{"status":"available","doknr":"CEBGH-BGH_Zivilsenat-11_NA_2019-07-16_XI_ZR_538_18_NA_NA_0","ecli":"ECLI:DE:BGH:2019:160719BXIZR538.18.0","court":"BGH","senate":"11. Zivilsenat","decided":"2019-07-16","aktenzeichen":"XI ZR 538/18","doktyp":"Beschluss","leitsatz":null,"text_plain":"BUNDESGERICHTSHOF\nBESCHLUSS\nXI ZR 538/18\n\nvom\n\n16. Juli 2019\n\nin dem Rechtsstreit\n\nECLI:DE:BGH:2019:160719BXIZR538.18.0\n\nDer XI. Zivilsenat des Bundesgerichtshofs hat am 16. Juli 2019 durch den\nVizepräsidenten Prof. Dr. Ellenberger, die Richter Dr. Grüneberg und Maihold\nsowie die Richterinnen Dr. Menges und Dr. Derstadt\n\nbeschlossen:\n\nDie Nichtzulassungsbeschwerde der Kläger gegen den Beschluss\ndes 19. Zivilsenats des Oberlandesgerichts München vom\n28. August 2018 wird auf ihre Kosten verworfen.\n\nStreitwert: 14.250 €.\n\nGründe:\n\n1 Die Nichtzulassungsbeschwerde der Kläger ist unzulässig, weil der Wert\nder von den Klägern mit einer Revision geltend zu machenden Beschwer\n20.000 € nicht übersteigt (§ 26 Nr. 8 Satz 1 EGZPO, §§ 544, 97 Abs. 1 ZPO).\nFür den Wert ist der Betrag von 14.250 € maßgeblich, dessen Zahlung die Kläger in den Tatsacheninstanzen erfolglos begehrt haben.\n\n2 1. Die Kläger haben nach eigenem Vortrag (Klageänderung vom\n31. August 2017, S. 2) mit dem Zahlungsantrag die \"Gesamtsumme der geleisteten Zins- und Tilgungszahlungen\" geltend gemacht. Dieser Antrag ist mit seinem Nominalwert anzusetzen, der vorliegend den von den Darlehensnehmern\ngeleisteten Zins- und Tilgungszahlungen entspricht.\n\n3 2. Der Streitwert erhöht sich nicht durch den weiter geltend gemachten\nAntrag auf Feststellung der Wirksamkeit einer Kündigung des Darlehensvertrags.\n\n4 a) Diesen Feststellungsantrag haben die Kläger - anders als das in der\nNichtzulassungsbeschwerde angenommen wird - nicht hilfsweise, sondern zusätzlich zum Zahlungsantrag gestellt. Denn mit einer Hilfsbedingung hatten die\nKläger ursprünglich lediglich zwei alternative Kündigungstermine zueinander in\nein Eventualverhältnis gestellt. Mit Begründung der Nichtzulassungsbeschwerde haben sie die Feststellung zum ursprünglich geltend gemachten ersten Kündigungstermin nicht mehr weiterverfolgt, sodass die Eventualbedingung entfallen ist.\n\n5 b) Die Kumulierung eines Zahlungsantrags, der - wie hier - auf die Rückabwicklung eines Darlehens nach Widerruf gerichtet ist, und eines Feststellungsantrags zur Beendigung dieses Darlehensvertrags führt wegen wirtschaftlicher Identität im Grundsatz nicht zu einer Addition der Werte (Senatsbeschlüsse vom 12. Januar 2016 - XI ZR 366/15, WM 2016, 454 Rn. 6 ff. und vom\n25. Oktober 2016 - XI ZR 33/15, juris Rn. 3). Denn der Wert von positiven wie\nnegativen Feststellungsanträgen in Widerrufsfällen richtet sich nach den Zinsund Tilgungsleistungen, die der widerrufende Darlehensnehmer auf den in\nStreit stehenden Vertrag bis zum Widerruf erbracht hat (Senatsbeschlüsse vom\n12. Januar 2016 - XI ZR 366/15 aaO, vom 4. März 2016 - XI ZR 39/15, BKR\n2016, 204 Rn. 2 und vom 10. Juli 2018 - XI ZR 613/17, juris Rn. 2).