{"status":"available","doknr":"CEBGH-BGH_Zivilsenat-03_NA_2021-01-07_III_ZB_87_20_NA_NA_0","ecli":"ECLI:DE:BGH:2021:070121BIIIZB87.20.0","court":"BGH","senate":"3. Zivilsenat","decided":"2021-01-07","aktenzeichen":"III ZB 87/20","doktyp":"Beschluss","leitsatz":null,"text_plain":"BUNDESGERICHTSHOF\n\nBESCHLUSS\nIII ZB 87/20\nvom\n\n7. Januar 2021\n\nin dem Prozesskostenhilfeverfahren\n\nECLI:DE:BGH:2021:070121BIIIZB87.20.0\n\nDer III. Zivilsenat des Bundesgerichtshofs hat am 7. Januar 2021 durch den Vorsitzenden Richter Dr. Herrmann, den Richter Dr. Remmert, die Richterinnen\nDr. Arend und Dr. Böttcher sowie den Richter Dr. Kessen\n\nbeschlossen:\n\nDer Antrag auf Bewilligung von Prozesskostenhilfe für die vom Antragsteller beabsichtigte Rechtsbeschwerde gegen den Beschluss\ndes 1. Zivilsenats des Oberlandesgerichts Karlsruhe vom 1. Dezember 2020 - 1 W 64/20 - wird als unzulässig zurückgewiesen.\n\nGründe:\n\nI.\n\n1 Der Antragsteller wendet sich mit der \"Rechtsbeschwerde\" und der \"Nichtzulassungsbeschwerde zur Rechtsbeschwerde\" gegen den vorgenannten Beschluss. Mit diesem hat das Oberlandesgericht unter Verweis auf die fehlende\nProzessfähigkeit des Antragstellers dessen sofortige Beschwerde gegen einen\nBeschluss des Landgerichts, mit dem ihm Prozesskostenhilfe für eine - mit keinem nachvollziehbaren Sachvortrag unterlegte - Amtshaftungsklage versagt worden war, als unzulässig verworfen. Der Senat legt das Anliegen des Antragstellers als Gesuch auf Bewilligung von Prozesskostenhilfe für eine beabsichtigte\nRechtsbeschwerde gegen den angefochtenen Beschluss als hier allein in Betracht kommendes Rechtsmittel aus.\n\nII.\n\n2 1. Der Antrag auf Bewilligung von Prozesskostenhilfe ist bereits unzulässig.\nDer Antragsteller steht - senatsbekannt - gemäß § 1903 BGB unter Betreuung\n\nmit Einwilligungsvorbehalt für den Aufgabenkreis \"Behördenangelegenheiten\nund gerichtliche Verfahren\", wobei eine Einwilligung seines Betreuers, des Antragsgegners zu 3, zur Prozessführung nicht vorliegt. Dass sich die beabsichtigte\nKlage auch gegen diesen richtet, ändert nichts, zumal es dem Betreuten nicht\ngenerell verwehrt ist, wirksam einen Rechtsstreit gegen seinen Betreuer selbst\nzu führen. Für diese (einzelne) Angelegenheit kann nämlich der - insoweit nach\n§ 275 FamFG in Verbindung mit § 271 Nr. 1 FamFG verfahrensfähige - Betroffene zunächst beim zuständigen Betreuungsgericht beantragen, gemäß\n§ 1908i Abs. 1 Satz 1 BGB in Verbindung mit § 1796 BGB analog seinem Betreuer die Betreuung wegen eines erheblichen Interessengegensatzes teilweise\nzu entziehen und gemäß § 1899 Abs. 4 BGB einen Ergänzungsbetreuer zu bestellen. Wird daraufhin ein Ergänzungsbetreuer bestellt, kann dieser (gegebenenfalls) gemäß § 1903 BGB seine Einwilligung dazu erteilen, dass der Betreute\ngegen seinen (Haupt-)Betreuer prozessiert.