{"status":"available","doknr":"CEBGH-BGH_Ermittlungsrichter_NA_2021-12-27_1_BGs_486_21_NA_NA_0","ecli":"ECLI:DE:BGH:2021:271221B1BGS486.21.0","court":"BGH","senate":"Ermittlungsrichter","decided":"2021-12-27","aktenzeichen":"1 BGs 486/21","doktyp":"Beschluss","leitsatz":null,"text_plain":"Bundesgerichtshof\nErmittlungsrichter\n1 BGs 486/21\nBESCHLUSS\n\nvom\n27. Dezember 2021\n\nin dem Verfahren gemäß § 30 Abs. 4 Satz 2 PUAG\n\ndes Deutschen Bundestages als Rechtsnachfolger des 3. Untersuchungsausschusses der 19. Wahlperiode des Deutschen Bundestages,\n\nAntragsteller,\n\n- Verfahrensbevollmächtigte:\n\n-\n\ngegen\n\nAntragsgegnerin,\n\n- Verfahrensbevollmächtigte:\n\n-\n\nECLI:DE:BGH:2021:271221B1BGS486.21.0\n\nDer Ermittlungsrichter I des Bundesgerichtshofs hat am 27. Dezember 2021 gemäß § 30 Abs. 4 Satz 2 PUAG beschlossen:\n\nDer Antrag vom 30. September 2021 wird verworfen.\n\nGründe:\n\nI.\n\n1 Mit Schriftsatz seiner Verfahrensbevollmächtigten vom 30. September\n2021 hat der 3. Untersuchungsausschuss der 19. Wahlperiode des Deutschen\nBundestages gegen den Beschluss des Ermittlungsrichters des Bundesgerichtshofs vom 6. August 2021 – 1 BGs 340/21 Beschwerde eingelegt.\n\n2 In der Beschwerdeschrift vom 30. September 2021 führen die Verfahrensbevollmächtigten des Untersuchungsausschusses zudem Folgendes aus:\n\n„Für den Fall, dass der Beschwerde der Erfolg versagt werden\nsollte, dürfte konsequent sein, dass der Deutsche Bundestag als\nTräger des Untersuchungsrechts als Rechtsnachfolger des Untersuchungsausschusses dessen Anliegen weiterverfolgen kann. Die\nVeröffentlichung des Berichts des Untersuchungsausschusses als\nBundestagsdrucksache spricht dafür, dass es sich um eine Angelegenheit des gesamten Bundestages handelt, nicht nur des Ausschusses (weshalb es keine bloße Ausschussdrucksache ist).\n\nInsofern wird ein neuerlicher Antrag, unter o.g. verändertem Aktenrubrum, gestellt. Die vorstehenden Ausführungen greifen sinngemäß auch diesbezüglich.“\n\nII.\n\n3 Die vorstehend wiedergegebene Passage in der Beschwerdeschrift vom\n30. September 2021 ist als eigenständiger Antrag des Deutschen Bundestages\n„als Rechtsnachfolger des Untersuchungsausschusses“ auszulegen, der auf die\nWeiterverfolgung des ursprünglichen Rechtsschutzziels des 3. Untersuchungsausschusses der 19. Wahlperiode des Deutschen Bundestages gerichtet ist und\nnur für den Fall der Erfolglosigkeit der Beschwerde gestellt wird.\n\n4 In der ursprünglichen Antragsschrift vom 24. Juni 2021 hatte der 3. Untersuchungsausschuss der 19. Wahlperiode des Deutschen Bundestages beantragt, die Aufhebung des Geheimhaltungsgrades GEHEIM für zulässig zu erklären in Bezug auf die von dem Ausschuss übergebenen Beweismittel, soweit sie in den Berichten der Ermittlungsbeauftragten des Ausschusses\nMartin Wambach, Felix Haendel, Stefan Mattner und Jan Henning Storbeck vom\n16. April, 19. April und 19. Mai 2021 verwertet worden sind (sog. Wambach-Berichte), mit Ausnahme von Namen darin genannter natürlicher Personen, die im\nAbschlussbericht des Untersuchungsausschusses nicht namentlich genannt\nsind.