\n\n6 Nichts anderes gilt für das - vorliegend von den Klägern verfolgte - Interesse, ab dem Zeitpunkt des Widerrufs auf das streitgegenständliche Darlehen\nkeine Zins- und Tilgungsleistungen mehr zu schulden. Auch der Wert dieses\nAntrags richtet sich nach dem Wert der Hauptforderung auf Rückabwicklung\n\ndes Darlehensvertrags (Senatsbeschluss vom 4. Dezember 2018 - XI ZR\n196/18, juris Rn. 2). Auch damit wird der Gegenstandswert des Zahlungsantrags nicht überschritten.\n\n7 Eine Feststellungsklage des Darlehensnehmers, die nach Widerruf einer\nProlongationsvereinbarung auf Auflösung des Darlehensvertrags durch eine\nzusätzlich erklärte Kündigung gerichtet ist, umfasst kein darüber hinausgehendes wirtschaftliches Interesse. Sie kann - entgegen der Ansicht der Kläger -\nauch nicht mit dem Wert der Restforderung des Darlehensgebers aus dem Darlehensvertrag angesetzt werden, da der Darlehensnehmer, der die Wirksamkeit\nseiner Kündigung behauptet, mit einem entsprechenden Feststellungsantrag\neiner solchen Forderung gerade nicht entgegentreten will. Das unterscheidet\nden vorliegenden Feststellungsantrag von der negativen Feststellungsklage\neines Darlehensnehmers, mit der - anders als im vorliegenden Fall - die Unwirksamkeit der Darlehenskündigung einer Bank geltend gemacht wird (vgl.\ndazu Senatsbeschluss vom 5. Februar 1997 - XI ZB 3/97, WM 1997, 741).\n\n8 3. Der Anspruch auf Nutzungsentschädigung bleibt als Nebenforderung\naußer Betracht (Senatsbeschluss vom 12. Januar 2016 - XI ZR 366/15, WM\n2016, 454 Rn. 17).\n\n9 4. Der - ohnehin unzulässige (vgl. Senatsurteil vom 27. November 2018\n- XI ZR 174/17, juris Rn. 13 mwN) - Antrag auf Feststellung des Annahmeverzugs mit der Rückabwicklung des Darlehens hat entgegen der Rechtsmeinung\nder Kläger ebenfalls keinen eigenständigen wirtschaftlichen Wert, da es sich um\nein unselbstständiges Element der mit dem Zahlungs- und Feststellungsantrag\nwirtschaftlich beabsichtigten Klärung von Leistungsverpflichtungen im Rahmen\nder Rückabwicklung des Darlehensvertrags handelt (vgl. Senatsbeschlüsse\nvom 6. Juli 2010 - XI ZB 40/09, WM 2010, 1673 Rn. 16, vom 25. Oktober 2016\n\n- XI ZR 33/15, juris Rn. 3, vom 19. Dezember 2016 - XI ZR 539/15, juris Rn. 4\nund vom 20. Juni 2017 - XI ZR 108/17, juris Rn. 4 sowie XI ZR 109/17, juris\nRn. 4). Dafür ist ohne Bedeutung, dass der Kläger keinen Zug-um-Zug-Antrag\ngestellt hat, denn er will mit dem Feststellungsantrag als unselbstständiges\nElement der Rückabwicklung des Darlehensverhältnisses klären, ob er nach\nWiderruf weiterhin Zinsen und Nutzungsersatz schuldet.\n\nEllenberger Grüneberg Maihold\n\nMenges Derstadt\n\nVorinstanzen:\nLG Traunstein, Entscheidung vom 12.03.2018 - 5 O 1729/17 -\nOLG München, Entscheidung vom 28.08.2018 - 19 U 1210/18 -","source":"ce-bgh","source_url":"https://doi.org/10.5281/zenodo.15153244","url":"https://recht.nulegal.eu/rechtsprechung/bgh/2019-07-16/xi-zr-538-18","cited_norms":[{"jurabk":"ZPO","ref":"§ 97","ref_norm":"97","n":1},{"jurabk":"ZPO","ref":"§ 544","ref_norm":"544","n":1}],"authoritative_source":"https://doi.org/10.5281/zenodo.15153244","attribution":{"source":"Bundesgerichtshof","source_url":"https://doi.org/10.5281/zenodo.15153244","license":"Creative Commons Zero (CC0 1.0)","license_url":"https://creativecommons.org/publicdomain/zero/1.0/","notice":"Amtliche Entscheidung des Bundesgerichtshofs. 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