{"status":"available","doknr":"CEBGH-BGH_Strafsenat-2_NA_2019-03-12_2_StR_10_19_NA_NA_0","ecli":"ECLI:DE:BGH:2019:120319B2STR10.19.0","court":"BGH","senate":"2. Strafsenat","decided":"2019-03-12","aktenzeichen":"2 StR 10/19","doktyp":"Beschluss","leitsatz":null,"text_plain":"BUNDESGERICHTSHOF\nBESCHLUSS\n2 StR 10/19\n\nvom\n12. März 2019\nin der Strafsache\ngegen\n\nwegen schweren sexuellen Missbrauchs eines Kindes u.a.\n\nECLI:DE:BGH:2019:120319B2STR10.19.0\n\nDer 2. Strafsenat des Bundesgerichtshofs hat auf Antrag des Generalbundesanwalts und nach Anhörung des Beschwerdeführers am 12. März 2019 gemäß\n§ 349 Abs. 2 und 4, § 406 Abs. 5 Satz 2 StPO beschlossen:\n\n1. Auf die Revision des Angeklagten wird das Urteil des Landgerichts Bonn vom 4. September 2018 im Ausspruch über\ndie Adhäsionsanträge wie folgt abgeändert:\n\nEs wird festgestellt, dass der Angeklagte verpflichtet ist, der\nAdhäsionsklägerin M. alle infolge der Straftaten im Juni\nund Juli 2016 erwachsenden materiellen und immateriellen\nSchäden zu ersetzen, soweit diese Ansprüche nicht auf Sozialversicherungsträger oder sonstige Versicherer übergegangen sind.\n\nEs wird festgestellt, dass die Schadensersatz- und Schmerzensgeldforderungen auf einer vorsätzlichen unerlaubten\nHandlung beruhen.\n\nIm Übrigen wird von einer Entscheidung über die Adhäsionsanträge abgesehen.\n\n2. Die weitergehende Revision des Angeklagten wird verworfen.\n\n3. Der Beschwerdeführer hat die Kosten seines Rechtsmittels\nund die dadurch der Neben- und Adhäsionsklägerin entstandenen notwendigen Auslagen zu tragen.\n\nGründe:\n\n1 Das Landgericht hat den Angeklagten wegen sexuellen und wegen\nschweren sexuellen Missbrauchs eines Kindes zu einer Gesamtfreiheitsstrafe\nvon drei Jahren und sechs Monaten verurteilt und eine Adhäsionsentscheidung\ngetroffen. Gegen dieses Urteil richtet sich die auf die Sachrüge gestützte Revision des Angeklagten. Das Rechtsmittel hat nur zum Adhäsionsausspruch teilweise Erfolg.\n\n2 1. Die Revision des Angeklagten ist aus den Gründen der Zuschrift des\nGeneralbundesanwalts unbegründet im Sinne des § 349 Abs. 2 StPO, soweit\nsie sich gegen den Schuld- und Strafausspruch richtet.\n\n3 2. Der Senat hat auf die Sachrüge den Adhäsionsausspruch wie aus der\nBeschlussformel ersichtlich geändert.\n\n4 Die Adhäsionsentscheidung kann nicht bestehen bleiben, soweit der\nNebenklägerin ein vorläufig vollstreckbares Schmerzensgeld in Höhe von\n4.000 Euro nebst Zinsen zugesprochen wurde. Die Adhäsionsklägerin hat beantragt, „den Angeklagten zur Zahlung eines in das Ermessen des Gerichts gestellten Schmerzensgeldes“ zu verurteilen. Ein solcher Antrag genügt auf der\nGrundlage bisheriger Rechtsprechung nicht den Zulässigkeitsanforderungen\nder § 404 Abs. 1 Satz 2 StPO, § 253 Abs. 2 Nr. 2 ZPO.\n\n5 Beide Vorschriften verlangen die bestimmte Angabe des Gegenstandes\nund des Grundes des erhobenen Anspruchs sowie einen bestimmten Antrag.