\n\nIII.\n\n5 Der Antrag ist unzulässig.\n\n6 1. Nachdem der Bundesgerichtshof mit Beschluss vom 16. Dezember\n2021 – StB 34/21 die Beschwerde vom 30. September 2021 gegen den Beschluss des Ermittlungsrichters des Bundesgerichtshofs vom 6. August\n2021 – 1 BGs 340/21 verworfen hat, ist die Bedingung, unter der der Antrag gestellt wurde, eingetreten. Ob in dem Verfahren nach § 30 Abs. 4 Satz 2 PUAG\neine solche bedingte Antragstellung durch den als „Rechtsnachfolger“ des ursprünglichen Antragstellers und Beschwerdeführers bezeichneten Deutschen\nBundestag zulässig ist, bedarf vorliegend keiner Entscheidung.\n\n7 2. Außerdem kann vorliegend dahinstehen, ob die zwischen der bedingten\nAntragstellung und der Beschwerdeentscheidung eingetretene Zäsur (vgl. dazu\netwa Klein in Dürig/Herzog/Scholz, Grundgesetz-Kommentar, 95. EL Juli 2021,\nArt. 39 Rn. 48 ff.) durch die konstituierende Sitzung des 20. Deutschen Bundestages am 26. Oktober 2021 Auswirkungen auf die Zulässigkeit des Antrags hatte.\n\n8 3. Der Antrag ist schon deshalb unzulässig, weil der Deutsche Bundestag\nnicht als „Rechtsnachfolger“ des 3. Untersuchungsausschusses der 19. Wahlperiode des Deutschen Bundestages in dessen Antragsrecht aus § 30 Abs. 4 Satz\n2 PUAG eingetreten ist (vgl. dazu im Einzelnen Beschluss des Bundesgerichtshofs vom 16. Dezember 2021 – StB 34/21, Rn. 11 ff., zum Beschwerderecht des\n§ 36 PUAG; siehe auch Beschluss des Ermittlungsrichters des Bundesgerichtshofs vom 6. August 2021 – 1 BGs 340/21, Rn. 23 ff.) und deshalb nicht selbst\ndas Verfahren nach § 30 Abs. 4 Satz 2 PUAG führen kann.\n\nIV.\n\n9 Eine Kostenentscheidung ist nicht veranlasst (vgl. dazu bereits Beschluss\ndes Ermittlungsrichters des Bundesgerichtshofs vom 6. August 2021 – 1 BGs\n340/21, Rn. 42).\n\nDr. Sturm\nRichter am Bundesgerichtshof\n\nRechtsmittelbelehrung\n\nGegen diese Entscheidung ist die Beschwerde statthaft, über die der Bundesgerichtshof entscheidet (§ 36 Abs. 3 PUAG). Die Beschwerde ist schriftlich\noder zu Protokoll bei dem Gericht einzulegen, das die angegriffene Entscheidung\nerlassen hat, hier also beim Ermittlungsrichter des Bundesgerichtshofs. Die Beschwerde ist nicht fristgebunden.","source":"ce-bgh","source_url":"https://doi.org/10.5281/zenodo.15153244","url":"https://recht.nulegal.eu/rechtsprechung/bgh/2021-12-27/1-bgs-486-21","cited_norms":[{"jurabk":"PUAG","ref":"§ 30","ref_norm":"30","n":5},{"jurabk":"PUAG","ref":"§ 36","ref_norm":"36","n":2}],"authoritative_source":"https://doi.org/10.5281/zenodo.15153244","attribution":{"source":"Bundesgerichtshof","source_url":"https://doi.org/10.5281/zenodo.15153244","license":"Creative Commons Zero (CC0 1.0)","license_url":"https://creativecommons.org/publicdomain/zero/1.0/","notice":"Amtliche Entscheidung des Bundesgerichtshofs. 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