{"status":"available","doknr":"CEBGH-BGH_Zivilsenat-01_NA_2021-12-14_I_ZB_49_20_NA_NA_0","ecli":"ECLI:DE:BGH:2021:141221BIZB49.20.0","court":"BGH","senate":"1. Zivilsenat","decided":"2021-12-14","aktenzeichen":"I ZB 49/20","doktyp":"Beschluss","leitsatz":null,"text_plain":"BUNDESGERICHTSHOF\nBESCHLUSS\nI ZB 49/20\n\nvom\n\n14. Dezember 2021\n\nin dem Rechtsbeschwerdeverfahren\n\nECLI:DE:BGH:2021:141221BIZB49.20.0\n\nDer I. Zivilsenat des Bundesgerichtshofs hat am 14. Dezember 2021 durch\ndie Richterin Dr. Schmaltz als Einzelrichterin\n\nbeschlossen:\n\nDer Wert des Gegenstands der anwaltlichen Tätigkeit für das\nRechtsbeschwerdeverfahren wird auf 227.427,50 € festgesetzt.\n\nGründe:\n\n1 I. Der Senat hat mit Beschluss vom 29. April 2021 die Rechtsbeschwerde\nder Antragsgegnerin gegen den Beschluss des 2. Zivilsenats des Schleswig-Holsteinischen Oberlandesgerichts vom 8. Juni 2020 als unzulässig verworfen. Mit\ndem angefochtenen Beschluss hatte das Oberlandesgericht den Streitwert für\ndie vom Antragsteller beabsichtigte Klage vorläufig auf 30 Mio. € festgesetzt und\ngemäß § 12 Abs. 4 UWG aF angeordnet hat, dass sich die Verpflichtung des\nAntragstellers zur Zahlung von Gerichtskosten für den ersten Rechtszug nach\ndem seiner Wirtschaftslage angepassten Teil des Streitwerts in Höhe von\n22.000 € bemisst.\n\n2 Der vorinstanzliche Verfahrensbevollmächtigte des Antragstellers hat beantragt, den Gegenstandswert für seine Tätigkeit gemäß § 33 Abs. 1 RVG festzusetzen. Die Parteien haben zu der von der Einzelrichterin mitgeteilten beabsichtigten Festsetzung des Gegenstandswerts auf 227.427,50 € keine Stellungnahme abgegeben.\n\n3 II. Auf den Antrag des vorinstanzlichen Verfahrensbevollmächtigten des\nAntragstellers ist gemäß § 33 Abs. 1 RVG der Wert des Gegenstands der anwaltlichen Tätigkeit für das Rechtsbeschwerdeverfahren auf 227.427,50 € festzusetzen.\n\n4 1. Für die Entscheidung über den Antrag nach § 33 Abs. 1 RVG, den Wert\ndes Gegenstands der anwaltlichen Tätigkeit festzusetzen, wenn sich die Gebühren in einem gerichtlichen Verfahren nicht nach dem für die Gerichtsgebühren\nmaßgebenden Wert berechnen oder es - wie hier - an einem solchen Wert fehlt\n(vgl. GKG VV 1826 aF), ist nach Inkrafttreten von § 1 Abs. 3 RVG auch beim\nBundesgerichtshof nach § 33 Abs. 8 Satz 1 Halbsatz 1 RVG grundsätzlich die\nEinzelrichterin zuständig (vgl. BGH, Großer Senat für Zivilsachen, Beschluss\nvom 9. August 2021 - GSZ 1/20, NJW 2021, 3191 Rn. 8).\n\n5 2. Der Wert des Gegenstands der anwaltlichen Tätigkeit ist gemäß § 23\nAbs. 2 Satz 1 in Verbindung mit § 23 Abs. 3 Satz 2 RVG unter Berücksichtigung\ndes Interesses der Antragsgegnerin nach billigem Ermessen festzusetzen (vgl.