{"status":"available","doknr":"CEBGH-BGH_Zivilsenat-03_NA_2020-01-08_III_ZR_160_19_NA_NA_0","ecli":"ECLI:DE:BGH:2020:080120BIIIZR160.19.0","court":"BGH","senate":"3. Zivilsenat","decided":"2020-01-08","aktenzeichen":"III ZR 160/19","doktyp":"Beschluss","leitsatz":null,"text_plain":"BUNDESGERICHTSHOF\nBESCHLUSS\nIII ZR 160/19\nvom\n\n8. Januar 2020\n\nin dem Rechtsstreit\n\nECLI:DE:BGH:2020:080120BIIIZR160.19.0\n\nDer III. Zivilsenat des Bundesgerichtshofs hat am 8. Januar 2020 durch die\nRichter Dr. Remmert und Reiter, die Richterin Dr. Arend sowie die Richter\nDr. Kessen und Dr. Herr\n\nbeschlossen:\n\nDie Selbstablehnungen des Vorsitzenden Richters am Bundesgerichtshof Dr. H. , des Richters am Bundesgerichtshof\nT. und der Richterin am Bundesgerichtshof Dr. B.\nwerden für begründet erklärt.\n\nGründe:\n\nI.\n\n1 Der Kläger begehrt von dem beklagten Notar Schadensersatz wegen der\nVollstreckbarerklärung eines Anwaltsvergleichs. Seine Klage hatte vor dem\nLandgericht keinen Erfolg. Das Oberlandesgericht hat die Berufung des Klägers\nzurückgewiesen und die Revision zugelassen.\n\n2 Mit dienstlichen Äußerungen vom 22. und 27. November 2019 haben der\nVorsitzende Richter am Bundesgerichtshof Dr. H. , der Richter am Bundesgerichtshof T. und die Richterin am Bundesgerichtshof Dr. B.\nangezeigt, dass der Beklagte Beisitzer im Senat für Notarsachen des Bundesgerichtshofs ist, dessen Vorsitzender (Dr. H. ) beziehungsweise Mitglieder (T. ; Dr. B. [ab 1. Januar 2020]) sie sind. Aus diesem Grunde\nhätten sie anlässlich der Verhandlungen und Beratungen dieses Senats persönlichen Kontakt mit dem Beklagten.\n\n3 Die Parteien erhielten Gelegenheit zur Stellungnahme. Hiervon haben\nsie keinen Gebrauch gemacht.\n\nII.\n\n4 Der Senat hat gemäß § 48 Alt. 1 ZPO in Verbindung mit § 45 Abs. 1,\n§ 46 Abs. 1 ZPO darüber zu entscheiden, ob ein Grund besteht, der die Besorgnis der Befangenheit begründet. Das ist der Fall.\n\n5 1. Nach § 42 Abs. 2 ZPO findet die Ablehnung eines Richters wegen der\nBesorgnis der Befangenheit statt, wenn ein Grund vorliegt, der geeignet ist,\nMisstrauen gegen seine Unparteilichkeit zu rechtfertigen. Dies ist dann der Fall,\nwenn aus der Sicht einer Partei bei vernünftiger Würdigung aller Umstände Anlass gegeben ist, an der Unvoreingenommenheit und objektiven Einstellung des\nRichters zu zweifeln (st. Rspr.; vgl. nur Senat, Beschluss vom 25. Mai 2016 - III\nZR 140/15, juris Rn. 3 mwN). Nicht erforderlich ist dagegen, dass tatsächlich\neine Befangenheit vorliegt. Vielmehr genügt es, dass die aufgezeigten Umstände geeignet sind, der betroffenen Partei Anlass zu begründeten Zweifeln zu\ngeben; denn die Vorschriften über die Befangenheit von Richtern bezwecken,\nbereits den bösen Schein einer möglicherweise fehlenden Unvoreingenommenheit und Objektivität zu vermeiden (Senat, Beschluss vom 25. Mai 2016\naaO).\n\n6 2. Ausgehend von diesen Grundsätzen begründet eine Mitwirkung der vorstehend genannten Richter in vorliegendem Verfahren die Besorgnis der Befangenheit.\n\n7 Die Zugehörigkeit des zuständigen Richters und eines Verfahrensbeteiligten zu demselben Spruchkörper - hier: dem Senat für Notarsachen des Bun-\n\ndesgerichtshofs - ist auf eine offene und vertrauensvolle Zusammenarbeit auch\nfür die Zukunft angelegt. Sie begründet die Besorgnis einer Partei, dass dieses\nVerhältnis unter Umständen zu einer zumindest unbewussten Solidarisierung\nmit negativer Auswirkung auf die Behandlung der Sache führen könnte (vgl.\nOLG Karlsruhe, NJOZ 2006, 1958, 1959; OLG Hamm, Beschluss vom 29. Juni\n1977 - 1 W 43/77, juris Rn. 5; MüKoZPO/Stackmann, 5. Aufl., § 42 Rn. 17; Zöller/Vollkommer, ZPO, 33. Aufl., § 42 Rn. 12a; vgl. auch OLG Düsseldorf, NStZ-RR 2010, 114 [zu § 34 StPO]). Zur Vermeidung des bösen Scheins einer möglicherweise fehlenden Unvoreingenommenheit und Neutralität sind die vorliegenden Selbstablehnungen daher für begründet zu erklären.\n\nRemmert Reiter Arend\n\nKessen Herr\n\nVorinstanzen:\nLG Kiel, Entscheidung vom 27.11.2018 - 3 O 191/14 -\nOLG Schleswig, Entscheidung vom 24.10.2019 - 11 U 145/18 -","source":"ce-bgh","source_url":"https://doi.org/10.5281/zenodo.15153244","url":"https://recht.nulegal.eu/rechtsprechung/bgh/2020-01-08/iii-zr-160-19","cited_norms":[{"jurabk":"StPO","ref":"§ 34","ref_norm":"34","n":1},{"jurabk":"ZPO","ref":"§ 42","ref_norm":"42","n":1},{"jurabk":"ZPO","ref":"§ 46","ref_norm":"46","n":1},{"jurabk":"ZPO","ref":"§ 48","ref_norm":"48","n":1}],"authoritative_source":"https://doi.org/10.5281/zenodo.15153244","attribution":{"source":"Bundesgerichtshof","source_url":"https://doi.org/10.5281/zenodo.15153244","license":"Creative Commons Zero (CC0 1.0)","license_url":"https://creativecommons.org/publicdomain/zero/1.0/","notice":"Amtliche Entscheidung des Bundesgerichtshofs. 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