{"status":"available","doknr":"CEBGH-BGH_Strafsenat-2_NA_2021-06-08_2_StR_27_21_NA_NA_0","ecli":"ECLI:DE:BGH:2021:080621B2STR27.21.1","court":"BGH","senate":"2. Strafsenat","decided":"2021-06-08","aktenzeichen":"2 StR 27/21","doktyp":"Beschluss","leitsatz":null,"text_plain":"BUNDESGERICHTSHOF\nBESCHLUSS\n2 StR 27/21\nvom\n8. Juni 2021\nin der Strafsache\ngegen\n\nwegen versuchter besonders schwerer räuberischer Erpressung u.a.\n\nECLI:DE:BGH:2021:080621B2STR27.21.1\n\nDer 2. Strafsenat des Bundesgerichtshofs hat auf Antrag des Generalbundesanwalts und nach Anhörung des Beschwerdeführers am 8. Juni 2021 beschlossen:\n\nEs wird festgestellt, dass das Rechtsmittel des Angeklagten gegen\ndas Urteil des Landgerichts Frankfurt am Main vom 1. Juli 2020\nwirksam zurückgenommen worden ist.\n\nGründe:\n\n1 1. Das Landgericht hat den Angeklagten wegen versuchter besonders\nschwerer räuberischer Erpressung in Tateinheit mit Körperverletzung zu acht\nJahren Freiheitsstrafe verurteilt, seine Unterbringung in einer Entziehungsanstalt\nangeordnet, einen Vorwegvollzug bestimmt und eine Einziehungsentscheidung\ngetroffen. Hiergegen hat der Pflichtverteidiger Rechtsanwalt M. fristgerecht\nRevision eingelegt und diese mit der Sachrüge begründet. Nachdem dieser\nPflichtverteidiger mit Schriftsatz vom 4. November 2020 erklärt hatte, die Revision werde namens und im Auftrag des Mandanten zurückgenommen, und auf\nNachfrage des Landgerichts zusammen mit dem weiteren Pflichtverteidiger anwaltlich versichert hat, zur Revisionsrücknahme ausdrücklich ermächtigt worden\nzu sein, hat das Landgericht mit Beschluss vom 16. November 2020 die Kosten\nder Revision dem Angeklagten auferlegt. Mit bei Gericht am 25. November 2020\neingegangenem Schreiben vom gleichen Tag hat der Angeklagte „Beschwerde“\ngegen diesen Beschluss eingelegt und erklärt, die Revisionsrücknahme sei ohne\nseine Einwilligung veranlasst worden, er wolle die Revision aufrechterhalten.\n\n2 2. Die Revision des Angeklagten wurde durch seinen Pflichtverteidiger\nwirksam zurückgenommen (§ 302 Abs. 1 StPO). Da dies in Zweifel steht, stellt\nder Senat die eingetretene Rechtsfolge durch deklaratorischen Beschluss fest\n(vgl. BGH, Beschluss vom 20. Februar 2017 – 1 StR 552/16 Rn. 8 mwN).\n\n3 Der Pflichtverteidiger Rechtsanwalt M. war zur Rechtsmittelrücknahme ermächtigt. Im Zeitpunkt der Abgabe der Rücknahmeerklärung lag die\ngemäß § 302 Abs. 2 StPO erforderliche ausdrückliche Ermächtigung des Angeklagten vor. Für diese ist eine bestimmte Form nicht vorgeschrieben, so dass sie\n– wie hier – auch mündlich erteilt werden kann. Für ihren Nachweis genügt die\nvorliegende anwaltliche Versicherung (vgl. BGH, Beschlüsse vom 20. Februar\n2017 – 1 StR 552/16 Rn. 9 und vom 12. Juli 2000 – 3 StR 257/00, NStZ 2001,\n104 je mwN). Die durch den Pflichtverteidiger erklärte Rechtsmittelrücknahme ist\ndaher wirksam und als Prozesshandlung weder widerruflich noch anfechtbar.\n\n4 3. Über die sofortige Beschwerde des Angeklagten gegen den isolierten\nKostenbeschluss des Landgerichts vom 16. November 2020 hat der Senat nicht\nzu befinden. Gemäß § 464 Abs. 3 Satz 3 StPO hat das Revisionsgericht über die\nKostenbeschwerde nur zu entscheiden, wenn gegen das tatrichterliche Urteil Revision in der Hauptsache und gleichzeitig sofortige Beschwerde gegen die Kostenentscheidung eingelegt wird. Daran fehlt es, wenn der Tatrichter nach ihm gegenüber erklärter Revisionsrücknahme eine selbständige Entscheidung über die\nKosten des Revisionsverfahrens trifft. Der Umstand, dass der Senat deklaratorisch über die Wirksamkeit der Rechtsmittelrücknahme entscheidet, ändert daran\n\nnichts. Die Sache ist daher wegen der Kostenbeschwerde dem zuständigen\nOberlandesgericht zur Entscheidung vorzulegen.\n\nFranke Appl Krehl\n\nMeyberg Grube\n\nVorinstanz:\nLandgericht Frankfurt am Main, 01.07.2020 - 5/27 KLs 23/19","source":"ce-bgh","source_url":"https://doi.org/10.5281/zenodo.15153244","url":"https://recht.nulegal.eu/rechtsprechung/bgh/2021-06-08/2-str-27-21","cited_norms":[{"jurabk":"StPO","ref":"§ 302","ref_norm":"302","n":2},{"jurabk":"StPO","ref":"§ 464","ref_norm":"464","n":1}],"authoritative_source":"https://doi.org/10.5281/zenodo.15153244","attribution":{"source":"Bundesgerichtshof","source_url":"https://doi.org/10.5281/zenodo.15153244","license":"Creative Commons Zero (CC0 1.0)","license_url":"https://creativecommons.org/publicdomain/zero/1.0/","notice":"Amtliche Entscheidung des Bundesgerichtshofs. 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