{"status":"available","doknr":"CEBGH-BGH_Strafsenat-4_NA_2020-07-01_4_StR_47_20_NA_NA_0","ecli":"ECLI:DE:BGH:2020:010720B4STR47.20.0","court":"BGH","senate":"4. Strafsenat","decided":"2020-07-01","aktenzeichen":"4 StR 47/20","doktyp":"Beschluss","leitsatz":null,"text_plain":"BUNDESGERICHTSHOF\nBESCHLUSS\n4 StR 47/20\nvom\n1. Juli 2020\nin der Strafsache\ngegen\n\nwegen Mordes u.a.\n\nDer 4. Strafsenat des Bundesgerichtshofs hat auf Antrag des Generalbundesanwalts\nund nach Anhörung des Beschwerdeführers am 1. Juli 2020 einstimmig beschlossen:\n\nDie Revision des Angeklagten gegen das Urteil des Landgerichts\nBielefeld vom 28. Mai 2019 wird als unbegründet verworfen, da die\nNachprüfung des Urteils auf Grund der Revisionsrechtfertigung keinen\nRechtsfehler zum Nachteil des Angeklagten ergeben hat (§ 349 Abs. 2\nStPO).\n\nDer Beschwerdeführer hat die Kosten des Rechtsmittels und die dem\nNebenkläger im Revisionsverfahren entstandenen notwendigen Auslagen zu tragen.\n\nECLI:DE:BGH:2020:010720B4STR47.20.0\n\nZu der Verfahrensrüge, mit welcher der Beschwerdeführer als Verstoß gegen\n§ 338 Nr. 3 StPO i.V.m. § 26a StPO und Art. 101 Abs. 1 Satz 2 GG beanstandet, das\nLandgericht habe ein gegen die Berufsrichter der erkennenden Strafkammer gerichtetes Befangenheitsgesuch, mit dem eine Voreingenommenheit der Richter wegen\nder willkürlichen Annahme der Unzulässigkeit eines vorangegangenen Ablehnungsantrags geltend gemacht wurde, fehlerhaft als unzulässig zurückgewiesen, ist ergänzend zum Verwerfungsantrag des Generalbundesanwalts anzumerken:\n\nDie Rüge ist unbegründet. Das Landgericht hat den Befangenheitsantrag zu\nRecht gemäß § 26a Abs. 1 Nr. 2 StPO als unzulässig verworfen, weil das tatsächliche Antragsvorbringen völlig ungeeignet gewesen ist, eine willkürliche Behandlung\ndes vorangegangenen Ablehnungsgesuchs nach § 26a Abs. 1 Nr. 3 StPO darzutun.\nDie völlige Ungeeignetheit steht dem Fehlen einer Begründung im Sinne des § 26a\nAbs. 1 Nr. 2 StPO gleich (vgl. Schmitt in Meyer-Goßner/Schmitt, StPO, 63. Aufl.,\n§ 26a Rn. 4a; Scheuten in KK-StPO, 8. Aufl., § 26a Rn. 6 ff. jeweils mit zahlreichen\nNachweisen zur Rspr.).\n\nSoweit der Beschwerdeführer in dem Ablehnungsantrag vorgebracht hat, die\nStrafkammer habe die Annahme von Prozessverschleppungsabsicht sachlich unzutreffend auf den Zeitpunkt der Stellung der Anträge zur Dienstfähigkeit der beisitzenden Richterin in der Hauptverhandlung am 29. März 2019 sowie eine Vielzahl früherer Befangenheitsanträge gestützt, und sich des Weiteren umfänglich zu angeblich\ndurch die Verhandlungsführung der Strafkammer eingetretenen Verfahrensverzögerungen verhalten hat, ist dieses Vorbringen schon deshalb völlig ungeeignet, eine\nwillkürliche Behandlung des vorangegangenen Ablehnungsantrags darzulegen, weil\nkeiner dieser Umstände in dem Verwerfungsbeschluss der Strafkammer zur Begründung der angenommenen Prozessverschleppungsabsicht herangezogen worden ist.\nGleiches gilt für die geschilderte Verhandlungsleitung des Vorsitzenden in der\nHauptverhandlung am 29. März 2019, die zudem bereits Gegenstand eines am\n29. März 2019 angebrachten Ablehnungsgesuchs gewesen ist, das die Strafkammer\nim Verfahren nach § 27 StPO zurückgewiesen hat. Auch die Ausführungen zur\nGlaubhaftmachung sind im rechtlichen Ansatz nicht geeignet, eine Voreingenommenheit der abgelehnten Richter zu begründen. Insbesondere hat der Verteidiger\n\nunter keinem rechtlichen Gesichtspunkt einen Anspruch darauf, eine anwaltliche\nVersicherung zur Glaubhaftmachung des Antragsvorbringens erst nach Kenntnis der\ndienstlichen Äußerungen nach § 26 Abs. 3 StPO abzugeben.\n\nDa sich der erhobene Vorwurf einer willkürlichen Annahme der Unzulässigkeit\ndes vorangegangenen Befangenheitsantrags mithin in einer pauschalen, einer Tatsachengrundlage entbehrenden Bewertung erschöpft hat (vgl. BVerfG, NStZ-RR\n2007, 275, 278), ist die Verwerfung des Ablehnungsgesuchs nach § 26a Abs. 1 Nr. 2\nStPO verfahrensrechtlich nicht zu beanstanden.\n\nSost-Scheible Bender Quentin\n\nSturm Rommel\n\nVorinstanz:\nBielefeld, LG, 28.05.2019 ‒ 446 Js 377/15 1 Ks 11/19","source":null,"source_url":null,"url":"https://recht.nulegal.eu/rechtsprechung/bgh/2020-07-01/4-str-47-20","cited_norms":[{"jurabk":"StPO","ref":"§ 26a","ref_norm":"26a","n":5},{"jurabk":"GG","ref":"Art 101","ref_norm":"101","n":1},{"jurabk":"StPO","ref":"§ 27","ref_norm":"27","n":1},{"jurabk":"StPO","ref":"§ 349","ref_norm":"349","n":1},{"jurabk":"StPO","ref":"§ 26","ref_norm":"26","n":1},{"jurabk":"StPO","ref":"§ 338","ref_norm":"338","n":1}],"authoritative_source":null,"attribution":null,"source_info":{"name":"nu:legal Deutsches Recht","operator":"Nulegal GmbH","terms":"https://recht.nulegal.eu/nutzungsbedingungen","attribution":"Source: nu:legal – recht.nulegal.eu","license_url":"https://recht.nulegal.eu/license","url":"https://recht.nulegal.eu/rechtsprechung/bgh/2020-07-01/4-str-47-20","retrieved":"2026-10-24 07:55:40.682149+00:00"},"card":{"id":"bgh/2020-07-01/4-str-47-20","court":"BGH","court_id":"bgh","court_as_stated":"BGH","panel":"4. 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