{"status":"available","ecli":"ECLI:DE:BGH:2020:270520BIZB5.20.0","court":"BGH","senate":"1. Zivilsenat","decided":"2020-05-27","aktenzeichen":"I ZB 5/20","doktyp":"Beschluss","leitsatz":null,"text_plain":"BUNDESGERICHTSHOF\n\nBESCHLUSS\nI ZB 5/20\n\nvom\n\n27. Mai 2020\n\nin dem Verfahren\n\nauf Vollstreckbarerklärung und Aufhebung eines inländischen Schiedsspruchs\n\nECLI:DE:BGH:2020:270520BIZB5.20.0\n\nDer I. Zivilsenat des Bundesgerichtshofs hat am 27. Mai 2020 durch den\nVorsitzenden Richter Prof. Dr. Koch, den Richter Dr. Löffler, die Richterin\nDr. Schwonke, die Richter Feddersen und Odörfer\n\nbeschlossen:\n\nDie Rechtsbeschwerde gegen den Beschluss des Hanseatischen\nOberlandesgerichts Hamburg - 6. Zivilsenat - vom 12. Dezember\n2019 wird auf Kosten der Antragsgegnerin als unzulässig verworfen.\n\nDer Gegenstandswert für das Rechtsbeschwerdeverfahren wird\nauf 123.449,78 € festgesetzt.\n\nGründe:\n\n1 I. Das Oberlandesgericht hat mit Beschluss vom 12. Dezember 2019 einen gegen die Antragsgegnerin ergangenen inländischen Schiedsspruch des\nSchiedsgerichts der Handelskammer Hamburg vom 6. September 2018 für vollstreckbar erklärt und einen Antrag auf Aufhebung des Schiedsspruchs zurückgewiesen. Der Beschluss wurde am 13. Dezember 2019 zur Post gegeben. Mit\nSchreiben vom 5. Februar 2020, eingegangen am 6. Februar 2020, übersandte\ndie in der Türkei ansässige Antragsgegnerin dem Bundesgerichtshof einen \"Antrag auf Fristverlängerung über das Widerspruchs- und Berufungsantragsrecht\".\nAm 10. März 2020 reichte sie ein auf den 9. März 2020 datiertes \"Beschwerdeund Kassationsklageschreiben\" ein.\n\n2 II. Die Schreiben der Antragsgegnerin vom 5. Februar 2020 und 9. März\n2020 sind dahin auszulegen, dass sie das gegen den Beschluss des Oberlandesgerichts vom 12. Dezember 2019 statthafte Rechtsmittel einlegen will. Nach\n§ 574 Abs. 1 Satz 1 Nr. 1, § 1062 Abs. 1 Nr. 4, § 1065 Abs. 1 Satz 1 ZPO ist\ndies die Rechtsbeschwerde.\n\n3 III. Die Rechtsbeschwerde ist unzulässig.\n\n4 1. Nach § 78 Abs. 1 Satz 3 ZPO müssen sich die Parteien vor dem Bundesgerichtshof durch einen bei dem Bundesgerichtshof zugelassenen Rechtsanwalt vertreten lassen. Dies gilt auch für die Einlegung der Rechtsbeschwerde\n(vgl. BGH, Beschluss vom 21. März 2002 - IX ZB 18/02, NJW 2002, 2181 [juris\nRn. 9 f.]). Der angefochtene Beschluss enthält eine Rechtsbehelfsbelehrung, in\nder auf den Anwaltszwang hingewiesen wird. Gleichwohl sind beide Schreiben\nder Antragsgegnerin nicht von einem beim Bundesgerichtshof zugelassenen\nRechtsanwalt, sondern vom Geschäftsführer der Antragsgegnerin unterzeichnet\nworden.\n\n5 2. Darüber hinaus war die Frist für die Einlegung der Rechtsbeschwerde\nvon einem Monat nach Zustellung des angefochtenen Beschlusses (§ 575\nAbs. 1 Satz 1 ZPO) bereits bei Eingang des ersten Schreibens der Antragsgegnerin am 6. Februar 2020 abgelaufen.\n\n6 a) Der angefochtene Beschluss durfte der Antragsgegnerin nach § 184\nAbs. 1 Satz 2 ZPO durch Aufgabe zur Post zugestellt werden, da die Antragsgegnerin keinen Prozessbevollmächtigten bestellt oder inländischen Zustellungsbevollmächtigten benannt hat, obwohl das Oberlandesgericht mit Beschluss vom 9. November 2018 eine entsprechende Anordnung erlassen hatte.