{"status":"available","ecli":"ECLI:DE:BGH:2020:171220BIIIZR72.20.0","court":"BGH","senate":"3. Zivilsenat","decided":"2020-12-17","aktenzeichen":"III ZR 72/20","doktyp":"Beschluss","leitsatz":null,"text_plain":"BUNDESGERICHTSHOF\nBESCHLUSS\nIII ZR 72/20\nvom\n\n17. Dezember 2020\n\nin dem Rechtsstreit\n\nECLI:DE:BGH:2020:171220BIIIZR72.20.0\n\nDer III. Zivilsenat des Bundesgerichtshofs hat am 17. Dezember 2020 durch den\nVorsitzenden Richter Dr. Herrmann und die Richter Dr. Remmert, Reiter,\nDr. Kessen und Dr. Herr\n\nbeschlossen:\n\nDer Klägerin wird Wiedereinsetzung in den vorigen Stand gegen die\nVersäumung der Frist zur Begründung der Beschwerde gegen die\nNichtzulassung der Revision in dem Urteil des 1. Zivilsenats des\nOberlandesgerichts Koblenz vom 17. Oktober 2019 - 1 EK 1/19 -\ngewährt.\n\nAuf die Nichtzulassungsbeschwerde der Klägerin wird die Revision\ngegen das vorbezeichnete Urteil zugelassen, soweit der Klageantrag zu 1 bei einer festgestellten Verfahrensverzögerung von insgesamt 37 Monaten in Höhe einer den Regelbetrag (§ 198 Abs. 2\nSatz 3 GVG) übersteigenden Entschädigung für immaterielle Nachteile abgewiesen worden ist. Im Übrigen wird die Beschwerde zurückgewiesen.\n\nDie Klägerin hat die Kosten des Beschwerdeverfahrens zu tragen,\nsoweit ihre Beschwerde zurückgewiesen worden ist (§ 97 Abs. 1,\n§ 92 Abs. 1 Satz 1 ZPO). Für die Gerichtskosten beträgt der Streitwert 9.267,64 € und für die außergerichtlichen Kosten 20.567,64 €.\nDie außergerichtlichen Kosten sind im Verhältnis zum Beklagten in\nHöhe von 45,06 % anzusetzen.\n\nGründe:\n\n1 Soweit das Oberlandesgericht einen Anspruch der Klägerin auf Freistellung von Rechtsanwaltskosten in Höhe von 9.267,64 € verneint hat, liegt kein\nRevisionszulassungsgrund im Sinne des § 543 Abs. 2 ZPO vor.\n\n2 Die auf der Basis einer Honorarvereinbarung mit einem Stundensatz von\n250 € geltend gemachten Anwaltskosten betreffen die gesamte anwaltliche Tätigkeit in den familiengerichtlichen Ausgangsverfahren, ohne dass die Klägerin\ndarlegt, welcher Zeitaufwand auf die vom Oberlandesgericht festgestellten Verfahrensverzögerungen entfällt (vgl. Senatsurteil vom 23. Januar 2014 - III ZR\n37/13, BGHZ 200, 20 Rn. 46). Gegenteiliges ergibt sich auch nicht aus dem von\nder Beschwerde in Bezug genommenem Schriftsatz vom 16. August 2019 (GA II\n311 ff).\n\n3 Darüber hinaus ist ein anwaltliches Zeithonorar nur bis zur Höhe der gesetzlichen Gebühren erstattungsfähig. Die Beschränkung der Erstattungsfähigkeit auf die notwendigen Kosten der Rechtsverfolgung (gesetzliche Gebühren\nund Auslagen) entspricht einem allgemeinen Grundsatz, der in mehreren Verfahrensordnungen (z.B. § 91 Abs. 2 ZPO, § 464a Abs. 2 Nr. 2 StPO, § 193 Abs. 3\nSGG, § 139 Abs. 3 FGO) Ausdruck gefunden hat (Senatsurteil aaO Rn. 47 ff).\nDamit wäre es unvereinbar, wenn der Betroffene Rechtsanwaltskosten, deren\nErstattungsfähigkeit im Ausgangsverfahren von vornherein ausscheidet, im Entschädigungsprozess geltend machen könnte. Im vorliegenden Fall kommt hinzu,\ndass die Klägerin, bei der die Voraussetzungen für die Gewährung von Verfahrenskostenhilfe ohne Ratenzahlung vorlagen, keine Veranlassung hatte, mit ihrem Anwalt eine Honorarvereinbarung auf Stundenbasis abzuschließen. Ihren im\nNichtzulassungsbeschwerdeverfahren gehaltenen Vortrag, angesichts der niedrigen Streitwerte in Kindschaftssachen und der damit verbundenen niedrigen\n\nRechtsanwaltsvergütung auf der Grundlage der Vergütungstabelle nach dem\nRechtsanwaltsvergütungsgesetz sei eine Honorarvereinbarung in der Regel notwendig, um Rechtsschutz zu erhalten, vermag der Senat nicht nachzuvollziehen,\nzumal die Klägerin daneben vortragen ließ, die Schriftsätze in den Ausgangsverfahren selbst verfasst zu haben, ihre Rechtsanwälte hätten die Entwürfe nahezu\nunverändert übernommen.\n\n4 Von einer weiteren Begründung wird gemäß § 544 Abs. 6 Satz 2 Halbsatz 2 ZPO abgesehen.\n\nHerrmann Remmert Reiter\n\nKessen Herr\n\nVorinstanz:\nOLG Koblenz, Entscheidung vom 17.10.2019 - 1 EK 1/19 -","source":null,"source_url":null,"url":"https://recht.nulegal.eu/rechtsprechung/bgh/2020-12-17/iii-zr-72-20","cited_norms":[{"jurabk":"FGO","ref":"§ 139","ref_norm":"139","n":1},{"jurabk":"GVG","ref":"§ 198","ref_norm":"198","n":1},{"jurabk":"SGG","ref":"§ 193","ref_norm":"193","n":1},{"jurabk":"StPO","ref":"§ 464a","ref_norm":"464a","n":1},{"jurabk":"ZPO","ref":"§ 92","ref_norm":"92","n":1},{"jurabk":"ZPO","ref":"§ 543","ref_norm":"543","n":1},{"jurabk":"ZPO","ref":"§ 91","ref_norm":"91","n":1},{"jurabk":"ZPO","ref":"§ 544","ref_norm":"544","n":1}],"authoritative_source":null,"attribution":null,"source_info":{"name":"nu:legal Deutsches Recht","operator":"Nulegal GmbH","terms":"https://recht.nulegal.eu/nutzungsbedingungen","attribution":"Source: nu:legal – recht.nulegal.eu","license_url":"https://recht.nulegal.eu/license","url":"https://recht.nulegal.eu/rechtsprechung/bgh/2020-12-17/iii-zr-72-20","retrieved":"2026-10-24 07:58:20.510501+00:00"},"card":{"id":"bgh/2020-12-17/iii-zr-72-20","court":"BGH","court_id":"bgh","court_as_stated":"BGH","panel":"3. 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