{"status":"available","doknr":"CEBGH-BGH_Zivilsenat-06_NA_2018-08-21_VI_ZA_20_18_NA_NA_0","ecli":"ECLI:DE:BGH:2018:210818BVIZA20.18.0","court":"BGH","senate":"6. Zivilsenat","decided":"2018-08-21","aktenzeichen":"VI ZA 20/18","doktyp":"Beschluss","leitsatz":null,"text_plain":"BUNDESGERICHTSHOF\nBESCHLUSS\nVI ZA 20/18\n\nvom\n\n21. August 2018\n\nin dem Rechtsstreit\n\nECLI:DE:BGH:2018:210818BVIZA20.18.0\n\nDer VI. Zivilsenat des Bundesgerichtshofs hat am 21. August 2018 durch den\nVorsitzenden Richter Galke, die Richterinnen von Pentz und Dr. Oehler und die\nRichter Dr. Klein und Dr. Allgayer\n\nbeschlossen:\n\nDer Antrag des Beklagten zu 1 auf Bewilligung von Prozesskostenhilfe für die beabsichtigte Rechtsbeschwerde gegen den Beschluss der 5. Zivilkammer des Landgerichts Cottbus vom 28. Februar 2018 wird zurückgewiesen.\n\nGründe:\n\n1 1. Der Antrag auf Gewährung von Prozesskostenhilfe hat keinen Erfolg.\nDie Rechtsbeschwerde gegen den die Berufung des Beklagten zu 1 als unzulässig verwerfenden Beschluss des Landgerichts wäre zwar an sich statthaft\n(§ 522 Abs. 1 Satz 4 ZPO in Verbindung mit § 574 Abs. 1 Satz 1 Nr. 1 ZPO).\nSie wäre jedoch nicht zulässig, weil die Frist zur Einlegung der Rechtsbeschwerde von einem Monat (§ 575 Abs. 1 ZPO) nicht eingehalten ist und Wiedereinsetzung gegen die Versäumung der Rechtsbeschwerdefrist nicht gewährt\nwerden kann, da innerhalb der Frist kein ordnungsgemäßer Prozesskostenhilfeantrag gestellt worden ist.\n\n2 a) Gegen den ihm am 1. März 2018 zugestellten Beschluss des Landgerichts vom 28. Februar 2018, mit dem dieses seine Berufung gegen das Urteil\ndes Amtsgericht vom 6. September 2016 als unzulässig verworfen hat, hat der\nBeklagte zu 1 am Donnerstag, dem 29. März 2018 beim Bundesgerichtshof\npersönlich Rechtsmittel eingelegt und Prozesskostenhilfe beantragt. Er hat dafür auf seinen \"formgerechten Antrag beim Amtsgericht\" Bezug genommen. Am\n7. Juli 2018 ist eine formgerechte Erklärung über die persönlichen und wirtschaftlichen Verhältnisse nachgereicht und erklärt worden, dass sich an der\nfinanziellen Bedürftigkeit nichts geändert habe.\n\n3 b) Die Rechtsbeschwerdefrist ist versäumt worden, da die Rechtsbeschwerde nicht gemäß § 78 Abs. 1 Satz 3 ZPO innerhalb der Beschwerdefrist\nvon einem Monat durch einen beim Bundesgerichtshof zugelassenen Rechtsanwalt eingelegt worden ist. Der Beklagte zu 1 hat innerhalb der Frist zur Einlegung der Rechtsbeschwerde zwar seinen Antrag auf Gewährung von Prozesskostenhilfe gestellt. Er vermag mit diesem Antrag aber nicht die verfahrensrechtlichen Voraussetzungen der Rechtsbeschwerde (§ 575 Abs. 1, § 78 Abs. 1\nSatz 3 ZPO) herbeizuführen. Eine Bewilligung der Prozesskostenhilfe mit der\nBeiordnung eines beim Bundesgerichtshof zugelassenen Rechtsanwalts scheitert daran, dass der Beklagte zu 1 nicht innerhalb der Frist zur Einlegung der\nRechtsbeschwerde die förmlichen Voraussetzungen zur Bewilligung der Prozesskostenhilfe geschaffen hat (vgl. BGH, Beschlüsse vom 7. Oktober 2004\n- V ZA 8/04, FamRZ 2004, 1961; vom 21. September 1988 - IVb ZB 101/88,\nBGHR ZPO § 233 Prozeßkostenhilfe 4 mwN; vom 26. September 2002 - I ZB\n20/02, FamRZ 2003, 89).\n\n4 Einem Antrag auf Bewilligung von Prozesskostenhilfe zur Einlegung eines Rechtsmittels kann grundsätzlich nur stattgegeben werden, wenn neben\ndem Antrag innerhalb der Rechtsmittelfrist auch die notwendigen Angaben über\n\ndie persönlichen und wirtschaftlichen Verhältnisse in der erforderlichen Form\ngemacht werden (BGH, Beschluss vom 21. September 1988 - IVb ZB 101/88,\nBGHR, ZPO, § 233 - Prozesskostenhilfe 4, mwN). Angaben erfolgten hier aber\nerst nach Ablauf der Rechtsmittelfrist.