{"status":"available","doknr":"CEBGH-BGH_Strafsenat-4_NA_2021-04-28_4_StR_500_20_NA_NA_0","ecli":"ECLI:DE:BGH:2021:280421B4STR500.20.0","court":"BGH","senate":"4. Strafsenat","decided":"2021-04-28","aktenzeichen":"4 StR 500/20","doktyp":"Beschluss","leitsatz":null,"text_plain":"BUNDESGERICHTSHOF\nBESCHLUSS\n4 StR 500/20\n\nvom\n28. April 2021\nin der Strafsache\ngegen\n\nwegen unerlaubten Besitzes von Betäubungsmitteln in nicht geringer\nMenge u.a.\n\nECLI:DE:BGH:2021:280421B4STR500.20.0\n\nDer 4. Strafsenat des Bundesgerichtshofs hat auf Antrag des Generalbundesanwalts und nach Anhörung des Verteidigers am 28. April 2021 beschlossen:\n\n1. Das Verfahren wird eingestellt.\n\n2. Die Staatskasse trägt die Kosten des Verfahrens. Es wird jedoch davon abgesehen, ihr die notwendigen Auslagen des\nAngeklagten aufzuerlegen.\n\nGründe:\n\n1 Das Landgericht hat den Angeklagten mit Urteil vom 25. Juni 2020 wegen\nunerlaubten Besitzes von Betäubungsmitteln in nicht geringer Menge in Tateinheit mit unerlaubtem Handeltreiben mit Betäubungsmitteln und wegen unerlaubten Handeltreibens mit Betäubungsmitteln zu einer Gesamtfreiheitsstrafe von\neinem Jahr und acht Monaten verurteilt und eine Einziehungsentscheidung getroffen. Während des Revisionsverfahrens ist der Angeklagte verstorben.\n\n2 1. Das Verfahren ist gemäß § 206a StPO wegen eines Verfahrenshindernisses einzustellen (vgl. BGH, Beschluss vom 8. Juni 1999 – 4 StR 595/97,\nBGHSt 45, 108). Damit ist das angefochtene Urteil gegenstandslos (vgl. BGH,\nBeschluss vom 8. September 2020 – 4 StR 167/20, NStZ-RR 2021, 64).\n\n3 2. Die Kostenentscheidung richtet sich im Fall des Todes des Angeklagten\nnach den Grundsätzen, die bei Einstellung des Verfahrens wegen eines Verfahrenshindernisses allgemein anzuwenden sind (st. Rspr.; BGH, Beschluss vom\n17. September 2020 – 1 StR 576/18). Deshalb fallen die Kosten des Verfahrens\ngemäß § 467 Abs. 1 StPO der Staatskasse zur Last. Jedoch wird nach § 467\nAbs. 3 Satz 2 Nr. 2 StPO davon abgesehen, die notwendigen Auslagen des Angeklagten der Staatskasse aufzuerlegen. Denn er ist nur deshalb nicht rechtskräftig verurteilt, weil mit seinem Tod ein Verfahrenshindernis eingetreten ist.\n\n4 a) Die Verurteilung des Angeklagten wegen der Betäubungsmitteltaten\nhätte Bestand gehabt, wenn der Angeklagte nicht vor der Entscheidung im Revisionsverfahren verstorben wäre. Die Überprüfung des landgerichtlichen Urteils\ndurch den Senat hat zum Schuldspruch keinen den Angeklagten beschwerenden\nRechtsfehler ergeben.\n\n5 b) Ob neben dem Schuldspruch auch der Rechtsfolgenausspruch Bestand\ngehabt hätte, ist für die Kostenentscheidung ohne Bedeutung. Zwar hängt die\nFrage, ob der Staatskasse auch die Aufwendungen des Angeklagten auferlegt\nwerden, von den Erfolgsaussichten der von ihm eingelegten Revision ab (vgl.\nBGH, Beschluss vom 10. Juli 2001 – 1 StR 235/01). Maßgeblich ist insoweit\nallerdings nicht die Strafzumessung, sondern lediglich, ob – wie hier – der ergangene Schuldspruch Bestand gehabt hätte. Denn bereits dann wäre es unbillig,\nder Staatskasse die notwendigen Aufwendungen des Angeklagten aufzuerlegen\n(vgl. § 467 Abs. 3 Satz 2 Nr. 2 StPO). Hierfür hätte es sogar genügt, wenn das\nVerfahren überhaupt nur bis zur Schuldspruchreife geführt worden wäre (vgl.\nBGH, Beschlüsse vom 17. September 2020 – 1 StR 576/18; vom 13. Februar\n2014 – 1 StR 631/13, NStZ-RR 2014, 160; jeweils mwN).\n\n6 3. Eine Entschädigung für die durchgeführten Strafverfolgungsmaßnahmen ist gemäß § 5 Abs. 2 Satz 1 StrEG bereits deshalb ausgeschlossen, weil der\nAngeklagte diese Maßnahmen vorsätzlich verursacht hat. Im Übrigen wäre eine\nEntschädigung auch nach § 6 Abs. 1 Nr. 2 StrEG zu versagen.\n\nSost-Scheible Bender Bartel\n\nSturm Rommel\n\nVorinstanz:\nEssen, LG, 09.06.2020 ‒ 56 Js 65/20 52 KLs 7/20","source":"ce-bgh","source_url":"https://doi.org/10.5281/zenodo.15153244","url":"https://recht.nulegal.eu/rechtsprechung/bgh/2021-04-28/4-str-500-20","cited_norms":[{"jurabk":"StPO","ref":"§ 467","ref_norm":"467","n":3},{"jurabk":"StPO","ref":"§ 206a","ref_norm":"206a","n":1},{"jurabk":"StrEG","ref":"§ 5","ref_norm":"5","n":1},{"jurabk":"StrEG","ref":"§ 6","ref_norm":"6","n":1}],"authoritative_source":"https://doi.org/10.5281/zenodo.15153244","attribution":{"source":"Bundesgerichtshof","source_url":"https://doi.org/10.5281/zenodo.15153244","license":"Creative Commons Zero (CC0 1.0)","license_url":"https://creativecommons.org/publicdomain/zero/1.0/","notice":"Amtliche Entscheidung des Bundesgerichtshofs. 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