{"status":"available","doknr":"CEBGH-BGH_Strafsenat-5_NA_2021-05-25_5_StR_72_21_NA_NA_0","ecli":"ECLI:DE:BGH:2021:250521B5STR72.21.0","court":"BGH","senate":"5. Strafsenat","decided":"2021-05-25","aktenzeichen":"5 StR 72/21","doktyp":"Beschluss","leitsatz":null,"text_plain":"BUNDESGERICHTSHOF\nBESCHLUSS\n5 StR 72/21\n\nvom\n25. Mai 2021\nin der Strafsache\ngegen\n\nwegen bewaffneten Handeltreibens mit Betäubungsmitteln\n\nECLI:DE:BGH:2021:250521B5STR72.21.0\n\nDer 5. Strafsenat des Bundesgerichtshofs hat nach Anhörung des Generalbundesanwalts und des Beschwerdeführers am 25. Mai 2021 gemäß § 349\nAbs. 2 und 4 StPO beschlossen:\n\nAuf die Revision des Angeklagten wird das Urteil des Landgerichts\nLübeck vom 5. November 2020 im Strafausspruch aufgehoben.\n\nIm Umfang der Aufhebung wird die Sache zu neuer Verhandlung\nund Entscheidung, auch über die Kosten des Rechtsmittels, an\neine andere Strafkammer des Landgerichts zurückverwiesen.\n\nDie weitergehende Revision wird verworfen.\n\nGründe:\n\n1 Das Landgericht hat den Angeklagten wegen bewaffneten Handeltreibens\nmit Betäubungsmitteln unter Einbeziehung von Strafen aus zwei früheren Strafbefehlen zu einer Gesamtfreiheitsstrafe von zwei Jahren und zehn Monaten verurteilt sowie eine Einziehungsentscheidung getroffen. Die auf die Verletzung materiellen Rechts gestützte Revision des Angeklagten hat den aus der Beschlussformel ersichtlichen Teilerfolg. Im Übrigen ist sie unbegründet\n(§ 349 Abs. 2 StPO).\n\n2 1. Die Überprüfung des Urteils hat zum Schuldspruch keinen den Angeklagten beschwerenden Rechtsfehler ergeben. Hingegen hat der Strafausspruch\nkeinen Bestand.\n\n3 a) Ungeachtet dessen, dass die Strafkammer unter Missachtung der gebotenen Prüfungsreihenfolge einen minder schweren Fall des § 30a Abs. 3 BtMG\nunter Verbrauch des vertypten Milderungsgrundes der Aufklärungshilfe nach\n§ 31 BtMG angenommen hat, ohne vorrangig zu erörtern, ob ein solcher nicht\nschon aufgrund allgemeiner Strafmilderungsgründe gegeben sein könnte\n(BGH Beschluss vom 6. November 2019 – 2 StR 246/19, NStZ-RR 2020, 317 f.),\nerweist sich jedenfalls die Strafrahmenwahl mit Blick auf die vom Landgericht\nangenommene Sperrwirkung des § 29a Abs. 1 BtMG als durchgreifend rechtsfehlerhaft. Denn es hat nicht bedacht, dass angesichts des von ihm (rechtsfehlerfrei) abgelehnten minder schweren Falles nach § 29a Abs. 2 BtMG und damit\nnicht verbrauchten vertypten Strafmilderungsgrundes des § 31 BtMG eine Strafrahmenmilderung nach § 49 Abs. 1 Nr. 3 StGB in Betracht gekommen wäre, mit\nder Folge, dass § 29a Abs. 1 BtMG keine Sperrwirkung für die Mindeststrafe aus\n§ 30a Abs. 3 BtMG ausgelöst hätte (BGH, Beschlüsse vom 18. April 2018\n– 2 StR 1/18, NStZ-RR 2018, 217 f.; vom 5. August 2013 – 5 StR 327/13,\nNStZ 2014, 167 f.).\n\n4 Der Senat kann nicht ausschließen, dass das Urteil auf diesem Rechtsfehler beruht, da die nach § 49 Abs. 1 Nr. 3 StGB gemilderte Mindeststrafe des\n§ 29a Abs. 1 BtMG von drei Monaten Freiheitsstrafe wesentlich unter der vom\nLandgericht herangezogenen Strafrahmenuntergrenze liegt.\n\n5 b) Der Aufhebung der Urteilsfeststellungen bedarf es angesichts des\nbloßen Wertungsfehlers nicht.\n\n6 2. Für die neue Hauptverhandlung weist der Senat darauf hin, dass im\nHinblick auf die Bildung der Gesamtstrafe auch der Eintritt der Rechtskraft der\nStrafbefehle vom 12. Februar 2020 und vom 6. Juli 2020 mitzuteilen sein wird.\n\nCirener RiBGH Gericke ist im Urlaub Köhler\nund kann nicht unterschreiben.\nCirener\n\nResch von Häfen\n\nVorinstanz:\nLandgericht Lübeck, 05.11.2020 - 3 KLs 713 Js 38481/18","source":"ce-bgh","source_url":"https://doi.org/10.5281/zenodo.15153244","url":"https://recht.nulegal.eu/rechtsprechung/bgh/2021-05-25/5-str-72-21","cited_norms":[{"jurabk":"BtMG 1981","ref":"§ 29a","ref_norm":"29a","n":4},{"jurabk":"BtMG 1981","ref":"§ 30a","ref_norm":"30a","n":2},{"jurabk":"BtMG 1981","ref":"§ 31","ref_norm":"31","n":2},{"jurabk":"StGB","ref":"§ 49","ref_norm":"49","n":2},{"jurabk":"StPO","ref":"§ 349","ref_norm":"349","n":1}],"authoritative_source":"https://doi.org/10.5281/zenodo.15153244","attribution":{"source":"Bundesgerichtshof","source_url":"https://doi.org/10.5281/zenodo.15153244","license":"Creative Commons Zero (CC0 1.0)","license_url":"https://creativecommons.org/publicdomain/zero/1.0/","notice":"Amtliche Entscheidung des Bundesgerichtshofs. 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