{"status":"available","doknr":"CEBGH-BGH_Zivilsenat-01_NA_2021-01-21_I_ZR_28_19_NA_NA_0","ecli":"ECLI:DE:BGH:2021:210121BIZR28.19.0","court":"BGH","senate":"1. Zivilsenat","decided":"2021-01-21","aktenzeichen":"I ZR 28/19","doktyp":"Beschluss","leitsatz":null,"text_plain":"BUNDESGERICHTSHOF\nBESCHLUSS\nI ZR 28/19\n\nvom\n\n21. Januar 2021\n\nin dem Rechtsstreit\n\nECLI:DE:BGH:2021:210121BIZR28.19.0\n\nDer I. Zivilsenat des Bundesgerichtshofs hat am 21. Januar 2021 durch den\nVorsitzenden Richter Prof. Dr. Koch, den Richter Prof. Dr. Schaffert, die Richterinnen Pohl und Dr. Schmaltz und den Richter Odörfer\n\nbeschlossen:\n\nDie Anhörungsrüge gegen die Verwerfung der Ablehnungsgesuche\nim Beschluss des Senats vom 7. Oktober 2020 wird auf Kosten der\nKlägerin zurückgewiesen.\n\nGründe:\n\nI. Die Anhörungsrüge gegen die Verwerfung der Ablehnungsgesuche im\n1\nBeschluss vom 7. Oktober 2020 ist unbegründet.\n\n1. Soweit die Klägerin eine Verletzung von Art. 3 Abs. 1 GG rügt, kann sie\n2\ndamit schon deshalb keinen Erfolg haben, weil mit der Anhörungsrüge allein geltend gemacht werden kann, das Gericht habe den Anspruch einer Partei auf\nrechtliches Gehör in entscheidungserheblicher Weise verletzt (§ 321a Abs. 1\nSatz 1 Nr. 2 ZPO). Eine entsprechende Anwendung der Vorschrift auf die Verletzung anderer Verfahrensgrundrechte scheidet aus, weil keine planwidrige Regelungslücke besteht (vgl. BGH, Beschluss vom 17. Juli 2009 - V ZR 149/07,\nNJW-RR 2009, 144 Rn. 1 mwN; BeckOK.ZPO/Bacher, 39. Edition [Stand 1. Dezember 2020], § 321a Rn. 21 mwN; offengelassen für einen Verstoß gegen den\nAnspruch auf den gesetzlichen Richter nach Art. 101 Abs. 1 Satz 2 GG in BGH,\nBeschluss vom 19. Januar 2006 - I ZR 151/02, GRUR 2006, 346 Rn. 6 = WRP\n\n2006, 467 - Jeans II, mwN). Der Gesetzgeber hat sich bewusst gegen eine Erstreckung des § 321a ZPO auf die Verletzung anderer Verfahrensgrundrechte\nentschieden (vgl. BGH, Beschluss vom 27. April 2017 - I ZB 34/15, GRUR-RR\n2017, 416 Rn. 5 mwN).\n\n2. Unabhängig davon liegen die behaupteten Verstöße gegen Art. 3 Abs. 1\n3\nGG und Art. 103 Abs. 1 GG auch nicht vor.\n\na) Die Ausführungen des Senats im angefochtenen Beschluss zur offensichtlichen Unzulässigkeit der Gegenvorstellung der Klägerin vom 23. März 2020\nverstoßen nicht gegen das Willkürverbot, sondern weichen lediglich von der\nRechtsauffassung der Klägerin ab.\n\nDie Gegenvorstellung richtete sich gegen die Verwerfung der Anhörungsrüge als unzulässig im Beschluss vom 20. Februar 2020. Der eine Anhörungsrüge nach § 321a ZPO als unzulässig verwerfende oder als unbegründet zurückweisende Beschluss ist nach § 321a Abs. 4 Satz 4 ZPO unanfechtbar. Das Verfahren vor dem ordentlichen Gericht ist daher mit dem ablehnenden Beschluss\nbeendet. Eine nach dem Gesetz unanfechtbare Entscheidung kann weder mit\neiner erneuten Anhörungsrüge noch über den Umweg einer Gegenvorstellung\nanfechtbar gemacht werden (BGH, Beschluss vom 2. März 2015 - V ZR 219/13,\njuris Rn. 3 mwN; Beschluss vom 27. Oktober 2015 - VIII ZR 249/14, juris Rn. 1;\nBeschluss vom 4. Oktober 2016 - VIII ZA 32/15, juris Rn. 2; BeckOK.ZPO/Bacher\naaO § 321a Rn. 64; Thole in Prütting/Gehrlein, ZPO, 12. Aufl., § 321a Rn. 17).