{"status":"available","ecli":"ECLI:DE:BGH:2021:040321BIZB8.21.0","court":"BGH","senate":"1. Zivilsenat","decided":"2021-03-04","aktenzeichen":"I ZB 8/21","doktyp":"Beschluss","leitsatz":null,"text_plain":"BUNDESGERICHTSHOF\nBESCHLUSS\nI ZB 8/21\nvom\n4. März 2021\nin dem Zwangsvollstreckungsverfahren\n\nECLI:DE:BGH:2021:040321BIZB8.21.0\n\nDer I. Zivilsenat des Bundesgerichtshofs hat am 4. März 2021 durch den\nVorsitzenden Richter Prof. Dr. Koch, den Richter Prof. Dr. Schaffert, die\nRichterinnen Pohl und Dr. Schmaltz und den Richter Odörfer\n\nbeschlossen:\n\nDie sofortige Beschwerde gegen den Beschluss des Oberlandesgerichts München - 6. Zivilsenat - vom 18. September 2020 wird auf\nKosten der Schuldnerin als unzulässig verworfen.\n\nGründe:\n\n1 I. Das Oberlandesgericht verurteilte die Schuldnerin mit Urteil vom 16. Januar 2020 nach § 54 Abs. 1, § 54f Abs. 1, § 54h Abs. 1 UrhG zur Auskunftserteilung über die Art und Stückzahl der in Deutschland im Zeitraum vom 1. Januar\n2014 bis zum 31. Dezember 2015 veräußerten oder in Verkehr gebrachten externen Festplatten im Sinne von Abschnitt 3 des ab dem 1. Januar 2008 gültigen\ngemeinsamen Tarifs der Gläubigerin, der VG Wort und der VG Bild-Kunst vom\n25. Juni 2018, veröffentlicht im Bundesanzeiger am 27. Juni 2018.\n\n2 Auf Antrag der Gläubigerin hat das Oberlandesgericht mit Beschluss vom\n18. September 2020 gegen die Schuldnerin ein Zwangsgeld von 10.000 €, ersatzweise eine Zwangshaft von fünf Tagen, diese zu vollziehen am Geschäftsführer, festgesetzt, wenn die genannte Auskunft nicht binnen einer Frist von zwei\nWochen ab Zustellung des Beschlusses erteilt wird. Hiergegen hat die Schuldnerin - neben anderen Rechtsbehelfen - sofortige Beschwerde eingelegt. Sie beantragt, den angefochtenen Beschluss aufzuheben und den Zwangsgeldantrag der\nGläubigerin zurückzuweisen. Das Oberlandesgericht hat die aus seiner Sicht unstatthafte sofortige Beschwerde mit Beschluss vom 9. Dezember 2020 dem Bundesgerichtshof zur Entscheidung vorgelegt.\n\n3 II. Das Rechtsmittel der Schuldnerin ist unzulässig.\n\n4 1. Als sofortige Beschwerde ist das Rechtsmittel unstatthaft, weil das\nGesetz eine sofortige Beschwerde gegen eine vollstreckungsgerichtliche Entscheidung des Oberlandesgerichts im ersten Rechtszug nicht vorsieht. Die Vorschrift des § 793 ZPO, die die Anfechtbarkeit eines Beschlusses zur Vollstreckung einer nicht vertretbaren Handlung gemäß § 888 Abs. 1 ZPO regelt (vgl.\nMünchKomm.ZPO/Gruber, 6. Aufl., § 888 Rn. 34; hierzu auch BGH, Beschluss\nvom 16. Mai 2012 - I ZB 52/11, juris Rn. 5 f.), wird zwar als Regelung über die\nStatthaftigkeit der sofortigen Beschwerde verstanden (vgl. BeckOK.ZPO/Preuß,\n39. Edition [Stand 1. Dezember 2020], § 793 Rn. 11). Dies ändert jedoch nichts\ndaran, dass der Gesetzgeber eine Zuständigkeit des Bundesgerichtshofs für das\nRechtsmittel der sofortigen Beschwerde weder generell (§ 133 GVG) noch explizit für den hier vorliegenden Sonderfall einer vollstreckungsgerichtlichen Tätigkeit\ndes erstinstanzlich zuständigen Oberlandesgerichts (§ 129 Abs. 1, § 92 Abs. 1\nNr. 2 VGG, § 888 Abs. 1 ZPO) vorgesehen hat.