{"status":"available","doknr":"CEBGH-BGH_Zivilsenat-07_NA_2021-10-13_VII_ZR_185_21_NA_NA_0","ecli":"ECLI:DE:BGH:2021:131021BVIIZR185.21.0","court":"BGH","senate":"7. Zivilsenat","decided":"2021-10-13","aktenzeichen":"VII ZR 185/21","doktyp":"Beschluss","leitsatz":null,"text_plain":"BUNDESGERICHTSHOF\nBESCHLUSS\nVII ZR 185/21\n\nvom\n\n13. Oktober 2021\n\nin dem Rechtsstreit\n\nECLI:DE:BGH:2021:131021BVIIZR185.21.0\n\nDer VII. Zivilsenat des Bundesgerichtshofs hat am 13. Oktober 2021 durch den\nVorsitzenden Richter Pamp sowie die Richterinnen Graßnack, Borris,\nDr. Brenneisen und Dr. C. Fischer\n\nbeschlossen:\n\nDie Beschwerde des Klägers gegen die Nichtzulassung der\nRevision in dem Beschluss des 20. Zivilsenats des Kammergerichts\nvom 26. Januar 2021 wird zurückgewiesen.\n\nDer Kläger trägt die Kosten des Beschwerdeverfahrens\n(§ 97 Abs. 1 ZPO).\n\nGegenstandswert: bis 40.000 €\n\nGründe:\n\n1 Die Revision war nicht wegen grundsätzlicher Bedeutung gemäß § 543\nAbs. 2 Nr. 1 ZPO auf Grund einer sich in einem künftigen Revisionsverfahren\nergebenden Notwendigkeit eines Vorabentscheidungsersuchens an den\nGerichtshof der Europäischen Union zuzulassen (BVerfG, Beschluss vom\n8. Oktober 2015 - 1 BvR 137/13, NVwZ 2016, 378, juris Rn. 11; Beschluss vom\n14. Januar 2021 - 1 BvR 2853/19, NJW 2021, 1005, juris Rn. 8). Der Senat hat\ndie Voraussetzungen einer unionsrechtlichen Vorlagepflicht gemäß Art. 267\nAbs. 3 AEUV in Bezug auf § 6 Abs. 1, § 27 Abs. 1 EG-FGV und Art. 5 der Verordnung (EG) Nr. 715/2007 geprüft. Diese liegen nicht vor. Der Senat schließt\nsich den überzeugenden Erwägungen des VI. Zivilsenats an (vgl. BGH, Urteil\nvom 25. Mai 2020 - VI ZR 252/19 Rn. 72 ff., BGHZ 225, 316; Urteil vom\n30. Juli 2020 - VI ZR 5/20 Rn. 10 ff., ZIP 2020, 1715). Weder Vorabentschei-\n\ndungsersuchen einzelner Landgerichte noch die von der Nichtzulassungsbeschwerde vorgelegte Stellungnahme der Europäischen Kommission vom\n19. Dezember 2019 (sj.h(2019)8760684) geben Anlass, an der Annahme eines\nacte clair zu zweifeln.\n\n2 Mit den tragenden Erwägungen der höchstrichterlichen Rechtsprechung\nsetzen sich die Landgerichte, die ein Vorabentscheidungsersuchen an den\nGerichtshof der Europäischen Union gerichtet haben, nicht auseinander (vgl. nur\nLG Ravensburg, Beschluss vom 9. März 2021 - 2 O 315/20 u.a., juris).\n\n3 Die Kommission, die sich in ihrer Stellungnahme zu dem mittlerweile aus\ndem Register des Gerichtshofs der Europäischen Union gestrichenen Vorabentscheidungsersuchen des Landgerichts Gera äußert, hält fest, dass offensichtlich\nnur die nationalen Gerichte in der Lage sind, die betreffenden EU-Vorschriften\nunter das Konzept einer drittschützenden Norm zu subsumieren\n(sj.h(2019)8760684 Rn. 67). Sie meint zwar im Ergebnis, die zwischenzeitlich\nzum 31. August 2020 außer Kraft getretene Richtlinie 2007/46 und die Verordnung (EG) 715/2007 bezweckten \"den Schutz aller Käufer eines Fahrzeugs einschließlich des Endkunden vor Verstößen des Herstellers gegen seine Verpflichtung, neue Fahrzeuge in Übereinstimmung mit ihren genehmigten Typen bzw.\nden für ihren Typ geltenden Rechtsvorschriften nach Anhang IV zur Richtlinie\n2007/46 einschließlich, unter Anderem, der Verordnung 715/2007 sowie insbesondere ihres Artikels 5 in den Verkehr zu bringen\" (sj.h(2019)8760684 Rn. 81).