{"status":"available","doknr":"CEBGH-BGH_DienstgerichtBund_NA_2022-03-03_NA_RiZ_6_20_NA_NA_0","ecli":"ECLI:DE:BGH:2022:030322BRIZ6.20.0","court":"BGH","senate":"Dienstgericht des Bundes","decided":"2022-03-03","aktenzeichen":"RiZ 6/20","doktyp":"Beschluss","leitsatz":null,"text_plain":"BUNDESGERICHTSHOF\nBESCHLUSS\nRiZ 6/20\nvom\n3. März 2022\nin dem Prüfungsverfahren\n\nwegen Heranziehung zu einer Nebentätigkeit und Anfechtung einer Maßnahme\nder Dienstaufsicht\n\nECLI:DE:BGH:2022:030322BRIZ6.20.0\n\nDer Bundesgerichtshof - Dienstgericht des Bundes - hat durch den Vorsitzenden Richter am Bundesgerichtshof Pamp, den Richter am Bundesgerichtshof Prof. Dr. Karczewski, die Richterinnen am Bundesgerichtshof\nDr. Menges, Harsdorf-Gebhardt und den Richter am Bundesgerichtshof\nGericke\n\nam 3. März 2022\n\nbeschlossen:\n\nDer Antrag des Antragstellers auf Berichtigung des Tatbestands des Senatsurteils vom 18. November 2021 wird zurückgewiesen.\n\nGründe:\n\n1 I. Der Antrag ist bereits unzulässig. Gemäß § 66 Abs. 1 Satz 1 DRiG\ni.V.m. § 119 Abs. 1 VwGO kann die Berichtigung des Tatbestands des\nUrteils beantragt werden, wenn dieser andere Unrichtigkeiten oder Unklarheiten enthält. Die Tatbestandsberichtigung nach § 119 VwGO ist vom\nGesetzgeber mit Rücksicht auf die urkundliche Beweiskraft, die dem Tatbestand nach § 173 Satz 1 VwGO i.V.m. § 314 ZPO zukommt, zugelassen\nworden. Es soll verhindert werden, dass infolge dieser Beweiskraft ein unrichtig beurkundeter Prozessstoff Grundlage für die Entscheidung des\nRechtsmittelgerichts wird (vgl. BVerwG NVwZ 2013, 1237 Rn. 3; Kopp/\nSchenke, VwGO 27. Aufl. § 119 Rn. 1; BGH, Urteil vom 10. März 1983\n- VII ZR 135/82, NJW 1983, 2030, 2031 f. [juris Rn. 29]; OVG für das Land\nNordrhein-Westfalen, Beschluss vom 22. September 2021 - 1 B 1384/21,\n\njuris Rn. 3; OLG Bamberg NJW -RR 2013, 1079 Rn. 9 f., je zu § 314 ZPO;\nBFH NJW 2003, 3440 [juris Rn. 5] zu § 108 FGO).\n\n2 Aus diesem Sinn und Zweck des Tatbestandsberichtigungsantrags\nfolgt, dass er mangels Rechtsschutzbedürfnisses unzulässig ist, wenn\neine Entscheidung mit Rechtsmitteln nicht mehr anfechtbar ist (BFH NJW\n2003, 3440 [juris Rn. 5]; BFH/NV 1994, 189 [juris Rn. 3]; OVG für das Land\nNordrhein-Westfalen, Beschluss vom 22. September 2021 - 1 B 1384/21\njuris Rn. 2; OLG Bamberg NJW -RR 2013, 1079 Rn. 10 f.; KG BauR 2012,\n537 Rn. 4; Zöller/Feskorn, ZPO 34. Aufl. § 320 Rn. 12; Musielak in Musielak, ZPO 18. Aufl. § 320 Rn. 1; Thomas/Putzo, ZPO 42. Aufl. § 320\nRn. 1; Eyermann/Rennert, VwGO 15. Aufl. § 119 Rn. 1; anders Althammer\nin Stein/Jonas, ZPO 23. Aufl. § 320 Rn. 6). So ist etwa bei Revisionsurteilen grundsätzlich kein Tatbestandsberichtigungsantrag zulässig (BVerwG\nNVwZ 2013, 1237 Rn. 3; Kopp/Schenke, VwGO 27. Aufl. § 119 Rn. 1;\nEyermann/Rennert, VwGO 15. Aufl. § 119 Rn. 3). Hier handelt es sich\nzwar nicht um ein Revisionsurteil, sondern um ein erstinstanzliches Urteil\ndes Dienstgerichts des Bundes. Dies ändert aber nichts daran, dass gegen\ndieses Urteil - wie auch der Antragsteller selbst einräumt - kein Rechtsmittel statthaft ist. Das Dienstgericht des Bundes entscheidet in diesem\nFall gemäß § 62 Abs. 1 Nr. 4 d und e DRiG i.V.m. § 61 Abs. 1 DRiG erstund letztinstanzlich (Schmidt-Räntsch, DRiG 6. Aufl. § 62 Rn. 3). Um den\nFall des Übergehens von Anträgen oder sonstigen Prozesserklärungen\n(vgl. BVerwG NVwZ-RR 2018, 592 Rn. 3) geht es hier nicht.