\n\n5 2. Es bedarf keiner Entscheidung, ob das Rechtmittel der Schuldnerin als\nRechtsbeschwerde ausgelegt oder in eine solche umgedeutet werden kann (zu\nden Voraussetzungen für Letzteres vgl. BGH, Beschluss vom 19. März 2019 -\nXI ZR 50/18, BGHZ 221, 278 Rn. 17), weil auch diese unstatthaft wäre. Eine die\nStatthaftigkeit der Rechtsbeschwerde ausdrücklich bestimmende Vorschrift im\nSinne des § 574 Abs. 1 Satz 1 Nr. 1 ZPO existiert für Beschlüsse nach § 888\nAbs. 1 ZPO nicht (vgl. auch Lackmann in Musielak/Voit, ZPO, 17. Aufl., § 888\nRn. 14). Nach § 574 Abs. 1 Satz 1 Nr. 2 ZPO kommt die Rechtsbeschwerde gegen Beschlüsse des Oberlandesgerichts im ersten Rechtszug zwar grundsätzlich\nin Betracht. Die Statthaftigkeit des Rechtsmittels nach dieser Vorschrift setzt jedoch voraus, dass das Oberlandesgericht es zugelassen hat. Das ist vorliegend\nnicht der Fall. Die Nichtzulassung der Rechtsbeschwerde ist nicht anfechtbar;\neine außerordentliche Beschwerde ist nicht eröffnet und verfassungsrechtlich\nauch nicht geboten (vgl. BGH, Beschluss vom 12. Oktober 2020 - IX ZB 79/19,\n\njuris Rn. 2 mwN). Darüber hinaus wäre die Rechtsbeschwerde auch deswegen\nals unzulässig zu verwerfen, weil sie nicht durch einen beim Bundesgerichtshof\nzugelassenen Rechtsanwalt unterzeichnet ist (§ 78 Abs. 1 Satz 3 ZPO).\n\n6 III. Das Rechtsmittel ist daher nach § 572 Abs. 2 Satz 2, § 577 Abs. 1\nSatz 2 ZPO mit der Kostenfolge aus § 97 Abs. 1 ZPO als unzulässig zu verwerfen.\n\nKoch Schaffert Pohl\n\nSchmaltz Odörfer\n\nVorinstanz:\nOLG München, Entscheidung vom 18.09.2020 - 6 Sch 48/18 WG -","source":null,"source_url":null,"url":"https://recht.nulegal.eu/rechtsprechung/bgh/2021-03-04/i-zb-8-21","cited_norms":[{"jurabk":"ZPO","ref":"§ 888","ref_norm":"888","n":3},{"jurabk":"ZPO","ref":"§ 574","ref_norm":"574","n":2},{"jurabk":"GVG","ref":"§ 133","ref_norm":"133","n":1},{"jurabk":"UrhG","ref":"§ 54h","ref_norm":"54h","n":1},{"jurabk":"ZPO","ref":"§ 78","ref_norm":"78","n":1},{"jurabk":"ZPO","ref":"§ 97","ref_norm":"97","n":1},{"jurabk":"ZPO","ref":"§ 577","ref_norm":"577","n":1},{"jurabk":"ZPO","ref":"§ 793","ref_norm":"793","n":1},{"jurabk":"VGG","ref":"§ 92","ref_norm":"92","n":1}],"authoritative_source":null,"attribution":null,"source_info":{"name":"nu:legal Deutsches Recht","operator":"Nulegal GmbH","terms":"https://recht.nulegal.eu/nutzungsbedingungen","attribution":"Source: nu:legal – recht.nulegal.eu","license_url":"https://recht.nulegal.eu/license","url":"https://recht.nulegal.eu/rechtsprechung/bgh/2021-03-04/i-zb-8-21","retrieved":"2026-10-24 07:57:18.927284+00:00"},"card":{"id":"bgh/2021-03-04/i-zb-8-21","court":"BGH","court_id":"bgh","court_as_stated":"BGH","panel":"1. 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