{"status":"available","ecli":"ECLI:DE:BGH:2021:200121B2ARS339.20.0","court":"BGH","senate":"2. Strafsenat","decided":"2021-01-20","aktenzeichen":"2 ARs 339/20","doktyp":"Beschluss","leitsatz":null,"text_plain":"BUNDESGERICHTSHOF\nBESCHLUSS\n2 ARs 339/20\n2 AR 229/20\n\nvom\n20. Januar 2021\nin der Jugendvollstreckungssache\ngegen\n\nwegen Einfuhr von Betäubungsmitteln in nicht geringer Menge u.a.\n\nhier: Gerichtsstandsbestimmung\n\nAz.: VRJs 7/17 jug (4 Ls 23 Js 1291/16 jug) Amtsgericht Weiden i.d. OPf.\n201 AR 104/20 Bayerisches Oberstes Landesgericht\n\nECLI:DE:BGH:2021:200121B2ARS339.20.0\n\nDer 2. Strafsenat des Bundesgerichtshofs hat nach Anhörung des Generalbundesanwalts und des Verurteilten am 20. Januar 2021 beschlossen:\n\nDer Antrag des Amtsgerichts Weiden i.d. OPf. auf Bestimmung des\nzuständigen Gerichts wird zurückgewiesen.\n\nGründe:\n\nI.\n\n1 Das Amtsgericht Weiden i.d. OPf. hat den Angeklagten mit Urteil vom\n23. Dezember 2016 wegen unerlaubter Einfuhr von Betäubungsmitteln in nicht\ngeringer Menge in Tateinheit mit Beihilfe zum unerlaubten Handeltreiben mit Betäubungsmitteln in nicht geringer Menge in zehn Fällen zu einer Jugendstrafe von\neinem Jahr und elf Monaten verurteilt. Die Strafe wurde in der Justizvollzugsanstalt Ebrach ab dem 16. Januar 2017 teilvollstreckt. Die Vollstreckung des Strafrestes von 114 Tagen wurde zur Bewährung ausgesetzt.\n\n2 Nach dem Umzug des Verurteilten nach München übernahm das Amtsgericht München die nachträglichen Entscheidungen hinsichtlich der Bewährung\ndurch Beschluss vom 2. August 2018.\n\n3 Mit Urteil des Amtsgerichts München vom 11. September 2019 – 1035 Ls\n371 Js 156004/19 jug – wurde der Angeklagte wegen unerlaubten Handeltreibens mit Betäubungsmitteln „in einem besonders schweren Fall“ zu einer Freiheitsstrafe von einem Jahr und acht Monaten verurteilt. Die Strafe wird derzeit in\nder Justizvollzugsanstalt Bernau vollstreckt.\n\n4 Im hier gegenständlichen Verfahren widerrief das Amtsgericht München\nmit Beschluss vom 21. Februar 2020 – rechtskräftig seit dem 12. März 2020 –\ndie gewährte Aussetzung des Strafrestes zur Bewährung und ordnete dessen\nVollstreckung an.\n\n5 Unter Hinweis auf die eigene Unzuständigkeit übersandte das Amtsgericht\nMünchen die Akten mit Verfügung vom 4. Juni 2020 an das Amtsgericht Weiden\ni.d. OPf. zur Einleitung der Vollstreckung des Strafrestes gemäß § 84 Abs. 1\nJGG. Das Amtsgericht Weiden i.d. OPf. sandte die Akten mit Verfügung vom\n16. Juni 2020 an das Amtsgericht München zurück, da dieses nach § 84 Abs. 2\nJGG zuständig sei. In den folgenden wechselseitigen Aktenübersendungen am\n9. und 20. Juli, 6. und 18. August sowie am 22. September 2020 hielten die Amtsgerichte München und Weiden i.d. OPf. an ihren Rechtsauffassungen zur Zuständigkeit des jeweils anderen Gerichts fest.