\n\n3 2. Davon abgesehen, wäre dem Antragsteller Prozesskostenhilfe zu versagen, weil die von ihm beabsichtigte Rechtsverfolgung keine hinreichende Aussicht auf Erfolg hat (§ 114 Abs. 1 Satz 1 ZPO). Denn die - hier als Rechtsmittel\nallein in Betracht kommende - Rechtsbeschwerde wäre unzulässig. Nach § 574\nAbs. 1 Satz 1 ZPO ist die Rechtsbeschwerde zum Bundesgerichtshof nur gegeben, wenn dies im Gesetz ausdrücklich bestimmt ist oder das Beschwerdegericht\nsie in dem angefochtenen Beschluss zugelassen hat. Diese Voraussetzungen\nliegen hier nicht vor. Mit der Rechtsbeschwerde kann auch nicht geltend gemacht\nwerden, dass das Beschwerdegericht sie hätte zulassen müssen (vgl. nur Senatsbeschlüsse vom 4. April 2012 - III ZA 9/12, juris Rn. 2 und vom 29. Mai 2013\n- III ZA 26/13, juris).\n\n4 3. Letzteres ist dem Antragsteller im Übrigen aus unzähligen Verfahren bekannt, in denen er in den vergangenen Jahren den Senat - teilweise gemeinsam\nmit seiner nicht unter Betreuung stehenden Ehefrau - mit ähnlichen Eingaben\nbeschäftigt hat, die sämtlich auf die Erhebung unzulässiger Rechtsbeschwerden\nbeziehungsweise die Bewilligung von Prozesskostenhilfe hierfür gerichtet waren.\nAllein am heutigen Tag hat der Senat fünf weitere unzulässige Anträge des Antragstellers auf Bewilligung von Prozesskostenhilfe für unstatthafte Rechtsbeschwerden zurückgewiesen. Der Senat wird in Zukunft vergleichbare - offensichtlich unzulässige und erkennbar rechtsmissbräuchliche - Eingaben des Antragstellers nicht mehr bescheiden. Der Senat muss es nicht hinnehmen, durch sinnentleerte Inanspruchnahme seiner Arbeitskapazitäten bei der Erfüllung seiner\nAufgaben behindert zu werden (vgl. BGH, Beschlüsse vom 26. Januar 2017\n- 5 ARs 54/16, juris Rn. 7 und 5 AR (Vs) 5/17, juris Rn. 6 mit Hinweis auf BVerfG,\nBeschlüsse vom 29. Juni 2010 - 1 BvR 2358/08, juris Rn. 6 und vom 23. Februar\n2016 - 2 BvR 60/16 und 63/16, juris Rn. 3).\n\nHerrmann Arend\n\nVorinstanzen:\nLG Karlsruhe, Entscheidung vom 15.06.2020 - 10 O 74/20 -\nOLG Karlsruhe, Entscheidung vom 01.12.2020 - 1 W 64/20 -","source":"ce-bgh","source_url":"https://doi.org/10.5281/zenodo.15153244","url":"https://recht.nulegal.eu/rechtsprechung/bgh/2021-01-07/iii-zb-87-20","cited_norms":[{"jurabk":"ZPO","ref":"§ 114","ref_norm":"114","n":1},{"jurabk":"ZPO","ref":"§ 574","ref_norm":"574","n":1},{"jurabk":"BGB","ref":"§ 1796","ref_norm":"1796","n":1},{"jurabk":"FamFG","ref":"§ 271","ref_norm":"271","n":1},{"jurabk":"FamFG","ref":"§ 275","ref_norm":"275","n":1}],"authoritative_source":"https://doi.org/10.5281/zenodo.15153244","attribution":{"source":"Bundesgerichtshof","source_url":"https://doi.org/10.5281/zenodo.15153244","license":"Creative Commons Zero (CC0 1.0)","license_url":"https://creativecommons.org/publicdomain/zero/1.0/","notice":"Amtliche Entscheidung des Bundesgerichtshofs. 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