{"status":"available","ecli":"ECLI:DE:BGH:2019:271119B5STR539.19.0","court":"BGH","senate":"5. Strafsenat","decided":"2019-11-27","aktenzeichen":"5 StR 539/19","doktyp":"Beschluss","leitsatz":null,"text_plain":"BUNDESGERICHTSHOF\nBESCHLUSS\n5 StR 539/19\n\nvom\n27. November 2019\nin der Strafsache\ngegen\n\nwegen versuchten Totschlags u.a.\n\nECLI:DE:BGH:2019:271119B5STR539.19.0\n\nDer 5. Strafsenat des Bundesgerichtshofs hat auf Antrag des Generalbundesanwalts und nach Anhörung des Beschwerdeführers nach § 46 Abs. 1, § 349\nAbs. 1 StPO am 27. November 2019 beschlossen:\n\nDer Antrag des Angeklagten auf Wiedereinsetzung in die Frist zur\nEinlegung der Revision gegen das Urteil des Landgerichts Berlin\nvom 9. August 2019 sowie die Revision gegen dieses Urteil werden als unzulässig verworfen.\n\nDer Beschwerdeführer hat die Kosten des Rechtsmittels und die\nden Nebenklägern im Revisionsverfahren entstandenen notwendigen Auslagen zu tragen.\n\nGründe:\n\n1 Das Landgericht hat den Angeklagten wegen versuchten Totschlags in\nTateinheit mit gefährlicher Körperverletzung zu einer Freiheitsstrafe von vier\nJahren verurteilt. Gegen das am 9. August 2019 in Anwesenheit des Angeklagten verkündete Urteil hat der Verteidiger des Angeklagten mit (am selben Tag\nbei Gericht eingegangenem) Schriftsatz vom 10. September 2019 Revision eingelegt\n\nund Wiedereinsetzung in die Revisionseinlegungsfrist beantragt. Beide Rechtsbehelfe erweisen sich als unzulässig. Der Generalbundesanwalt hat hierzu\nausgeführt:\n\n„Der Antrag auf Wiedereinsetzung in den vorigen Stand ist unzulässig, weil der Angeklagte entgegen § 45 Abs. 2 Satz 1\nStPO nicht vorträgt, wann er vom Wegfall des Hindernisses\nKenntnis erhalten hat, ihm also bekannt geworden ist, dass kein\nRechtsmittel gegen das Urteil eingelegt worden ist. Mitgeteilt\nwird allein der Tag, an dem der Verteidiger durch Erhalt einer\nUrteilsabschrift mit Rechtskraftvermerk von der Versäumung\nder Rechtsmittelfrist Kenntnis erlangt hat, nämlich der 4. September 2019 (vgl. SA Bd. III Bl. 209). Maßgeblich ist jedoch die\nKenntniserlangung durch den Angeklagten selbst (vgl. BGH,\nBeschluss vom 17. November 1998 – 1 StR 552/98, BGHR\nStPO § 45 Abs. 1 Satz 1 Frist 2). Ihm ist am 30. August 2019\n(Freitag) eine Urteilsabschrift übersandt worden (vgl. SA Bd. III\nBl. 177). Angesichts der üblichen Postlaufzeiten in einer Großstadt ist es nicht ausgeschlossen, dass er diese Abschrift bereits am 31. August oder 2. September 2019 erhalten hat, so\ndass der Wiedereinsetzungsantrag vom 10. September 2019\nnicht innerhalb der Frist des § 45 Abs. 1 Satz 1 StPO gestellt\nworden wäre.\n\nIm Übrigen ist der Wiedereinsetzungsantrag – und damit auch\ndie Revision – nicht von dem beigeordneten Verteidiger\nRechtsanwalt P. (vgl. SA Bd. III Bl. 8) unterzeichnet worden,\nsondern „für“ diesen von einem anderen Rechtsanwalt, wobei\nkeine Anhaltspunkte dafür vorliegen, dass der Unterzeichner\nals allgemeiner Vertreter des Pflichtverteidigers gemäß § 53\nAbs. 2 BRAO oder als sonstiger Bevollmächtigter des Angeklagten tätig geworden ist (vgl. BGH, Beschlüsse vom 16. Dezember 2015 – 4 StR 473/15, und vom 21. Februar 2017 – 3\nStR 554/16, NStZ-RR 2017, 186).\n\nDie Revision ist wegen Versäumung der Frist des § 341 Abs. 1\nStPO und mangels Einlegung durch den beigeordneten Vertei-\n\ndiger, dessen allgemeinen Vertreter oder einen sonstigen Bevollmächtigten unzulässig.“\n\n2 Diesen zutreffenden Ausführungen schließt sich der Senat an und bemerkt ergänzend zum weiteren Vorbringen des Beschwerdeführers, dass die\nVollmacht des gewählten Verteidigers mit der Niederlegung des Wahlmandats\nbei der Bestellung zum Pflichtverteidiger erlischt (vgl. BGH, Beschluss vom 8.\nNovember 1990 – 4 StR 457/90, NStZ 1991, 94).\n\nSander König Berger\n\nMosbacher Köhler\n\nVorinstanz:\nBerlin, LG, 09.08.2019 - 234 Js 382/18 (540 Ks) (4/19) 234 AR 112/19","source":null,"source_url":null,"url":"https://recht.nulegal.eu/rechtsprechung/bgh/2019-11-27/5-str-539-19","cited_norms":[{"jurabk":"StPO","ref":"§ 45","ref_norm":"45","n":2},{"jurabk":"StPO","ref":"§ 341","ref_norm":"341","n":1},{"jurabk":"StPO","ref":"§ 349","ref_norm":"349","n":1},{"jurabk":"BRAO","ref":"§ 53","ref_norm":"53","n":1}],"authoritative_source":null,"attribution":null,"source_info":{"name":"nu:legal Deutsches Recht","operator":"Nulegal GmbH","terms":"https://recht.nulegal.eu/nutzungsbedingungen","attribution":"Source: nu:legal – recht.nulegal.eu","license_url":"https://recht.nulegal.eu/license","url":"https://recht.nulegal.eu/rechtsprechung/bgh/2019-11-27/5-str-539-19","retrieved":"2026-10-24 07:56:34.576897+00:00"},"card":{"id":"bgh/2019-11-27/5-str-539-19","court":"BGH","court_id":"bgh","court_as_stated":"BGH","panel":"5. 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