\nBGH, Beschluss vom 30. Juli 2012 - IX ZB 165/10, NJW-RR 2012, 1257 Rn. 2;\nBeschluss vom 27. März 2018 - X ZB 3/15, GRUR 2018, 654 Rn. 5).\n\n6 a) Das Interesse der Antragsgegnerin bestimmt sich im Streitfall danach,\ninwieweit sie durch die vom Beschwerdegericht angeordnete Streitwertminderung zugunsten des Antragstellers negativ betroffen ist. Das ist insoweit der Fall,\nals sie für den Fall ihres Obsiegens ihre Rechtsanwaltskosten vom Antragsteller\nlediglich nach dem geminderten Streitwert in Höhe von 22.000 € erstattet verlangen kann, während im Innenverhältnis die Prozessbevollmächtigten der Antragsgegnerin ihre Tätigkeit nach dem vollen Streitwert in Höhe von 30 Mio. € abrechnen können (vgl. § 12 Abs. 3 Satz 2 Nr. 2 UWG nF, § 12 Abs. 4 Satz 2 Nr. 2\nUWG aF).\n\n7 b) Der Berechnung sind dabei nur die Kosten für die erste Instanz zugrunde zu legen; der Antrag nach § 12 Abs. 3 UWG nF (§ 12 Abs. 4 UWG aF)\nmuss für jede Instanz erneut gestellt werden (vgl. Retzer in Harte/Henning, UWG,\n5. Aufl., § 12 Rn. 685). Dementsprechend hat das Beschwerdegericht den geminderten Streitwert nur für den ersten Rechtszug festgesetzt. Für die Gebüh-\n\nrenberechnung ist außerdem das Rechtsanwaltsvergütungsgesetz in der Fassung bis zum 31. Dezember 2020 anzuwenden, weil die Rechtsbeschwerde im\nJahr 2020 eingelegt und begründet wurde.\n\n8 c) Die Kosten nach einem Streitwert von 30 Mio. € belaufen sich auf\n229.282,50 €, die nach einem Streitwert von 22.000 € auf 1.855 €. Die sich daraus ergebende Differenz in Höhe von 227.427,50 € ist für das Interesse der Antragsgegnerin und damit für den Gegenstandswert maßgeblich.\n\n9 III. Die Entscheidung ergeht gerichtsgebührenfrei (§ 33 Abs. 9 Satz 1\nRVG); Kosten werden nicht erstattet (§ 33 Abs. 9 Satz 2 Halbsatz 1 RVG).\n\nSchmaltz\n\nVorinstanzen:\nLG Kiel, Entscheidung vom 05.12.2019 - 17 O 220/19 -\nOLG Schleswig, Entscheidung vom 08.06.2020 - 2 W 1/20 -","source":null,"source_url":null,"url":"https://recht.nulegal.eu/rechtsprechung/bgh/2021-12-14/i-zb-49-20","cited_norms":[{"jurabk":"RVG","ref":"§ 33","ref_norm":"33","n":6},{"jurabk":"UWG 2004","ref":"§ 12","ref_norm":"12","n":5},{"jurabk":"RVG","ref":"§ 23","ref_norm":"23","n":1},{"jurabk":"RVG","ref":"§ 1","ref_norm":"1","n":1}],"authoritative_source":null,"attribution":null,"source_info":{"name":"nu:legal Deutsches Recht","operator":"Nulegal GmbH","terms":"https://recht.nulegal.eu/nutzungsbedingungen","attribution":"Source: nu:legal – recht.nulegal.eu","license_url":"https://recht.nulegal.eu/license","url":"https://recht.nulegal.eu/rechtsprechung/bgh/2021-12-14/i-zb-49-20","retrieved":"2026-10-24 07:57:20.292193+00:00"},"card":{"id":"bgh/2021-12-14/i-zb-49-20","court":"BGH","court_id":"bgh","court_as_stated":"BGH","panel":"1. 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