\n\n3 Dem steht auch nicht die Möglichkeit einer Verfassungsbeschwerde\nentgegen, da es sich bei dieser nicht um ein ordentliches Rechtsmittel\nhandelt (vgl. BVerfG, Beschluss vom 13. Juni 2013 - 1 BvR 1942/12, juris\nRn. 9). Die Zulässigkeit einer Verfassungsbeschwerde eröffnet mithin\nnicht die Zulässigkeit eines Tatbestandsberichtigungsantrags gegen eine\n\nmit Rechtsmitteln nicht mehr anfechtbare Entscheidung (so BVerwG\nNVwZ-RR 2019, 166 Rn. 5; Beschluss vom 12. März 2014 - 8 C 16/12,\njuris Rn. 22; NVwZ 2013, 1237 Rn. 5; OVG für das Land Nordrhein-Westfalen, Beschluss vom 22. September 2021 - 1 B 1384/21, juris Rn. 10;\nEyermann/Rennert, VwGO 15. Aufl. § 119 Rn. 3; Zöller/Feskorn, ZPO\n34. Aufl. § 320 Rn. 12; Einsiedler, MDR 2011, 1454 f.; anders OLG Oldenburg NJW 2003, 149 [juris Rn. 3]; MünchKomm/Musielak, ZPO 6. Aufl.\n§ 320 Rn. 7; Rößler, NJW 2004, 266 f.; offengelassen von BGH, Beschluss vom 6. Juli 1998 - II ZR 117/97 juris Rn. 3 a.E.). Das Bundesverfassungsgericht ist bei seiner Entscheidung ohnehin nicht an die tatbestandlichen Feststellungen einer angegriffenen Entscheidung gebunden,\nda eine § 137 Abs. 2 VwGO vergleichbare Norm fehlt (BVerwG NVwZ\n2013, 1237 Rn. 5; Beschluss vom 12. März 2014 - 8 C 16/12, juris Rn. 22;\nOVG für das Land Nordrhein-Westfalen, Beschluss vom 22. September\n2021 - 1 B 1384/21 aaO; Zöller/Feskorn, ZPO 34. Aufl. § 320 Rn. 12; Einsiedler, MDR 2011, 1454 f.).\n\n4 II. Der Antrag ist im Übrigen auch unbegründet.\n\n5 1. Soweit der Antragsteller in seinem Schriftsatz zu den Punkten 3)\nbis 7) beantragt, den Tatbestand des Urteils um die dort vorgeschlagenen\nFormulierungen zu ergänzen, verkennt er den Sinn und Zweck eines Tatbestandes. Dieser soll gemäß § 66 Abs. 1 Satz 1 DRiG i.V.m. § 117 Abs. 3\nSatz 1 VwGO den Sach- und Streitstand unter Hervorhebung der gestellten Anträge seinem wesentlichen Inhalt nach gedrängt darstellen. Dem\nwird der Tatbestand hier gerecht. Insbesondere bedarf es nicht der Aufnahme jedes Schreibens oder jeder Nachricht eines Beteiligten (vgl. OVG\nfür das Land Nordrhein-Westfalen, Beschluss vom 22. September 2021\n\n- 1 B 1384/21, juris Rn. 24-26; OVG für das Land Schleswig-Holstein, Beschluss vom 21. Februar 2012 - 1 KN 9/11, juris Rn. 1). Der Berichtigungsantrag rechtfertigt sich auch nicht daraus, dass der Senat nicht vo n § 117\nAbs. 3 Satz 2 VwGO Gebrauch gemacht hat. Hiernach soll wegen der Einzelheiten auf Schriftsätze, Protokolle und andere Unterlagen verwiesen\nwerden, soweit sich aus ihnen der Sach- und Streitstand ausreichend\nergibt. Diese sogenannte pauschale Verweisung soll insbesondere dem\nRevisionsgericht den Zugriff auf den Akteninhalt ermöglichen (vgl. Eyermann/Kraft, VwGO 15. Aufl. § 117 Rn. 16; Redeker/v. Oertzen, VwGO\n17. Aufl., § 117 Rn. 5). Die Entscheidung des Senats ist indessen unanfechtbar, weil das Dienstgericht des Bundes - wie oben dargelegt - erstund letztinstanzlich entscheidet.