{"status":"available","doknr":"CEBGH-BGH_Zivilsenat-11_NA_2020-10-06_XI_ZR_371_18_NA_NA_0","ecli":"ECLI:DE:BGH:2020:061020BXIZR371.18.0","court":"BGH","senate":"11. Zivilsenat","decided":"2020-10-06","aktenzeichen":"XI ZR 371/18","doktyp":"Beschluss","leitsatz":null,"text_plain":"BUNDESGERICHTSHOF\nBESCHLUSS\nXI ZR 371/18\n\nvom\n\n6. Oktober 2020\n\nin dem Rechtsstreit\n\nECLI:DE:BGH:2020:061020BXIZR371.18.0\n\nDer XI. Zivilsenat des Bundesgerichtshofs hat am 6. Oktober 2020 durch den\nVizepräsidenten Prof. Dr. Ellenberger, die Richter Dr. Grüneberg und\nDr. Matthias, die Richterin Dr. Derstadt sowie den Richter\nDr. Schild von Spannenberg\n\nbeschlossen:\n\nDas Vorabentscheidungsersuchen vom 12. Mai 2020 wird hinsichtlich der ersten Frage zur Auslegung von Art. 15 Abs. 1 Buchst. c\nLugÜ II aufrechterhalten.\n\nDie zweite Frage zur Auslegung von Art. 16 Abs. 2 LugÜ II wird zurückgenommen.\n\nGründe:\n\n1 1. Die dem Gerichtshof der Europäischen Union (künftig: EuGH) mit Senatsbeschluss vom 12. Mai 2020 (XI ZR 371/18, WM 2020, 1305) vorgelegte\nzweite Frage zur Auslegung von Art. 16 Abs. 2 LugÜ II bedarf keiner Klärung\nmehr, da sich die Antwort aus dem Beschluss des EuGH vom 3. September 2020\n(C-98/20, mBank, juris Rn. 33 und 36) ergibt.\n\n2 2. Dagegen gibt dieser Beschluss keine Antwort auf die erste mit dem Senatsbeschluss vom 12. Mai 2020 (XI ZR 371/18, WM 2020, 1305) vorgelegte\nFrage.\n\n3 Zum einen war im Ausgangsverfahren der Rechtssache C-98/20 - anders\nals in dem hier in Rede stehenden Fall - bereits bei Vertragsschluss eine grenzüberschreitende Ausrichtung der Tätigkeit der kreditgebenden Bank gegeben.\n\nDenn bei dieser handelte es sich - wie in dem Beschluss des EuGH vom 3. September 2020 (C-98/20, mBank, juris Rn. 2) ausdrücklich erwähnt wird - um eine\nin Polen ansässige Bank, die in der Tschechischen Republik über eine Zweigniederlassung Online-Tätigkeiten ausübt, und die Darlehensnehmerin hatte zum\nZeitpunkt des Abschlusses des in Rede stehenden Kreditvertrags ihren Wohnsitz\nim Hoheitsgebiet der Tschechischen Republik (EuGH, aaO Rn. 27).\n\n4 Zum anderen befasst sich der vorgenannte Beschluss vom 3. September\n2020 im Wesentlichen mit der Auslegung von Art. 18 der Verordnung (EU)\nNr. 1215/2012 des Europäischen Parlaments und des Rates vom 12. Dezember\n2012 über die gerichtliche Zuständigkeit und die Anerkennung und Vollstreckung\nvon Entscheidungen in Zivil- und Handelssachen (künftig: EuGVVO nF), dem\nArt. 16 LugÜ II entspricht, während die Voraussetzungen des Art. 17 EuGVVO\nnF, dem Art. 15 LugÜ II entspricht, nur in Rn. 24 und 25 angesprochen werden.\n\n5 Nach diesen Vorschriften ist Art. 18 EuGVVO nF bzw. Art. 16 LugÜ II maßgeblich, sofern die drei in Art. 17 Abs. 1 EuGVVO nF bzw. Art. 15 Abs. 1 LugÜ II\ngenannten Voraussetzungen erfüllt sind. Erstens muss ein Vertragspartner die\nEigenschaft eines Verbrauchers haben, der in einem Rahmen handelt, der nicht\nseiner beruflichen oder gewerblichen Tätigkeit zugerechnet werden kann, zweitens muss ein Vertrag zwischen diesem Verbraucher und einem beruflich oder\ngewerblich Handelnden tatsächlich geschlossen worden sein und drittens muss\ndieser Vertrag zu einer der Kategorien von Art. 15 Abs. 1 Buchst. a bis c LugÜ II\ngehören (vgl. EuGH, Urteile vom 14. März 2013 - C-419/11, Česká spořitelna,\nRIW 2013, 292 Rn. 30, vom 28. Januar 2015 - C-375/13, Kolassa, ZIP 2015,\n1456 Rn. 23, vom 23. Dezember 2015 - C-297/14, Hobohm, NJW 2016, 697\nRn. 24 und vom 26. März 2020 - C-215/18, Primera Air Scandinavia, NJW-RR\n2020, 552 Rn. 56).\n\n6 In dem Beschluss des EuGH vom 3. September 2020 (C-98/20, mBank,\njuris) wird in Rn. 24 festgestellt, dass nach den Angaben in der Vorlageentscheidung im Ausgangsverfahren die ersten beiden der drei vorgenannten Voraussetzungen erfüllt sind, die auch im vorliegenden Fall klar gegeben sind (Senatsbeschluss vom 12. Mai 2020 - XI ZR 371/18, WM 2020, 1305 Rn. 16 f.). Dagegen\nwird nicht näher erörtert, ob auch die dritte Voraussetzung, um deren Auslegung\nder Senat mit der ersten Frage aus dem Beschluss vom 12. Mai 2020 (aaO\nRn. 18 - 22) ersucht hat, erfüllt ist, sondern nur aus den vorherigen Ausführungen\ndie Schlussfolgerung gezogen, dass der im Ausgangsverfahren in Rede stehende Vertrag nach Art. 17 Abs. 1 EuGVVO nF unter die Kategorie \"Verbrauchersachen\" im Sinne dieser Vorschrift fallen kann.\n\nEllenberger Grüneberg Matthias\n\nDerstadt Schild von Spannenberg\n\nVorinstanzen:\nAG Dresden, Entscheidung vom 11.08.2017 - 105 C 5450/16 -\nLG Dresden, Entscheidung vom 14.06.2018 - 9 S 432/17 -","source":"ce-bgh","source_url":"https://doi.org/10.5281/zenodo.15153244","url":"https://recht.nulegal.eu/rechtsprechung/bgh/2020-10-06/xi-zr-371-18","cited_norms":[{"jurabk":"EuGVVO","ref":"Art 17","ref_norm":"17","n":3},{"jurabk":"EuGVVO","ref":"Art 18","ref_norm":"18","n":2}],"authoritative_source":"https://doi.org/10.5281/zenodo.15153244","attribution":{"source":"Bundesgerichtshof","source_url":"https://doi.org/10.5281/zenodo.15153244","license":"Creative Commons Zero (CC0 1.0)","license_url":"https://creativecommons.org/publicdomain/zero/1.0/","notice":"Amtliche Entscheidung des Bundesgerichtshofs. 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