{"status":"available","ecli":"ECLI:DE:BGH:2017:300317BVZB108.16.0","court":"BGH","senate":"5. Zivilsenat","decided":"2017-03-30","aktenzeichen":"V ZB 108/16","doktyp":"Beschluss","leitsatz":null,"text_plain":"BUNDESGERICHTSHOF\nBESCHLUSS\nV ZB 108/16\nvom\n\n30. März 2017\n\nin der Rücküberstellungshaftsache\n\nECLI:DE:BGH:2017:300317BVZB108.16.0\n\nDer V. Zivilsenat des Bundesgerichtshofs hat am 30. März 2017 durch die\nVorsitzende Richterin Dr. Stresemann, die Richterin Prof. Dr. Schmidt-Räntsch,\nden Richter Dr. Kazele, die Richterin Haberkamp und den Richter Dr. Hamdorf\n\nbeschlossen:\n\nDie Rechtsbeschwerde gegen den Beschluss der Zivilkammer III\ndes Landgerichts Detmold vom 27. Juli 2016 wird auf Kosten des\nBetroffenen als unzulässig verworfen.\n\nDer Gegenstandswert des Rechtsbeschwerdeverfahrens beträgt\n2.500 €.\n\nGründe:\n\nI.\n\n1 Der Betroffene, ein guineischer Staatsangehöriger, reiste im Oktober\n2014 unerlaubt in das Bundesgebiet ein. Sein Asylantrag wurde abgelehnt und\ndie „Abschiebung“ nach Italien angeordnet. Nachdem eine Rücküberstellung\ngescheitert war, weil er nicht angetroffen wurde, beantragte die beteiligte Behörde am 1. Juli 2016, Haft zur Sicherung der Abschiebung bis zum\n12. August 2016 und die vorläufige Freiheitsentziehung im Wege der einstweiligen Anordnung anzuordnen. Das Amtsgericht hat durch Beschluss vom selben\nTag „gemäß §§ 415, 427 FamFG, 62 Abs. 2 AufenthG“ Abschiebungshaft bis\nzum 12. August 2016 angeordnet. Die hiergegen gerichtete Beschwerde hat\n\ndas Landgericht zurückgewiesen. Mit der Rechtsbeschwerde, deren Zurückweisung die beteiligte Behörde beantragt, erstrebt der Betroffene, der am\n28. Juli 2016 nach Italien rücküberstellt worden ist, die Feststellung, dass er\ndurch die Haftanordnung in seinen Rechten verletzt worden ist.\n\nII.\n\n2 Das Beschwerdegericht meint, das Amtsgericht habe zu Recht im Wege\nder einstweiligen Anordnung nach § 427 FamFG Haft zur Sicherung der Rücküberstellung des Betroffenen nach Italien angeordnet. Rechtsgrundlage hierfür\nsei Art. 28 Abs. 2 Dublin-III-VO i.V.m. § 2 Nr. 15 AufenthG.\n\nIII.\n\n3 Die Rechtsbeschwerde des Betroffenen ist nicht statthaft.\n\n4 1. Nach § 70 Abs. 4 FamFG findet die Rechtsbeschwerde gegen einen\nBeschluss im Verfahren über den Erlass einer einstweiligen Anordnung nicht\nstatt. Dazu gehören auch Entscheidungen im Verfahren über einstweilige Anordnungen in Freiheitsentziehungssachen (Senat, Beschluss vom 21. November 2013 - V ZB 96/13, FGPrax 2014, 87 Rn. 4 mwN). Das gilt auch für auf § 62\nFamFG gestützte Feststellungsanträge, da der Gesetzgeber mit der Regelung\nin § 70 Abs. 4 FamFG klar zum Ausdruck gebracht hat, dass einstweilige Anordnungen keiner rechtlichen Überprüfung im Rechtsbeschwerdeverfahren unterworfen sein sollen (Senat, Beschluss vom 16. September 2015 - V ZB 40/15,\nInfAuslR 2016, 55 Rn. 4; Beschluss vom 20. Januar 2011 - V ZB 116/10,\nFGPrax 2011, 143 Rn. 7).\n\n5 2. Der Betroffene macht ohne Erfolg geltend, das Amtsgericht habe, anders als das Beschwerdegericht meine, die Haft nicht im Wege der einstweiligen Anordnung, sondern im regulären Verfahren angeordnet.