\n\n6 2. Ohne Erfolg begehrt der Antragsteller zu Punkt 1), es solle auf\nSeite drei des Urteils statt \"eine pauschale Zuweisung an die Senate\" heißen \"eine pauschale Zuteilung an die jeweiligen Vorsitzenden\". Die Gerichtsverwaltung hat jedenfalls bis in das Jahr 2019 keine persönliche Zuteilung der Patentanwaltsbewerber/innen an einzelne Senatsvorsitzende\nvorgenommen, sondern pauschal an die für die Senate handelnden Vorsitzenden. Sodann erfolgte innerhalb der Senate die Verteilung. Insoweit\nist auch eine Entscheidungserheblichkeit des Vorbringens des An tragstellers nicht ersichtlich.\n\n7 3. Weiter beantragt der Antragsteller zu Punkt 2), dass es auf Seite\nvier des Urteils statt \"sowie 15 den technischen Senaten\" heißen soll \"sowie 15 Kolleginnen und Kollegen aus einem Nichtigkeitssenat bzw. aus\ntechnischen Beschwerdesenaten\". Auch hiermit kann er nicht durchdringen. Im Urteil wurde lediglich ergänzend darauf verwiesen, dass nicht\nsämtliche Patentanwaltsbewerber/innen den Markenbeschwerdesenaten\nzugewiesen wurden, sondern 15 zu weiteren Richterinnen und Richtern\n\naus den technischen Senaten im weiteren Sinn kamen. Eine Unrichtigkeit\ndes Tatbestandes folgt hieraus nicht.\n\n8 4. Schließlich macht der Antragsteller zu Punkt 8) eine Berichtigung\nder Entscheidungsgründe unter Randnummer 28 dahin geltend, es solle\nstatt \"dass grundsätzlich alle rechtskundigen Mitglieder der Markenbeschwerdesenate zur Ausbildung von Patentanwaltsbewerber/innen herangezogen werden\" heißen \"dass grundsätzlich alle beisitzenden rechtskundigen Mitglieder der Markenbeschwerdesenate zur Ausbildung von Patentanwaltsbewerber/innen herangezogen werden\". Insoweit verkennt der Antragsteller, dass es sich hier nicht um tatbestandliche Feststellungen, sondern um eine rechtliche Würdigung im Rahmen der Entscheidungsgründe\nhandelt.\n\nPamp Prof. Dr. Karczewski Dr. Menges\n\nHarsdorf-Gebhardt Gericke","source":"ce-bgh","source_url":"https://doi.org/10.5281/zenodo.15153244","url":"https://recht.nulegal.eu/rechtsprechung/bgh/2022-03-03/riz-6-20","cited_norms":[{"jurabk":"VwGO","ref":"§ 117","ref_norm":"117","n":2},{"jurabk":"VwGO","ref":"§ 119","ref_norm":"119","n":2},{"jurabk":"ZPO","ref":"§ 314","ref_norm":"314","n":2},{"jurabk":"DRiG","ref":"§ 66","ref_norm":"66","n":2},{"jurabk":"FGO","ref":"§ 108","ref_norm":"108","n":1},{"jurabk":"VwGO","ref":"§ 137","ref_norm":"137","n":1},{"jurabk":"DRiG","ref":"§ 61","ref_norm":"61","n":1},{"jurabk":"VwGO","ref":"§ 173","ref_norm":"173","n":1}],"authoritative_source":"https://doi.org/10.5281/zenodo.15153244","attribution":{"source":"Bundesgerichtshof","source_url":"https://doi.org/10.5281/zenodo.15153244","license":"Creative Commons Zero (CC0 1.0)","license_url":"https://creativecommons.org/publicdomain/zero/1.0/","notice":"Amtliche Entscheidung des Bundesgerichtshofs. 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