Revision des Angeklagten gegen das vorbezeichnete\nUrteil wird als unzulässig verworfen.\n\n3. Der Beschwerdeführer hat die Kosten des Rechtsmittels zu\ntragen.\n\nGründe:\n\n1 Das Landgericht hat den Angeklagten des „Handeltreibens mit Betäubungsmitteln in nicht geringer Menge in Tateinheit mit Anstiftung zur Einfuhr von\nBetäubungsmitteln in nicht geringer Menge in 8 Fällen, sowie des Handeltreibens\nmit Betäubungsmitteln in nicht geringer Menge in Tateinheit mit Anstiftung zur\nEinfuhr von Betäubungsmitteln in nicht geringer Menge in Tateinheit mit verbotenem Kraftfahrzeugrennen sowie des Handeltreibens mit Betäubungsmitteln in\nnicht geringer Menge in 4 Fällen, sowie des Handeltreibens mit Betäubungsmitteln in nicht geringer Menge in Tateinheit mit Einfuhr von Betäubungsmitteln in\n\nnicht geringer Menge in 10 Fällen“ schuldig gesprochen und ihn zu einer Gesamtfreiheitsstrafe von acht Jahren verurteilt. Zudem hat die Strafkammer Maßregeln\ngegen den Angeklagten angeordnet und Einziehungsentscheidungen getroffen.\n\n2 Gegen dieses Urteil legte der Angeklagte fristgerecht Revision ein. Das\nschriftliche Urteil wurde am 24. Januar 2022 zugestellt. Die Revisionsbegründungsschrift des Pflichtverteidigers, mit der die Verletzung formellen und materiellen Rechts gerügt wird, ging am 25. Februar 2022 bei dem Landgericht ein. Mit\nseiner Antragsschrift vom 20. Mai 2022, dem Verteidiger ausweislich des Empfangsbekenntnisses förmlich zugestellt am 14. Juni 2022, beantragt der Generalbundesanwalt, das Rechtsmittel aufgrund der versäumten Revisionsbegründungsfrist (§ 345 Abs. 1 StPO) als unzulässig zu verwerfen. Der inhaftierte Angeklagte beantragt nunmehr mit am 21. Juni 2022 eingegangenem Verteidigerschriftsatz vom selben Tag unter Hinweis auf ein Büroversehen bei dem Verteidiger, ihm Wiedereinsetzung in die versäumte Frist zur Begründung der Revision\nzu gewähren.\n\n3 1. Der Wiedereinsetzungsantrag vom 21. Juni 2022 ist unzulässig.\n\n4 a) Wiedereinsetzung in den vorigen Stand ist auf Antrag demjenigen zu\ngewähren, der ohne Verschulden verhindert war, eine Frist einzuhalten (§ 44\nSatz 1 StPO). Der Antrag ist binnen einer Woche nach Wegfall des Hindernisses\nzu stellen (§ 45 Abs. 1 Satz 1 StPO); innerhalb der Wochenfrist muss der Antragsteller auch Angaben über den Zeitpunkt des Wegfalls des Hindernisses machen\n(vgl. Meyer-Goßner/Schmitt, StPO, 65. Aufl., § 45 Rn. 5 mwN).\n\n5 b) An dieser Zulässigkeitsvoraussetzung fehlt es hier. Der Antrag enthält\nkeine ausreichenden Angaben dazu, wann das Hindernis, das der Fristwahrung\n\nentgegenstand, weggefallen ist (vgl. BGH, Beschluss vom 13. Januar 2016\n– 4 StR 452/15; Beschluss vom 8. April 2003 – 3 StR 30/03). Entscheidend für\nden Fristbeginn ist der Zeitpunkt der Kenntnisnahme durch den Angeklagten\n(BGH, Beschluss vom 13. Januar 2016 – 4 StR 452/15), an den die Antragsschrift des Generalbundesanwalts ebenfalls am 