{"status":"available","doknr":"CEBGH-BGH_Strafsenat-5_NA_2020-04-15_5_StR_94_20_NA_NA_0","ecli":"ECLI:DE:BGH:2020:150420B5STR94.20.0","court":"BGH","senate":"5. Strafsenat","decided":"2020-04-15","aktenzeichen":"5 StR 94/20","doktyp":"Beschluss","leitsatz":null,"text_plain":"BUNDESGERICHTSHOF\nBESCHLUSS\n5 StR 94/20\n\nvom\n15. April 2020\nin der Strafsache\ngegen\n\nwegen Totschlags\n\nECLI:DE:BGH:2020:150420B5STR94.20.0\n\nDer 5. Strafsenat des Bundesgerichtshofs hat nach Anhörung des Generalbundesanwalts und der Beschwerdeführerin am 15. April 2020 gemäß § 349 Abs. 2\nund 4 StPO beschlossen:\n\nAuf die Revision der Angeklagten wird das Urteil des Landgerichts Dresden vom 6. November 2019 im Strafausspruch aufgehoben.\n\nIn diesem Umfang wird die Sache zu neuer Verhandlung und\nEntscheidung, auch über die Kosten des Rechtsmittels, an eine\nandere Schwurgerichtskammer des Landgerichts zurückverwiesen.\n\nDie weitergehende Revision wird verworfen.\n\nGründe:\n\n1 Das Landgericht hat die Angeklagte wegen Totschlags zu einer Freiheitsstrafe von fünf Jahren und sechs Monaten verurteilt. Ihre hiergegen geführte\nRevision erzielt mit der Sachrüge den aus der Beschlussformel ersichtlichen\nTeilerfolg und ist im Übrigen im Sinne von § 349 Abs. 2 StPO unbegründet (vgl.\nAntragsschrift des Generalbundesanwalts).\n\n2 Nach den Urteilsfeststellungen tötete die geständige Angeklagte im\nDezember 2017 ihren lebensfähigen neugeborenen Sohn, nachdem sie zuvor\n\nihre Schwangerschaft verheimlicht hatte. Im November 2010 hatte sie bereits\neine Schwangerschaft vor dem damaligen Kindesvater und ihrem Arbeitgeber\nverborgen, das Kind im Wege einer „anonymen Geburt“ im Krankenhaus zur\nWelt gebracht und anschließend zur Adoption freigegeben.\n\n3 Während die Feststellungen auf einer rechtsfehlerfreien Beweiswürdigung beruhen und den Schuldspruch tragen, kann der Strafausspruch nicht bestehen bleiben. Im Rahmen der Strafzumessung hat die Schwurgerichtskammer der Angeklagten sowohl bei der Strafrahmenwahl wie der Strafzumessung\nim Einzelnen ausdrücklich zu Last gelegt, dass sie „trotz ihrer positiven Erfahrungen mit einer anonymen Geburt im November 2010 hiervon vorliegend Abstand nahm, obwohl sie sich damals in derselben Situation befunden hatte, wie\nam 3. Dezember 2017 und das Elbsandklinikum noch rechtzeitig vor der Geburt\nmit einer nur 5-minütigen PKW-Fahrt zu erreichen gewesen wäre.“\n\n4 Damit hat das Landgericht der Angeklagten angelastet, dass sie die Tat\nüberhaupt begangen hat. Dies ist rechtsfehlerhaft (st. Rspr., vgl. nur BGH, Beschluss vom 25. September 2018 – 4 StR 325/18; MüKo-StGB/Miebach/Maier,\n3. Aufl., § 46 Rn. 453 ff., je mwN). Der Senat kann nicht ausschließen, dass die\nSchwurgerichtskammer ohne diesen Gesichtspunkt auf eine mildere Strafe erkannt hätte.\n\n5 Da es sich um einen bloßen Wertungsfehler handelt, können die Feststellungen bestehen bleiben (vgl. § 353 Abs. 2 StPO); sie können um solche\nergänzt werden, die den bisherigen nicht widersprechen.\n\nMutzbauer Berger Cirener\n\nMosbacher Resch\n\nVorinstanz:\nDresden, LG, 06.11.2019 - 160 Js 64764/17 1a Ks","source":"ce-bgh","source_url":"https://doi.org/10.5281/zenodo.15153244","url":"https://recht.nulegal.eu/rechtsprechung/bgh/2020-04-15/5-str-94-20","cited_norms":[{"jurabk":"StPO","ref":"§ 349","ref_norm":"349","n":1},{"jurabk":"StPO","ref":"§ 353","ref_norm":"353","n":1}],"authoritative_source":"https://doi.org/10.5281/zenodo.15153244","attribution":{"source":"Bundesgerichtshof","source_url":"https://doi.org/10.5281/zenodo.15153244","license":"Creative Commons Zero (CC0 1.0)","license_url":"https://creativecommons.org/publicdomain/zero/1.0/","notice":"Amtliche Entscheidung des Bundesgerichtshofs. 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