{"status":"available","ecli":"ECLI:DE:BGH:2019:190319BVIZB27.17.0","court":"BGH","senate":"6. Zivilsenat","decided":"2019-03-19","aktenzeichen":"VI ZB 27/17","doktyp":"Beschluss","leitsatz":null,"text_plain":"BUNDESGERICHTSHOF\nBESCHLUSS\nVI ZB 27/17\nvom\n\n19. März 2019\n\nin dem Rechtsstreit\n\nECLI:DE:BGH:2019:190319BVIZB27.17.0\n\nDer VI. Zivilsenat des Bundesgerichtshofs hat am 19. März 2019 durch den\nRichter Wellner als Vorsitzenden, die Richterinnen Dr. Oehler, Dr. Roloff und\nMüller sowie den Richter Dr. Allgayer\n\nbeschlossen:\n\nAuf die Rechtsbeschwerde der Klägerin wird der Beschluss des\n13. Zivilsenats des Oberlandesgerichts Oldenburg vom\n30. Mai 2017 aufgehoben.\n\nDie Sache wird zur erneuten Entscheidung, auch über die Kosten\ndes Rechtsbeschwerdeverfahrens, an das Berufungsgericht zurückverwiesen.\n\nGerichtskosten für das Rechtsbeschwerdeverfahren werden nicht\nerhoben.\n\nDer Gegenstandswert des Rechtsbeschwerdeverfahrens beträgt\n8.329,32 €.\n\nGründe:\n\nI.\n\n1 Die Klägerin begehrt Wiedereinsetzung in die Frist zur Berufungsbegründung. Das Urteil des Landgerichts wurde ihr am 16. Februar 2017 zugestellt.\nNachdem das Oberlandesgericht die Frist zur Berufungsbegründung bis zum\n18. Mai 2017 verlängert hatte, ging am letzten Tag der Frist eine nicht unterschriebene Berufungsbegründung ein. Den Antrag der Klägerin auf Wiederein-\n\nsetzung in den vorigen Stand hinsichtlich der Versäumung der Frist zur Berufungsbegründung vom 23. Mai 2017 hat das Berufungsgericht mit dem angefochtenen Beschluss - mit dem es zugleich die Berufung der Klägerin als unzulässig verworfen hat - zurückgewiesen. Zur Begründung hat es ausgeführt, dass\ndas Einreichen des nicht unterschriebenen Schriftsatzes zur Berufungsbegründung nicht auf einem Büroversehen, sondern auf einem Versehen des Klägervertreters beruhe, weshalb die Klägerin nicht ohne Verschulden an der Einhaltung der Frist gehindert gewesen sei.\n\n2 Gegen diese Entscheidung wendet sich die Klägerin mit ihrer Rechtsbeschwerde, mit der sie ihr Wiedereinsetzungsbegehren weiterverfolgt.\n\nII.\n\n3 1. Die Rechtsbeschwerde ist gemäß § 574 Abs. 1 Satz 1 Nr. 1, § 522\nAbs. 1 Satz 4, § 238 Abs. 2 ZPO statthaft. Sie ist auch im Übrigen zulässig, weil\ndie Sicherung einer einheitlichen Rechtsprechung eine Entscheidung des\nRechtsbeschwerdegerichts erfordert (§ 574 Abs. 2 Nr. 2, 2. Alt. ZPO).\n\n4 2. Der angefochtene Beschluss ist aufzuheben, weil er nicht ausreichend\nmit Gründen versehen ist.\n\n5 a) Es handelt sich um einen Beschluss, der von Gesetzes wegen mit der\nRechtsbeschwerde angefochten werden kann (§ 522 Abs. 1 Satz 4 ZPO). Beschlüsse, die der Rechtsbeschwerde unterliegen, müssen den maßgeblichen\nSachverhalt, über den entschieden wird, wiedergeben und den Streitgegenstand sowie die Anträge der Parteien in beiden Instanzen erkennen lassen; andernfalls sind sie nicht mit den erforderlichen gesetzmäßigen Gründen versehen und bereits deshalb aufzuheben (Senatsbeschlüsse vom 6. Februar 2018\n\n- VI ZB 12/17, juris Rn. 4; vom 26. April 2016 - VI ZB 4/16 und VI ZB 7/16,\nVersR 2016, 1591 Rn. 16; vom 22. Januar 2008 - VI ZB 46/07, VersR 2008,\n1374 Rn. 4; BGH, Beschluss vom 12. Mai 2016 - V ZB 135/15, NJW 2016, 3789\nRn. 10 jeweils mwN).\n\n6 b) So verhält es sich im Streitfall. Insbesondere kann das Fehlen einer\nSachdarstellung hier nicht deshalb hingenommen werden, weil sich die prozessualen Vorgänge, auf die es ankommt, mit noch ausreichender Deutlichkeit\naus den Beschlussgründen ergeben würden (vgl. dazu Senatsbeschlüsse vom\n26. April 2016 - VI ZB 4/16 und VI ZB 7/16, VersR 2016, 1591 Rn. 16 f.; vom\n22. Januar 2008 - VI ZB 46/07, VersR 2008, 1374 Rn. 4; BGH, Beschlüsse vom\n22. Oktober 2014 - IV ZB 13/14, juris Rn. 6; vom 22. Oktober 2013 - II ZB 7/12,\nNJW-RR 2014, 315 Rn. 7 ff. jeweils mwN). Denn der angefochtene Beschluss\nenthält zwar die für die Fristberechnung maßgeblichen Daten. Er lässt aber den\nProzessablauf im Übrigen, den Streitgegenstand und die Anträge der Parteien\nnicht erkennen.\n\nIII.\n\n7 Die Entscheidung über die Nichterhebung von Gerichtskosten beruht auf\n§ 21 Abs. 1 Satz 1 GKG. Mangels tatsächlicher Feststellungen zum Sach- und\nStreitstand hat der Senat den Gegenstandswert des Rechtsbeschwerdeverfahrens nach der Wertfestsetzung des Berufungsgerichts bestimmt.\n\nWellner Oehler Roloff\n\nMüller Allgayer\n\nVorinstanzen:\nLG Oldenburg, Entscheidung vom 15.02.2017 - 4 O 901/16 -\nOLG Oldenburg, Entscheidung vom 30.05.2017 - 13 U 28/17 -","source":null,"source_url":null,"url":"https://recht.nulegal.eu/rechtsprechung/bgh/2019-03-19/vi-zb-27-17","cited_norms":[{"jurabk":"GKG 2004","ref":"§ 21","ref_norm":"21","n":1},{"jurabk":"ZPO","ref":"§ 238","ref_norm":"238","n":1},{"jurabk":"ZPO","ref":"§ 522","ref_norm":"522","n":1}],"authoritative_source":null,"attribution":null,"source_info":{"name":"nu:legal Deutsches Recht","operator":"Nulegal GmbH","terms":"https://recht.nulegal.eu/nutzungsbedingungen","attribution":"Source: nu:legal – recht.nulegal.eu","license_url":"https://recht.nulegal.eu/license","url":"https://recht.nulegal.eu/rechtsprechung/bgh/2019-03-19/vi-zb-27-17","retrieved":"2026-10-24 07:59:48.147959+00:00"},"card":{"id":"bgh/2019-03-19/vi-zb-27-17","court":"BGH","court_id":"bgh","court_as_stated":"BGH","panel":"6. 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