{"status":"available","ecli":"ECLI:DE:BGH:2019:170419BXIIZA63.18.0","court":"BGH","senate":"12. Zivilsenat","decided":"2019-04-17","aktenzeichen":"XII ZA 63/18","doktyp":"Beschluss","leitsatz":null,"text_plain":"BUNDESGERICHTSHOF\nBESCHLUSS\nXII ZA 63/18\n\nvom\n\n17. April 2019\n\nin der Familiensache\n\nECLI:DE:BGH:2019:170419BXIIZA63.18.0\n\nDer XII. Zivilsenat des Bundesgerichtshofs hat am 17. April 2019 durch\nden Vorsitzenden Richter Dose und die Richter Schilling, Dr. Günter,\nDr. Nedden-Boeger und Guhling\n\nbeschlossen:\n\nDem Antragsgegner wird ratenfreie Verfahrenskostenhilfe unter\nBeiordnung von Rechtsanwalt W. bewilligt, soweit er\nsich hinsichtlich der Verpflichtung zur Zahlung rückständigen Unterhalts von 6.680 € für Beyza und von 4.364 € für Ayse (davon an\ndas Land Hessen 2.700 €) für den Zeitraum von September 2013\nbis zum 9. April 2015 gegen die Zurückweisung seiner\nBeschwerde durch den Beschluss des 4. Senats für Familiensachen des Oberlandesgerichts Frankfurt am Main vom\n21. November 2018 wendet.\n\nIm Übrigen wird die Bewilligung von Verfahrenskostenhilfe abgelehnt.\n\nGründe:\n\n1 Verfahrenskostenhilfe ist nur für den im Tenor ersichtlichen Zeitraum zu\nbewilligen; denn nur insoweit hat das Oberlandesgericht die Rechtsbeschwerde\nzugelassen. Im Umfang der Zulassung hat die Rechtssache grundsätzliche Bedeutung (vgl. Senatsbeschluss vom 26. September 2018 - XII ZA 10/18 - MDR\n2018, 1393 Rn. 3 mwN).\n\nI.\n\n2 Es entspricht ständiger Rechtsprechung des Senats, dass sich auch bei\n– wie hier – uneingeschränkter Zulassung des Rechtsmittels im Tenor eine\nwirksame Beschränkung aus den Entscheidungsgründen ergeben kann. Unzulässig ist es, die Zulassung auf einzelne von mehreren Anspruchsgrundlagen\noder auf bestimmte Rechtsfragen zu beschränken. Die Zulassung der Rechtsbeschwerde kann aber auf einen tatsächlich und rechtlich selbständigen Teil\ndes Streitstoffs beschränkt werden, der Gegenstand eines Teilurteils bzw. Teilbeschlusses sein könnte oder auf den der Rechtsmittelführer selbst sein\nRechtsmittel beschränken könnte. Das bedeutet allerdings nicht, dass stets allein aus der Begründung der Zulassung eine Beschränkung auf den Bereich der\nmitgeteilten Gründe entnommen werden kann. Eine Zulassungsbeschränkung\nkann in solchen Fällen vielmehr nur angenommen werden, wenn aus den\nGründen mit ausreichender Klarheit hervorgeht, dass das Berufungs- bzw. Beschwerdegericht die Möglichkeit einer Nachprüfung im Rechtsmittelverfahren\nnur wegen eines abtrennbaren Teils seiner Entscheidung eröffnen wollte\n(Senatsbeschluss vom 7. November 2012 - XII ZB 229/11 - FamRZ 2013, 109\nRn. 9 f. mwN).\n\nII.\n\n3 Gemessen hieran ist die Zulassung auf den Zeitraum beschränkt, in dem\ndie Antragstellerin für sich und die Kinder Leistungen nach dem Zweiten Buch\nSozialgesetzbuch erhalten hat.\n\n4 Zwar hat das Oberlandesgericht die Rechtsbeschwerde im Tenor unbeschränkt zugelassen. Aus der Begründung der Zulassung ergibt sich indes,\n\ndass das Oberlandesgericht die Rechtsbeschwerde nur \"im Hinblick auf die bisher höchstrichterlich nicht geklärte Frage des Umfangs der Vertretungsbefugnis\nzur Geltendmachung von Unterhalt\" zugelassen hat. Damit kann wiederum nur\ndie Frage gemeint sein, inwieweit die Antragstellerin auch in Vertretung ihrer\nKinder einen Rückübertragungsvertrag abschließen konnte, sei es im Rahmen\neiner erweiterten Auslegung nach § 1629 BGB, sei es im Rahmen von § 33 iVm\n§ 38 SGB II.\n\n5 Dass mit der Vertretungsbefugnis auch die Frage der gesetzlichen Verfahrensstandschaft nach § 1629 Abs. 3 BGB gemeint und damit der gesamte\nstreitbefangene Zeitraum erfasst sein könnte, ist schon deshalb ausgeschlossen, weil das Oberlandesgericht auf die einschlägige Senatsrechtsprechung\nhingewiesen hat. Danach bleibt die Antragstellerin in dem Verfahren auf Kindesunterhalt nach wie vor verfahrensführungsbefugt, wenn sie den Antrag vor\nder Ehescheidung nach § 1629 Abs. 3 Satz 1 BGB in zulässiger Weise im eigenen Namen erhoben hat, weil diese gesetzliche Verfahrensstandschaft nach\nständiger Rechtsprechung des Senats regelmäßig über die Scheidung hinaus\nbis zum Abschluss des Unterhaltsverfahrens fortgilt (Senatsbeschluss vom\n17. Dezember 2008 - XII ZB 185/08 - FamRZ 2009, 494 Rn. 6 mwN).\n\n6 Weil die Antragstellerin nach den vom Oberlandesgericht getroffenen\nFeststellungen nur für den Zeitraum ab September 2013 bis zum 9. April 2015\nfür sich und die Kinder Leistungen nach dem Zweiten Buch Sozialgesetzbuch\nerhalten hat, ist auch nur hinsichtlich dieses Zeitraums die Rechtsbeschwerde\nzugelassen. Dabei handelt es sich um einen abtrennbaren Teil, auf den die\n\nRechtsbeschwerde hätte beschränkt werden bzw. der Gegenstand eines Teilurteils hätte sein können.\n\nDose Schilling Günter\n\nNedden-Boeger Guhling\n\nVorinstanzen:\nAG Gelnhausen, Entscheidung vom 21.04.2017 - 61 F 1254/13 -\nOLG Frankfurt am Main, Entscheidung vom 21.11.2018 - 4 UF 137/17 -","source":null,"source_url":null,"url":"https://recht.nulegal.eu/rechtsprechung/bgh/2019-04-17/xii-za-63-18","cited_norms":[{"jurabk":"BGB","ref":"§ 1629","ref_norm":"1629","n":3},{"jurabk":"SGB 2","ref":"§ 38","ref_norm":"38","n":1}],"authoritative_source":null,"attribution":null,"source_info":{"name":"nu:legal Deutsches Recht","operator":"Nulegal GmbH","terms":"https://recht.nulegal.eu/nutzungsbedingungen","attribution":"Source: nu:legal – recht.nulegal.eu","license_url":"https://recht.nulegal.eu/license","url":"https://recht.nulegal.eu/rechtsprechung/bgh/2019-04-17/xii-za-63-18","retrieved":"2026-10-24 08:02:38.979821+00:00"},"card":{"id":"bgh/2019-04-17/xii-za-63-18","court":"BGH","court_id":"bgh","court_as_stated":"BGH","panel":"12. 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