{"status":"available","doknr":"CEBGH-BGH_Strafsenat-2_NA_2020-04-28_2_ARs_274_19_NA_NA_0","ecli":"ECLI:DE:BGH:2020:280420B2ARS274.19.0","court":"BGH","senate":"2. Strafsenat","decided":"2020-04-28","aktenzeichen":"2 ARs 274/19","doktyp":"Beschluss","leitsatz":null,"text_plain":"BUNDESGERICHTSHOF\nBESCHLUSS\n2 ARs 274/19\n2 AR 202/19\nvom\n28. April 2020\nin der Strafsache\ngegen\n\nwegen gefährlicher Körperverletzung\n\nVertreten durch: Rechtsanwalt\n\nhier: Gerichtsstandsbestimmung\n\nAz.: 700 AR 200/19 Generalstaatsanwaltschaft Oldenburg\n3 VRJs 52/19 Amtsgericht Wildeshausen\n6 KLs 1202 Js 81155/18 (6/19) Landgericht Oldenburg\n31 AR 3/19 Landgericht Hannover\n\nECLI:DE:BGH:2020:280420B2ARS274.19.0\n\nDer 2. Strafsenat des Bundesgerichtshofs hat nach Anhörung des Generalbundesanwalts am 28. April 2020 beschlossen:\n\nDer Antrag auf Bestimmung des zuständigen Gerichts gemäß\n§ 14 StPO wird abgelehnt.\n\nGründe:\n\n1 1. a) Das Landgericht Oldenburg hat gegen den Verurteilten am 20. Juni\n2019 eine Jugendstrafe von drei Jahren und drei Monaten verhängt und die\nUnterbringung in einer Entziehungsanstalt angeordnet. Das Urteil ist seit dem\n28. Juni 2019 rechtskräftig. Der Verurteilte befand sich seit dem 20. Dezember\n2018 in der Justizvollzugsanstalt Vechta in Untersuchungshaft; nach Eintritt der\nRechtskraft wurde er in die Jugendanstalt Hameln verlegt und befand sich dort\nzunächst in sogenannter Organisationshaft.\n\n2 Mit anwaltlichem Schriftsatz vom 14. August 2019 hat der Verurteilte\nbeim Amtsgericht Wildeshausen seine Freilassung, hilfsweise die Unterbrechung der Vollstreckung beantragt, weil die Organisationshaft rechtswidrig sei.\nDie dortige Rechtspflegerin hat die Anträge „zuständigkeitshalber“ am\n30. August 2019 an das Amtsgericht Hameln weitergeleitet; eine Vorlage an die\nJugendrichterin am Amtsgericht Wildeshausen ist nicht erfolgt. Mit anwaltlichem\nSchriftsatz vom 9. August 2019 hatte der Verurteilte zudem bereits identische\nAnträge beim Amtsgericht Hameln gestellt.\n\n3 Das Amtsgericht Hameln hat seine Zuständigkeit formlos verneint und\ndie Anträge am 12. August 2019 an das Landgericht Oldenburg weitergeleitet.\nDas Landgericht Oldenburg hat die Akte sodann zur weiteren Veranlassung an\ndas Amtsgericht Hameln zurückgeleitet, weil eine Zuständigkeit der Jugendkammer als Gericht erster Instanz nicht gegeben sei.\n\n4 Mit Schriftsatz vom 22. August 2019 hat der Verurteilte beim Amtsgericht\nHameln erneut gerichtliche Entscheidung beantragt und sodann am 29. August\n2019 Untätigkeitsbeschwerde beim Landgericht Hannover erhoben. Nachdem\nder Verteidiger erklärt hat, die Untätigkeitsbeschwerde sei als Beschwerde gegen das Unterlassen der Einleitung der Vollstreckung durch das Amtsgericht\nWildeshausen auszulegen, hat das Landgericht Hannover das Verfahren an\ndas Landgericht Oldenburg übersandt. Mit Anwaltsschriftsatz vom\n12. September 2019 hat der Verurteilte zugleich beim Landgericht Oldenburg\nBeschwerde gegen die Mitteilung der Rechtspflegerin, wonach die gestellten\nAnträge zuständigkeitshalber an das Amtsgericht Hameln übersandt worden\nsind, erhoben.