{"status":"available","doknr":"CEBGH-BGH_Strafsenat-6_NA_2021-07-27_6_StR_322_21_NA_NA_0","ecli":"ECLI:DE:BGH:2021:270721B6STR322.21.0","court":"BGH","senate":"6. Strafsenat","decided":"2021-07-27","aktenzeichen":"6 StR 322/21","doktyp":"Beschluss","leitsatz":null,"text_plain":"BUNDESGERICHTSHOF\nBESCHLUSS\n6 StR 322/21\n\nvom\n27. Juli 2021\nin der Strafsache\n\ngegen\n\nwegen besonders schweren Raubes u.a.\n\nECLI:DE:BGH:2021:270721B6STR322.21.0\n\nDer 6. Strafsenat des Bundesgerichtshofs hat am 27. Juli 2021 beschlossen:\n\nAuf die Revision des Angeklagten wird das Urteil des\nLandgerichts Stade vom 16. Februar 2021 im Ausspruch über\ndie Gesamtstrafe aufgehoben.\n\nIm Umfang der Aufhebung wird die Sache zu neuer Verhandlung\nund Entscheidung, auch über die Kosten des Rechtsmittels, an\neine andere Strafkammer des Landgerichts zurückverwiesen.\n\nDie weitergehende Revision wird verworfen.\n\nGründe:\n\n1 Das Landgericht hat den Angeklagten wegen besonders schweren\nRaubes in Tateinheit mit gefährlicher Körperverletzung unter Einbeziehung der\nGeldstrafe aus dem Strafbefehl des Amtsgerichts Niebüll vom 14. September 2020 zu einer Gesamtfreiheitsstrafe von fünf Jahren und sechs Monaten\nverurteilt und eine Einziehungsentscheidung getroffen. Die Revision hat mit der\nSachrüge den aus der Beschlussformel ersichtlichen Erfolg (§ 349 Abs. 4 StPO);\nim Übrigen ist sie unbegründet im Sinne des § 349 Abs. 2 StPO.\n\n2 1. Der Gesamtstrafenausspruch unterliegt der Aufhebung, weil der Senat\nwegen der unvollständigen Feststellungen nicht ausschließen kann, dass\nhinsichtlich der dem Urteil des Amtsgerichts Niebüll vom 14. September 2020\nzugrundeliegenden Tat vom 3. Februar 2020 und der durch das Amtsgericht\nOsnabrück am 24. Februar 2020 abgeurteilten Tat eine Gesamtstrafenlage\nbestand. In diesem Fall hätte die (nicht erledigte) zeitlich erste Vorverurteilung\nvom 24. Februar 2020 ihrerseits Zäsurwirkung entfaltet, nicht hingegen die zweite\nvom 14. September 2020 (vgl. BGH, Beschlüsse vom 24. November 2020\n– 3 StR 360/20, Rn. 17, und vom 8. Juni 2016 – 4 StR 73/16, NStZ-RR 2016,\n\n275; Schäfer/Sander/von Gemmeren, Praxis der Strafzumessung, 6. Aufl.,\nRn. 1244). Die Bildung einer Gesamtstrafe nur aus den durch die\namtsgerichtlichen Entscheidungen verhängten Geldstrafen wäre zudem\nausgeschlossen, wenn die durch das Amtsgericht Osnabrück verhängte\nGeldstrafe im Zeitpunkt das Judikat des Amtsgerichts Niebüll erledigt oder\nihrerseits bereits durch Entscheidung des Amtsgericht Hannover vom\n25. September 2019 nach § 55 Abs. 1 Satz 1 StGB einzubeziehen gewesen\nwäre. Da die vorliegend einbezogene Geldstrafe die Freiheitsstrafe als\nschwerere Strafart (vgl. SSW-StGB/Eschelbach, 5. Aufl., § 53 Rn. 13) erhöht hat,\nkann der Senat eine Benachteiligung des Angeklagten nicht ausschließen.\n\n3 2. Der Rechtsfehler führt zur Zurückverweisung der Sache zu neuer\nVerhandlung und Entscheidung an das Landgericht (§ 354 Abs. 2 StPO). Die neu\nzu treffende Entscheidung über den Gesamtstrafenausspruch konnte nicht dem\nBeschlussverfahren nach §§ 460, 462 StPO überlassen werden. Denn es steht\nnicht fest, dass die Voraussetzungen einer nachträglichen Gesamtstrafenbildung\n(§ 55 StGB) vorliegen (vgl. BGH, Beschluss vom 29. November 2011\n– 3 StR 358/11 Rn. 5).\n\nSander Schneider König\n\nFritsche von Schmettau\n\nVorinstanz:\nLandgericht Stade, 16.02.2021 - 101 KLs 113 Js 23097/20 (19/20)","source":"ce-bgh","source_url":"https://doi.org/10.5281/zenodo.15153244","url":"https://recht.nulegal.eu/rechtsprechung/bgh/2021-07-27/6-str-322-21","cited_norms":[{"jurabk":"StGB","ref":"§ 55","ref_norm":"55","n":2},{"jurabk":"StPO","ref":"§ 349","ref_norm":"349","n":2},{"jurabk":"StPO","ref":"§ 354","ref_norm":"354","n":1},{"jurabk":"StPO","ref":"§ 460","ref_norm":"460","n":1},{"jurabk":"StPO","ref":"§ 462","ref_norm":"462","n":1}],"authoritative_source":"https://doi.org/10.5281/zenodo.15153244","attribution":{"source":"Bundesgerichtshof","source_url":"https://doi.org/10.5281/zenodo.15153244","license":"Creative Commons Zero (CC0 1.0)","license_url":"https://creativecommons.org/publicdomain/zero/1.0/","notice":"Amtliche Entscheidung des Bundesgerichtshofs. 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