{"status":"available","ecli":"ECLI:DE:BGH:2019:240719BXIIZB170.19.0","court":"BGH","senate":"12. Zivilsenat","decided":"2019-07-24","aktenzeichen":"XII ZB 170/19","doktyp":"Beschluss","leitsatz":null,"text_plain":"BUNDESGERICHTSHOF\nBESCHLUSS\nXII ZB 170/19\n\nvom\n\n24. Juli 2019\n\nin der Betreuungssache\n\nECLI:DE:BGH:2019:240719BXIIZB170.19.0\n\nDer XII. Zivilsenat des Bundesgerichtshofs hat am 24. Juli 2019 durch die\nRichter Prof. Dr. Klinkhammer, Schilling, Dr. Günter und Dr. Nedden-Boeger\nund die Richterin Dr. Krüger\n\nbeschlossen:\n\nAuf die Rechtsbeschwerde des weiteren Beteiligten zu 2 wird\nder Beschluss der 7. Zivilkammer des Landgerichts Osnabrück vom 20. März 2019 aufgehoben.\n\nDie Sache wird zur erneuten Behandlung und Entscheidung,\nauch über die Kosten des Rechtsbeschwerdeverfahrens, an\ndas Landgericht zurückverwiesen.\n\nWert: bis 500 €\n\nGründe:\n\nI.\n\n1 Die Beteiligte zu 1 begehrt für ihre Tätigkeit als Betreuerin eine Festsetzung der Vergütung aus der Staatskasse.\n\n2 Für die Betroffene ist die Beteiligte zu 1 zur Betreuerin bestellt. Diese\nführt die Betreuung berufsmäßig und begehrt die Festsetzung einer Vergütung\nfür ihre in der Zeit vom 1. Juli 2018 bis zum 31. Dezember 2018 entfaltete Tätigkeit. Die Betroffene selbst bezieht Eingliederungshilfe gemäß §§ 53 ff. SGB\nXII.\n\n3\n\nDas Amtsgericht hat die Anträge zurückgewiesen, weil die Betroffene\nüber ein Vermögen von über 5.000 € verfüge. Auf die Beschwerde der Betreuerin hat das Landgericht diesen Beschluss aufgehoben und dem Amtsgericht\naufgegeben, die Vergütungsanträge der Betreuerin erneut zu bescheiden. Hiergegen wendet sich die Landeskasse mit der zugelassenen Rechtsbeschwerde.\n\nII.\n\n4 Die Rechtsbeschwerde ist begründet. Sie führt zur Aufhebung der angefochtenen Entscheidung und zur Zurückverweisung der Sache an das Landgericht.\n\n5 1. Das Landgericht hat seine Entscheidung damit begründet, dass die\nBetroffene nach Maßgabe der §§ 1908 i, 1836 c, 1836 d BGB iVm §§ 90, 60 a\nSGB XII mittellos sei. Einem Betreuten, der Eingliederungshilfe für behinderte\nMenschen im Sinne der §§ 53 ff. SGB XII beziehe, stehe der weitere Schonbetrag in Höhe von 25.000 € nach § 60 a SGB XII auch im Rahmen der Ermittlung\ndes nach §§ 1908 i, 1836 c BGB iVm § 90 SGB XII für die Betreuervergütung\neinzusetzenden Vermögens zu.\n\n6 2. Das hält rechtlicher Nachprüfung nicht stand.\n\n7 a) Die Beteiligte zu 1 hat als Berufsbetreuerin einen Anspruch auf Vergütung ihrer Amtsführung gemäß §§ 1908 i Abs. 1 Satz 1, 1836 Abs. 1 Satz 2\nund 3 BGB iVm § 1 Abs. 2 Satz 1 VBVG. Schuldner des Vergütungsanspruchs\nist grundsätzlich der Betreute. Die zu bewilligende Vergütung ist nach § 1\nAbs. 2 Satz 2 VBVG aus der Staatskasse zu zahlen, wenn der Betreute mittellos ist. Er gilt nach §§ 1908 i Abs. 1 Satz 1, 1836 d Nr. 1 BGB als mittellos,\nwenn er die Vergütung aus seinem einzusetzenden Einkommen oder Vermögen nicht, nur zum Teil oder nur in Raten aufbringen kann. Die Inanspruchnah-\n\nme des Betreuten ist dabei auf die gemäß § 1836 c BGB einzusetzenden Mittel\nbegrenzt. Sein Vermögen hat der Betreute gemäß § 1836 c Nr. 2 BGB nach\nMaßgabe des § 90 SGB XII für die Betreuervergütung aufzubringen (Senatsbeschluss vom 9. Januar 2013 - XII ZB 478/11 - FamRZ 2013, 440 Rn. 12).\n\n8 b) Im Ausgangspunkt zutreffend hat das Landgericht erkannt, dass der\nBetroffenen nach § 90 Abs. 2 Nr. 9 SGB XII iVm § 1 Nr. 1 der Verordnung zur\nDurchführung des § 90 Abs. 2 Nr. 9 SGB XII (BGBl. 2017 I S. 519) ein Schonbetrag in Höhe von derzeit 5.000 € zusteht.\n\n9 Entgegen der Ansicht des Beschwerdegerichts ist der Betroffenen im\nHinblick auf § 60 a SGB XII jedoch kein zusätzlicher Freibetrag von weiteren\n25.000 € zuzubilligen. Wie der Senat inzwischen entschieden hat, hat § 60 a\nSGB XII auf die Ermittlung des für die Betreuervergütung einzusetzenden Vermögens keinen Einfluss (Senatsbeschluss vom 20. März 2019 - XII ZB 290/18 -\nFamRZ 2019, 1006 Rn. 17 ff. mwN).\n\n10 3. Der Senat kann in der Sache nicht abschließend entscheiden, weil\ndiese noch nicht zur Endentscheidung reif ist. Nach den Feststellungen der Instanzgerichte verfügt die Betroffene über ein Vermögen von über 5.000 €. Nicht\nfestgestellt ist indessen, auf welchen Betrag sich das Vermögen der Betroffenen konkret beläuft. Entsprechende Ermittlungen wird das Landgericht noch\nanzustellen haben.\n\nKlinkhammer Schilling Günter\n\nNedden-Boeger Krüger\n\nVorinstanzen:\nAG Papenburg, Entscheidung vom 31.01.2019 - 9 XVII 43/95 -\nLG Osnabrück, Entscheidung vom 20.03.2019 - 7 T 126/19 -","source":null,"source_url":null,"url":"https://recht.nulegal.eu/rechtsprechung/bgh/2019-07-24/xii-zb-170-19","cited_norms":[{"jurabk":"SGB 12","ref":"§ 90","ref_norm":"90","n":4},{"jurabk":"VBVG","ref":"§ 1","ref_norm":"1","n":2}],"authoritative_source":null,"attribution":null,"source_info":{"name":"nu:legal Deutsches Recht","operator":"Nulegal GmbH","terms":"https://recht.nulegal.eu/nutzungsbedingungen","attribution":"Source: nu:legal – recht.nulegal.eu","license_url":"https://recht.nulegal.eu/license","url":"https://recht.nulegal.eu/rechtsprechung/bgh/2019-07-24/xii-zb-170-19","retrieved":"2026-10-24 08:02:39.057027+00:00"},"card":{"id":"bgh/2019-07-24/xii-zb-170-19","court":"BGH","court_id":"bgh","court_as_stated":"BGH","panel":"12. 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