\n\n6 a) Richtig ist allerdings, dass der Gegenstand eines Rechtsmittelverfahrens durch die Verfahrensart - Hauptsacheverfahren nach § 422 FamFG oder\neinstweiliges Anordnungsverfahren nach § 427 FamFG - festgelegt wird, in der\ndas Amtsgericht die Haft angeordnet hat. Das Beschwerdegericht ist nicht befugt, eine tatsächlich im Hauptsacheverfahren ergangene Entscheidung des\nAmtsgerichts nachträglich als eine einstweilige Anordnung oder einen im Wege\nder einstweiligen Anordnung getroffenen Beschluss nachträglich als Hauptsachentscheidung anzusehen (Senat, Beschluss vom 16. September 2015\n- V ZB 40/15, InfAuslR 2016, 55 Rn. 9).\n\n7 b) Das hat das Beschwerdegericht jedoch nicht getan. Es ist vertretbar\ndavon ausgegangen, dass Gegenstand des Beschwerdeverfahrens eine vom\nAmtsgericht im Wege der einstweiligen Anordnung erlassene Haftanordnung\nwar. Es hat in den Gründen des Beschlusses einleitend ausgeführt, das Amtsgericht habe zu Recht die Haft im Wege der einstweiligen Anordnung nach\n§ 427 FamFG angeordnet. Ferner heißt es, die beteiligte Behörde habe den\nErlass einer einstweiligen Anordnung beantragt und das Amtsgericht in Übereinstimmung damit eine solche erlassen. Das ergebe sich daraus, dass der\nHaftrichter im Tenor die Vorschrift des § 427 FamFG zitiert und entsprechend\ndem Wortlaut dieser Vorschrift dringende Gründe dafür angenommen habe,\ndass gegen den Betroffenen die Abschiebungshaft anzuordnen sei. Die angeordnete Haftdauer entspreche der nach § 427 Abs. 1 Satz 2 FamFG zulässigen\nHöchstdauer.\n\n8 Die Auslegung des Beschwerdegerichts ist aus Rechtsgründen nicht zu\nbeanstanden. Für sie ist ohne Bedeutung, ob sich das Amtsgericht mit den Voraussetzungen für den Erlass einer einstweiligen Anordnung näher befasst oder\nob es eine Entscheidung getroffen hat, die in dem gewählten Verfahren nicht\noder nicht mit dem getroffenen Ausspruch hätte ergehen dürfen (vgl. Senat,\nBeschluss vom 21. November 2013 - V ZB 96/13, FGPrax 2014, 87 Rn. 6).\n\nIII.\n\n9 Die Kostenentscheidung beruht auf § 84 FamFG. Die Festsetzung des\nGegenstandswertes folgt aus § 36 Abs. 3, § 62 Satz 1 u. 2 GNotKG. Im Verfahren der einstweiligen Anordnung ist von der Hälfte des für die Hauptsache bestimmten Werts auszugehen (vgl. Senat, Beschluss vom 20. Januar 2011\n- V ZB 116/10, juris Rn. 9).\n\nStresemann Schmidt-Räntsch Kazele\n\nHaberkamp Hamdorf\n\nVorinstanzen:\nAG Detmold, Entscheidung vom 01.07.2016 - 23 XIV (B) 165/16 -\nLG Detmold, Entscheidung vom 27.07.2016 - 10 T 146/16 -","source":null,"source_url":null,"url":"https://recht.nulegal.eu/rechtsprechung/bgh/2017-03-30/v-zb-108-16","cited_norms":[{"jurabk":"FamFG","ref":"§ 427","ref_norm":"427","n":6},{"jurabk":"FamFG","ref":"§ 70","ref_norm":"70","n":2},{"jurabk":"FamFG","ref":"§ 84","ref_norm":"84","n":1},{"jurabk":"FamFG","ref":"§ 415","ref_norm":"415","n":1},{"jurabk":"FamFG","ref":"§ 62","ref_norm":"62","n":1},{"jurabk":"AufenthG 2004","ref":"§ 2","ref_norm":"2","n":1},{"jurabk":"FamFG","ref":"§ 422","ref_norm":"422","n":1}],"authoritative_source":null,"attribution":null,"source_info":{"name":"nu:legal Deutsches Recht","operator":"Nulegal GmbH","terms":"https://recht.nulegal.eu/nutzungsbedingungen","attribution":"Source: nu:legal – recht.nulegal.eu","license_url":"https://recht.nulegal.eu/license","url":"https://recht.nulegal.eu/rechtsprechung/bgh/2017-03-30/v-zb-108-16","retrieved":"2026-10-24 07:59:19.520444+00:00"},"card":{"id":"bgh/2017-03-30/v-zb-108-16","court":"BGH","court_id":"bgh","court_as_stated":"BGH","panel":"5. 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