{"status":"available","doknr":"CEBGH-BGH_Zivilsenat-11_NA_2020-12-01_XI_ZB_27_19_NA_NA_0","ecli":"ECLI:DE:BGH:2020:011220BXIZB27.19.0","court":"BGH","senate":"11. Zivilsenat","decided":"2020-12-01","aktenzeichen":"XI ZB 27/19","doktyp":"Beschluss","leitsatz":null,"text_plain":"BUNDESGERICHTSHOF\nBESCHLUSS\nXI ZB 27/19\n\nvom\n\n1. Dezember 2020\n\nin dem Rechtsstreit\n\nECLI:DE:BGH:2020:011220BXIZB27.19.0\n\nDer XI. Zivilsenat des Bundesgerichtshofs hat am 1. Dezember 2020 durch den\nVizepräsidenten Prof. Dr. Ellenberger, den Richter Dr. Grüneberg sowie die\nRichterinnen Dr. Menges, Dr. Derstadt und Ettl\n\nbeschlossen:\n\nDie Musterbeklagte zu 1, die M. GmbH, wird\nzur Musterrechtsbeschwerdeführerin bestimmt.\n\nDie Beitritte der Beigeladenen zu 1 bis 22 und 37 bis 93 werden als\nunzulässig zurückgewiesen.\n\nDie Beigeladenen zu 1 bis 22 und 37 bis 93 haben die Kosten des\nZwischenstreits über die Zulässigkeit der Beitritte sowie die durch\ndie Beitritte verursachten Kosten zu tragen.\n\nGründe:\n\nI.\n\n1 Nach Anhörung des Musterklägers und der Musterbeklagten wird die Musterbeklagte zu 1, die M. GmbH, nach billigem Ermessen\nin entsprechender Anwendung der § 21 Abs. 3 und 4, § 13 Abs. 1, § 9 Abs. 2\nKapMuG zur Musterrechtsbeschwerdeführerin bestellt. Beide Musterbeklagte haben zeitgleich Rechtsbeschwerde eingelegt. Sie sind wie auch der Musterkläger\nmit der Bestimmung der Musterbeklagten zu 1, die zugleich Prospektverantwortliche ist, zur Musterrechtsbeschwerdeführerin einverstanden. Die Musterbeklagte\nzu 2 bleibt als Rechtsbeschwerdeführerin am Rechtsbeschwerdeverfahren beteiligt (vgl. Senatsbeschlüsse vom 22. November 2016 - XI ZB 9/13, BGHZ 213, 65\nRn. 39 und 54 sowie vom 19. September 2017 - XI ZB 17/15, BGHZ 216, 37\nRn. 25 und 41).\n\nII.\n\n2 Die Beitritte der Beigeladenen zu 1 bis 22 und 37 bis 93 sind, worauf sie\nvorab hingewiesen worden sind, unzulässig.\n\n3 Durch Verfügung vom 19. Februar 2019 ist gemäß § 20 Abs. 2 Satz 1\nKapMuG die öffentliche Bekanntmachung der Einlegung der Rechtsbeschwerde\nim Bundesanzeiger veranlasst worden. Diese Verfügung ist am 21. Februar 2019\nim Bundesanzeiger bekannt gemacht worden. Die Fristen zur Erklärung und Begründung des Beitritts sind damit gemäß § 20 Abs. 3 KapMuG im März 2019 abgelaufen. Die am 22. Mai 2020 erklärten und am 27. Juli 2020 begründeten Beitritte wahren diese Fristen nicht.\n\n4 Entgegen der Rechtsmeinung der Beigeladenen, die verspätet ihren Beitritt erklärt haben, unterscheidet § 20 Abs. 3 KapMuG bei der Frage, ob der Beitritt fristgemäß einzulegen und zu begründen ist, nicht zwischen Beitretenden auf\nSeiten des Musterrechtsbeschwerdeführers und Beitretenden auf Seiten des\nMusterrechtsbeschwerdegegners. Deshalb muss, obwohl im Revisions- und\nRechtsbeschwerdeverfahren der Rechtsmittelgegner sonst nicht gehalten ist, innerhalb bestimmter Fristen die angegriffene Entscheidung zu verteidigen, auch\nder auf Seiten des Musterrechtsbeschwerdegegners beitretende Beteiligte des\nMusterverfahrens seinen Beitritt innerhalb der gesetzlichen Frist einlegen und\nbegründen (st. Rspr., vgl. zuletzt nur Senatsbeschlüsse vom 29. Mai 2018\n- XI ZB 3/18, juris Rn. 2, vom 13. November 2018 - XI ZB 19/18, juris Rn. 2 und\nvom 26. Mai 2020 - XI ZB 22/19, juris Rn. 2). Weder aus dem Gesetzeswortlaut\nnoch aus der Systematik lassen sich insoweit Unterschiede danach herleiten, auf\nwessen Seite der Beitritt erklärt werden soll. Die Gesetzesbegründung gibt für\neine Differenzierung keinen Anhaltspunkt (vgl. zu § 15 Abs. 2 KapMuG in der bis\nzum 31. Oktober 2012 geltenden Fassung BT-Drucks. 