\n\n6 Das Amtsgericht Weiden i.d. OPf. legte das Verfahren mit Verfügung vom\n30. September 2020 daraufhin dem Bayerischen Obersten Landesgericht mit der\nBitte um eine Zuständigkeitsbestimmung nach § 14 StPO vor. Mit Beschluss vom\n28. Oktober 2020 gab das Bayerische Oberste Landesgericht die Akten an das\nAmtsgericht Weiden i.d. OPf. zurück, da es nicht als gemeinschaftliches oberes\nGericht zur Entscheidung des Zuständigkeitsstreits berufen sei.\n\n7 Mit Verfügung vom 16. November 2020 legte das Amtsgericht Weiden i.d.\nOPf. die Akten dem Bundesgerichtshof mit dem Antrag auf Bestimmung des zuständigen Gerichts vor.\n\nII.\n\n8 Der Antrag auf Bestimmung des zuständigen Gerichts durch den Bundesgerichtshof ist zurückzuweisen.\n\n9 Nach gefestigter Rechtsprechung des Bundesgerichtshofs ist die förmliche Einleitung der Vollstreckung keine jugendrichterliche Tätigkeit im Sinne des\n§ 83 Abs. 1 JGG, sondern eine Aufgabe der Justizverwaltung. Besteht ausschließlich Streit über die Zuständigkeit für eine derartige Aufgabe, so liegt kein\nZuständigkeitsstreit zwischen mehreren Gerichten im Sinne von § 14 StPO vor,\nüber den der Bundesgerichtshof zu entscheiden hätte (vgl. Senat, Beschlüsse\nvom 26. Oktober 1994 – 2 ARs 333/94, BGHR StPO § 14 Entscheidung 1; vom\n13. August 2014 – 2 ARs 225/14, juris Rn. 3; vom 15. Juli 2020 – 2 ARs 162/20,\nNStZ-RR 2020, 290; vom 23. September 2020 – 2 ARs 218/20, NStZ 2020, 744;\nvom 8. Februar 2018 – 2 ARs 41/18, juris Rn. 5; s. auch KK-StPO/Scheuten,\n8. Aufl., § 14 Rn. 2; Meyer-Goßner/Schmidt, StPO, 63. Aufl., § 14 Rn. 1). Der\nStreit zwischen den hier beteiligten Amtsgerichten betrifft ausschließlich die Zuständigkeit für die Einleitung der Vollstreckung.\n\n10 Im Hinblick auf das in anderer Sache notierte Strafzeitende zum 2. Februar 2021 und zur möglichen Beilegung des dem Ansehen der Justiz abträglichen\nZuständigkeitsstreits weist der Senat auf seine früheren Entscheidungen vom\n\n20. Oktober 1976 – 2 ARs 347/76, BGHSt 27, 25, 26 –, vom 28. Juli 1986\n– 2 ARs 182/86, MDR 1986, 952 – und vom 15. Mai 2014 – 2 ARs 93/14, juris\nRn. 1 – hin.\n\nFranke Appl Zeng\n\nGrube Schmidt","source":null,"source_url":null,"url":"https://recht.nulegal.eu/rechtsprechung/bgh/2021-01-20/2-ars-339-20","cited_norms":[{"jurabk":"JGG","ref":"§ 84","ref_norm":"84","n":2},{"jurabk":"StPO","ref":"§ 14","ref_norm":"14","n":2},{"jurabk":"JGG","ref":"§ 83","ref_norm":"83","n":1}],"authoritative_source":null,"attribution":null,"source_info":{"name":"nu:legal Deutsches Recht","operator":"Nulegal GmbH","terms":"https://recht.nulegal.eu/nutzungsbedingungen","attribution":"Source: nu:legal – recht.nulegal.eu","license_url":"https://recht.nulegal.eu/license","url":"https://recht.nulegal.eu/rechtsprechung/bgh/2021-01-20/2-ars-339-20","retrieved":"2026-10-24 07:53:36.228915+00:00"},"card":{"id":"bgh/2021-01-20/2-ars-339-20","court":"BGH","court_id":"bgh","court_as_stated":"BGH","panel":"2. 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