{"status":"available","doknr":"CEBGH-BGH_Zivilsenat-11_NA_2020-05-26_XI_ZR_544_19_NA_NA_0","ecli":"ECLI:DE:BGH:2020:260520BXIZR544.19.0","court":"BGH","senate":"11. Zivilsenat","decided":"2020-05-26","aktenzeichen":"XI ZR 544/19","doktyp":"Beschluss","leitsatz":null,"text_plain":"BUNDESGERICHTSHOF\nBESCHLUSS\nXI ZR 544/19\n\nvom\n\n26. Mai 2020\n\nin dem Rechtsstreit\n\nECLI:DE:BGH:2020:260520BXIZR544.19.0\n\nDer XI. Zivilsenat des Bundesgerichtshofs hat am 26. Mai 2020 durch den\nVizepräsidenten Prof. Dr. Ellenberger, die Richter Dr. Joeres und Dr. Grüneberg\nsowie die Richterinnen Dr. Menges und Dr. Derstadt\n\nbeschlossen:\n\nDer Antrag des Klägers auf Aussetzung des Verfahrens wird zurückgewiesen.\n\nDie Nichtzulassungsbeschwerde des Klägers gegen den Beschluss des 17. Zivilsenats des Oberlandesgerichts München vom\n18. Oktober 2019 wird zurückgewiesen, weil die Rechtssache keine grundsätzliche Bedeutung hat und die Fortbildung des Rechts\nsowie die Sicherung einer einheitlichen Rechtsprechung eine Entscheidung des Revisionsgerichts nicht erfordern (§ 543 Abs. 2\nSatz 1 ZPO). Dabei hat der Senat die Erfolgsaussichten einer Revision geprüft und verneint (BVerfGK 6, 79, 81 ff.; 18, 105, 111 f.;\n19, 467, 475).\n\nWegen der Einzelheiten verweist der Senat auf seine Urteile vom\n5. November 2019 (XI ZR 650/18, WM 2019, 2353, zur Veröffentlichung in BGHZ vorgesehen, und XI ZR 11/19, juris) sowie seine\nBeschlüsse vom 11. Februar 2020 (XI ZR 648/18, juris) und vom\n31. März 2020 (XI ZR 198/19, WM 2020, 838). Sofern der Europäische Gerichtshof mit Urteil vom 26. März 2020 (C-66/19, WM\n2020, 688 - \"Kreissparkasse Saarlouis\") entschieden hat, Art. 10\nAbs. 2 Buchst. p der Richtlinie 2008/48/EG des Europäischen Parlaments und des Rates vom 23. April 2008 über Verbraucherkre-\n\nditverträge und zur Aufhebung der Richtlinie 87/102/EWG des Rates (ABl. 2008, L 133, S. 66, berichtigt in ABl. 2009, L 207, S. 14,\nABl. 2010, L 199, S. 40, und ABl. 2011, L 234, S. 46, künftig: Verbraucherkreditrichtlinie) sei dahin auszulegen, dass er dem entgegenstehe, dass ein Kreditvertrag hinsichtlich der in Art. 10 dieser\nRichtlinie genannten Angaben auf eine nationale Vorschrift verweise, die selbst auf weitere Rechtsvorschriften des betreffenden\nMitgliedstaats verweise, kann sich die Beklagte auf die Gesetzlichkeitsfiktion des Art. 247 § 6 Abs. 2 Satz 3 EGBGB in der hier\nmaßgeblichen, vom 13. Juni 2014 bis zum 20. März 2016 geltenden Fassung (im Folgenden: aF) berufen. Die in den Vertragsunterlagen enthaltene Widerrufsinformation setzt sich durch eine\ngraue Unterlegung sowie durch ihre Überschrift vom übrigen Vertragstext ab und ist mittels weiterer, in Fettdruck gehaltener Zwischenüberschriften deutlich gestaltet. Sie entspricht, was der Senat durch einen Vergleich selbst feststellen kann (st. Rspr., vgl.\nnur Senatsurteil vom 11. Oktober 2016 - XI ZR 482/15, BGHZ 212,\n207 Rn. 26), dem gesetzlichen Muster in Anlage 7 zu Art. 247 § 6\nAbs. 2 und § 12 Abs. 1\nEGBGB aF. Dass die Beklagte den Verbraucher direkt angesprochen hat, ist ausweislich der ersten Sternchenfußnote zum gesetzlichen Muster ebenso zulässig wie die vorgenommenen Abweichungen hinsichtlich Format und Schriftgröße (Art. 247 § 6 Abs. 2\nSatz 5 EGBGB). Dies gilt auch für die Anwendung der Gestaltungshinweise 2, 2a, 6, 6a, 6b, 6c, 6f und 6g. Dass es sich bei\ndem Darlehensvertrag, dem Kaufvertrag und den beiden Ratenschutzversicherungen um verbundene Verträge nach § 358 BGB\ngehandelt hat, hat die Beklagte genau bezeichnet, so dass eine\n\nWiederholung in der Widerrufsinformation nach dem dritten Sternchenhinweis in dem Muster in Anlage 7 zu Art. 247 § 6 Abs. 2 und\n§ 12 Abs. 1\nEGBGB aF entbehrlich war. Der Senat hat mit Beschluss vom\n31. März 2020 (XI ZR 198/19, aaO) im Einzelnen begründet, dass\nund