{"status":"available","doknr":"CEBGH-BGH_Strafsenat-4_NA_2020-01-30_4_StR_630_19_NA_NA_0","ecli":"ECLI:DE:BGH:2020:300120B4STR630.19.0","court":"BGH","senate":"4. Strafsenat","decided":"2020-01-30","aktenzeichen":"4 StR 630/19","doktyp":"Beschluss","leitsatz":null,"text_plain":"BUNDESGERICHTSHOF\nBESCHLUSS\n4 StR 630/19\n\nvom\n\n30. Januar 2020\n\nin der Strafsache\n\ngegen\n\nwegen versuchten Mordes u.a.\n\nDer 4. Strafsenat des Bundesgerichtshofs hat auf Antrag des Generalbundesanwalts\nund nach Anhörung des Beschwerdeführers am 30. Januar 2020 einstimmig beschlossen:\n\nDie Revision des Angeklagten gegen das Urteil des Landgerichts\nMünster (Westf.) vom 10. Juli 2019 wird als unbegründet verworfen, da\ndie Nachprüfung des Urteils auf Grund der Revisionsrechtfertigung\nkeinen Rechtsfehler zum Nachteil des Angeklagten ergeben hat (§ 349\nAbs. 2 StPO).\n\nDer Beschwerdeführer hat die Kosten des Rechtsmittels und die dem\nNebenkläger im Revisionsverfahren entstandenen notwendigen Auslagen zu tragen.\n\nECLI:DE:BGH:2020:300120B4STR630.19.0\n\nErgänzend bemerkt der Senat:\n\nZwar ist die Strafzumessungserwägung, „auch sein Nachtatverhalten unter\nwahrheitswidriger Beschuldigung des Nebenklägers mit der voraussehbaren und hier\nauch eingetretenen Folge, dass dieser strafrechtlich verfolgt und sogar polizeilich\nfestgenommen wurde“, spreche „gegen den Angeklagten“ (UA S. 36), im Hinblick auf\ndie Einhaltung der Grenzen zulässigen Verteidigungsverhaltens ohne nähere Begründung rechtlich bedenklich. Denn nach ständiger Rechtsprechung des Bundesgerichtshofs ist es einem eine Straftat leugnenden Angeklagten unbenommen, sich\ndamit zu verteidigen, dass er anderen die Schuld an der Tat zuschiebt; auch dann,\nwenn sich diese Anschuldigungen als haltlos erwiesen, darf eine belastende Zurechnung grundsätzlich nicht erfolgen (vgl. BGH, Beschluss vom 22. März 2007 ‒ 4 StR\n60/07, NStZ 2007, 463; Fischer, StGB, 67. Aufl., § 46 Rn. 53). Die Grenze ist erst\nerreicht, wenn das Leugnen, Verharmlosen oder die Belastung des Opfers oder eines Dritten sich als Ausdruck besonders verwerflicher Einstellung des Täters darstellt, etwa weil die Falschbelastung mit einer Verleumdung oder Herabwürdigung\noder der Verdächtigung einer besonders verwerflichen Handlung einhergeht (BGH,\nUrteil vom 16. September 1992 ‒ 2 StR 277/92, BGHR StGB § 66 Abs. 1 Gefährlichkeit 4; BGH, Beschluss vom 5. April 2011 ‒ 3 StR 12/11, StV 2011, 482; Beschluss\nvom 21. August 2014 ‒ 1 StR 320/14, NStZ-RR 2015, 9; Beschluss vom 24. Oktober\n2019 ‒ 4 StR 200/19, NStZ-RR 2020, 15) oder der Täter einen anderen zu einer\nFalschaussage anstiftet oder verleitet (BGH, Urteil vom 13. Januar 1993 ‒ 3 StR\n491/92, StV 1994, 125; Schäfer/\nSander/van Gemmeren, Praxis der Strafzumessung, 6. Aufl. 2017, Rn. 676). Im Hinblick auf eine derartige Verstrickung eines anderen in strafbares Verhalten ist den\nUrteilsgründen aber eine Überschreitung der Grenzen zulässigen Verteidigungsverhaltens zu entnehmen. Es wird zutreffend festgestellt und zureichend belegt, dass\nder\n\nAngeklagte die Zeugin F. zur Begehung einer falschen Verdächtigung zum\nNachteil des Nebenklägers bestimmt hat. Da dieser rechtlich unbedenkliche Aspekt\nvon dem offen formulierten „Nachtatverhalten“ umfasst ist, erweist sich die missverständliche Erwägung jedenfalls nicht als durchgreifend rechtsfehlerhaft.\n\nSost-Scheible Cierniak Bender\n\nFeilcke Paul\n\nVorinstanz:\nMünster, LG, 10.07.2019 ‒ 30 Js 3/19 2 Ks 7/19","source":null,"source_url":null,"url":"https://recht.nulegal.eu/rechtsprechung/bgh/2020-01-30/4-str-630-19","cited_norms":[{"jurabk":"StPO","ref":"§ 349","ref_norm":"349","n":1}],"authoritative_source":null,"attribution":null,"source_info":{"name":"nu:legal Deutsches Recht","operator":"Nulegal GmbH","terms":"https://recht.nulegal.eu/nutzungsbedingungen","attribution":"Source: nu:legal – recht.nulegal.eu","license_url":"https://recht.nulegal.eu/license","url":"https://recht.nulegal.eu/rechtsprechung/bgh/2020-01-30/4-str-630-19","retrieved":"2026-10-24 07:55:36.244804+00:00"},"card":{"id":"bgh/2020-01-30/4-str-630-19","court":"BGH","court_id":"bgh","court_as_stated":"BGH","panel":"4. 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