{"status":"available","ecli":"ECLI:DE:BGH:2019:210219BIXZR190.18.0","court":"BGH","senate":"9. Zivilsenat","decided":"2019-02-21","aktenzeichen":"IX ZR 190/18","doktyp":"Beschluss","leitsatz":null,"text_plain":"BUNDESGERICHTSHOF\n\nBESCHLUSS\nIX ZR 190/18\nvom\n\n21. Februar 2019\n\nin dem Rechtsstreit\n\nECLI:DE:BGH:2019:210219BIXZR190.18.0\n\nDer IX. Zivilsenat des Bundesgerichtshofs hat durch den Vorsitzenden Richter\nProf. Dr. Kayser, die Richterin Lohmann, die Richter Prof. Dr. Pape,\nDr. Schoppmeyer und Röhl\n\nam 21. Februar 2019\nbeschlossen:\n\nDie Revision der Klägerin gegen den die Berufung zurückweisenden Beschluss des 2. Zivilsenats des Oberlandesgerichts Koblenz\nvom 7. Mai 2018 wird hinsichtlich der Klage gegen den Beklagten\nzu 1 zugelassen.\n\nHinsichtlich des Beklagten zu 2 wird die Nichtzulassungsbeschwerde gegen den vorbezeichneten Beschluss zurückgewiesen.\nDie Klägerin trägt die weiteren außergerichtlichen Kosten des Beklagten zu 2.\n\nDer Wert des Verfahrens der Nichtzulassungsbeschwerde und\ndes Revisionsverfahrens wird auf 22.000 € festgesetzt.\n\nGründe:\n\n1 1. Die Nichtzulassungsbeschwerde ist nach § 522 Abs. 3, § 544 Abs. 1\nSatz 1 ZPO statthaft und auch im Übrigen zulässig. Insbesondere übersteigt der\nWert der mit der Revision geltend zu machenden Beschwer den in § 26 Nr. 8\nEGZPO bestimmten Betrag von zwanzigtausend Euro.\n\n2 a) Erstinstanzlich hat die Klägerin beantragt, die Beklagten als\nGesamtschuldner zur Zahlung von 60.897,43 € nebst Zinsen und Kosten zu\nverurteilen. In der Berufungsinstanz hat sie zunächst den Antrag angekündigt,\ndie Beklagten zur Zahlung von 2.500 € nebst Zinsen zu verurteilen. Mit\nSchriftsatz vom 3. April 2018 hat sie jedoch den Antrag angekündigt, die\nBeklagten als Gesamtschuldner zur Zahlung von 22.000 € nebst Zinsen zu\nverurteilen. Die hierin liegende Erweiterung des Berufungsangriffs war von der\nfristgerecht eingereichten Berufungsbegründung gedeckt und damit zulässig\n(vgl. BGH, Beschluss vom 1. Juni 2017 - III ZB 77/16, NJW-RR 2017, 1341 Rn.\n9 mwN).\n\n3 b) Entgegen der Ansicht des Berufungsgerichts ist der erweiterte Antrag\nnicht in entsprechender Anwendung von § 524 Abs. 4 ZPO mit der Zurückweisung der Berufung gegenstandslos geworden.\n\n4 aa) Der Bundesgerichtshof hat die Bestimmung des § 524 Abs. 4 ZPO\nauf den Fall einer im Berufungsverfahren erstmals erhobenen Widerklage\n(BGH, Urteil vom 24. Oktober 2013 - III ZR 403/12, BGHZ 198, 315) und den\nFall einer zweitinstanzlichen Klageerweiterung (BGH, Beschluss vom\n6. November 2014 - IX ZR 204/13, WM 2015, 410 Rn. 2; Urteil vom\n3. November 2016 - III ZR 84/15, WM 2016, 2342 Rn. 14 mwN) entsprechend\nangewandt.\n\n5 bb) Auf den hier gegebenen Fall einer zulässigen Erweiterung des Berufungsangriffs lässt sich diese Rechtsprechung nicht übertragen. Der erweiterte\nAntrag hinderte die Entscheidung im Beschlusswege nicht (vgl. BGH, Urteil vom\n24. Oktober 2013 - III ZR 403/12, BGHZ 198, 315 Rn. 27). Er führte keinen\n\nneuen Streitstoff in den Prozess ein, sondern blieb im Rahmen der erstinstanzlichen Beschwer. Der Antrag diente auch nicht dazu, eine mündliche Verhandlung zu erzwingen, die § 522 Abs. 2 ZPO gerade vermeiden will. Die Begründung des Berufungsgerichts hätte für den erweiterten Antrag ebenso gegolten\nwie für den in der Berufungsbegründung angekündigten Antrag. Dann aber ist\nkein Grund ersichtlich, den erweiterten Antrag als gegenstandslos zu behandeln\nund nicht sachlich zu bescheiden.\n\n6 2. Begründet ist die Nichtzulassungsbeschwerde nur hinsichtlich der\nKlage gegen den Beklagten zu 1. Im Übrigen hat die Rechtssache keine\ngrundsätzliche Bedeutung und weder die Fortbildung des Rechts noch die\nSicherung einer einheitlichen Rechtsprechung erfordert eine Entscheidung des\nRevisionsgerichts (§ 543 Abs. 2 ZPO). Verfahrensgrundrechte der Klägerin\nwurden nicht verletzt. Das gilt auch für das Grundrecht der Klägerin auf\nrechtliches Gehör (Art. 103 Abs. 1 GG). Von einer weiteren Begründung wird\ngemäß § 544 Abs. 4 Satz 2 Halbs. 2 ZPO abgesehen.\n\nKayser Lohmann Pape\n\nSchoppmeyer Röhl\n\nVorinstanzen:\nLG Mainz, Entscheidung vom 22.06.2017 - 1 O 236/16 -\nOLG Koblenz, Entscheidung vom 07.05.2018 - 2 U 824/17 -","source":null,"source_url":null,"url":"https://recht.nulegal.eu/rechtsprechung/bgh/2019-02-21/ix-zr-190-18","cited_norms":[{"jurabk":"ZPO","ref":"§ 524","ref_norm":"524","n":2},{"jurabk":"ZPO","ref":"§ 544","ref_norm":"544","n":2},{"jurabk":"GG","ref":"Art 103","ref_norm":"103","n":1},{"jurabk":"ZPO","ref":"§ 522","ref_norm":"522","n":1},{"jurabk":"ZPO","ref":"§ 543","ref_norm":"543","n":1},{"jurabk":"ZPOEG","ref":"§ 26","ref_norm":"26","n":1}],"authoritative_source":null,"attribution":null,"source_info":{"name":"nu:legal Deutsches Recht","operator":"Nulegal GmbH","terms":"https://recht.nulegal.eu/nutzungsbedingungen","attribution":"Source: nu:legal – recht.nulegal.eu","license_url":"https://recht.nulegal.eu/license","url":"https://recht.nulegal.eu/rechtsprechung/bgh/2019-02-21/ix-zr-190-18","retrieved":"2026-10-24 08:01:05.811636+00:00"},"card":{"id":"bgh/2019-02-21/ix-zr-190-18","court":"BGH","court_id":"bgh","court_as_stated":"BGH","panel":"9. 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