weshalb es ihm verwehrt ist, sich gegen die ausdrückliche\nAnordnung des Gesetzgebers in Art. 247 § 6 Abs. 2 Satz 3 EG-BGB aF zu stellen. Für eine richtlinienkonforme Auslegung ist kein\nRaum (Senatsbeschluss vom 31. März 2020, aaO Rn. 10 ff.). Entgegen der Auffassung der Beschwerde ist es für den Erhalt der\nGesetzlichkeitsfiktion unschädlich, dass die Beklagte in der Widerrufsinformation den pro Tag zu zahlenden Zinsbetrag mit\n\"0,00 Euro\" angegeben hat (vgl. Senatsbeschluss vom 31. März\n2020, aaO Rn. 9) und an anderer Stelle in den Vertragsunterlagen\ndie Aufrechnungsbefugnis und das Zurückbehaltungsrecht des\nDarlehensnehmers eingeschränkt hat (vgl. Senatsurteil vom\n26. November 2019 - XI ZR 307/18, WM 2020, 87 Rn. 22 mwN).\n\nDie Vorabentscheidungsgesuche des Einzelrichters des Landgerichts Ravensburg (Beschlüsse vom 7. Januar 2020 - 2 O 315/19,\nBKR 2020, 151, vom 5. März 2020 - 2 O 328/19, 2 O 280/19, 2 O\n334/19, juris und vom 31. März 2020 - 2 O 294/19, 2 O 249/19,\njuris) vermögen eine Aussetzung analog § 148 ZPO nicht zu rechtfertigen, weil die von dem Einzelrichter in seinen Vorabentscheidungsgesuchen aufgeworfenen Fragen angesichts des Wortlauts,\nder Regelungssystematik und des Regelungszwecks der Verbraucherkreditrichtlinie derart offenkundig zu beantworten sind, dass\nfür vernünftige Zweifel kein Raum bleibt (\"acte clair\", vgl. EuGH,\nSlg. 1982, 3415 Rn. 16 - \"C.I.L.F.I.T.\"; Slg. 2005, I-8151 Rn. 33 -\n\n\"Intermodal Transports\"; BVerfG, WM 2015, 525, 526; Senatsurteile vom 12. September 2017 - XI ZR 590/15, BGHZ 215, 359\nRn. 36 und vom 18. Juni 2019 - XI ZR 768/17, WM 2019, 2153\nRn. 69).\n\nSoweit sich der Kläger auf den Vorlagebeschluss des\nVII. Zivilsenats des Bundesgerichtshofs vom 14. Mai 2020 (VII ZR\n174/19) bezieht, ist dieser nicht einschlägig. Im Bereich des Verbraucherkreditrechts hat der Europäische Gerichtshof ausdrücklich aufgegeben, das nationale Recht bis zur Grenze des contra\nlegem richtlinienkonform auszulegen (vgl. EuGH, WM 2019, 1919\nRn. 37 f. mwN - \"Romano\"; siehe auch EuGH, WM 2020, 688\nRn. 31 - \"Kreissparkasse Saarlouis\"). Eine - ohnehin nur in seltenen Ausnahmefällen judizierte - direkte Anwendung der Richtlinie\ncontra legem hat der Europäische Gerichtshof daher offensichtlich\nausgeschlossen.\n\nVon einer weiteren Begründung wird gemäß § 544 Abs. 6 Satz 2\nHalbs. 2 ZPO abgesehen.\n\nDer Kläger trägt die Kosten des Beschwerdeverfahrens (§ 97\nAbs. 1 ZPO).\n\nDer Gegenstandswert des Beschwerdeverfahrens beträgt bis zu\n35.000,00 €.\n\nEllenberger Joeres Grüneberg\n\nMenges Derstadt\n\nVorinstanzen:\nLG München I, Entscheidung vom 01.07.2019 - 32 O 4426/19 -\nOLG München, Entscheidung vom 18.10.2019 - 17 U 4409/19 -","source":null,"source_url":null,"url":"https://recht.nulegal.eu/rechtsprechung/bgh/2020-05-26/xi-zr-544-19","cited_norms":[{"jurabk":"BGBEG","ref":"Art 247 § 6","ref_norm":"247-6","n":3},{"jurabk":"ZPO","ref":"§ 97","ref_norm":"97","n":1},{"jurabk":"ZPO","ref":"§ 543","ref_norm":"543","n":1},{"jurabk":"ZPO","ref":"§ 148","ref_norm":"148","n":1},{"jurabk":"ZPO","ref":"§ 544","ref_norm":"544","n":1},{"jurabk":"BGB","ref":"§ 358","ref_norm":"358","n":1},{"jurabk":"RL 2008/48/EG","ref":"Art 10","ref_norm":"10","n":1}],"authoritative_source":null,"attribution":null,"source_info":{"name":"nu:legal Deutsches Recht","operator":"Nulegal GmbH","terms":"https://recht.nulegal.eu/nutzungsbedingungen","attribution":"Source: nu:legal – recht.nulegal.eu","license_url":"https://recht.nulegal.eu/license","url":"https://recht.nulegal.eu/rechtsprechung/bgh/2020-05-26/xi-zr-544-19","retrieved":"2026-10-24 08:02:09.325666+00:00"},"card":{"id":"bgh/2020-05-26/xi-zr-544-19","court":"BGH","court_id":"bgh","court_as_stated":"BGH","panel":"11. 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