{"status":"available","ecli":"ECLI:DE:BGH:2020:150120B1STR601.19.0","court":"BGH","senate":"1. Strafsenat","decided":"2020-01-15","aktenzeichen":"1 StR 601/19","doktyp":"Beschluss","leitsatz":null,"text_plain":"BUNDESGERICHTSHOF\nBESCHLUSS\n1 StR 601/19\n\nvom\n15. Januar 2020\nin der Strafsache\ngegen\n\nwegen unerlaubten Handeltreibens mit Betäubungsmitteln in nicht geringer\nMenge u.a.\n\nECLI:DE:BGH:2020:150120B1STR601.19.0\n\nDer 1. Strafsenat des Bundesgerichtshofs hat nach Anhörung des Beschwerdeführers und des Generalbundesanwalts – zu 2. auf dessen Antrag – am\n15. Januar 2020 gemäß § 349 Abs. 2 und 4 StPO, § 354 Abs. 1 StPO entsprechend beschlossen:\n\n1. Auf die Revision des Angeklagten wird das Urteil des Landgerichts München I vom 4. Oktober 2019 im Ausspruch über\ndie Reihenfolge der Vollstreckung dahin geändert, dass vor\nseiner Unterbringung in einer Entziehungsanstalt ein Teil der\nFreiheitsstrafe in Höhe von einem Jahr und fünf Monaten zu\nvollziehen ist.\n\n2. Die weitergehende Revision wird verworfen.\n\n3. Der Beschwerdeführer hat die Kosten seines Rechtsmittels\nzu tragen.\n\nGründe:\n\n1 Das Landgericht hat den Angeklagten wegen Handeltreibens mit Betäubungsmitteln in nicht geringer Menge in Tateinheit mit Besitz von Betäubungsmitteln in nicht geringer Menge in zwei Fällen zu einer Gesamtfreiheitsstrafe\nvon sieben Jahren verurteilt und seine Unterbringung in einer Entziehungsanstalt angeordnet. Dazu hat es bestimmt, dass vor dem Vollzug der Maßregel ein\nTeil der Freiheitsstrafe in Höhe von sechs Monaten zu vollziehen ist. Zudem hat\ndas Landgericht eine Einziehungsentscheidung getroffen. Die Urteilsformel hat\n\nes mit Beschluss vom 17. Oktober 2019 wegen einer ʺoffensichtlichen Unrichtigkeitʺ dahin korrigiert, dass ein Jahr und fünf Monate Freiheitsstrafe vor der\nUnterbringung zu vollziehen sind. Die gegen seine Verurteilung gerichtete, auf\ndie Rüge der Verletzung sachlichen Rechts gestützte Revision des Angeklagten\nhat den aus der Beschlussformel ersichtlichen Teilerfolg (§ 349 Abs. 4 StPO),\nist aber überwiegend offensichtlich unbegründet (§ 349 Abs. 2 StPO).\n\n2 1. Die Dauer des Vorwegvollzugs vor dem Vollzug der Maßregel (§§ 64,\n67 Abs. 2 Satz 2, 3, Abs. 5 Satz 1 StGB) ist neu zu bestimmen.\n\n3 a) Der darauf gerichtete, mit der Urteilsurkunde verbundene Berichtigungsbeschluss des Landgerichts (Band III Blatt 576 ff. der Akten) ist unwirksam, weil das Verkündungsversehen bezüglich dieses Teils der Straffrage (vgl.\ndazu BGH, Beschluss vom 19. Februar 2014 – 2 StR 558/13 Rn. 8) nicht offensichtlich ist (vgl. BGH, Urteil vom 8. November 2017 – 2 StR 542/16 Rn. 16-20\nmwN, BGHR StPO § 260 Abs. 1 Urteilstenor 6; Beschlüsse vom 2. Oktober\n2019 – 3 StR 580/18 Rn. 3 und vom 4. Juli 2019 – 5 StR 154/19 Rn. 6 f.). Im\nGegenteil ist zu besorgen, dass das Landgericht bei der Bestimmung der Dauer\ndes Vorwegvollzugs zu Unrecht die erlittene Untersuchungshaft in Abzug gebracht hat (vgl. auch UA S. 18). Rechtsanwendungsfehler sind aber der Berichtigung nicht zugänglich.\n\n4 b) Tatsächlich ist die Untersuchungshaft nach § 51 Abs. 1 Satz 1 StGB\ndurch die Vollstreckungsbehörde anzurechnen (st. Rspr.; BGH, Urteil vom\n13. März 2019 – 1 StR 424/18 Rn. 29; Beschlüsse vom 14. Januar 2014 –\n1 StR 531/13 Rn. 7, BGHR StGB § 67 Abs. 2 Satz 3 Berechnung 2; vom\n24. Juni 2014 – 1 StR 162/14 Rn. 10; vom 24. September 2013 – 2 StR 397/13\nRn. 7 und vom 6. März 2019 – 3 StR 29/19 Rn. 2). Anders verhält es sich indes\ndann, wenn wegen der Dauer der erlittenen Untersuchungshaft kein Raum für\n\neinen Vorwegvollzug verbleibt und sich dieser mithin erledigt hat (BGH, Urteil\nvom 13. März 2019 – 1 StR 424/18 Rn. 29; Beschlüsse vom 24. September\n2013 – 2 StR 397/13 Rn. 9; vom 9. Februar 2012 – 5 StR 35/12 Rn. 1; vom\n26. Oktober 2011 – 2 StR 318/11 und vom 2. Juli 2019 – 2 StR 200/19 Rn. 2).\n\n5 2. Durch die fehlerhafte Berechnung ist der Angeklagte beschwert (BGH,\nBeschluss vom 14. Januar 2014 – 1 StR 531/13 Rn. 10 mwN). Bei einer rechtsfehlerfrei bestimmten voraussichtlichen Therapiedauer von zwei Jahren und\neinem Monat (UA S. 18) setzt der Senat die Dauer des Vorwegvollzugs auf ein\nJahr und fünf Monate fest (§ 354 Abs. 1 StPO analog). Solange befindet sich\nder Angeklagte noch nicht in dieser Sache in Untersuchungshaft.\n\nRaum Jäger Fischer\n\nHohoff Leplow\n\nVorinstanz:\nMünchen I, LG, 04.10.2019 - 366 Js 205308/18 3 KLs","source":null,"source_url":null,"url":"https://recht.nulegal.eu/rechtsprechung/bgh/2020-01-15/1-str-601-19","cited_norms":[{"jurabk":"StPO","ref":"§ 349","ref_norm":"349","n":2},{"jurabk":"StPO","ref":"§ 354","ref_norm":"354","n":2},{"jurabk":"StGB","ref":"§ 51","ref_norm":"51","n":1}],"authoritative_source":null,"attribution":null,"source_info":{"name":"nu:legal Deutsches Recht","operator":"Nulegal GmbH","terms":"https://recht.nulegal.eu/nutzungsbedingungen","attribution":"Source: nu:legal – recht.nulegal.eu","license_url":"https://recht.nulegal.eu/license","url":"https://recht.nulegal.eu/rechtsprechung/bgh/2020-01-15/1-str-601-19","retrieved":"2026-10-24 07:52:20.193316+00:00"},"card":{"id":"bgh/2020-01-15/1-str-601-19","court":"BGH","court_id":"bgh","court_as_stated":"BGH","panel":"1. 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