27. Mai 2022 – unter Hinweis auf\ndie Zustellung an den Verteidiger – abgesandt worden ist. Auf den von der Revision allein mitgeteilten Zeitpunkt der Kenntnis des Verteidigers von der Fristversäumnis kommt es nicht an (BGH, Beschluss vom 29. Januar 2013 – 4 StR\n320/12 Rn. 3 f.; Beschluss vom 3. Dezember 2013 – 1 StR 412/13 Rn. 9 f.; Beschluss vom 14. Januar 2015 – 1 StR 573/14). Jedenfalls in den Fällen, in denen\nwie hier die Wahrung der Frist des § 45 Abs. 1 StPO nicht offensichtlich ist, gehört zur formgerechten Anbringung des Wiedereinsetzungsantrags, dass der Antragsteller mitteilt, wann das Hindernis, das der Fristwahrung entgegenstand,\nweggefallen ist (BGH, Beschluss vom 13. Januar 2016 – 4 StR 452/15; Beschluss vom 26. Februar 1991 – 1 StR 737/90, BGHR StPO § 45 Abs. 2 Tatsachenvortrag 7 mwN; Beschluss vom 5. August 2010 – 3 StR 269/10 Rn. 3). Dies\ngilt selbst dann, wenn der Verteidiger ein eigenes Verschulden geltend macht,\ndas dem Angeklagten nicht zuzurechnen wäre (BGH, Beschluss vom 20. November 2019 – 4 StR 522/19 Rn. 3; Beschluss vom 13. Januar 2016 – 4 StR 452/15).\n\n6 c) Für eine gemäß § 45 Abs. 2 Satz 3 StPO von Amts wegen zu gewährende Wiedereinsetzung in den vorigen Stand in die versäumte Wiedereinsetzungsfrist ist schon deshalb kein Raum, weil insoweit ein Mitverschulden des\n– der deutschen Sprache mächtigen – Angeklagten mit Blick auf die ihm durch\ndie Antragsschrift des Generalbundesanwalts womöglich bereits vermittelte\nKenntnis von der verfristeten Revisionsbegründung durch seinen Verteidiger\nnicht ausgeschlossen erscheint (vgl. hierzu BGH, Beschluss vom 21. Dezember\n1972 – 1 StR 267/72, BGHSt 25, 89, 90 ff.; Beschluss vom 30. November 2017\n\n– 3 StR 539/17; OLG Frankfurt VRS 59, 429, 431; Meyer-Goßner/Schmitt, StPO,\n65. Aufl., § 44 Rn. 18, § 45 Rn. 12).\n\n7 2. Die entgegen § 345 Abs. 1 Satz 1 und 3, § 43 Abs. 1 StPO nicht binnen\neines Monats nach der Urteilszustellung begründete Revision ist unzulässig.\n\nQuentin Rommel Scheuß\n\nMessing Weinland\n\nVorinstanz:\nLandgericht Aurich, 22.11.2021 ‒ 19 KLs 110 Js 19616/20 10/21","source":"ce-bgh","source_url":"https://doi.org/10.5281/zenodo.15153244","url":"https://recht.nulegal.eu/rechtsprechung/bgh/2022-07-05/4-str-157-22","cited_norms":[{"jurabk":"StPO","ref":"§ 45","ref_norm":"45","n":3},{"jurabk":"StPO","ref":"§ 43","ref_norm":"43","n":1},{"jurabk":"StPO","ref":"§ 44","ref_norm":"44","n":1},{"jurabk":"StPO","ref":"§ 349","ref_norm":"349","n":1},{"jurabk":"StPO","ref":"§ 345","ref_norm":"345","n":1}],"authoritative_source":"https://doi.org/10.5281/zenodo.15153244","attribution":{"source":"Bundesgerichtshof","source_url":"https://doi.org/10.5281/zenodo.15153244","license":"Creative Commons Zero (CC0 1.0)","license_url":"https://creativecommons.org/publicdomain/zero/1.0/","notice":"Amtliche Entscheidung des Bundesgerichtshofs. 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