\n\n5 Ein nach §§ 234, 236 ZPO zulässiger Wiedereinsetzungsantrag wäre\nnicht begründet. Einer Prozesspartei, die innerhalb der Rechtsmittelfrist anstelle\nder Rechtsmitteleinlegung oder neben einer wegen Anwaltszwanges unzulässigen persönlichen Rechtsmitteleinlegung einen Antrag auf Prozesskostenhilfe\nstellt, gereicht die Versäumung der Rechtsmittelfrist nur dann nicht zum Verschulden, wenn sie vernünftigerweise nicht mit der Verweigerung der Prozesskostenhilfe wegen fehlender Bedürftigkeit rechnen musste. Diese Voraussetzung ist nur dann erfüllt, wenn die Partei sowohl sich für bedürftig halten als\nauch davon ausgehen durfte, die wirtschaftlichen Voraussetzungen für die Gewährung von Prozesskostenhilfe ordnungsgemäß dargetan zu haben (BGH,\nBeschluss vom 27. November 1996 - XII ZB 84/96, NJW 1997, 1078). Zu letzterem gehört die Benutzung des Vordrucks, dessen Verwendung in § 117 Abs. 4\nZPO zwingend vorgeschrieben ist. Da Prozesskostenhilfe nach § 119 Abs. 1\nSatz 1 ZPO für jeden Rechtszug besonders beantragt und bewilligt werden\nmuss, gilt auch das Erfordernis der Verwendung des in § 117 Abs. 4 ZPO vorgeschriebenen Vordrucks grundsätzlich für jeden Rechtszug, in dem Prozesskostenhilfe beantragt wird. Als Ausnahme von diesen strengen gesetzlichen\nAnforderungen hat die Rechtsprechung es zugelassen, dass die Einreichung\neines ordnungsgemäß ausgefüllten Vordrucks dann durch die Bezugnahme auf\neinen in der Vorinstanz vorgelegten Vordruck ersetzt werden darf, wenn der\nAntragsteller zugleich unmissverständlich mitteilt, dass seine persönlichen und\nwirtschaftlichen Verhältnisse seitdem unverändert geblieben sind (BGH, Beschlüsse vom 27. November 1996, aaO; vom 12. Juni 2001 - XI ZR 161/01,\nBGHZ 148, 66, 69; vom 7. Oktober 2004 - V ZA 8/04, FamRZ 2004, 1961; vom\n\n21. November 2013 - VII ZA 9/13, juris Rn. 1; vom 6. Juli 2006 - IX ZA 10/06,\nFamRZ 2006, 1522, 1523 mwN.). Dieser Mitteilung kommt wesentliche Bedeutung zu, weil Prozesskostenhilfe nur dann gewährt werden darf, wenn die Voraussetzungen der §§ 114, 115 ZPO im Zeitpunkt der Entscheidung vorliegen\n(BGH, Beschluss vom 12. Juni 2001 - XI ZR 161/01, BGHZ 148, 66, 69). Eine\nsolche Erklärung hat der Beklagte zu 1 erst nach Ablauf der Rechtsmittelfrist\nabgegeben.\n\n6 2. Die Entscheidung ergeht gerichtsgebührenfrei.\n\nGalke von Pentz Oehler\n\nKlein Allgayer\n\nVorinstanzen:\nAG Cottbus, Entscheidung vom 06.09.2016 - 43 C 19/16 -\nLG Cottbus, Entscheidung vom 28.02.2018 - 5 S 76/16 -","source":"ce-bgh","source_url":"https://doi.org/10.5281/zenodo.15153244","url":"https://recht.nulegal.eu/rechtsprechung/bgh/2018-08-21/vi-za-20-18","cited_norms":[{"jurabk":"ZPO","ref":"§ 78","ref_norm":"78","n":2},{"jurabk":"ZPO","ref":"§ 117","ref_norm":"117","n":2},{"jurabk":"ZPO","ref":"§ 114","ref_norm":"114","n":1},{"jurabk":"ZPO","ref":"§ 119","ref_norm":"119","n":1},{"jurabk":"ZPO","ref":"§ 234","ref_norm":"234","n":1},{"jurabk":"ZPO","ref":"§ 236","ref_norm":"236","n":1},{"jurabk":"ZPO","ref":"§ 522","ref_norm":"522","n":1},{"jurabk":"ZPO","ref":"§ 574","ref_norm":"574","n":1},{"jurabk":"ZPO","ref":"§ 575","ref_norm":"575","n":1},{"jurabk":"ZPO","ref":"§ 115","ref_norm":"115","n":1}],"authoritative_source":"https://doi.org/10.5281/zenodo.15153244","attribution":{"source":"Bundesgerichtshof","source_url":"https://doi.org/10.5281/zenodo.15153244","license":"Creative Commons Zero (CC0 1.0)","license_url":"https://creativecommons.org/publicdomain/zero/1.0/","notice":"Amtliche Entscheidung des Bundesgerichtshofs. 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