\nDies besagt aber für die hier allein interessierende Frage, ob damit auch der\nSchutz des wirtschaftlichen Selbstbestimmungsrechts und damit der Schutz des\nKäufers vor dem Abschluss eines ungewollten Vertrages erfasst sein soll, nichts.\nEs sind auch im vorliegenden Verfahren keinerlei Anhaltspunkte dafür ersichtlich,\ndass der Gesetz- und Verordnungsgeber mit den genannten Vorschriften (auch)\neinen Schutz der allgemeinen Handlungsfreiheit und speziell des wirtschaftlichen\nSelbstbestimmungsrechts der einzelnen Käufer bezweckte und an die (auch fahrlässige) Erteilung einer inhaltlich unrichtigen Übereinstimmungsbescheinigung\n\neinen gegen den Hersteller gerichteten Anspruch auf (Rück-)Abwicklung eines\nmit einem Dritten geschlossenen Kaufvertrags hätte knüpfen wollen (BGH, Urteil\nvom 30. Juli 2020 - VI ZR 5/20 Rn. 11, ZIP 2020, 1715).\n\n4 Die Schlussanträge des Generalanwaltes Rantos vom\n23. September 2021 in Bezug auf Vorlagefragen österreichischer Gerichte betreffend das Thermofenster (abrufbar unter https://curia.europa.eu) geben keinen\nAnlass zu einer abweichenden Bewertung. Der Generalanwalt befürwortet, das\ndort zur Überprüfung gestellte Thermofenster als eine unzulässige Abschalteinrichtung im Sinne der Verordnung (EG) Nr. 715/2007 einzuordnen und ein so\nausgestattetes Fahrzeug als nicht dem Kaufvertrag gemäß im Sinne der Richtlinie 1999/44 des Europäischen Parlaments und des Rates vom 25. Mai 1999 zu\nbestimmten Aspekten des Verbrauchsgüterkaufs und der Garantien für Verbrauchsgüter (ABl. EU 1999, L 171, S. 12) anzusehen. Wie schon bei der\n\"Umschaltlogik\" (vgl. EuGH, Urteil vom 17. Dezember 2020 - C-693/18,\nABl. EU 2021, Nr. C 53, NJW 2021, 1216), beeinflusst dies indes die Beurteilung\nder Frage, ob damit dem Käufer (auch) ein gegen den Hersteller gerichteter Anspruch auf (Rück-)Abwicklung eines mit einem Dritten geschlossenen Kaufvertrags zustehen sollte, nicht.\n\n5 Von einer weiteren Begründung wird abgesehen, weil sie nicht geeignet\nwäre, zur Klärung der Voraussetzungen beizutragen, unter denen eine Revision\nzuzulassen ist (§ 544 Abs. 6 Satz 2, 2. Halbsatz ZPO).\n\nPamp Graßnack Borris\n\nBrenneisen C. Fischer\n\nVorinstanzen:\nLG Berlin, Entscheidung vom 02.06.2020 - 16 O 229/19 -\nKG Berlin, Entscheidung vom 26.01.2021 - 20 U 1063/20 -","source":"ce-bgh","source_url":"https://doi.org/10.5281/zenodo.15153244","url":"https://recht.nulegal.eu/rechtsprechung/bgh/2021-10-13/vii-zr-185-21","cited_norms":[{"jurabk":"EG-FGV 2011","ref":"§ 27","ref_norm":"27","n":1},{"jurabk":"ZPO","ref":"§ 97","ref_norm":"97","n":1},{"jurabk":"ZPO","ref":"§ 543","ref_norm":"543","n":1},{"jurabk":"AEUV","ref":"Art 267","ref_norm":"267","n":1},{"jurabk":"VO (EG) Nr. 715/2007","ref":"Art 5","ref_norm":"5","n":1}],"authoritative_source":"https://doi.org/10.5281/zenodo.15153244","attribution":{"source":"Bundesgerichtshof","source_url":"https://doi.org/10.5281/zenodo.15153244","license":"Creative Commons Zero (CC0 1.0)","license_url":"https://creativecommons.org/publicdomain/zero/1.0/","notice":"Amtliche Entscheidung des Bundesgerichtshofs. 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