15/5091, S. 30 und zu\n§ 20 KapMuG BT-Drucks. 17/8799, S. 25).\n\n5 Damit wird der Filterfunktion des § 20 Abs. 3 Satz 2 KapMuG genügt, mit\ndem sichergestellt werden soll, dass Beteiligte des Musterverfahrens nur dann\nam Verfahren in der Rechtsbeschwerdeinstanz auf Seiten des Musterrechtsbeschwerdegegners beteiligt werden, wenn sie ein aktives Interesse an der Verteidigung des Musterentscheids dokumentieren.\n\n6 Im Übrigen trifft das Argument der Beigeladenen zu 1 bis 22 und 37 bis 93\nnicht zu, eine Auslegung des § 20 Abs. 3 KapMuG dahin, Beitritte seien auch auf\nSeiten des Musterrechtsbeschwerdegegners innerhalb der dort genannten Fristen zu erklären, führe dazu, dass die Einlegung einer Anschlussrechtsbeschwerde nach § 21 Abs. 3 Satz 3 KapMuG erschwert werde. § 21 Abs. 3 Satz 3\nKapMuG verweist für die Begründung der Anschlussrechtsbeschwerde ausdrücklich auf die Frist des § 574 Abs. 4 Satz 1 ZPO, die erst mit der Zustellung\nder Rechtsbeschwerdebegründung an den Musterkläger als den von Gesetzes\nwegen, § 21 Abs. 3 Satz 2 KapMuG, bestimmten Musterrechtsbeschwerdegegner beginnt. Von Beigeladenen, die sich (nur) die Möglichkeit der Anschlussrechtsbeschwerde offenhalten wollen, wird lediglich verlangt, innerhalb der Frist\ndes § 20 Abs. 3 KapMuG den Beitritt zu erklären. Einer fristgerechten Begründung des Beitritts bedarf es nicht (vgl. zu § 15 Abs. 5 Satz 2 KapMuG in der bis\nzum 31. Oktober 2012 geltenden Fassung Senatsbeschluss vom 19. August\n\n2014 - XI ZB 12/12, WM 2014, 1764 Rn. 6 ff.). Abgesehen davon, dass die Beigeladenen zu 1 bis 22 und 37 bis 93 auch die Frist des § 574 Abs. 4 Satz 1 ZPO\nnicht gewahrt haben, beschränken sie ihr Begehren ausdrücklich auf eine Verteidigung des Musterentscheids.\n\nEllenberger Grüneberg Menges\n\nDerstadt Ettl\n\nVorinstanzen:\nLG Hamburg, Entscheidung vom 03.07.2015 - 311 OH 4/15 -\nOLG Hamburg, Entscheidung vom 21.12.2018 - 13 Kap 3/15 -","source":"ce-bgh","source_url":"https://doi.org/10.5281/zenodo.15153244","url":"https://recht.nulegal.eu/rechtsprechung/bgh/2020-12-01/xi-zb-27-19","cited_norms":[{"jurabk":"KapMuG 2024","ref":"§ 20","ref_norm":"20","n":7},{"jurabk":"KapMuG 2024","ref":"§ 21","ref_norm":"21","n":3},{"jurabk":"ZPO","ref":"§ 574","ref_norm":"574","n":2},{"jurabk":"KapMuG 2024","ref":"§ 15","ref_norm":"15","n":2},{"jurabk":"KapMuG 2024","ref":"§ 9","ref_norm":"9","n":1}],"authoritative_source":"https://doi.org/10.5281/zenodo.15153244","attribution":{"source":"Bundesgerichtshof","source_url":"https://doi.org/10.5281/zenodo.15153244","license":"Creative Commons Zero (CC0 1.0)","license_url":"https://creativecommons.org/publicdomain/zero/1.0/","notice":"Amtliche Entscheidung des Bundesgerichtshofs. 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