\n\n5 b) Das Landgericht Oldenburg hat sich mit Beschluss vom\n23. September 2019 „betreffend den Antrag auf Freilassung/Fortdauer der\nOrganisationshaft als Beschwerdegericht“ für unzuständig erklärt und die Sache\ngemäß § 14 StPO dem Bundesgerichtshof mit dem Anliegen vorgelegt, das für\ndie Bescheidung der Anträge des Verurteilten vom 9. und 14. August 2019 zuständige Gericht zu bestimmen.\n\n6 2. Die Voraussetzungen für eine Entscheidung nach § 14 StPO liegen\nnicht vor.\n\n7 Erforderlich ist, dass zwischen mehreren Gerichten ein Streit über die\nZuständigkeit besteht. Ein negativer Kompetenzkonflikt liegt vor, wenn sämtli-\n\nche mit derselben Sache befassten Gerichte sich für unzuständig halten. Es ist\nnur dann nach § 14 StPO zu verfahren, wenn zwischen den Gerichten „Streit“\nbesteht, d.h. wenn mindestens noch zwei Entscheidungen anfechtbar sind\n(Senat, Beschluss vom 24. September 2019 – 2 ARs 229/19, NStZ-RR 2019,\n384; KK-StPO/Scheuten, 8. Aufl., § 14 Rn. 1).\n\n8 Daran fehlt es hier: Eine anfechtbare Entscheidung der Jugendrichterin\ndes Amtsgerichts Hameln mag zwar darin zu sehen sein, dass sie die Akten\nformlos an das Landgericht Oldenburg weitergeleitet und den Verteidiger unter\nHinweis darauf, dass „keine Zuständigkeit“ bestehe, formlos benachrichtigt hat.\nEs fehlt jedoch an einer (anfechtbaren) Entscheidung des mit derselben Sache\nbefassten Jugendrichters des Amtsgerichts Wildeshausen. Wie sich aus § 82\nAbs. 1 Satz 1, § 83 Abs. 1, § 110 Abs. 1 JGG i.V.m. § 462a Abs. 1, 462 Abs. 1,\n458 Abs. 1 StPO und § 31 Abs. 5 Satz 1 RPflG ergibt, liegt eine anfechtbare\nEntscheidung auch nicht darin, dass die dortige Rechtspflegerin die Anträge\ndes Verurteilten an das Amtsgericht Hameln „zuständigkeitshalber“ weitergeleitet hat. Dass sich das Landgericht Oldenburg „als Beschwerdegericht für unzuständig“ erklärt hat, ändert daran ebenfalls nichts.\n\n9 3. Sollte nach Befassung der Amtsgerichte Wildeshausen und Hameln\ndort trotz Begründung des Landesgerichts Oldenburg, welche bislang nicht berücksichtigt wurde, eine Zuständigkeit verneint werden, kann die Sache zur Bestimmung des zuständigen Gerichts erneut vorgelegt werden.\n\nFranke Appl Zeng\n\nGrube Schmidt","source":"ce-bgh","source_url":"https://doi.org/10.5281/zenodo.15153244","url":"https://recht.nulegal.eu/rechtsprechung/bgh/2020-04-28/2-ars-274-19","cited_norms":[{"jurabk":"StPO","ref":"§ 14","ref_norm":"14","n":4},{"jurabk":"JGG","ref":"§ 110","ref_norm":"110","n":1},{"jurabk":"RPflG 1969","ref":"§ 31","ref_norm":"31","n":1}],"authoritative_source":"https://doi.org/10.5281/zenodo.15153244","attribution":{"source":"Bundesgerichtshof","source_url":"https://doi.org/10.5281/zenodo.15153244","license":"Creative Commons Zero (CC0 1.0)","license_url":"https://creativecommons.org/publicdomain/zero/1.0/","notice":"Amtliche Entscheidung des Bundesgerichtshofs. 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