\nDer Anordnungsbeschluss genügt den Anforderungen des § 184 Abs. 1 und\nAbs. 2 Satz 3 ZPO und wurde der Antragsgegnerin am 15. April 2019 im\nRechtshilfeweg zugestellt.\n\n7 b) Der angefochtene Beschluss gilt als am 27. Dezember 2019 zugestellt. Die nach § 184 Abs. 2 Satz 4 ZPO dokumentierte Aufgabe zur Post erfolgte am 13. Dezember 2019. Gemäß § 184 Abs. 2 Satz 1 ZPO trat die Zustellungsfiktion zwei Wochen später, also am 27. Dezember 2019, ein. Von der\ndurch § 184 Abs. 2 Satz 2 ZPO eröffneten Möglichkeit, eine längere Frist zu\nbestimmen, hat das Oberlandesgericht nicht Gebrauch gemacht. Die Zustellungsfiktion ist grundsätzlich unwiderleglich (vgl. Wittschier in Musielak/Voit,\nZPO, 17. Aufl., § 184 Rn. 3), so dass es auf den tatsächlichen Zugang, der\nnach dem Vortrag der Antragsgegnerin am 10. Januar 2020 stattfand, nicht ankommt.\n\n8 c) Nach Zustellung des angefochtenen Beschlusses am 27. Dezember\n2019 endete die Frist für die Einlegung der Rechtsbeschwerde gemäß § 222\nAbs. 1 ZPO, § 187 Abs. 1, § 188 Abs. 2 BGB am 27. Januar 2020.\n\n9 3. Über den im Schreiben der Antragsgegnerin vom 5. Februar 2020 enthaltenen \"Antrag auf Fristverlängerung über das Widerspruchs- und Berufungsantragsrecht\" bis 10. März 2020 muss aufgrund der Unzulässigkeit der Rechtsbeschwerde nicht mehr entschieden werden. Der Senat weist aber darauf hin,\ndass nur die Frist zur Begründung der Rechtsbeschwerde verlängert werden\nkann (§ 575 Abs. 2 Satz 3, § 551 Abs. 2 Satz 5 und 6 ZPO), nicht aber die\n(Not-)Frist zu ihrer Einlegung (§ 575 Abs. 1 Satz 1 ZPO, § 224 Abs. 1 und 2\nZPO; vgl. zu Notfristen auch Zöller/Feskorn, ZPO, 33. Aufl., § 224 Rn. 5).\n\n10 IV. Die Rechtsbeschwerde ist daher mit der Kostenfolge des § 97 Abs. 1\nZPO als unzulässig zu verwerfen.\n\nKoch Löffler Schwonke\n\nFeddersen Odörfer\n\nVorinstanz:\nOLG Hamburg, Entscheidung vom 12.12.2019 - 6 Sch 12/18 -","source":null,"source_url":null,"url":"https://recht.nulegal.eu/rechtsprechung/bgh/2020-05-27/i-zb-5-20","cited_norms":[{"jurabk":"ZPO","ref":"§ 184","ref_norm":"184","n":4},{"jurabk":"ZPO","ref":"§ 575","ref_norm":"575","n":2},{"jurabk":"BGB","ref":"§ 188","ref_norm":"188","n":1},{"jurabk":"ZPO","ref":"§ 78","ref_norm":"78","n":1},{"jurabk":"ZPO","ref":"§ 97","ref_norm":"97","n":1},{"jurabk":"ZPO","ref":"§ 222","ref_norm":"222","n":1},{"jurabk":"ZPO","ref":"§ 1065","ref_norm":"1065","n":1}],"authoritative_source":null,"attribution":null,"source_info":{"name":"nu:legal Deutsches Recht","operator":"Nulegal GmbH","terms":"https://recht.nulegal.eu/nutzungsbedingungen","attribution":"Source: nu:legal – recht.nulegal.eu","license_url":"https://recht.nulegal.eu/license","url":"https://recht.nulegal.eu/rechtsprechung/bgh/2020-05-27/i-zb-5-20","retrieved":"2026-10-24 07:57:17.262974+00:00"},"card":{"id":"bgh/2020-05-27/i-zb-5-20","court":"BGH","court_id":"bgh","court_as_stated":"BGH","panel":"1. 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