\nSie stehen der Zulässigkeit eines unbezifferten Klageantrags nur dann nicht\n\nentgegen, wenn der Umfang der beantragten Geldleistung durch Angabe einer\nGrößenordnung eingegrenzt wird. Dadurch sollen Gericht und Gegner darüber\nunterrichtet werden, welchen Umfang der Streitgegenstand haben soll (vgl.\nSenat, Beschluss vom 25. August 2016 – 2 StR 585/15, juris Rn. 11; BGH,\nBeschlüsse vom 6. September 2017 – 5 StR 396/17; vom 14. März 2018\n– 4 StR 516/17, juris Rn. 14; Urteil vom 20. September 2018 – 3 StR 618/17,\njuris Rn. 11; Beschluss vom 6. Dezember 2018 – 4 StR 484/18, juris Rn. 15;\nSenat, Beschluss vom 8. Januar 2019 – 2 StR 569/18; jeweils unter Berufung\nauf ältere Rechtsprechung des VI. Zivilsenats, BGH, Urteile vom 13. Oktober\n1981 – VI ZR 162/80, NJW 1982, 340 f.; und vom 28. Februar 1984\n– VI ZR 70/82, NJW 1984, 1807, 1809 f.; gegen das Erfordernis der Nennung\neines Mindestbetrags als Zulässigkeitsvoraussetzung Pardey in Geigel, Haftpflichtprozess, 27. Aufl., 7. Kapitel Rn. 25; Wern, ebenda, 41. Kapitel Rn. 14\nunter Verweis auf Gerlach, VersR 2000, 525, der mit beachtlichen Argumenten\nausführt, die Rechtsprechung des VI. Zivilsenats zur Zulässigkeit sei aufgrund\nneuerer Entscheidungen überholt, weil das Gericht in keiner Weise an die\nBetragsvorstellungen des Klägers gebunden sei und diese nur für die Beschwer\nund damit für den Zugang zur zweiten Instanz von Bedeutung seien; vgl. dazu\nauch BGH, Urteil vom 20. Januar 2015 – VI ZR 27/14, NJW 2015, 1252).\n\n6 Eine von der Adhäsionsklägerin hingenommene gerichtliche Streitwertangabe, die als eine entsprechende Wertangabe ihrerseits angesehen werden\nkönnte (vgl. BGH, Beschluss vom 6. Dezember 2018 – 4 StR 484/18, juris\nRn. 16), ist nicht erfolgt. Von einer Entscheidung über den Adhäsionsantrag war\ndaher insoweit abzusehen.\n\n7 3. Im Hinblick auf den nur geringfügigen Teilerfolg der Revision ist es\nnicht unbillig, den Beschwerdeführer mit den Kosten und Auslagen seines\nRechtsmittels zu belasten.\n\nFranke Appl Eschelbach\n\nMeyberg Schmidt","source":"ce-bgh","source_url":"https://doi.org/10.5281/zenodo.15153244","url":"https://recht.nulegal.eu/rechtsprechung/bgh/2019-03-12/2-str-10-19","cited_norms":[{"jurabk":"StPO","ref":"§ 349","ref_norm":"349","n":1},{"jurabk":"StPO","ref":"§ 406","ref_norm":"406","n":1},{"jurabk":"StPO","ref":"§ 404","ref_norm":"404","n":1},{"jurabk":"ZPO","ref":"§ 253","ref_norm":"253","n":1}],"authoritative_source":"https://doi.org/10.5281/zenodo.15153244","attribution":{"source":"Bundesgerichtshof","source_url":"https://doi.org/10.5281/zenodo.15153244","license":"Creative Commons Zero (CC0 1.0)","license_url":"https://creativecommons.org/publicdomain/zero/1.0/","notice":"Amtliche Entscheidung des Bundesgerichtshofs. 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