{"status":"available","ecli":"ECLI:DE:BGH:2020:161220B2ARS238.20.0","court":"BGH","senate":"2. Strafsenat","decided":"2020-12-16","aktenzeichen":"2 ARs 238/20","doktyp":"Beschluss","leitsatz":null,"text_plain":"BUNDESGERICHTSHOF\nBESCHLUSS\n2 ARs 238/20\n2 AR 144/20\nvom\n16. Dezember 2020\nin dem Auslieferungsverfahren\ngegen\n\nzur Strafverfolgung\n\nvertreten durch: Rechtsanwalt\n\nAz.: 1 Ausl 29/18 Oberlandesgericht Oldenburg\nAz.: 400 Ausl A 119/17 Generalstaatsanwaltschaft Oldenburg\n\nECLI:DE:BGH:2020:161220B2ARS238.20.0\n\nDer 2. Strafsenat des Bundesgerichtshofs hat nach Anhörung des Generalbundesanwalts und des Beschwerdeführers am 16. Dezember 2020 beschlossen:\n\nDer als „sofortige Beschwerde“ bezeichnete Rechtsbehelf des Beschwerdeführers gegen den Beschluss des Oberlandesgerichts\nOldenburg vom 10. Juli 2020 – Az.: 1 Ausl 29/18 – wird auf seine\nKosten als unzulässig verworfen.\n\nGründe:\n\nI.\n\n1 Gegen den Beschwerdeführer wurde in der Ukraine Haftbefehl erlassen.\nAuf Ersuchen der Generalstaatsanwaltschaft der Ukraine wurde er zum Zwecke\nder Auslieferung zur Strafverfolgung festgenommen und befand sich aufgrund\nAuslieferungshaftbefehls des Oberlandesgerichts Oldenburg vom 3. Juli 2019\nzwischen 28. November 2019 und 27. Mai 2020 in Auslieferungshaft.\n\n2 Mit Schriftsatz vom 1. Juli 2020 beantragte er, ihn für den Vollzug der Auslieferungshaft zu entschädigen. Diesen Antrag hat das Oberlandesgericht Oldenburg mit Beschluss vom 10. Juli 2020 zurückgewiesen, da für Auslieferungshaft\nim Fall der Anordnung der Haft durch ausländische Behörden und Vollstreckung\nim Inland nach dem Gesetz keine Entschädigungspflicht bestehe.\n\n3 Dagegen wendet sich der Beschwerdeführer mit der „sofortigen Beschwerde“.\n\nII.\n\n4 Der Rechtsbehelf ist unzulässig, da der Rechtsweg erschöpft ist.\n\n5 1. Gemäß § 13 Abs. 1 Satz 2 IRG sind Entscheidungen des Oberlandesgerichts im Auslieferungsverfahren unanfechtbar (BGH, Beschluss vom 8. Oktober 1987 – 2 ARs 254/87, BGHR IRG § 13 Unanfechtbarkeit 1; KG, Beschluss\nvom 24. August 2018 – (4) 151 AuslA 185/17 (228/17), juris Rn. 13).\n\n6 2. Entgegen der Auffassung des Beschwerdeführers ergibt sich die Zulässigkeit des Rechtsbehelfs auch nicht aus § 8 Abs. 3 Satz 1 StrEG.\n\n7 a) Einer unmittelbaren Anwendung der Vorschrift steht entgegen, dass der\nAnwendungsbereich des StrEG nicht eröffnet ist, da es sich bei Auslieferungshaft\nauf Ersuchen ausländischer Behörden grundsätzlich um keine Strafverfolgungsmaßnahme im Sinne des § 2 StrEG handelt (BVerfG, Beschluss vom 5. Juni\n1992 – 2 BvR 1403/91, BeckRS 1992, 08098 Rn. 2; BGH, Beschluss vom 17. Januar 1984 – 4 ARs 19/83, BGHSt 32, 221, 225 f.; OLG Köln, Beschluss vom\n4. Juli 2005 – 6 Ausl 53-05/24/05, BeckRS 2005, 9812; KG, Beschluss vom\n29. November 2010 – (4) Ausl. A. 915-06 (183/06), BeckRS 2011, 5645; OLG\nDresden, Beschluss vom 10. Juli 2014 – OLGAusl 53/14, BeckRS 2014, 21174\nRn. 38; MüKo-StPO/Kunz, 1. Aufl., § 2 StrEG Rn. 8; BeckOK-StPO/Cornelius,\n38. Edition, § 1 StrEG Rn. 19; BeckOK-OWiG/Grommes, 28. Edition, § 2 StrEG\nRn. 6).\n\n8 b) Die Regelungen des StrEG finden – wie sich unmittelbar aus § 77 IRG\nergibt – im Bereich der strafrechtlichen Rechtspflege auch keine entsprechende\nAnwendung. Dies folgt nicht nur aus dem Wortlaut der Vorschrift, sondern ent-\n\nspricht auch – wie das Oberlandesgericht in seinem Beschluss zutreffend ausgeführt hat – dem ausdrücklichen Willen des Gesetzgebers (BGH, aaO; OLG Köln,\naaO; OLG Düsseldorf, Beschluss vom 23. Mai 2017 – III-3 AR 153/15, BeckRS\n2017, 123140 Rn. 2, jeweils mwN; Ambos/Gronke in Ambos/König/Rackow,\nRechtshilferecht in Strafsachen, 2. Aufl., 1. Hauptteil Rn. 49).\n\n9 c) Entgegen der Auffassung des Beschwerdeführers kann sich die Zulässigkeit des Rechtsbehelfs auch nicht aus einer „verfassungskonformen Auslegung“ der genannten Vorschriften im Hinblick auf Art. 19 Abs. 4 GG ergeben, da\neiner solchen Norminterpretation der gesetzliche Wortlaut und der klar erkennbare Wille des Gesetzgebers entgegenstehen (zu den Grenzen verfassungskonformer Auslegung vgl. BVerfG, Beschluss vom 16. Dezember 2014 – 1 BvR\n2142/11, BVerfGE 138, 64, 93 f.).\n\nFranke Grube Schmidt","source":null,"source_url":null,"url":"https://recht.nulegal.eu/rechtsprechung/bgh/2020-12-16/2-ars-238-20","cited_norms":[{"jurabk":"StrEG","ref":"§ 2","ref_norm":"2","n":3},{"jurabk":"GG","ref":"Art 19","ref_norm":"19","n":1},{"jurabk":"IRG","ref":"§ 13","ref_norm":"13","n":1},{"jurabk":"IRG","ref":"§ 77","ref_norm":"77","n":1},{"jurabk":"StrEG","ref":"§ 1","ref_norm":"1","n":1},{"jurabk":"StrEG","ref":"§ 8","ref_norm":"8","n":1}],"authoritative_source":null,"attribution":null,"source_info":{"name":"nu:legal Deutsches Recht","operator":"Nulegal GmbH","terms":"https://recht.nulegal.eu/nutzungsbedingungen","attribution":"Source: nu:legal – recht.nulegal.eu","license_url":"https://recht.nulegal.eu/license","url":"https://recht.nulegal.eu/rechtsprechung/bgh/2020-12-16/2-ars-238-20","retrieved":"2026-10-24 07:53:35.768215+00:00"},"card":{"id":"bgh/2020-12-16/2-ars-238-20","court":"BGH","court_id":"bgh","court_as_stated":"BGH","panel":"2. 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