{"status":"available","ecli":"ECLI:DE:BGH:2019:130219BIZR112.17.0","court":"BGH","senate":"1. Zivilsenat","decided":"2019-02-13","aktenzeichen":"I ZR 112/17","doktyp":"Beschluss","leitsatz":null,"text_plain":"BUNDESGERICHTSHOF\nBESCHLUSS\nI ZR 112/17\n\nvom\n\n13. Februar 2019\n\nin dem Rechtsstreit\n\nECLI:DE:BGH:2019:130219BIZR112.17.0\n\nDer I. Zivilsenat des Bundesgerichtshofs hat am 13. Februar 2019 durch den\nVorsitzenden Richter Prof. Dr. Koch, den Richter Dr. Löffler, die Richterin\nDr. Schwonke, den Richter Feddersen und die Richterin Dr. Schmaltz\n\nbeschlossen:\n\nDie Anhörungsrüge gegen das Senatsurteil vom 20. Dezember 2018\nwird auf Kosten der Beklagten zurückgewiesen.\n\nGründe:\n\n1 I. Die gemäß § 321a ZPO statthafte und auch im Übrigen zulässige Anhörungsrüge ist nicht begründet. Der Anspruch des Klägers aus Art. 103 Abs. 1 GG auf\nrechtliches Gehör ist durch das Senatsurteil vom 20. Dezember 2018 (I ZR 112/17,\nGRUR 2019, 189 - Crailsheimer Stadtblatt II) nicht verletzt.\n\n2 1. Die Beklagte rügt, der Senat habe ihren umfangreichen Vortrag zur Rechtsprechung des Bundesverfassungsgerichts zu staatlichem Informationshandeln nicht\nhinreichend zur Kenntnis genommen und in gebotener Weise berücksichtigt.\n\n3 2. Die Gehörsrüge der Beklagten ist unbegründet.\n\n4 a) Das Gebot rechtlichen Gehörs verpflichtet ein Gericht, die Ausführungen\nder Prozessbeteiligten zur Kenntnis zu nehmen und in Erwägung zu ziehen, nicht\njedoch der von den Beteiligten vertretenen Rechtsansicht zu folgen. Die Verfahrensgarantie des Art. 103 Abs. 1 GG ist erst verletzt, wenn sich im Einzelfall klar ergibt,\n\ndass das Gericht dieser Pflicht nicht nachgekommen ist. Grundsätzlich ist davon\nauszugehen, dass die Gerichte das von ihnen entgegengenommene Parteivorbringen zur Kenntnis genommen und in Erwägung gezogen haben. Sie sind dabei nicht\nverpflichtet, sich mit jedem Vorbringen in den Entscheidungsgründen ausdrücklich zu\nbefassen. Ein Verstoß gegen Art. 103 Abs. 1 GG kommt deshalb erst in Betracht,\nwenn im Einzelfall besondere Umstände die Annahme rechtfertigen, dass Vorbringen\nder Beteiligten entweder überhaupt nicht zur Kenntnis genommen oder doch bei der\nEntscheidung nicht erwogen worden ist. Die Gewährleistung des Art. 103 Abs. 1 GG\nbeschränkt sich dabei nicht darauf, sich zu dem der Entscheidung zugrundeliegenden Sachverhalt zu äußern, sondern verbürgt den Verfahrensbeteiligten auch das\nRecht, sich zur Rechtslage zu äußern (vgl. BVerfG, NJW 2009, 1584 f. [juris Rn. 14]\nmwN; FamRZ 2013, 1953 Rn. 14).\n\n5 b) Der Senat hat sich mit dem von der Beklagten als nicht hinreichend berücksichtigt gerügten Vortrag befasst. Er hat anerkannt, dass die Kompetenz zur Staatsleitung als integralen Bestandteil die Befugnis zur Öffentlichkeitsarbeit einschließt\n(Rn. 24) und danach Äußerungs- und Informationsrechte der Gemeinden ihre Legitimation in der staatlichen Kompetenzordnung, namentlich der Selbstverwaltungsgarantie des Art. 28 Abs. 2 Satz 1 GG und Art. 71 Abs. 1 LV BW finden (Rn. 25). Aus\nder Rechtsprechung des Bundesverfassungsgerichts zum Informationsauftrag des\nStaates bei besonderen Gefahrenlagen und aktuellen Krisen hat der Senat jedoch\nanders als die Beklagte keine grenzenlose Ermächtigung der Gemeinden zu allgemeiner Öffentlichkeitsarbeit über alle nichtamtlichen Themen herleiten können\n(Rn. 39 unter Hinweis auf BVerfGE 105, 252, 269 [juris Rn. 54]; 105, 279, 302 [juris\nRn. 75]). Diese abweichende rechtliche Bewertung stellt indes keine Verletzung\nrechtlichen Gehörs dar.\n\n6 II. Die Kostenentscheidung beruht auf § 97 Abs. 1 ZPO analog.\n\nKoch Löffler Schwonke\n\nFeddersen Schmaltz\n\nVorinstanzen:\nLG Ellwangen, Entscheidung vom 28.07.2016 - 10 O 17/16 -\nOLG Stuttgart, Entscheidung vom 03.05.2017 - 4 U 160/16 -","source":null,"source_url":null,"url":"https://recht.nulegal.eu/rechtsprechung/bgh/2019-02-13/i-zr-112-17","cited_norms":[{"jurabk":"GG","ref":"Art 103","ref_norm":"103","n":4},{"jurabk":"GG","ref":"Art 28","ref_norm":"28","n":1},{"jurabk":"ZPO","ref":"§ 97","ref_norm":"97","n":1},{"jurabk":"ZPO","ref":"§ 321a","ref_norm":"321a","n":1}],"authoritative_source":null,"attribution":null,"source_info":{"name":"nu:legal Deutsches Recht","operator":"Nulegal GmbH","terms":"https://recht.nulegal.eu/nutzungsbedingungen","attribution":"Source: nu:legal – recht.nulegal.eu","license_url":"https://recht.nulegal.eu/license","url":"https://recht.nulegal.eu/rechtsprechung/bgh/2019-02-13/i-zr-112-17","retrieved":"2026-10-24 07:57:15.600952+00:00"},"card":{"id":"bgh/2019-02-13/i-zr-112-17","court":"BGH","court_id":"bgh","court_as_stated":"BGH","panel":"1. 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