{"status":"available","doknr":"CEBGH-BGH_Strafsenat-3_NA_2019-12-17_3_StR_376_19_NA_NA_0","ecli":"ECLI:DE:BGH:2019:171219B3STR376.19.0","court":"BGH","senate":"3. Strafsenat","decided":"2019-12-17","aktenzeichen":"3 StR 376/19","doktyp":"Beschluss","leitsatz":null,"text_plain":"BUNDESGERICHTSHOF\nBESCHLUSS\n3 StR 376/19\nvom\n17. Dezember 2019\nin der Strafsache\ngegen\n\n1.\n\n2.\n\nwegen gefährlicher Körperverletzung u.a.\n\nDer 3. Strafsenat des Bundesgerichtshofs hat auf Antrag des Generalbundesanwalts\nund nach Anhörung der Beschwerdeführer am 17. Dezember 2019 einstimmig beschlossen:\n\nDie Revisionen der Angeklagten gegen das Urteil des Landgerichts\nBamberg vom 14. Dezember 2018 werden als unbegründet verworfen,\nda die Nachprüfung des Urteils auf Grund der Revisionsrechtfertigungen keinen Rechtsfehler zum Nachteil der Angeklagten ergeben hat\n(§ 349 Abs. 2 StPO).\n\nJeder Beschwerdeführer hat die Kosten seines Rechtsmittels zu tragen.\n\nECLI:DE:BGH:2019:171219B3STR376.19.0\n\nErgänzend bemerkt der Senat:\n\n1. Wie der Generalbundesanwalt zu Recht ausgeführt hat, war die Verbindung\nder beiden bei der (großen) Jugendkammer des Landgerichts anhängigen Berufungsverfahren mit dem erstinstanzlichen Verfahren vor der Staatsschutzkammer\nrechtsfehlerhaft: Berufungen in Jugendsachen sind nach § 41 Abs. 2 Satz 1 JGG der\nJugendkammer übertragen. Aus § 103 Abs. 2 Satz 2 JGG ergibt sich nichts anderes,\nweil diese durch das Strafverfahrensänderungsgesetz 1979 (BGBl. 1978 I, S. 1645)\nin das Jugendgerichtsgesetz eingefügte Vorschrift lediglich ein Instrumentarium für\ndie Lösung von Kompetenzkonflikten bereitstellen sollte, die auf der Ebene der erstinstanzlichen Strafkammern des Landgerichts auftreten (vgl. Rieß, JR 1980, 79).\nEine analoge Anwendung auf das Berufungsverfahren kommt nicht in Betracht, weil\ndadurch die gesetzgeberische Grundentscheidung, Berufungen in Jugendsachen der\nJugendkammer zuzuweisen, unterlaufen würde (Meyer-Goßner, NStZ 1989, 297,\n300, 303). Die Staatsschutzkammer des Landgerichts hätte damit die Verfahren betreffend die Fälle 4.1, 4.2 und 6 der Urteilsgründe nicht von der Jugendkammer übernehmen dürfen.\n\nDie diesbezügliche Unzuständigkeit der Staatsschutzkammer ist indes im Revisionsverfahren nicht von Amts wegen, sondern nur auf eine Verfahrensrüge nach\n§ 338 Nr. 4 StPO zu berücksichtigen. Zwar betrachtete die Rechtsprechung des\nBundesgerichtshofs das Verhältnis zwischen den Erwachsenengerichten und den\nJugendgerichten zunächst als Frage der sachlichen Zuständigkeit; später hat sich\njedoch die Ansicht durchgesetzt, dass die Jugendgerichte keine andersartige sachliche Zuständigkeit haben als die allgemeinen Strafgerichte, ihnen vielmehr nur innerhalb derselben Gerichtszuständigkeit ein besonderer sachlicher Geschäftsbereich\nzugewiesen ist. Die Zuständigkeit der Jugendgerichte ist deshalb im Revisionsverfahren nicht von Amts wegen zu prüfen (st. Rspr. seit BGH, Beschluss vom 5. Oktober\n\n1962 - GSSt 1/62, BGHSt 18, 79). Daran hat sich für die revisionsrechtliche Prüfung\nauch durch das Strafverfahrensänderungsgesetz 1979 nichts geändert (BGH, Beschluss vom 3. Mai 1991 - 3 StR 483/90, NStZ 1991, 503; vgl. zuletzt BGH, Beschluss vom 30. Januar 2013 - 4 StR 380/12; NStZ 2013, 290, 291). Eine entsprechende Verfahrensrüge haben die Angeklagten indes nicht erhoben.