{"status":"available","ecli":"ECLI:DE:BGH:2020:090620B2ARS100.20.0","court":"BGH","senate":"2. Strafsenat","decided":"2020-06-09","aktenzeichen":"2 ARs 100/20","doktyp":"Beschluss","leitsatz":null,"text_plain":"BUNDESGERICHTSHOF\nBESCHLUSS\n2 ARs 100/20\n2 AR 56/20\nvom\n9. Juni 2020\nin der Strafvollzugssache\ngegen\n\nwegen gefährlicher Körperverletzung\n\nhier: Gerichtsstandsbestimmung\n\nAz.: 700 AR 54/20 Generalstaatsanwaltschaft Oldenburg\n610 Js 25612/19 Staatsanwaltschaft Oldenburg\n19 Ls 525 Js 57630/18 (43/18) Amtsgericht Oldenburg\n83 Ls 610 Js 25612/19 (53/19) Amtsgericht Delmenhorst\n13 VRJs 218/19 Amtsgericht Hameln\n\nECLI:DE:BGH:2020:090620B2ARS100.20.0\n\nDer 2. Strafsenat des Bundesgerichtshofs hat nach Anhörung des Generalbundesanwalts und des Verurteilten am 9. Juni 2020 beschlossen:\n\nDie Vollstreckung der mit Urteil des Amtsgerichts Oldenburg\nvom 11. Januar 2019 (19 Ls 525 Js 57630/18 (43/18)) angeordneten Einziehung des Wertes von Taterträgen, aufrechterhalten durch Urteil des Amtsgerichts Delmenhorst vom\n23. Juli 2019 (83 Ls 610 Js 25612/19 (53/19)), wird dem\n\nJugendrichter beim Amtsgericht Hameln\n\nübertragen.\n\nGründe:\n\n1 1. Das Amtsgericht – Jugendschöffengericht – Oldenburg hat den Verurteilten mit Urteil vom 11. Januar 2019 wegen Körperverletzung, Diebstahls und\nanderweitiger Straftaten schuldig gesprochen und eine zur Bewährung ausgesetzte Jugendstrafe von einem Jahr und sechs Monaten festgesetzt. Ferner hat\nes die Einziehung des Wertes von Taterträgen in Höhe von 616,78 Euro angeordnet. Unter Einbeziehung dieses Urteils hat das Amtsgericht – Jugendschöffengericht – Delmenhorst den Verurteilten am 23. Juli 2019 wegen gefährlicher\nKörperverletzung zu einer Jugendstrafe von zwei Jahren und drei Monaten verurteilt und die im einbezogenen Urteil getroffene Anordnung der Einziehung des\nWertes von Taterträgen aufrechterhalten.\n\n2 Nachdem das Jugendschöffengericht Delmenhorst am 17. September\n2019 die Vollstreckung eingeleitet hat, ist diese gemäß § 85 Abs. 2 Satz 1 JGG\nauf den Jugendrichter beim Amtsgericht Hameln übergegangen, da sich der\nVerurteilte seit dem 31. Juli 2019 in Strafhaft in der Jugendstrafanstalt Hameln\nbefindet. Das Jugendschöffengericht Delmenhorst hat den Jugendrichter beim\nAmtsgericht Hameln um Übernahme (auch) der Vollstreckung der Einziehungsanordnung ersucht. Diese Übernahme hat der Jugendrichter jedoch abgelehnt,\ndenn der Vollstreckungsleiter habe grundsätzlich nur die Jugendstrafe zu vollstrecken, während die Zuständigkeit für die Vermögensabschöpfung bei dem\nAmtsgericht verbleibe, welches die Vollstreckung eingeleitet habe.\n\n3 Das Amtsgericht Delmenhorst hat mit Beschluss vom 14. Februar 2020\ndie Vorgänge dem Bundesgerichtshof zur Bestimmung des zuständigen Gerichts vorgelegt.\n\n4 2. Der Bundesgerichtshof ist als gemeinschaftliches oberstes Gericht der\nAmtsgerichte Delmenhorst (Oberlandesgerichtsbezirk Oldenburg) und Hameln\n(Oberlandesgerichtsbezirk Celle) zur Entscheidung des zwischen den Jugendgerichten bestehenden Zuständigkeitsstreits nach § 14 StPO berufen, der auch\nfür das Vollstreckungsverfahren gilt (vgl. Senat, Beschluss vom 6. August 2019\n– 2 ARs 172/19, juris Rn. 4 mwN).\n\n5 3. Zuständig für die zwischen den beiden Jugendgerichten allein im Streit\nstehende Vollstreckung der angeordneten Einziehung des Wertes von Taterträgen ist der Jugendrichter als Vollstreckungsleiter beim Amtsgericht Hameln. Der\nÜbergang der Vollstreckung gemäß § 85 Abs. 2 Satz 1 JGG beschränkt sich\nnicht allein auf die zu vollstreckende Jugendstrafe, sondern erfasst gleichermaßen auch die Vollstreckung von Nebenstrafen, Maßregeln und Nebenfolgen wie\nnamentlich die Einziehung nach den §§ 73 ff. StGB. Mit der Abgabe der Voll-\n\nstreckung nach § 85 JGG geht die gesamte Verantwortlichkeit des Vollstreckungsorgans auf den nachfolgenden Vollstreckungsleiter über (vgl. Senat, Beschluss vom 6. August 2019 – 2 ARs 172/19, juris Rn. 7; Eisenberg/Kölbl, JGG,\n21. Aufl. § 85 Rn. 4). Sachliche Gründe, die Vollstreckung der Vermögensabschöpfungsentscheidung hiervon auszunehmen, sind nicht ersichtlich; zudem\nist ein Auseinanderfallen der Zuständigkeiten auch unzweckmäßig (vgl. auch\nOLG Hamm, Beschluss vom 13. Juni 2019 – 4 (s) Sbd I – 6/19, juris, Rn. 5 ff.,\nmwN).\n\nFranke Appl Krehl\n\nZeng Schmidt","source":null,"source_url":null,"url":"https://recht.nulegal.eu/rechtsprechung/bgh/2020-06-09/2-ars-100-20","cited_norms":[{"jurabk":"JGG","ref":"§ 85","ref_norm":"85","n":3},{"jurabk":"StGB","ref":"§ 73","ref_norm":"73","n":1},{"jurabk":"StPO","ref":"§ 14","ref_norm":"14","n":1}],"authoritative_source":null,"attribution":null,"source_info":{"name":"nu:legal Deutsches Recht","operator":"Nulegal GmbH","terms":"https://recht.nulegal.eu/nutzungsbedingungen","attribution":"Source: nu:legal – recht.nulegal.eu","license_url":"https://recht.nulegal.eu/license","url":"https://recht.nulegal.eu/rechtsprechung/bgh/2020-06-09/2-ars-100-20","retrieved":"2026-10-24 07:53:33.330674+00:00"},"card":{"id":"bgh/2020-06-09/2-ars-100-20","court":"BGH","court_id":"bgh","court_as_stated":"BGH","panel":"2. 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