{"status":"available","doknr":"CEBGH-BGH_Strafsenat-5_NA_2021-10-26_5_StR_267_21_NA_NA_0","ecli":"ECLI:DE:BGH:2021:261021B5STR267.21.0","court":"BGH","senate":"5. Strafsenat","decided":"2021-10-26","aktenzeichen":"5 StR 267/21","doktyp":"Beschluss","leitsatz":null,"text_plain":"BUNDESGERICHTSHOF\nBESCHLUSS\n5 StR 267/21\n\nvom\n26. Oktober 2021\nin der Strafsache\ngegen\n\nwegen Vergewaltigung u.a.\n\nECLI:DE:BGH:2021:261021B5STR267.21.0\n\nDer 5. Strafsenat des Bundesgerichtshofs hat am 26. Oktober 2021 gemäß § 349\nAbs. 2 und 4 sowie entsprechend § 354 Abs. 1 StPO beschlossen:\n\nDie Revision des Angeklagten gegen das Urteil des Landgerichts\nBremen vom 18. Januar 2021 wird mit der Maßgabe zum\nFeststellungsausspruch in der Adhäsionsentscheidung als\nunbegründet verworfen, dass eine Ersatzpflicht des Angeklagten\nfür künftige materielle Schäden der Adhäsionsklägerin festgestellt\nwird, soweit die Ansprüche nicht auf Sozialversicherungsträger\noder sonstige Dritte übergehen; im Übrigen wird von einer\nEntscheidung abgesehen.\n\nDer Beschwerdeführer hat die Kosten des Rechtsmittels und die\ninsoweit durch das Adhäsionsverfahren entstandenen besonderen\nKosten und die der Adhäsions- und Nebenklägerin im\nRevisionsverfahren entstandenen notwendigen Auslagen zu\ntragen.\n\nGründe:\n\n1 Das Landgericht hat den Angeklagten wegen Vergewaltigung in zwei\nFällen, davon in einem Fall in Tateinheit mit Körperverletzung zu einer\nGesamtfreiheitsstrafe von zwei Jahren und zehn Monaten verurteilt, von der drei\nMonate als vollstreckt gelten. Daneben hat es eine Adhäsionsentscheidung\ngetroffen. Dagegen wendet sich der Angeklagte mit seiner auf Rügen einer\n\nVerletzung formellen und materiellen Rechts gestützten Revision. Das\nRechtsmittel ist im Sinne von § 349 Abs. 2 StPO unbegründet, soweit es sich\ngegen die strafrechtliche Verurteilung richtet. Hinsichtlich der Aussprüche im\nAdhäsionsverfahren hat es den aus der Entscheidungsformel ersichtlichen\nErfolg.\n\n2 Der Ausspruch über die Feststellung, dass der Angeklagte verpflichtet ist,\nder Adhäsionsklägerin aus den genannten Straftaten resultierende immaterielle\nSchäden zu ersetzen, soweit die Ansprüche nicht auf Dritte übergegangen sind,\nbegegnet durchgreifenden rechtlichen Bedenken. Denn anders als bei den\nkünftigen materiellen Schäden, bei denen sich die erforderliche Begründung\neines Feststellungsinteresses (vgl. BGH, Beschluss vom 12. November 2019\n– 3 StR 436/19, BGHR StPO § 406 Feststellungsurteil 1) hier noch aus dem\nZusammenhang der Entscheidungsgründe entnehmen lässt, ergibt sich ein\nsolches bei den immateriellen Schäden nicht schon aus dem Umstand, dass eine\ntherapeutische Aufarbeitung der Taterlebnisse bislang noch nicht stattgefunden\nhat. Nach dem Grundsatz der Einheitlichkeit des Schmerzensgeldes werden von\ndem Schmerzensgeldanspruch alle Schadensfolgen erfasst, die entweder bereits\neingetreten und objektiv erkennbar sind oder deren Eintritt jedenfalls\nvorhergesehen und bei der Entscheidung berücksichtigt werden kann (vgl. BGH,\nBeschluss vom 12. November 2019 – 3 StR 436/19, aaO mwN). Die Möglichkeit\nkünftiger immaterieller Schäden, die nicht bereits von dem Ausspruch über die\nSchmerzensgeldzahlung in der ausgeurteilten Höhe umfasst sind, erschließt sich\ndanach nicht ohne weiteres.\n\n3 Insoweit sieht der Senat in entsprechender Anwendung des § 354 Abs. 1\nStPO von einer Entscheidung ab (§ 406 Abs. 1 Satz 3 StPO).\n\n4 Angesichts des geringen Erfolgs der Revision ist es nicht unbillig, den\nAngeklagten mit den gesamten Kosten seines Rechtsmittels und den\nnotwendigen Auslagen der Nebenklägerin zu belasten (§ 473 Abs. 4 StPO).\nGleiches gilt für die durch das Adhäsionsverfahren entstandenen Kosten und\nnotwendigen Auslagen der Adhäsionsklägerin (§ 472a Abs. 2 StPO).\n\nCirener Berger Gericke\n\nKöhler Resch\n\nVorinstanz:\nLandgericht Bremen, 18.01.2021 - 3 KLs 180 Js 10710/17 (4/20)","source":"ce-bgh","source_url":"https://doi.org/10.5281/zenodo.15153244","url":"https://recht.nulegal.eu/rechtsprechung/bgh/2021-10-26/5-str-267-21","cited_norms":[{"jurabk":"StPO","ref":"§ 354","ref_norm":"354","n":2},{"jurabk":"StPO","ref":"§ 349","ref_norm":"349","n":1},{"jurabk":"StPO","ref":"§ 406","ref_norm":"406","n":1},{"jurabk":"StPO","ref":"§ 473","ref_norm":"473","n":1},{"jurabk":"StPO","ref":"§ 472a","ref_norm":"472a","n":1}],"authoritative_source":"https://doi.org/10.5281/zenodo.15153244","attribution":{"source":"Bundesgerichtshof","source_url":"https://doi.org/10.5281/zenodo.15153244","license":"Creative Commons Zero (CC0 1.0)","license_url":"https://creativecommons.org/publicdomain/zero/1.0/","notice":"Amtliche Entscheidung des Bundesgerichtshofs. 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