\n\n2. Zum Fall 6 der Urteilsgründe gilt im Übrigen Folgendes:\n\nDie Strafkammer hat nicht geprüft, ob der nach Art. 20 Abs. 1 Nr. 2 BayVersG\nstrafbewehrte Verstoß gegen Art. 8 Abs. 2 Nr. 1 BayVersG, der hier darin bestand,\ndass die Angeklagten und ihre Mittäter durch ihr Auftreten konkludent die Vornahme\nvon Gewalttätigkeiten jedenfalls androhten, um dadurch eine öffentliche Versammlung erheblich zu stören, auch den Tatbestand der Nötigung nach § 240 StGB erfüllt.\nMit Blick auf die unterschiedlichen Rechtsgüter - Versammlungsfreiheit einerseits,\nFreiheit der Willensentschließung und -betätigung andererseits - könnten die Tatbestände in Tateinheit zueinander stehen. Durch die gegebenenfalls unterbliebene\nVerurteilung auch wegen - mit höherer Strafe bedrohter - Nötigung sind die Angeklagten jedoch nicht beschwert.\n\nDas Landgericht hat sich in den Urteilsgründen nicht damit auseinandergesetzt, ob die gegen die Angeklagten verhängten kurzen Freiheitsstrafen von vier Monaten (Angeklagter G. ) bzw. drei Monaten (Angeklagter H. -K. ) im Sinne von § 47 Abs. 1 StGB unerlässlich waren. Das Urteil beruht darauf jedoch nicht,\nweil mit Blick auf die besonderen Umstände der Tat, insbesondere ihre Einbettung in\n\nden Gesamtzusammenhang der den Angeklagten insgesamt zur Last gelegten Straftaten, auszuschließen ist, dass die Strafkammer insoweit auf Geldstrafen erkannt\nhätte.\n\nSchäfer Gericke Berg\n\nAnstötz Erbguth\n\nVorinstanz:\n\nBamberg, LG, 14.12.2018 - 1108 Js 7132/15 24 KLs 110 Ss 32 - 33/19","source":null,"source_url":null,"url":"https://recht.nulegal.eu/rechtsprechung/bgh/2019-12-17/3-str-376-19","cited_norms":[{"jurabk":"JGG","ref":"§ 41","ref_norm":"41","n":1},{"jurabk":"JGG","ref":"§ 103","ref_norm":"103","n":1},{"jurabk":"StGB","ref":"§ 47","ref_norm":"47","n":1},{"jurabk":"StGB","ref":"§ 240","ref_norm":"240","n":1},{"jurabk":"StPO","ref":"§ 349","ref_norm":"349","n":1},{"jurabk":"StPO","ref":"§ 338","ref_norm":"338","n":1},{"jurabk":"BayVersG","ref":"Art 8","ref_norm":"8","n":1},{"jurabk":"BayVersG","ref":"Art 20","ref_norm":"20","n":1}],"authoritative_source":null,"attribution":null,"source_info":{"name":"nu:legal Deutsches Recht","operator":"Nulegal GmbH","terms":"https://recht.nulegal.eu/nutzungsbedingungen","attribution":"Source: nu:legal – recht.nulegal.eu","license_url":"https://recht.nulegal.eu/license","url":"https://recht.nulegal.eu/rechtsprechung/bgh/2019-12-17/3-str-376-19","retrieved":"2026-10-24 07:54:35.455094+00:00"},"card":{"id":"bgh/2019-12-17/3-str-376-19","court":"BGH","court_id":"bgh","court_as_stated":"BGH","panel":"3. 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