\nDie Gegenvorstellung war nach der ständigen Rechtsprechung des Bundesgerichtshofs mithin offensichtlich unzulässig.\n\nb) Der Senat hat auch nicht das rechtliche Gehör der Klägerin dadurch verletzt, dass er im angefochtenen Beschluss auf den Beschluss vom 20. Februar\n\n2020 verwiesen hat. Aus der nachfolgend wiedergegebenen Randnummer 5 dieses in Bezug genommenen Beschlusses ergibt sich, dass es mit Blick auf die\nrechtskräftige Zurückweisung der Nichtzulassungsbeschwerde im Beschluss\nvom 12. September 2019 keines Eingehens auf die Ausführungen der Klägerin\nzu Art. 92 GG bedurfte:\n\nDie Klägerin greift mit ihrer Anhörungsrüge allein die Ablehnung ihres Antrags auf\nBeiordnung eines Notanwalts an, nicht dagegen die Zurückweisung der Nichtzulassungsbeschwerde durch den Senat. Aufgrund der Zurückweisung der Nichtzulassungsbeschwerde ist jedoch die Anhörungsrüge, deren Ziel es ist, das Verfahren auf\nBeiordnung eines Notanwalts (§ 78b Abs. 1 ZPO) gemäß § 321a Abs. 5 ZPO fortzuführen, objektiv schlechthin sinnlos. Das Nichtzulassungsbeschwerdeverfahren, für\ndas die Beiordnung eines Notanwalts begehrt wird, ist rechtskräftig abgeschlossen.\n\n3. Nach alledem liegt auch kein Verstoß gegen Art. 101 Abs. 1 Satz 2 GG\n7\nin Verbindung mit § 45 Abs. 1 ZPO vor.\n\n8 II. Die Kostenentscheidung beruht auf § 97 Abs. 1 ZPO in entsprechender\nAnwendung.\n\nRichter am BGH Prof. Dr. Schaffert\nist in Urlaub und daher gehindert zu\nunterschreiben.\nKoch Koch Pohl\n\nSchmaltz Odörfer\n\nVorinstanzen:\nLG Berlin, Entscheidung vom 19.11.2013 - 16 O 632/11 -\nKG Berlin, Entscheidung vom 29.01.2015 - 5 U 111/17 und 5 U 161/13 -","source":null,"source_url":null,"url":"https://recht.nulegal.eu/rechtsprechung/bgh/2021-01-21/i-zr-28-19","cited_norms":[{"jurabk":"ZPO","ref":"§ 321a","ref_norm":"321a","n":5},{"jurabk":"GG","ref":"Art 3","ref_norm":"3","n":1},{"jurabk":"GG","ref":"Art 92","ref_norm":"92","n":1},{"jurabk":"GG","ref":"Art 101","ref_norm":"101","n":1},{"jurabk":"GG","ref":"Art 103","ref_norm":"103","n":1},{"jurabk":"ZPO","ref":"§ 45","ref_norm":"45","n":1},{"jurabk":"ZPO","ref":"§ 78b","ref_norm":"78b","n":1},{"jurabk":"ZPO","ref":"§ 97","ref_norm":"97","n":1}],"authoritative_source":null,"attribution":null,"source_info":{"name":"nu:legal Deutsches Recht","operator":"Nulegal GmbH","terms":"https://recht.nulegal.eu/nutzungsbedingungen","attribution":"Source: nu:legal – recht.nulegal.eu","license_url":"https://recht.nulegal.eu/license","url":"https://recht.nulegal.eu/rechtsprechung/bgh/2021-01-21/i-zr-28-19","retrieved":"2026-10-24 07:57:18.734847+00:00"},"card":{"id":"bgh/2021-01-21/i-zr-28-19","court":"BGH","court_id":"bgh","court_as_stated":"BGH","panel":"1. 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