{"status":"available","ecli":"ECLI:DE:BGH:2019:040619B1STR102.19.0","court":"BGH","senate":"1. Strafsenat","decided":"2019-06-04","aktenzeichen":"1 StR 102/19","doktyp":"Beschluss","leitsatz":null,"text_plain":"BUNDESGERICHTSHOF\nBESCHLUSS\n1 StR 102/19\nvom\n4. Juni 2019\nin dem Sicherungsverfahren\ngegen\n\nECLI:DE:BGH:2019:040619B1STR102.19.0\n\nDer 1. Strafsenat des Bundesgerichtshofs hat auf Antrag des Generalbundesanwalts und nach Anhörung des Beschwerdeführers am 4. Juni 2019 beschlossen:\n\nDer Antrag des Beschuldigten auf Entscheidung des Revisionsgerichts gegen den Beschluss des Landgerichts Kempten (Allgäu)\nvom 24. Januar 2019 wird als unzulässig verworfen.\n\nGründe:\n\n1 Das Landgericht hat mit Urteil vom 30. Oktober 2018 wegen Missbrauchs\nvon Notrufen und gefährlicher Körperverletzung die Unterbringung des\nBeschuldigten in einem psychiatrischen Krankenhaus angeordnet. Gegen dieses Urteil hat der Beschuldigte mit am 15. Januar 2019 bei dem Landgericht\nKempten (Allgäu) eingegangenem Schreiben Revision eingelegt, die das Landgericht mit Beschluss vom 24. Januar 2019 als unzulässig verworfen hat. Den\nBeschluss nebst Begleitschreiben hat der Beschuldigte mit dem handschriftlichen Vermerk „Bitte Revision des Beschlusses“ an das Landgericht, dort eingegangen am 18. Februar 2019, zurückgesandt.\n\n2 Dieses Schreiben ist als Antrag auf Entscheidung des Revisionsgerichts\ngemäß § 346 Abs. 2 StPO auszulegen.\n\n3 Der Antrag ist unzulässig, weil das Schreiben nicht innerhalb der Frist\nvon einer Woche nach Zustellung des landgerichtlichen Beschlusses (§ 346\nAbs. 2 StPO) eingegangen ist.\n\n4 Der Generalbundesanwalt hat hierzu in seiner Antragsschrift vom\n16. April 2019 zutreffend ausgeführt:\n\n„Der Beschluss des Landgerichts Kempten vom 24. Januar 2019\nwurde dem Verteidiger des Beschuldigten am 25. Januar 2019\n(SA zu Bl. 146) zugestellt. Die Zustellung an den Beschuldigten\ndurch Einlegung in den Briefkasten am 26. Januar 2019 (SA zu\nBl. 146) war zwar fehlerhaft, weil eine derartige Ersatzzustellung in\nGemeinschaftseinrichtungen, zu denen ein Krankenhaus zählt\n(Schultzky in Zöller, Zivilprozessordnung, 32. Aufl. 2018, § 178\nZPO Rn. 20), nach § 180 ZPO nicht möglich ist. Der Zustellungsmangel wurde jedoch spätestens am 6. Februar 2019 gemäß\n§ 189 ZPO geheilt und nach § 37 Abs. 2 StPO die Wochenfrist in\nGang gesetzt. An diesem Tag wurde dem Beschuldigten der Beschluss des Landgerichts Kempten von seiner Bezugsbetreuerin\nübergeben und mit Hilfe einer Dolmetscherin erläutert (Schreiben\ndes Bezirkskrankenhauses K. vom 5. April 2019, SA\nBl. 150).\n\nSoweit das am 21. Februar 2019 beim Landgericht Kempten eingegangene Schreiben (SA Bl. 147a) als Wiedereinsetzungsantrag\nauszulegen sein könnte, wäre dieser bereits unzulässig. Ein auf\nWiedereinsetzung gerichteter Antrag muss Angaben über die versäumte Frist, die Gründe, auf Grund derer die Rechtsmittelfrist\nnicht eingehalten werden konnte und den Zeitpunkt des Wegfalls\ndes Hindernisses enthalten (vgl. BGH, Beschlüsse vom\n31. August 2017 – 4 StR 294/17 und 8. Januar 2019 – 3 StR\n548/18, jeweils mwN). Im vorliegenden Fall wird weder angegeben, ob gegen die Revisionseinlegungsfrist oder die Frist nach\n§ 346 Abs. 2 StPO Wiedereinsetzung begehrt werden soll, noch\nzu welchem Zeitpunkt das Hindernis weggefallen ist.\n\nEs sind auch – hinsichtlich beider versäumter Fristen – keine Umstände, wie etwa mangelnde Sprachkenntnisse des Beschuldigten, ersichtlich, die zur Gewährung einer Wiedereinsetzung von\nAmts wegen Anlass geben würden. Das Urteil vom 30. Oktober\n2018 wurde in Anwesenheit des Beschuldigten, seines Verteidigers und einer Dolmetscherin für die polnische Sprache verkündet\nund eine Rechtsmittelbelehrung erteilt (Protokoll der Hauptver-\n\nhandlung vom 30. Oktober 2018, SA Bl. 87, 92). Der Beschluss\ndes Landgerichts Kempten vom 24. Januar 2019, dem eine\nRechtsmittelbelehrung beigefügt war (SA Bl. 146, 148a ff.) wurde\ndem Beschuldigten am 6. Februar 2019 von seiner Bezugsbetreuerin übergeben und mit Hilfe einer Dolmetscherin erläutert\n(Schreiben des Bezirkskrankenhauses K. vom 5. April\n2019, SA Bl. 150).\n\nIm Übrigen wäre der Antrag auf Entscheidung des Revisionsgerichts auch unbegründet, weil die Strafkammer die verspätet eingelegte Revision des Beschuldigten rechtlich zutreffend gemäß\n§ 346 Abs. 1 StPO verworfen hat.“\n\nRaum Bellay Fischer\n\nBär Hohoff","source":null,"source_url":null,"url":"https://recht.nulegal.eu/rechtsprechung/bgh/2019-06-04/1-str-102-19","cited_norms":[{"jurabk":"StPO","ref":"§ 346","ref_norm":"346","n":4},{"jurabk":"StPO","ref":"§ 37","ref_norm":"37","n":1},{"jurabk":"ZPO","ref":"§ 178","ref_norm":"178","n":1},{"jurabk":"ZPO","ref":"§ 180","ref_norm":"180","n":1},{"jurabk":"ZPO","ref":"§ 189","ref_norm":"189","n":1}],"authoritative_source":null,"attribution":null,"source_info":{"name":"nu:legal Deutsches Recht","operator":"Nulegal GmbH","terms":"https://recht.nulegal.eu/nutzungsbedingungen","attribution":"Source: nu:legal – recht.nulegal.eu","license_url":"https://recht.nulegal.eu/license","url":"https://recht.nulegal.eu/rechtsprechung/bgh/2019-06-04/1-str-102-19","retrieved":"2026-10-24 07:52:18.741368+00:00"},"card":{"id":"bgh/2019-06-04/1-str-102-19","court":"BGH","court_id":"bgh","court_as_stated":"BGH","panel":"1. 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